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Lippenherpes: Verlauf, Ansteckung und Behandlung

Erst kribbelt es, dann schwillt die Lippe an, und schließlich zeigen sich kleine, schmerzhafte Bläschen: Lippenherpes, auch Fieberbläschen genannt, kennen viele Menschen. Er ist lästig, heilt aber meist von selbst. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf gesundheitsinformation.de und des Bundesgesundheitsministeriums auf gesund.bund.de, wie Lippenherpes entsteht und verläuft, wie lange er ansteckend ist, was Cremes und Tabletten tatsächlich bewirken und wann besondere Vorsicht geboten ist.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist Lippenherpes?

Bei Lippenherpes (Herpes labialis) bilden sich schmerzhafte Bläschen, typischerweise nur auf einer Seite der Lippen. Ursache sind ansteckende Herpes-simplex-Viren. Viele Menschen tragen diese Viren in sich, ohne Beschwerden zu haben. Wer aber einmal Lippenherpes hatte, hat nach IQWiG und gesund.bund.de meist immer wieder damit zu tun.

In Deutschland tragen schätzungsweise 60 bis 90 Prozent der Menschen das Herpes-simplex-Virus Typ 1 in sich; mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, sich angesteckt zu haben. Bei etwa 20 bis 40 Prozent der Infizierten führt die Infektion irgendwann zu Lippenherpes.

Lippenherpes ist lästig, aber normalerweise harmlos: Bei ansonsten gesunden Menschen heilt er folgenlos von selbst aus. Wer betroffen ist, muss sich nicht krankschreiben lassen, und Schülerinnen und Schüler müssen dem Unterricht nicht fernbleiben.

Erste Anzeichen und typischer Verlauf

Bei vielen Menschen kribbelt oder juckt die Lippe schon Stunden oder Tage, bevor sichtbare Bläschen entstehen. Danach spannt und rötet sich die Haut, und es bilden sich schmerzhafte Bläschen. Sie können sich auf die umliegende Haut, in die Mundhöhle oder Richtung Nase ausbreiten. Typische Stadien sind:

  • Vorboten: Kribbeln, Jucken, Spannungsgefühl
  • Bläschen: Rötung und Schwellung, dann kleine, schmerzhafte, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen
  • Nässen: Beim Sprechen, Lachen oder Kauen reißen die Bläschen leicht ein; Saft, Essig oder säuerliche Speisen reizen die Wunde
  • Krusten: Beim Abheilen bilden sich Schorf oder Krusten, die ebenfalls einreißen und bluten können

Bis der Lippenherpes verschwunden ist, dauert es etwa 1 bis 2 Wochen. Die kleinen Wunden hinterlassen keine sichtbaren Narben.

Der erste Ausbruch: oft stärker

Tritt Lippenherpes zum ersten Mal auf, oft im Kleinkindalter, verursacht er häufig heftigere Beschwerden. Der Grund: Der Körper hat noch keine Antikörper gegen das Virus gebildet. Es kann zu Fieber, Schwäche und geschwollenen Lymphknoten im Nackenbereich kommen.

Zudem kann sich bei der Erstinfektion die Mundschleimhaut stark und schmerzhaft entzünden. Ärztinnen und Ärzte nennen das auch Mundfäule, weil die Entzündung starken Mundgeruch verursacht.

Bei späteren Ausbrüchen sind die Beschwerden meist auf die Lippe begrenzt und werden im Lauf der Zeit oft schwächer.

Was ist der Auslöser für Lippenherpes?

Lippenherpes wird vor allem durch das Herpes-simplex-Virus Typ 1 verursacht; Typ 2 löst dagegen Genitalherpes aus. Nach der Ansteckung setzen sich die Viren in den Nervenknoten (Ganglien) des Gesichtsnervs fest und bleiben dort lebenslang. Bei einem Ausbruch wandern sie entlang der Nervenfasern zur Lippe. Mögliche Auslöser für einen erneuten Ausbruch sind nach gesund.bund.de:

  • UV-Strahlen, etwa durch Sonnenlicht oder im Solarium
  • Erkältungen oder Fieber
  • kleine Verletzungen und Risse an den Lippen
  • körperliche oder psychische Belastungen
  • entzündungshemmende Kortisonpräparate
  • hormonelle Schwankungen, etwa im Rahmen des weiblichen Zyklus

Warum manche Menschen immer wieder Lippenherpes bekommen und andere nicht, ist nicht vollständig geklärt. Meist tritt er ein- bis zweimal im Jahr auf; bei etwa 5 bis 10 Prozent der Betroffenen sind es mehr als fünf Ausbrüche pro Jahr.

Wie ansteckend ist Lippenherpes?

Die Viren befinden sich in der Flüssigkeit der Bläschen. Sie werden zum Beispiel beim Küssen übertragen, aber auch über Gegenstände oder Finger, die man zum Mund führt. Beim Oralverkehr können sie in den Genitalbereich gelangen und dort Genitalherpes auslösen. Um andere zu schützen, empfehlen IQWiG und gesund.bund.de bis zur vollständigen Abheilung der Bläschen und Krusten:

  • niemanden zu küssen
  • keine Handtücher, kein Geschirr und Besteck zu teilen
  • die Hände zu waschen, wenn man die Lippe berührt hat, etwa nach dem Auftragen von Salbe
  • Sport mit Körperkontakt zu vermeiden
  • auf Oralsex zu verzichten

Eine Kruste bedeutet also noch nicht, dass keine Ansteckungsgefahr mehr besteht. Auch außerhalb eines Ausbruchs ist eine Ansteckung theoretisch möglich; weil das aber nur sehr selten vorkommt, sind dann keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen nötig. Wer Make-up nutzt, sollte bedenken, dass sich die Viren über Finger und Schminkartikel verbreiten können.

Vorsicht bei Säuglingen und besonderen Risiken

Neugeborene bis zur achten Lebenswoche sind wegen ihres noch unreifen Immunsystems besonders gefährdet, wenn sie sich anstecken. Wer Lippenherpes hat, sollte einen Säugling deshalb nicht küssen, seinen Schnuller nicht in den Mund nehmen, sich regelmäßig die Hände waschen und verhindern, dass das Kind die Bläschen berührt.

Auch bei Erwachsenen gibt es Situationen, in denen Lippenherpes mehr ist als ein lästiges Bläschen:

  • Hauterkrankungen: Bei Neurodermitis oder schweren Verbrennungen kann das Virus selten größere Hautbereiche besiedeln.
  • Augen: Selten entzünden sich die Augen, etwa mit Bläschen auf den Lidern. Ist die Hornhaut betroffen, tränt das Auge, ist gerötet, und es kann zu Sehstörungen kommen.
  • Geschwächtes Immunsystem: Etwa während einer Chemotherapie kann ein Lippenherpes länger dauern, ausgeprägter sein und zu schweren Komplikationen wie einer Gehirnentzündung führen.

In diesen Fällen ist ärztlicher Rat wichtig. Augenbeschwerden sollten nicht mit Lippencreme behandelt, sondern ärztlich untersucht werden.

Was hilft bei Lippenherpes?

Da Lippenherpes von selbst ausheilt, ist eine Behandlung normalerweise nicht notwendig. Wer behandeln möchte, hat zwei Möglichkeiten:

  • Virushemmende Salben, Cremes, Gele oder Pflaster sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Sie können einen akuten Ausbruch um ungefähr einen Tag verkürzen und teilweise verhindern, dass sich Bläschen und Krusten bilden. Damit sie wirken, sollte die Behandlung innerhalb von 24 Stunden nach den ersten Symptomen beginnen, am besten so früh wie möglich, und wie in der Packungsbeilage beschrieben angewendet werden.
  • Tabletten mit virushemmenden Wirkstoffen gibt es nur auf Rezept. Sie verkürzen die Krankheitsdauer ebenfalls um etwa einen Tag. Ob sie besser wirken als Cremes, ist unklar; sie sind aber einfacher anzuwenden. Bei geschwächtem Immunsystem ist ihre schützende Wirkung deutlich größer.

Spezielle kleine Herpespflaster schützen die Haut. Beim Entfernen können sich aufgeweichte Krusten lösen und bluten, daher sind Hygiene und behutsames Vorgehen wichtig. Eingefärbte Cremes gegen Herpesviren können die Rötung, zumindest bei heller Haut, etwas kaschieren; Überschminken kann dagegen die Heilung stören.

Lindern, verkürzen, heilen: Was Behandlungen leisten können

Rund um Lippenherpes werden viele Produkte angeboten. Um Erwartungen realistisch einzuordnen, hilft es, drei Ziele zu unterscheiden:

  • Beschwerden lindern und die Haut schützen: Das können Pflaster und Pflege leisten. Sie ändern aber nichts daran, dass die Bläschen ansteckend sind, solange sie nicht abgeheilt sind.
  • Den Ausbruch verkürzen: Virushemmende Cremes und Tabletten verkürzen ihn nach IQWiG und gesund.bund.de um etwa einen Tag, wenn sie rechtzeitig beginnen.
  • Das Virus beseitigen: Das kann keine Behandlung. Die Viren bleiben lebenslang in den Nervenknoten.

Ein abgedecktes oder verkrustetes Bläschen ist deshalb nicht automatisch ungefährlich für andere. Wer sehr häufig Ausbrüche hat, kann ärztlich über eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten sprechen; wie gut sie schützt, ist allerdings kaum untersucht. Hilfreich kann es auch sein, eigene Auslöser zu meiden, etwa Sonnencreme und gute Lippenpflege bei Sonne auszuprobieren.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Die beiden Quellen sind keine unabhängigen Prüfungen: Der Text auf gesund.bund.de entstand in Zusammenarbeit mit dem IQWiG. Entsprechend stimmen sie in den Kernaussagen überein, etwa bei Dauer, Häufigkeit, Ansteckung und der Wirkung von Cremes und Tabletten.

Unterschiede gibt es in der Darstellung. Gesund.bund.de nennt eine ausführlichere Liste möglicher Auslöser, darunter UV-Strahlen im Solarium, kleine Risse an den Lippen und Kortisonpräparate. Das IQWiG nennt zusätzlich intensives Küssen als mögliche Hautreizung und beschreibt die Augenbeteiligung genauer, mit tränenden, geröteten Augen und Sehstörungen bei Befall der Hornhaut.

Beide betonen, dass die Wirkung vorbeugender Medikamente kaum untersucht ist.

Zusammenfassung

Lippenherpes wird meist durch das Herpes-simplex-Virus Typ 1 ausgelöst, das lebenslang im Körper bleibt. Erkältung, Fieber, Sonne, Stress oder hormonelle Schwankungen können neue Ausbrüche auslösen. Nach Kribbeln und Bläschen heilt die Lippe in 1 bis 2 Wochen ohne Narben ab.

Bis Bläschen und Krusten vollständig abgeheilt sind, ist man ansteckend; besonders Neugeborene müssen geschützt werden. Früh angewendete virushemmende Cremes oder Tabletten verkürzen einen Ausbruch um etwa einen Tag, beseitigen das Virus aber nicht. Augenbeschwerden, großflächige Ausbreitung oder ein geschwächtes Immunsystem gehören ärztlich abgeklärt.

Häufige Fragen zu Lippenherpes

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was hilft sofort bei Lippenherpes?

Sofort verschwinden lässt sich Lippenherpes nicht. Virushemmende Cremes, die innerhalb von 24 Stunden nach den ersten Anzeichen beginnen, können den Ausbruch um etwa einen Tag verkürzen und teilweise verhindern, dass sich Bläschen bilden.

Was darf man mit Lippenherpes nicht machen?

Bis zur vollständigen Abheilung niemanden küssen, keine Handtücher oder Besteck teilen, keinen Oralsex haben und keinen Säugling küssen. Nach dem Berühren der Lippe die Hände waschen.

Wie lange dauert es, bis ein Lippenherpes weg ist?

Etwa 1 bis 2 Wochen. Die kleinen Wunden hinterlassen keine sichtbaren Narben.

Kann Lippenherpes dauerhaft geheilt werden?

Nein. Die Viren bleiben nach der Ansteckung lebenslang in den Nervenknoten. Behandlungen können einen Ausbruch nur verkürzen; die Beschwerden werden mit der Zeit aber oft schwächer.

Ist ein abgedecktes Bläschen noch ansteckend?

Ja, ein Pflaster schützt die Haut, beseitigt die Viren aber nicht. Vorsicht gilt bis zur vollständigen Abheilung der Bläschen und Krusten.

Warum sind Augenbeschwerden ein Warnzeichen?

Selten können Herpesviren die Augen befallen. Ist die Hornhaut betroffen, tränt das Auge, ist gerötet, und es kann zu Sehstörungen kommen. Das sollte ärztlich untersucht werden.

Quellen

  1. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Lippenherpes
  2. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Lippenherpes (Herpes labialis)

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.