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Osteoporose: Risiken kennen, Befund verstehen, Knochen stärken

Osteoporose, im Volksmund Knochenschwund, bedeutet eine krankhaft erhöhte Knochenbrüchigkeit: Knochenmasse und Knochenqualität sind vermindert, sodass Knochen schon bei geringer Belastung brechen können. Meist bleibt das lange unbemerkt. Dieser Ratgeber erklärt nach gesund.bund.de und dem Frauengesundheitsportal des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit, wer gefährdet ist, was eine Knochendichtemessung aussagt und was nicht, warum Bewegung auch bei niedriger Knochendichte wichtig ist, welche Rolle Kalzium und Vitamin D spielen und wann Medikamente infrage kommen.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist Osteoporose?

Mit dem Alter nimmt die Knochendichte bei allen Menschen ab. Bei manchen verringert sie sich aber stärker; wird ein bestimmter Wert unterschritten, liegt Osteoporose vor. Im Inneren des Knochens bilden sich viele feine Knochenbälkchen zurück, die Hohlräume werden größer. Zudem ist der natürliche Auf- und Abbau gestört: Es wird mehr Knochen abgebaut als erneuert.

Die Knochendichte nimmt bei Mädchen etwa bis zum 15., bei Jungen bis zum 20. Lebensjahr zu. Ab dem 30. Lebensjahr sinkt die Knochenmasse allmählich. Bei Frauen beschleunigt sich der Abbau etwa ab dem 50. Lebensjahr, weil in den Wechseljahren der Schutz durch die Östrogene verloren geht.

Fachleute unterscheiden eine primäre Osteoporose ohne erkennbaren anderen Grund und eine sekundäre Osteoporose als Folge einer anderen Erkrankung oder der dauerhaften Einnahme bestimmter Medikamente.

Welche Symptome hat man bei Osteoporose?

Vor einem Knochenbruch zeigen sich keine eindeutigen Beschwerden, und eine verminderte Knochendichte kann man nicht spüren. Mögliche Anzeichen nach den beiden Quellen sind:

  • man wird etwas kleiner, weil die Wirbelsäule leicht einsackt
  • im fortgeschrittenen Stadium eine gebückte Haltung oder ein „Buckel“ im oberen Rücken
  • anhaltende Schmerzen, vor allem Rückenschmerzen
  • Knochenbrüche bei geringer Belastung, etwa schon bei einem Sturz aus dem Stand

Ursache für das Einsacken sind Brüche an den Wirbelkörpern, die viele Menschen gar nicht bemerken. Typisch sind außerdem Brüche an Handgelenk, Oberarm, Becken und Hüfte. Besonders Oberschenkelhalsbrüche, vor allem ab etwa 80 Jahren, können ernste Folgen bis zur Pflegebedürftigkeit haben.

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Nicht beeinflussbar sind höheres Alter, weibliches Geschlecht und familiäre Veranlagung – etwa eine Hüftfraktur bei Mutter oder Vater. Ein besonderes Risiko haben Frauen, denen die Eierstöcke entfernt wurden. Weitere Risikofaktoren sind:

  • ein früherer Knochenbruch
  • Bewegungsmangel
  • Kalzium- und Vitamin-D-Mangel
  • geringes Körpergewicht, nach dem Frauengesundheitsportal auch extremes Übergewicht
  • Rauchen und starker Alkoholkonsum
  • Kortison über längere Zeit, chronische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis sowie Stoffwechsel- und Hormonerkrankungen

Auch Männer können Osteoporose bekommen. In einer großen Untersuchung gaben nach gesund.bund.de rund 10 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen im Alter von 70 Jahren an, eine Osteoporose-Diagnose zu haben.

Was sagt eine Knochendichtemessung aus?

Bei der Knochendichtemessung (Osteodensitometrie), meist als DXA-Messung, zeigt eine Röntgenaufnahme, wie viel Mineralsalz der Knochen enthält. Das Ergebnis wird als T-Wert angegeben; 0 entspricht der Knochendichte junger, gesunder Erwachsener zwischen 20 und 30 Jahren. Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation gilt:

  • T-Wert bis −1: normal
  • T-Wert zwischen −1 und −2,5: vermindert, sogenannte Osteopenie
  • T-Wert gleich oder kleiner als −2,5: Osteoporose

Osteopenie ist also nicht dasselbe wie Osteoporose. Wichtig: Das Bruchrisiko lässt sich allein mit der Knochendichte nicht zuverlässig vorhersagen. Auch die Form und Belastbarkeit des Knochengerüsts und der allgemeine Gesundheitszustand spielen eine Rolle. Für eine vollständige Diagnose braucht es ärztliches Gespräch und Untersuchung; bei Verdacht auf Wirbelbruch kann ein Röntgenbild Aufschluss geben.

Wie bespreche ich meinen Befund mit der Ärztin oder dem Arzt?

Statt nur auf eine Zahl zu schauen, hilft es, die Bausteine getrennt zu notieren, die beide Quellen für die Einschätzung nennen:

  • der gemessene T-Wert und an welcher Stelle gemessen wurde
  • ob es bereits Knochenbrüche gab, vor allem bei geringer Belastung
  • weitere Risikofaktoren: Alter, Osteoporose oder Hüftbruch in der Familie, Gewicht, Rauchen, Alkohol, Erkrankungen
  • alle Medikamente, die Sie nehmen, insbesondere Kortison – eine Medikamentenliste empfiehlt gesund.bund.de auch, um Mittel zu erkennen, die das Sturzrisiko erhöhen
  • Stürze oder Gleichgewichtsprobleme in letzter Zeit

Eine Messung zur Früherkennung bieten manche Praxen als Selbstzahlerleistung an. Für Frauen unter 65 Jahren ohne Risikofaktoren gibt es nach gesund.bund.de keinen Anlass dafür. Medizinisch begründet ist sie etwa nach einem Bruch mit Verdacht auf Osteoporose, bei erhöhtem Risiko oder wenn eine medikamentöse Behandlung erwogen wird. Ob und wann eine Abklärung sinnvoll ist, besprechen Sie am besten ärztlich.

Was darf man bei Osteoporose nicht mehr tun?

Eine verringerte Knochendichte ist nach gesund.bund.de kein Grund, sich körperlich zu schonen. Weniger Bewegung aus Angst vor einem Bruch könnte sogar schaden. Bewegung stärkt Knochen und Muskeln, verbessert Koordination und Trittsicherheit und senkt so das Sturzrisiko – Stürze sind die Hauptursache für Knochenbrüche im Alter.

Höchstleistungen sind nicht nötig: Nach dem Frauengesundheitsportal wirkt sich schon mindestens dreimal pro Woche eine halbe Stunde zügiges Spazierengehen positiv auf die Knochenstruktur aus; Gymnastik, Walking und Krafttraining fördern Muskelkraft und Koordination. Bewegung im Freien ist günstig, weil die Haut mithilfe von Sonnenlicht Vitamin D bildet; Sonnenbrand ist zu vermeiden.

Sinnvoll ist, Stolperfallen wie rutschende Teppiche oder lose Kabel zu beseitigen. Ein spezielles Funktionstraining bieten Selbsthilfegruppen an. Nach ärztlicher Abklärung begleitet unsere Physiotherapie in Bilbao Erwachsene mit einem individuell angepassten Kraft- und Gleichgewichtstraining (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Was sollte man bei Osteoporose essen – und was nicht?

Wichtig ist eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Kalzium und Vitamin D. Kalziumreich sind Milch und Milchprodukte, darunter Hart- und Schnittkäse, grünes Gemüse wie Brokkoli, Grünkohl oder Fenchel, Sesam, Nüsse und kalziumreiche Mineralwässer. Vitamin D bildet der Körper vor allem mithilfe von Sonnenlicht; nur wenige Lebensmittel wie fettreicher Fisch enthalten nennenswerte Mengen.

Ein generelles Verbot bestimmter Lebensmittel nennen die Quellen nicht. Das Frauengesundheitsportal weist aber darauf hin, dass eine hohe Eiweißzufuhr die Kalziumausscheidung fördern kann; eiweißreiche Lebensmittel sollten sich an den empfohlenen Mengen orientieren. Starker Alkoholkonsum ist ein Risikofaktor, und Präparate mit Pflanzenöstrogenen sieht das Portal kritisch.

Nahrungsergänzungsmittel mit Kalzium und Vitamin D bringen nach gesund.bund.de den meisten Menschen keinen Nutzen und können das Risiko für Nierensteine erhöhen; bei pflegebedürftigen und wenig mobilen Menschen können sie sinnvoll sein. Ob Sie ein Präparat brauchen, klären Sie ärztlich. Ergänzend berät unsere Ernährungsberatung zu einer kalziumreichen Alltagsernährung (auf Spanisch).

Wann kommen Medikamente infrage?

Spezielle Medikamente sollen den Knochenabbau bremsen oder den Aufbau fördern. Meist handelt es sich nach gesund.bund.de um Bisphosphonate; sie kommen infrage, wenn es bereits Brüche gab oder ein hohes Bruchrisiko besteht, etwa bei sehr niedriger Knochendichte oder mehreren Risikofaktoren. Eine medikamentöse Behandlung wird gewöhnlich über mehrere Jahre fortgeführt; über Beginn, Dauer und mögliche Pausen entscheiden Sie gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt – nicht auf eigene Faust.

Bei nur gering erhöhtem Risiko oder Osteopenie sollten Vor- und Nachteile gründlich abgewogen werden. Hormonpräparate können das Bruchrisiko senken, erhöhen bei langer Einnahme aber andere Risiken, etwa für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Brustkrebs oder Thrombosen; sie werden nach gesund.bund.de nur noch ausnahmsweise eingesetzt.

Bei Wirbelbrüchen wird manchmal Knochenzement eingespritzt. Aussagekräftige Studien zeigen jedoch, dass die meisten Menschen davon nicht profitieren; bei sehr starken Schmerzen kann es manchen etwas helfen, birgt aber ernsthafte Komplikationsrisiken. Wer dazu rät, muss auf das Recht auf eine kostenlose Zweitmeinung hinweisen.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Krankheit oder Risikofaktor: gesund.bund.de schreibt, ohne bisherige Knochenbrüche sei Osteoporose keine Erkrankung, sondern ein Risikofaktor für Brüche. Das Frauengesundheitsportal beschreibt Osteoporose dagegen als chronische, letztlich nicht heilbare Erkrankung, die sich bei früher Entdeckung gut behandeln lasse. Die Quellen setzen hier unterschiedliche Schwerpunkte.

Häufigkeit: gesund.bund.de nennt Selbstangaben aus einer Befragung (10 Prozent der Männer, 20 Prozent der Frauen mit 70 Jahren). Das Frauengesundheitsportal nennt Krankheitszahlen nach Altersgruppen, etwa 14,5 Prozent der Frauen zwischen 75 und 79 Jahren und gut ein Viertel zwischen 85 und 89. Die Bezugsgruppen sind verschieden.

Vitamin D: Das Frauengesundheitsportal nennt eine Zufuhrempfehlung und hält ein Präparat bei unzureichender Eigenbildung für möglich, nach ärztlicher Rücksprache. gesund.bund.de betont, dass Präparate für die meisten keinen Nutzen bringen. Einig sind beide: ausreichend Kalzium über die Ernährung und Bewegung im Freien.

Zusammenfassung

Osteoporose ist ein krankhafter Knochenschwund mit erhöhtem Bruchrisiko, der lange keine Beschwerden macht. Risiken sind vor allem Alter, weibliches Geschlecht, Familie, frühere Brüche, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkohol und Kortison. Die Knochendichtemessung liefert einen T-Wert, sagt das Bruchrisiko aber nur zusammen mit anderen Faktoren voraus.

Bewegung, Sturzvorbeugung und eine kalziumreiche Ernährung sind die Grundlage – Schonung aus Angst ist keine Lösung. Präparate und Medikamente werden individuell nach dem Bruchrisiko entschieden. Starke Schmerzen nach einem Sturz gehören sofort ärztlich abgeklärt.

Häufige Fragen zur Osteoporose

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Welche Symptome hat man bei Osteoporose?

Lange keine. Hinweise sind, dass man kleiner wird, ein Rundrücken, anhaltende Rückenschmerzen oder Knochenbrüche schon bei geringer Belastung. Viele Wirbelbrüche bleiben zunächst unbemerkt.

Was darf man bei Osteoporose nicht mehr tun?

Sich aus Angst vor Brüchen zu schonen, ist nicht sinnvoll: Bewegung stärkt Knochen und Muskeln und schützt vor Stürzen. Wichtig ist, Stolperfallen zu beseitigen und das Training an die eigene Situation anzupassen.

Wie kann man Knochendichte wieder aufbauen?

Regelmäßige Bewegung und gezieltes Training stärken Knochen und Muskeln, unterstützt durch ausreichend Kalzium und Vitamin D. Bei hohem Bruchrisiko gibt es Medikamente, die den Abbau bremsen oder den Aufbau fördern.

Was sollte man bei Osteoporose nicht essen?

Ein Verbot nennen die Quellen nicht. Eiweißreiche Lebensmittel sollten sich an den empfohlenen Mengen orientieren, weil viel Eiweiß die Kalziumausscheidung fördern kann. Starker Alkoholkonsum ist ein Risikofaktor.

Können auch Männer Osteoporose bekommen?

Ja. Frauen sind häufiger und früher betroffen, doch in einer großen Befragung gaben rund 10 Prozent der 70-jährigen Männer an, eine Osteoporose-Diagnose zu haben.

Ist Osteopenie dasselbe wie Osteoporose?

Nein. Osteopenie bezeichnet nach WHO einen T-Wert zwischen −1 und −2,5, also eine verminderte Knochendichte. Von Osteoporose spricht man ab −2,5. Bei Osteopenie sollten Medikamente besonders gründlich abgewogen werden.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit, mit IQWiG): Osteoporose – Vorbeugung und Behandlung, Stand 16.12.2022
  2. Frauengesundheitsportal (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit): Osteoporose bei Frauen – Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung, Juli 2026

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.