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Fazialisparese: Ursachen, Abklärung und Therapie

Beim Blick in den Spiegel hängt plötzlich ein Mundwinkel, das Auge schließt nicht mehr richtig, und beim Trinken läuft Wasser aus dem Mund. Eine Gesichtslähmung kommt meist innerhalb weniger Stunden und erschreckt zu Recht: Sie muss sofort ärztlich abgeklärt werden, auch weil ein Schlaganfall dahinterstecken kann. Häufig bleibt die Ursache aber unklar, und viele Betroffene erholen sich gut. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen von gesund.bund.de und der AOK, wie sich zentrale und periphere Fazialisparese unterscheiden, welche Ursachen infrage kommen, wie das Auge geschützt wird und wie Behandlung und Verlauf aussehen.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine Fazialisparese?

Unter einer Fazialisparese versteht man nach gesund.bund.de eine meist einseitige Lähmung der Gesichtsmuskulatur infolge einer Schädigung des Gesichtsnervs (Nervus facialis). Besonders betroffen sind die Muskeln der Mimik, also jene, mit denen man die Stirn runzelt, die Nase rümpft oder die Augenbraue hochzieht.

Der Gesichtsnerv ist weit verzweigt. Er steuert neben den Gesichtsmuskeln auch Tränen- und Speicheldrüsen, spielt eine Rolle beim Schmecken und beeinflusst im Ohr, wie laut man Geräusche wahrnimmt. Entsprechend vielfältig können die Beschwerden sein.

Eine Fazialisparese tritt nach gesund.bund.de jährlich bei bis zu 40 von 100.000 Menschen auf, meist im Alter zwischen 15 und 45 Jahren.

Zentrale und periphere Fazialisparese

Je nachdem, wo der Nerv gestört ist, unterscheidet die AOK zwei Formen:

  • Periphere Fazialisparese: Der Nerv ist auf seinem Weg vom Hirnstamm zum Gesicht geschädigt. Die gesamte Gesichtshälfte ist gelähmt, einschließlich der Stirn.
  • Zentrale Fazialisparese: Die Verschaltung des Nervs im Gehirn ist gestört. Das Gesicht ist vom Auge bis zum Kinn einseitig gelähmt, die Stirn lässt sich aber meist noch runzeln, weil sie von beiden Gehirnhälften versorgt wird. Eine zentrale Fazialisparese entsteht häufig als Folge eines Schlaganfalls.

Diese Unterscheidung ist eine ärztliche Aufgabe. Ob die Stirn noch beweglich ist, sollten Sie nicht als Selbsttest nutzen, um einen Schlaganfall auszuschließen. Jede neue Gesichtslähmung gehört sofort abgeklärt.

Typische Symptome einer Gesichtslähmung

Eine Fazialisparese tritt nach gesund.bund.de plötzlich auf, meist innerhalb weniger Stunden. Manche haben nur milde, andere schwerere Lähmungen. Typisch sind:

  • erschlaffte Gesichtsmuskeln, eine scheinbar herabhängende Gesichtshälfte, abgesunkene Augenbraue
  • ein steifes oder zur Seite gezogenes Gefühl im Gesicht
  • Taubheit oder Kribbeln der Wange
  • gestörter Geschmackssinn
  • Ohrenschmerzen und Geräuschempfindlichkeit
  • trockener Mund und verminderter Tränenfluss oder trockene Augen
  • in schweren Fällen: Augenlid schließt nicht, Mundwinkel lässt sich nicht bewegen

Viele Betroffene haben Schwierigkeiten beim Sprechen, Essen und Trinken und können Gefühle kaum noch mimisch ausdrücken. Das ist psychisch belastend; nach gesund.bund.de entwickeln manche Ängste oder Depressionen.

Warum bekommt man eine Fazialisparese?

Bei bis zu 75 Prozent der Betroffenen bleibt die Ursache nach gesund.bund.de ungeklärt; man spricht dann von einer idiopathischen Fazialisparese. Bei den übrigen kommen als Auslöser infrage:

  • Virusinfektionen, etwa mit dem Varizella-Zoster-Virus, dem Erreger der Gürtelrose
  • bakterielle Infektionen wie eine Mittelohrentzündung oder eine Lyme-Borreliose
  • Knochenbrüche oder Wunden im Gesicht, Verletzung bei Unfällen oder Operationen
  • Tumoren, etwa im Kleinhirn oder in der Ohrspeicheldrüse
  • nach der AOK auch Autoimmun- und Stoffwechselerkrankungen
  • bei zentraler Lähmung häufig ein Schlaganfall

Bei Kindern können nach gesund.bund.de auch Geburtsverletzungen, angeborene Erkrankungen oder Fehlbildungen die Ursache sein. Abklärung und Behandlung von Kindern und in der Schwangerschaft gehören in die jeweils spezialisierte Betreuung.

Wie wird eine Fazialisparese abgeklärt?

Zunächst prüft die Ärztin oder der Arzt nach gesund.bund.de, wie ausgeprägt die Lähmung ist, und bittet dazu um verschiedene Gesichtsbewegungen, etwa die Augen zu öffnen und zu schließen. Eine Untersuchung der Ohren kann eine Mittelohrentzündung als Ursache erkennen, ein Blick in die Mundhöhle Schwellungen zeigen.

Erkrankungen wie eine Lyme-Borreliose lassen sich mit Untersuchungen von Blut oder Nervenwasser nachweisen. Bei unklaren Befunden werden die Untersuchungen ausgeweitet: Mit schwachen Stromreizen lässt sich messen, wie gut Nerven und Muskeln funktionieren; auch Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) können zum Einsatz kommen. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall hat dessen Abklärung Vorrang.

Behandlung nach Ursache

Die Behandlung richtet sich nach der AOK nach der Ursache. Lösen eine Infektion, ein Schlaganfall oder eine andere Erkrankung die Lähmung aus, wird in erster Linie diese Grunderkrankung behandelt, bei Infektionen etwa mit Medikamenten gegen Viren oder Bakterien.

Bei der idiopathischen Fazialisparese gehen die Beschwerden nach gesund.bund.de bei den meisten auch ohne Behandlung zurück. Eine etwa einwöchige Behandlung mit Glukokortikoiden („Kortison“) verbessert die Chancen ein wenig. Ob und wie sie eingesetzt wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt; das gilt nicht automatisch für jede Ursache.

Bleibt die Lähmung nach einem schweren Verlauf bestehen, ist nach beiden Quellen die transkutane Nervenstimulation ein Behandlungsversuch: Leichte Stromreize über Hautelektroden regen Nerven und Muskeln an. Manche können danach einen Teil ihrer Mimik wieder nutzen; eine Garantie gibt es nicht. Manchmal lässt sich Nerven- und Muskelfunktion operativ teilweise wiederherstellen. Eine Selbstbehandlung mit Reizstromgeräten ersetzt diese ärztlich gesteuerte Therapie nicht.

Warum der Augenschutz so wichtig ist

Schließt das Augenlid nicht vollständig, kann die Hornhaut nach gesund.bund.de austrocknen. Künstliche Tränen und Augensalben schützen sie; nachts kann zusätzlich ein Verband sorgen, dass das Auge geschützt bleibt. Nach der AOK müssen Betroffene außerdem lernen, das Auge im Alltag vor Umwelteinflüssen zu schützen.

Rötung, Schmerzen oder eine Verschlechterung des Sehens am betroffenen Auge sollten Sie rasch ärztlich ansprechen.

Wie lange dauert eine Fazialisparese?

Bei vielen gehen die Lähmungen von selbst zurück. Nach gesund.bund.de erholen sich 85 Prozent innerhalb weniger Wochen zumindest teilweise, weitere 10 Prozent nach drei bis sechs Monaten. Nach einem Jahr sind 71 Prozent der Menschen mit idiopathischer Fazialisparese vollständig genesen, bei Kindern 95 Prozent.

Nach schweren Verläufen, etwa nach einer Gürtelrose-Infektion, können Spätfolgen bleiben, zum Beispiel Bewegungsstörungen der Gesichtsmuskulatur oder ein nicht steuerbarer Tränenfluss. Bestehen nach einem halben Jahr noch Zeichen einer Lähmung, rät die AOK zur Untersuchung in einem spezialisierten Zentrum.

Für die Verlaufskontrollen hilft ein kurzes Protokoll:

  • Beginn: Datum, Uhrzeit, wie schnell
  • Begleitbeschwerden: Ohrenschmerz, Bläschen, Hörveränderungen, Geschmack
  • Augenschluss: vollständig, teilweise, nachts geschützt?
  • Essen und Trinken: was fällt schwer? (siehe auch Schluckstörung)
  • Fragen: zum Beispiel zu unwillkürlichen Mitbewegungen oder Tränenfluss beim Essen

Wo sich die Quellen unterscheiden

Begriffe: gesund.bund.de setzt Fazialisparese mit Bell’scher Parese gleich und beschreibt vor allem die periphere, oft idiopathische Form. Die AOK unterscheidet ausdrücklich zentrale und periphere Formen und nennt den Schlaganfall als häufige Ursache der zentralen Lähmung.

Verlauf: gesund.bund.de nennt 71 Prozent vollständige Genesung nach einem Jahr. Die AOK schreibt, dass eine Gesichtslähmung in der Regel innerhalb von sechs Monaten vollständig ausheilt und nur etwa jeder Fünfte anhaltende Beschwerden hat. Prognosen hängen von Ursache und Schwere ab.

Kortison und Übungen: gesund.bund.de beschreibt eine kurze Kortisonbehandlung bei idiopathischer Lähmung als leicht hilfreich; die AOK sagt nur, sie komme bei manchen zum Einsatz. Beide empfehlen Übungen und Gesichtsmassagen mit professioneller Anleitung, ohne Heilversprechen.

Zusammenfassung

  • Eine Fazialisparese ist eine meist einseitige Gesichtslähmung durch Schädigung des Gesichtsnervs.
  • Jede neue Gesichtslähmung muss sofort abgeklärt werden; bei weiteren Ausfällen 112.
  • Bis zu drei Viertel der Fälle bleiben ohne erkennbare Ursache.
  • Behandelt wird nach Ursache; bei idiopathischer Form kann Kortison die Chancen etwas verbessern.
  • Schließt das Lid nicht, braucht das Auge konsequenten Schutz.
  • Viele erholen sich in Wochen bis Monaten; bei anhaltender Lähmung hilft ein spezialisiertes Zentrum.

Nach der ärztlichen Erstabklärung beraten wir Erwachsene in unserer HNO-Praxis in Bilbao zu Ohrbefunden und zum weiteren Vorgehen (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Häufige Fragen zur Fazialisparese

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Warum bekommt man eine Fazialisparese?

Meist bleibt die Ursache unklar. Bekannte Auslöser sind Virus- und bakterielle Infektionen wie Gürtelrose, Mittelohrentzündung oder Borreliose, Verletzungen, Tumoren und, bei zentraler Lähmung, häufig ein Schlaganfall.

Wie lange dauert eine Fazialisparese?

Das ist unterschiedlich. Viele erholen sich innerhalb weniger Wochen zumindest teilweise; nach einem Jahr sind bei der idiopathischen Form etwa sieben von zehn vollständig genesen. Schwere Verläufe können Spätfolgen hinterlassen.

Ist eine Fazialisparese ein Schlaganfall?

Nicht immer, aber eine zentrale Gesichtslähmung ist häufig Folge eines Schlaganfalls. Deshalb muss jede neue Gesichtslähmung sofort ärztlich abgeklärt werden; bei weiteren Ausfällen wählen Sie 112.

Ist eine Fazialisparese gefährlich?

Sie kann es sein, wenn eine ernste Ursache wie ein Schlaganfall, eine Infektion oder ein Tumor dahintersteckt, und weil das Auge austrocknen kann. Die idiopathische Form hat oft einen günstigen Verlauf.

Warum ist der Augenschutz so wichtig?

Schließt das Lid nicht vollständig, kann die Hornhaut austrocknen und geschädigt werden. Künstliche Tränen, Augensalben und nachts ein Verband schützen sie.

Sind Übungen ohne Anleitung sinnvoll?

Die Quellen empfehlen Übungen und Gesichtsmassagen unter professioneller Anleitung durch ausgebildete Therapeutinnen und Therapeuten. Eine Heilungsgarantie geben sie nicht.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Fazialisparese (Gesichtslähmung)
  2. AOK · Fazialisparese: Ursache und Therapie

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.