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Pickel im Ohr: Ursachen, was hilft und wann zum HNO

Ein kleiner, aber erstaunlich schmerzhafter „Pickel“ im Ohr ist häufig ein Furunkel im Gehörgang: eine eitrige Entzündung eines Haarbalgs. Er kann so wehtun, dass schon Kauen oder eine Berührung am Ohr schmerzt. Dieser Ratgeber erklärt nach DEXIMED, der AOK und dem Berufsverband der HNO-Ärzte (HNO-Ärzte im Netz), wie ein solcher Furunkel entsteht, woran man ihn erkennt, wie er behandelt wird, wie man vorbeugt und warum Bläschen am und im Ohr etwas anderes sind und früh zum HNO-Arzt gehören.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist ein Pickel im Ohr?

Was viele als Pickel im Ohr bezeichnen, ist im Gehörgang meist ein Furunkel. Nach DEXIMED ist ein Gehörgangsfurunkel eine bakterielle Infektion eines Haarbalgs im äußeren Gehörgang, also im Bereich zwischen Ohrmuschel und Trommelfell. Dabei entsteht ein kleiner Abszess: Hautgewebe stirbt ab, und es bildet sich ein mit Eiter gefüllter Hohlraum. Betroffen sind Haarbalg mit Haarwurzel und Talgdrüse sowie das umliegende Gewebe.

Gehörgangsfurunkel entstehen im äußeren, knorpeligen Drittel des Gehörgangs. Nach der AOK befinden sich in der Haut dieses knorpeligen Teils Talgdrüsen, Ohrenschmalzdrüsen und Haarfollikel. In der Fachsprache heißt der Furunkel Otitis externa circumscripta; er ist eine begrenzte Form der Gehörgangsentzündung, bei der nur ein Teil des Gehörgangs betroffen ist. Die ausgebreitete Form beschreibt unser Ratgeber zur Gehörgangsentzündung.

Gehörgangsfurunkel gelten nach DEXIMED als relativ selten und treten meist nur auf einer Seite auf.

Warum bekommt man einen Pickel im Ohr?

Erreger ist in den meisten Fällen das Bakterium Staphylococcus aureus. Nach den HNO-Ärzten im Netz können sich die natürlicherweise im Gehörgang vorkommenden Bakterien vermehren, wenn die zarte Haut durch Manipulation verletzt wird. Dann entzünden sich meist durch Staphylokokken Haarbälge und Talgdrüsen, bis hin zur Bildung eines Eiterfurunkels.

  • Kleine Verletzungen: etwa durch Wattestäbchen, Kratzen, Fingernägel, Haarklammern oder andere spitze Gegenstände; nach der AOK auch durch In-Ear-Kopfhörer oder Hörgeräte.
  • Geschwächtes Immunsystem.
  • Diabetes mellitus: Wiederkehrende Furunkel im Gehörgang können nach der AOK mit Diabetes zusammenhängen.
  • Allergien: Furunkel kommen nach DEXIMED gehäuft bei bestehenden Allergien vor, etwa auf Kosmetika, Haarwaschmittel oder Nickel.

Zu Mitessern im Ohr äußern sich die ausgewerteten Quellen nicht. Ein stark schmerzender, geröteter und berührungsempfindlicher Knoten im Gehörgang entspricht dem, was die Quellen als Furunkel beschreiben.

Woran erkennt man einen Furunkel im Ohr?

Gehörgangsfurunkel sind meist mit starken Schmerzen verbunden. Im Zuge der Infektion schwillt der entzündete Bereich an, und weil der Gehörgang eng und die Haut straff gespannt ist, können selbst kleine Furunkel große Schmerzen verursachen. Verstärkt wird der Schmerz nach DEXIMED durch:

  • Druck auf den Tragus, die knorpelige Erhebung vor dem Gehörgang auf der Wangenseite,
  • Ziehen an der Ohrmuschel,
  • Kieferbewegungen, also zum Beispiel Kauen.

Nach den HNO-Ärzten ist das Ohr an der entzündeten Stelle gerötet und äußerst berührungsempfindlich. Die Schwellung kann den Gehörgang blockieren und das Hörvermögen verringern. Platzt der Furunkel auf, entleert sich der Eiter, und die Schmerzen lassen sofort nach.

Sind Pickel im Ohr gefährlich?

Ein früh und fachgerecht behandelter Furunkel heilt nach DEXIMED in der Regel ohne bleibende Schäden aus. In schweren Fällen kann sich die Infektion aber im ganzen Körper ausbreiten; Hinweise darauf sind Fieber, Schüttelfrost und ein schlechtes Allgemeinbefinden.

Ohne Behandlung sind nach DEXIMED außerdem Komplikationen möglich:

  • eine Entzündung der Knorpelhaut an der Ohrmuschel (Perichondritis),
  • eine Schädigung des Gehörgangs und teilweise auch des Trommelfells durch einen Abszess, bei dem Gewebe abstirbt und sich verflüssigt.

Bläschen am und im Ohr: wenn es kein Pickel ist

Nicht jede schmerzhafte Stelle am Ohr ist ein Furunkel. Ein Ausschlag mit vielen kleinen Bläschen an der Ohrmuschel und im Ohr kann nach dem Berufsverband der HNO-Ärzte auf eine Herpes-zoster-Infektion hinweisen, also eine Gürtelrose im Ohrbereich (Zoster oticus). Die Bläschen breiten sich meist von der Ohrmuschel bis in den Gehörgang aus, und die Haut ist anders berührungsempfindlich als sonst.

Ein Zoster oticus ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann zu einer Lähmung der Gesichtsmuskulatur, zu Hörstörungen oder zu Störungen des Gleichgewichtssinns führen. Eine frühzeitige Behandlung mit Tabletten gegen die Viren über mehrere Tage senkt das Risiko für Komplikationen und kann chronischen Schmerzen vorbeugen. Betroffen sind vor allem Menschen ab 40 Jahren, die früher Windpocken hatten; ein geschwächtes Immunsystem begünstigt die Infektion.

Wichtig: Die Bläschen dürfen auf keinen Fall geöffnet werden, sonst können Viren austreten, und die Infektion kann sich ausweiten. Mehr zu einseitiger Gesichtslähmung lesen Sie im Ratgeber zur Fazialisparese.

Soll man einen Pickel im Ohr ausdrücken?

Die Quellen beschreiben das Öffnen eines Gehörgangsfurunkels als ärztliche Behandlung: Er wird unter Betäubung mit einem Skalpell oder einer großen Kanüle aufgestochen. Für zu Hause raten sie dazu, Verletzungen im Gehörgang, etwa durch Kratzen, zu vermeiden, denn genau solche Verletzungen begünstigen Furunkel. Für die Bläschen einer Gürtelrose am Ohr warnen die HNO-Ärzte ausdrücklich, sie auf keinen Fall zu öffnen.

Hausmittel für den Gehörgang nennen die Quellen nicht. Gegen die Schmerzen werden bei einer Gehörgangsentzündung nach der AOK Schmerzmittel eingesetzt.

Wann zum HNO und wie wird behandelt?

Starke Ohrenschmerzen, Rötung, Schwellung oder eine Hörminderung sollten nach der AOK immer ärztlich untersucht und behandelt werden. Weil der Furunkel nur im äußeren Drittel des Gehörgangs entsteht, reicht nach DEXIMED meist eine Ohrspiegelung mit einem Otoskop; die Diagnose kann auch in einer Hausarztpraxis gestellt werden.

  • Aufstechen: Der Furunkel wird nach oberflächlicher Betäubung, etwa mit Kältespray, oder bei starker Berührungsempfindlichkeit unter örtlicher Betäubung geöffnet, damit der Eiter abfließen kann.
  • Reinigung: Entscheidend für eine rasche Heilung ist nach den HNO-Ärzten die mikroskopische Reinigung des Gehörgangs.
  • Örtliche Behandlung: desinfizierende Lösungen, Feuchtverbände, zum Beispiel mit Kochsalzlösung, und Salben, auch mit Antibiotikum.
  • Antibiotika als Tabletten: bei Fieber oder Schüttelfrost und nach der AOK auch bei einem Furunkel im Zusammenhang mit Diabetes oder einer Immunschwäche.

Kommen Furunkel immer wieder, sollte nach den HNO-Ärzten gemeinsam mit einer Internistin oder einem Internisten eine Erkrankung wie Diabetes mellitus abgeklärt werden. In unserer HNO-Sprechstunde in Bilbao untersuchen wir schmerzhafte Schwellungen im Gehörgang und Bläschen am Ohr (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Wie kann man einem Pickel im Ohr vorbeugen?

  • Verletzungen im Gehörgang vermeiden, zum Beispiel durch Kratzen.
  • Keine Wattestäbchen zur Reinigung des Gehörgangs benutzen; nur die Ohrmuschel, also den sichtbaren Teil, regelmäßig reinigen.
  • Die Ohren nach dem Baden und Duschen gut abtrocknen.
  • Tiefer sitzendes Ohrenschmalz nach den HNO-Ärzten nur in der HNO-Praxis entfernen lassen; falsch benutzte Wattestäbchen können auch das Trommelfell verletzen.
  • Kosmetikartikel meiden, die schon einmal Probleme gemacht haben.
  • Wer schon einmal eine Gehörgangsentzündung hatte, verzichtet nach der AOK besser auf In-Ear-Kopfhörer und nutzt Lärmschutzstöpsel selten.

Mehr zur richtigen Pflege lesen Sie im Ratgeber zu Ohrenschmalz.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Bei der Behandlung setzen die Quellen unterschiedliche Schwerpunkte. DEXIMED stellt das Aufstechen unter Betäubung in den Mittelpunkt und ergänzt Feuchtverbände und Desinfektion; Antibiotika nennt DEXIMED nur bei Allgemeinsymptomen wie Fieber. Die HNO-Ärzte im Netz beginnen mit desinfizierenden Lösungen, antibiotischer Salbe und der mikroskopischen Reinigung des Gehörgangs und öffnen den Furunkel nur bei Bedarf. Die AOK nennt Salben als zusätzliche Behandlung und Antibiotika als Tabletten bei Furunkel, Diabetes oder Immunschwäche.

Auch beim Ohrenschmalz klingen die Empfehlungen verschieden: Die HNO-Ärzte raten, die Ohren je nach Schmalzproduktion ein- bis zweimal im Jahr in der HNO-Praxis säubern zu lassen, die AOK empfiehlt das bei Problemen mit Ohrenschmalz. Einig sind sich alle Quellen, dass Wattestäbchen und spitze Gegenstände nicht in den Gehörgang gehören.

Zusammenfassung

  • Ein schmerzhafter „Pickel“ im Gehörgang ist meist ein Furunkel, eine bakterielle Entzündung eines Haarbalgs.
  • Typisch sind starke Schmerzen, die bei Druck auf den Tragus, Ziehen am Ohr und Kauen zunehmen.
  • Begünstigt wird er durch Verletzungen, etwa mit Wattestäbchen, durch Diabetes und ein geschwächtes Immunsystem.
  • Behandelt wird ärztlich, bei Bedarf durch Aufstechen unter Betäubung; früh behandelt heilt er meist folgenlos.
  • Fieber, Schüttelfrost oder schlechtes Allgemeinbefinden sind ein Warnzeichen.
  • Viele kleine Bläschen an Ohrmuschel und Gehörgang können eine Gürtelrose sein: früh zum HNO-Arzt, nicht öffnen.

Häufige Fragen zum Pickel im Ohr

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was tun, wenn man einen Pickel im Ohr hat?

Nicht daran kratzen oder manipulieren und bei starken Schmerzen, Schwellung oder Hörminderung ärztlich untersuchen lassen. Ein Furunkel wird bei Bedarf in der Praxis unter Betäubung geöffnet.

Warum bekommt man einen Pickel im Ohr?

Meist gelangen Bakterien, vor allem Staphylococcus aureus, über kleine Verletzungen in einen Haarbalg, etwa nach dem Benutzen von Wattestäbchen. Diabetes, ein geschwächtes Immunsystem und Allergien begünstigen das.

Sind Pickel im Ohr gefährlich?

Meist nicht, wenn sie früh behandelt werden. Fieber, Schüttelfrost oder ein schlechtes Allgemeinbefinden können aber bedeuten, dass sich die Infektion ausbreitet. Dann sofort ärztlich abklären lassen.

Soll man einen Pickel im Ohr ausdrücken?

Die Quellen beschreiben das Öffnen eines Furunkels als ärztliche Behandlung unter Betäubung und raten, Verletzungen im Gehörgang zu vermeiden. Bläschen am Ohr dürfen auf keinen Fall geöffnet werden.

Gehen Pickel im Ohr von alleine weg?

Platzt ein Furunkel auf, lassen die Schmerzen sofort nach. Ohne Behandlung sind aber Komplikationen an Knorpel, Gehörgang oder Trommelfell möglich; deshalb raten die Quellen zur frühen ärztlichen Behandlung.

Warum tut ein Pickel im Ohr so weh?

Weil der Gehörgang eng und die Haut dort straff gespannt ist. Schon eine kleine Schwellung erzeugt starken Druck und damit große Schmerzen.

Quellen

  1. DEXIMED – Deutsche Experteninformation Medizin · Furunkel im Gehörgang, Patienteninformation
  2. HNO-Ärzte im Netz (Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte) · Schmerzhafte Bläschen am und im Ohr frühzeitig vom HNO-Arzt behandeln lassen
  3. HNO-Ärzte im Netz (Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte) · Wattestäbchen-Missbrauch kann zur Gehörgangsentzündung führen
  4. AOK – Die Gesundheitskasse · Gehörgangsentzündung: Ursachen, Symptome und Behandlung

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.