Was sind Nervenschmerzen?
Wenn Schmerzen durch eine Nervenschädigung verursacht werden, spricht man nach der Deutschen Hirnstiftung von Nervenschmerzen oder neuropathischen Schmerzen. Sie entstehen immer dann, wenn Nervenfasern geschädigt sind, die für die Verarbeitung von Schmerzinformationen zuständig sind. Der Ort der Schädigung kann irgendwo auf der Schmerzbahn liegen, die von der Haut über die Nerven und das Rückenmark bis zum Gehirn zieht.
Nervenschmerzen sind kein einheitliches Krankheitsbild, sondern ein Symptom vieler verschiedener Erkrankungen. Europaweit geht man nach der Hirnstiftung davon aus, dass etwa 7–8 % der Bevölkerung von Nervenschmerzen betroffen sind. In Deutschland leiden insgesamt rund 5 Millionen Menschen unter chronischen Schmerzen aller Art.
Wie fühlen sich Nervenschmerzen an?
Nervenschmerzen treten nach der Hirnstiftung häufig spontan auf und sind typischerweise ziehend, brennend oder blitzartig. Oft sind sie mit Taubheitsgefühl oder Missempfindungen verbunden, etwa Kribbeln, Ameisenlaufen oder einschießenden Schmerzen. Das Portal Anästhesisten im Netz beschreibt, dass Nervenschmerzen von neurologischen Ausfällen begleitet sein können: von Gefühlsstörungen bis zu Schwäche oder Lähmungen der Muskeln, die vom betroffenen Nerv versorgt werden.
Bei der diabetischen Polyneuropathie schildert das Portal Neurologen und Psychiater im Netz weitere typische Empfindungen:
- Kribbeln oder Ameisenlaufen auf der Haut (Parästhesien)
- unangenehme Fehlempfindungen beim Berühren warmer oder kalter Gegenstände (Dysästhesien)
- Pelzigkeit und Taubheit, das Gefühl, „wie auf Watte“ zu gehen
- das Gefühl eines geschwollenen Beins, obwohl es nicht verdickt ist, oder Druck an den Füßen trotz passender Schuhe
- spontane Schmerzen, die als brennend, bohrend, einschießend, stechend oder krampfartig beschrieben werden
Nicht jedes Kribbeln ist dabei ein Schmerz: Viele Menschen mit Polyneuropathie haben nach Neurologen und Psychiater im Netz nur Gefühlsstörungen, andere zusätzlich Kraftstörungen, viele haben Schmerzen.
Welche Krankheiten lösen Nervenschmerzen aus?
Häufigste Ursache neuropathischer Schmerzen in der westlichen Welt sind nach der Hirnstiftung Polyneuropathien, also Schädigungen vieler Nerven. Anästhesisten im Netz nennt als häufige Ursachen, bei denen die Nerven selbst oder die sie versorgenden Blutgefäße erkrankt sind:
- Diabetes mellitus
- Alkoholmissbrauch
- Autoimmunerkrankungen wie die Multiple Sklerose
- Infektionen, etwa die Gürtelrose
- Verletzungen von Nerven
- Nervenschäden durch Medikamente einer Chemotherapie
Daneben können Nervenschmerzen nach Anästhesisten im Netz Folge von Erkrankungen des Bewegungsapparats sein. An den Stellen, an denen Nervenstränge zwischen den Wirbelkörpern austreten, können Fehlstellungen der Wirbelkörper, Bandscheiben, Verspannungen oder altersbedingte Abnutzungen auf Nerven drücken; der Schmerz strahlt dann in das versorgte Körperareal aus. Die Hirnstiftung ergänzt Verengungen des Wirbelsäulenkanals oder von Nervenkanälen und knöcherne Anbauten. Bei chronischen Rückenschmerzen gibt es oft eine Mischung aus Schmerzen durch Verschleiß, Muskelverspannungen und Nervenschmerzen.
Mehr zu ausstrahlenden Schmerzen ins Bein lesen Sie im Ratgeber Ischias, zu Nervenengpässen an der Hand im Ratgeber Karpaltunnelsyndrom.
Gürtelrose und Diabetes: zwei häufige Beispiele
Gürtelrose: Die Viren der Windpocken bleiben nach Anästhesisten im Netz nach dem Abklingen in den Nerven und können später reaktiviert werden. Der betroffene Nerv entzündet sich, es kommt zu Schmerzen und Missempfindungen, dann rötet sich die Haut und es bilden sich Bläschen. Führt die Entzündung zu einer erheblichen Nervenschädigung, heilt sie nicht innerhalb von 2 bis 4 Wochen ab. Etwa jede bzw. jeder fünfte Betroffene leidet danach Monate bis Jahre unter Nervenschmerzen, der sogenannten Post-Zoster-Neuralgie.
Diabetische Polyneuropathie: Sie entwickelt sich nach Neurologen und Psychiater im Netz meist sehr langsam, die Beschwerden sind anfangs oft mild. Typisch ist der Beginn an Zehen und Füßen, später auch an Fingern, Händen und Unterschenkeln. Weil sich viele Betroffene an die allmähliche Veränderung gewöhnen, wird sie selten im Anfangsstadium erkannt; bei manchen ist sie sogar das erste Zeichen eines bis dahin unbekannten Diabetes. Es gibt aber auch eine fokale Form, bei der plötzlich starke Beschwerden auftreten.
Ist die Schmerzempfindung gestört, können schmerzlose Wunden entstehen, die schlecht heilen und Eintrittsstellen für Infektionen sind. Betroffen sein können auch die vegetativen Nerven, etwa mit Benommenheit beim Aufstehen, Verdauungs- oder Blasenproblemen.
Wie werden Nervenschmerzen festgestellt?
Die Diagnose wird nach der Hirnstiftung durch eine sorgfältige Anamnese, also das ausführliche Gespräch über die Beschwerden, und eine gründliche körperliche Untersuchung gestellt. Auch spezielle Schmerzfragebögen können zum Einsatz kommen. Weitere apparative Untersuchungen sind abhängig von der vermuteten auslösenden Erkrankung notwendig; nicht jeder Mensch mit Nervenschmerzen braucht also automatisch dieselben Tests.
Bei Rücken- und Nervenschmerzen wird nach der Hirnstiftung über Röntgen oder MRT erst entschieden, wenn die Untersuchung Hinweise auf eine spezifische Ursache oder eine ernste Erkrankung ergibt, sogenannte Red Flags wie erhöhte Entzündungswerte im Blut, Fieber oder neu aufgetretene neurologische Ausfälle. Aus den besonderen Symptomen der Nervenschmerzen kann nach der Hirnstiftung auf die zugrunde liegende Ursache geschlossen werden.
Bei Menschen mit Diabetes gehört nach Neurologen und Psychiater im Netz das systematische Abfragen typischer Symptome und das Suchen nach Anzeichen einer Polyneuropathie zur regelmäßigen Betreuung.
Wie werden Nervenschmerzen behandelt?
Nerven- und Rückenschmerzen werden nach der Hirnstiftung medikamentös und nicht medikamentös behandelt. Die Therapie wird von schmerztherapeutisch erfahrenen Ärztinnen und Ärzten, gegebenenfalls auch multidisziplinär, an den einzelnen Menschen angepasst und folgt den Leitlinien der Fachgesellschaften. Für Medikamente gilt das Prinzip „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“; bei Bedarf kann die Therapie im Verlauf angepasst werden.
An erster Stelle steht die Ursache. Bei der diabetischen Polyneuropathie ist nach Anästhesisten im Netz die wichtigste Maßnahme die Normalisierung des Blutzuckers. Gegen die Schmerzen selbst nennt das Portal Gruppen wie Antidepressiva, Antiepileptika und Schmerzmittel, bei Bedarf auch Opioide; bei Nervenschmerzen nach Verletzungen auch örtliche Betäubungsmittel. Diese Mittel werden ärztlich ausgewählt und dosiert. Antiepileptika sollen dabei nach Anästhesisten im Netz die Erregbarkeit der Nerven mindern.
Nicht medikamentös nennt Anästhesisten im Netz je nach Ursache Physiotherapie, Psychotherapie, Entspannungsverfahren, Patientenschulungen und die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS). Diese Aufzählung stammt aus einem Patientenatlas von 2012; ob ein Verfahren heute für Sie empfohlen ist, klärt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Was kann man von der Behandlung erwarten?
Bei chronischen Nervenschmerzen ist nach der Hirnstiftung das oberste Therapieziel eine ausreichende Schmerzreduktion. Schmerzfreiheit lässt sich oft nicht erreichen, und ist eine Chronifizierung eingetreten, ist eine vollständige Heilung unwahrscheinlich. Strategien zur Schmerzbewältigung können aber dazu führen, dass der Schmerz „weniger Raum“ im Leben einnimmt.
Ziel ist, dass Betroffene ihren Alltag möglichst uneingeschränkt gestalten und arbeitsfähig bleiben können. Die Hirnstiftung betont dafür realistische Therapieziele und die aktive Mitarbeit der Patientinnen und Patienten. Als Risikofaktoren für eine Chronifizierung nennt sie vor allem vorausgegangene Schmerzen, aber auch Angst und Depression sowie berufliche, familiäre und soziale Belastungen. Gewichtsabnahme und Depression sind nach Neurologen und Psychiater im Netz keine direkte Folge der diabetischen Polyneuropathie, aber wegen der andauernden Schmerzen häufige Begleiter. Mehr dazu im Ratgeber Depression: Symptome.
Ein einfaches Schmerzprotokoll für den Arzttermin
Weil Anamnese und Fragebögen die Grundlage der Diagnose sind und realistische Ziele vereinbart werden sollen, kann ein kurzes Protokoll über ein bis zwei Wochen helfen. Es ist eine Gesprächshilfe, kein Ersatz für die Untersuchung:
- Wie fühlt sich der Schmerz an (brennend, ziehend, einschießend) und wo genau?
- Gibt es Taubheit, Kribbeln, Schwäche oder Gangunsicherheit, besonders im Dunkeln?
- Wie stark ist der Schmerz morgens und abends, und wie haben Sie geschlafen?
- Welche eine Alltagsaktivität ist Ihnen wichtig (z. B. Spaziergang, Arbeit am Schreibtisch), und wie gut gelang sie?
- Welche Medikamente nehmen Sie, seit wann, und was hat sich danach verändert?
- Bestehen Vorerkrankungen wie Diabetes, eine frühere Gürtelrose oder eine Chemotherapie?
So lässt sich im Gespräch nicht nur über eine Zahl auf der Schmerzskala sprechen, sondern auch darüber, ob Schlaf und die gewählte Aktivität besser werden.
Hält Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine Untersuchung der Nervenfunktion für sinnvoll, können Sie diese in Bilbao in unserer Abteilung für Neurophysiologie durchführen lassen (die Beratung findet auf Spanisch statt). Dort geht es um die Messung der Nervenfunktion, nicht um die Schmerztherapie. Neue Lähmungen, Blasen- oder Darmprobleme oder plötzliche Ausfälle gehören dagegen sofort in die ärztliche Notfallversorgung.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Wie stark die Schmerzen sind: Anästhesisten im Netz beschreibt Nervenschmerzen als „sehr starke Schmerzen“. Neurologen und Psychiater im Netz betont dagegen, dass die Beschwerden bei der diabetischen Polyneuropathie anfangs oft sehr mild sind und manche Betroffene nur Gefühlsstörungen ohne Schmerzen haben.
Einteilung: Anästhesisten im Netz unterscheidet Nervenschmerzen durch Erkrankungen des Bewegungsapparats von eigenständigen neuropathischen Schmerzen. Die Hirnstiftung beschreibt dagegen bei chronischen Rückenschmerzen häufig eine Mischung aus Verschleiß, Muskelverspannung und Nervenschmerz; eine scharfe Trennung ist also nicht immer möglich.
Dauer: Nach Anästhesisten im Netz hält der Schmerz bei nur vorübergehend eingeklemmten oder gereizten Nerven blitzartig wenige Sekunden an (Neuralgie), ein entzündeter Nerv kann dagegen Dauerschmerzen verursachen. Die Post-Zoster-Neuralgie kann Monate bis Jahre dauern.
Aktualität: Die Angaben von Anästhesisten im Netz zur Behandlung beruhen auf einem Patientenatlas von 2012. Die Hirnstiftung verweist allgemein auf die Leitlinien der Fachgesellschaften, ohne einzelne Verfahren zu nennen.
Zusammenfassung
- Nervenschmerzen entstehen, wenn schmerzverarbeitende Nervenfasern geschädigt sind, irgendwo zwischen Haut und Gehirn.
- Typisch sind spontane, brennende, ziehende oder blitzartige Schmerzen, oft mit Taubheit oder Kribbeln.
- Häufigste Ursache sind Polyneuropathien, etwa bei Diabetes oder Alkoholmissbrauch; dazu kommen Gürtelrose, Verletzungen, Chemotherapie und Nervenengpässe an der Wirbelsäule.
- Die Diagnose beruht auf Gespräch und Untersuchung; weitere Tests richten sich nach der vermuteten Ursache.
- Behandelt werden Ursache und Schmerz; die Medikamente wählt die Ärztin oder der Arzt aus.
- Bei chronischen Nervenschmerzen ist eine ausreichende Linderung das Ziel; ein Protokoll zu Schmerz, Schlaf und Alltag hilft beim Gespräch.
- Neue Lähmungen, Blasen- oder Darmprobleme oder plötzliche Ausfälle brauchen sofort ärztliche Hilfe.
Häufige Fragen zu Nervenschmerzen
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Welche Symptome hat man bei Nervenschmerzen?
Typisch sind spontane, ziehende, brennende oder blitzartige Schmerzen, oft zusammen mit Taubheit, Kribbeln oder Ameisenlaufen. Manchmal kommen Schwäche oder Lähmungen der versorgten Muskeln hinzu.
Welche Krankheiten lösen Nervenschmerzen aus?
Am häufigsten Polyneuropathien, etwa bei Diabetes oder Alkoholmissbrauch. Weitere Ursachen sind Gürtelrose, Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, Nervenverletzungen, Chemotherapie und Nerveneinengungen an der Wirbelsäule.
Wie bekomme ich meine Nervenschmerzen weg?
Entscheidend ist die Ursache, etwa ein gut eingestellter Blutzucker bei Diabetes. Gegen den Schmerz gibt es medikamentöse und nicht medikamentöse Verfahren. Bei chronischen Nervenschmerzen ist Schmerzfreiheit oft nicht erreichbar, eine deutliche Linderung aber das Ziel.
Was verschreibt der Neurologe bei Nervenschmerzen?
Die Quellen nennen Wirkstoffgruppen wie bestimmte Antidepressiva, Antiepileptika und Schmerzmittel, bei Bedarf auch Opioide. Welches Mittel in welcher Dosis passt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt; eine Selbstbehandlung ist nicht ratsam.
Braucht jeder Mensch eine Nervenmessung?
Nein. Grundlage der Diagnose sind Gespräch und körperliche Untersuchung. Weitere Untersuchungen werden je nach vermuteter Ursache veranlasst.
Welche Veränderungen brauchen rasche Hilfe?
Neue Lähmungen oder Schwäche, neu aufgetretene Gefühlsstörungen, Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang, Fieber oder plötzlich einsetzende starke Beschwerden. Lassen Sie sich dann umgehend untersuchen.
Quellen
- Deutsche Hirnstiftung: Nerven- und Rückenschmerzen
- Neurologen und Psychiater im Netz: Polyneuropathie – Erkrankungsbild
- Anästhesisten im Netz (BDA/DGAI): Was sind Nervenschmerzen?
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
