Was bedeutet Sturzprophylaxe?
Sturzprophylaxe umfasst alle Maßnahmen, die das Risiko für Stürze und ihre Folgen senken. Nach gesund.bund.de ist es wichtig, vermeidbare Sturzursachen im Alltag zu erkennen und nach Möglichkeit zu beseitigen, beweglich zu bleiben und Erkrankungen zu behandeln, die Stürze begünstigen. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt vor allem vom persönlichen Gesundheitszustand ab.
Viele ältere Menschen sorgen sich, zu stürzen und dadurch ihre Unabhängigkeit zu verlieren. Diese Sorge ist verständlich, sollte aber nicht dazu führen, sich weniger zu bewegen. Wer aus Angst vor einem Sturz aufhört, aktiv zu sein, hat nach gesund.bund.de ein größeres Sturzrisiko als jemand, der täglich aktiv ist.
Wie häufig sind Stürze, und welche Folgen haben sie?
Schätzungen zufolge stürzen nach gesund.bund.de etwa 30 von 100 Menschen über 65 Jahren, die zu Hause leben, einmal im Jahr; in Pflegeeinrichtungen sind es 50 von 100. Die meisten Stürze verlaufen glimpflich, meist kommt es nur zu Prellungen oder Abschürfungen.
Bei etwa 5 bis 10 von 100 Stürzen zu Hause entstehen Verletzungen wie Knochenbrüche, Platzwunden oder Kopfverletzungen, am häufigsten am Unterarm. Brüche an Hüfte oder Oberschenkel können ernste Komplikationen und längere Klinikaufenthalte nach sich ziehen. Vor allem bei Menschen über 80 kann ein solcher Bruch nach gesundheitsinformation.de den Beginn einer Pflegebedürftigkeit bedeuten. Die meisten Knochenbrüche bei Osteoporose sind Folge eines Sturzes.
Welche Risikofaktoren gibt es?
Nach gesund.bund.de und gesundheitsinformation.de erhöhen vor allem diese Faktoren das Sturzrisiko:
- Sehbeeinträchtigungen, zum Beispiel durch Grauen Star
- Muskelschwäche der Beine und nachlassende Koordination
- Schwindel, etwa durch zu niedrigen Blutdruck, und Erkrankungen, die den Gleichgewichtssinn stören
- Medikamente, allein oder in Kombination, etwa bestimmte Beruhigungs- und Schlafmittel oder blutdrucksenkende Mittel
- Alkohol
- ein früherer Sturz
- wenig Bewegung
Wer häufig unter Drehschwindel beim Hinlegen oder Aufstehen leidet, findet weitere Informationen im Ratgeber zum Lagerungsschwindel.
Ein sicheres Zuhause: Stolperfallen beseitigen
Hindernisse in der Wohnung und der unmittelbaren Umgebung sind nach gesund.bund.de eine häufige Sturzursache. Besonders gefährlich sind:
- hochstehende Teppichkanten und lose Teppiche
- lose Kabel und im Weg stehende Gegenstände
- Türschwellen, glatte Böden und rutschige Badematten
- schlechte Beleuchtung
- schlecht sitzende Schuhe oder nachts auf Socken über glatten Boden laufen
Die Wohnung lässt sich gemeinsam mit Angehörigen oder Freunden überprüfen. Auch Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten können dabei unterstützen. Viele Maßnahmen sind einfach umzusetzen und wirken sofort.
Medikamente, Sehen und Erkrankungen prüfen lassen
Bestimmte Medikamente können das Sturzrisiko erhöhen. Schlafmittel etwa machen nach gesundheitsinformation.de oft auch tagsüber müde. Im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt lässt sich klären, ob alle Medikamente nötig sind, ob eine Dosisanpassung sinnvoll ist und ob es Wechselwirkungen gibt. Hilfreich ist eine vollständige Medikamentenliste oder ein Medikationsplan.
Setzen Sie Medikamente nicht selbst ab, auch wenn Sie Schwindel vermuten. Ob ein Mittel abgesetzt, ersetzt oder anders dosiert werden kann, entscheidet die behandelnde Praxis.
Auch Erkrankungen, die einen unsicheren Gang verursachen oder das Sehen beeinträchtigen, sollten behandelt werden. Eine neue Brille oder die Behandlung eines Grauen Stars kann Stürzen vorbeugen.
Welche Übungen zur Sturzprophylaxe?
Wer in Bewegung bleibt, schützt sich nach gesund.bund.de aktiv vor Stürzen. Bewegung kräftigt nach gesundheitsinformation.de die Muskulatur und schult Gleichgewichtssinn und Koordination; zudem stärkt Belastung die Knochen. Wer Bewegung vermeidet, baut Muskeln und Knochen schneller ab.
Welche Bewegungs- und Trainingsarten passen, hängt nach gesundheitsinformation.de von Alter, Knochendichte, Begleiterkrankungen, allgemeinem Gesundheitszustand und früheren Brüchen ab. Bewegungsprogramme kombinieren meist Kraft-, Gleichgewichts- und Gehübungen. Menschen mit hohem Sturzrisiko sollten Gleichgewichtsübungen nur mit sicherer Abstützung und am besten unter fachlicher Anleitung beginnen.
In unserer Praxis für Physiotherapie in Bilbao beurteilen wir mit Erwachsenen Kraft, Gleichgewicht und Gang und stellen ein angepasstes Übungsprogramm zusammen (die Beratung findet auf Spanisch statt). Ein Training senkt das Risiko, kann aber nicht jeden Sturz verhindern.
Hilfsmittel und Alltag
Nach den Quellen können Hilfsmittel vor Stürzen schützen:
- rutschfeste Matten, vor allem im Bad
- Handläufe an Treppen und Haltegriffe
- Gehhilfen, wenn sie ärztlich oder therapeutisch empfohlen und richtig eingestellt sind
- gut sitzende, bequeme Schuhe
- eine aktuelle Brille
Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D und Kalzium haben nach gesundheitsinformation.de für die meisten Menschen keinen Nutzen. Sinnvoll sind sie vor allem für pflegebedürftige Menschen und Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen, die kaum Zeit im Freien verbringen. Bei allen Maßnahmen gilt: Sich im Alltag nicht zu sehr ängstigen, denn die meisten Stürze verlaufen glimpflich.
Nach einem Beinahe-Sturz handeln
Ein Stolpern ohne Sturz ist ein wertvoller Hinweis. Wer schon einmal gestürzt ist, hat nach gesund.bund.de ein erhöhtes Risiko, erneut zu fallen. Ein kurzes Protokoll hilft, Ursachen zu erkennen und mit Hausarztpraxis oder Physiotherapie Maßnahmen zu vereinbaren:
- Was passierte: Datum, Uhrzeit, Ort
- Umstände: Licht, Boden, Schuhe, Schwindel, neues Medikament, Eile
- Vereinbarte Maßnahme: zum Beispiel Kabel befestigen, Licht einbauen, Medikamente besprechen
- Wer kümmert sich: ich selbst, Angehörige, Praxis
- Überprüfung: Datum, an dem geschaut wird, ob es geholfen hat
Wo sich die Quellen unterscheiden
Medikamente: gesund.bund.de nennt als mögliche Maßnahme das Absetzen von Medikamenten, die Schwindel verursachen. gesundheitsinformation.de formuliert vorsichtiger: Im ärztlichen Gespräch klären, ob alle Mittel nötig sind und ob eine Dosisanpassung sinnvoll ist. Beide meinen eine ärztliche Entscheidung, kein Absetzen auf eigene Faust.
Schwerpunkt: gesund.bund.de betont, dass die meisten Stürze glimpflich verlaufen, und warnt vor zu viel Angst. gesundheitsinformation.de stellt im Zusammenhang mit Osteoporose die Knochenbrüche in den Vordergrund und ergänzt Ernährung, Vitamin D und Rauchverzicht.
Nahrungsergänzung: Nur gesundheitsinformation.de äußert sich dazu und sieht einen Nutzen von Vitamin D und Kalzium vor allem bei Menschen in Pflegeheimen, nicht für die Allgemeinheit.
Zusammenfassung
- Etwa drei von zehn Menschen über 65 stürzen einmal im Jahr; die meisten Stürze verlaufen glimpflich.
- Risikofaktoren sind schlechtes Sehen, schwache Muskeln, Schwindel, Medikamente, Alkohol und frühere Stürze.
- Aktiv bleiben schützt; Bewegungsvermeidung aus Angst erhöht das Risiko.
- Stolperfallen beseitigen und Hilfsmittel nutzen sind einfache, wirksame Schritte.
- Medikamente ärztlich prüfen lassen, nicht selbst absetzen.
- Ein Beinahe-Sturz ist ein Anlass, Ursachen zu suchen und Maßnahmen zu vereinbaren.
Häufige Fragen zur Sturzprophylaxe
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Welche 5 Maßnahmen gibt es zur Sturzprophylaxe?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Zentral sind: aktiv bleiben und gezielt trainieren, Stolperfallen beseitigen, Medikamente ärztlich prüfen lassen, Seh- und andere Gesundheitsprobleme behandeln und Hilfsmittel wie Handläufe oder rutschfeste Matten nutzen.
Welche Übungen zur Sturzprophylaxe?
Übungen für Muskelkraft, Gleichgewicht, Koordination und Gehen. Welche passen, hängt von Gesundheitszustand, Knochendichte und früheren Brüchen ab. Bei hohem Risiko am besten mit Abstützung und fachlicher Anleitung beginnen.
Welche 6 Maßnahmen gibt es zur Sturzprophylaxe?
Neben Bewegung, sicherer Wohnung, Medikamentenprüfung, Behandlung von Erkrankungen und Hilfsmitteln gehören gutes Schuhwerk und eine ausreichende Beleuchtung dazu. Die Auswahl richtet sich nach der persönlichen Situation.
Was macht man bei Sturzprophylaxe?
Man ermittelt die persönlichen Sturzrisiken und beseitigt sie so weit wie möglich: in der Wohnung, bei Medikamenten und Erkrankungen, und durch Training von Kraft und Gleichgewicht.
Darf ich Medikamente bei Schwindel selbst absetzen?
Nein. Sprechen Sie Schwindel in der Praxis an. Dort wird geklärt, ob ein Medikament die Ursache ist und ob es abgesetzt, ersetzt oder anders dosiert werden kann.
Wie kann ich nach einem Beinahe-Sturz handeln?
Notieren Sie, wann, wo und unter welchen Umständen es passierte, und besprechen Sie es mit Hausarztpraxis oder Physiotherapie. Vereinbaren Sie eine konkrete Maßnahme und einen Termin, an dem geprüft wird, ob sie geholfen hat.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Stürze bei älteren Menschen (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG, Stand Mai 2022)
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Die Knochen stärken und Brüchen vorbeugen
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
