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Pavor nocturnus: Nachtschreck erkennen und richtig helfen

Mitten in der Nacht schreit das Kind panisch, sitzt schweißgebadet im Bett und lässt sich nicht beruhigen, und am nächsten Morgen weiß es von nichts. So sieht ein typischer Nachtschreck aus. Dieser Ratgeber erklärt nach dem Patientenratgeber Parasomnien der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) und den Informationen von kindergesundheit-info.de des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), was beim Pavor nocturnus passiert, wie er sich vom Albtraum unterscheidet, wie Sie richtig reagieren und wann ärztlicher Rat sinnvoll ist.

Thema
Psychologie
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757
Mutter sitzt nachts ruhig neben ihrem schlafenden Kind im Bett
Illustration, mit KI erstellt.

Was ist Pavor nocturnus?

Pavor nocturnus heißt übersetzt Nachtangst oder Nachtschreck, im Englischen „night terror“ oder „sleep terror“. Er gehört nach der DGSM zu den Parasomnien, also Ereignissen, die aus dem Schlaf heraus auftreten, und dort zu den sogenannten Aufwachstörungen aus dem Tiefschlaf (NREM-Schlaf). Das Gehirn erwacht dabei nicht vollständig: Die Augen sind offen, aber das Gehirn ist nicht voll „eingeschaltet“. Der Pavor nocturnus ist die intensivste Form dieser Aufwachstörungen; Schlafwandeln und Schlaftrunkenheit sind mildere Formen.

Nach kindergesundheit-info.de gehört der Nachtschreck zu den häufigsten Aufwachstörungen im Kindesalter. Er tritt am häufigsten zwischen zwei und sechs Jahren auf, meist in den ersten zwei bis drei Stunden nach dem Einschlafen. Die DGSM nennt rund 20 Prozent aller Kinder, die ihn erleben; ein häufiges Auftreten, mehr als einmal pro Woche, ist sehr selten (unter 1 Prozent).

Woran erkennt man einen Nachtschreck?

Die Episode beginnt meist mit einem lauten, panischen Schrei, gefolgt von heftigem Weinen. Typisch sind:

  • massive Angst, weit aufgerissene Augen
  • Schwitzen, heftiges Atmen, rasender Puls
  • Aufsitzen im Bett, manchmal Aufspringen, Umherlaufen oder sogar Hinauslaufen aus dem Haus
  • Angehörige werden nicht erkannt; Trösten bleibt erfolglos oder verstärkt die Aufregung, das Kind stößt Eltern womöglich weg oder schlägt um sich
  • nach einigen Minuten ist alles plötzlich vorbei, und das Kind schläft rasch wieder ein
  • am nächsten Morgen fehlt die Erinnerung weitgehend

Einzelne Bilder, etwa eine einstürzende Decke oder ein bedrohliches Tier, werden nach der DGSM gelegentlich erinnert; eine lebhafte Traumhandlung gibt es aber nicht.

Ist Nachtschreck dasselbe wie ein Albtraum?

Nein. Die beiden werden oft verwechselt, unterscheiden sich aber deutlich:

  • Zeitpunkt: Der Nachtschreck tritt meist am Anfang der Nacht aus dem Tiefschlaf auf. Albträume entstehen im sogenannten REM-Schlaf, eher in der zweiten Nachthälfte.
  • Erinnerung: Nach einem Nachtschreck erinnert sich das Kind kaum. Einen Albtraum erinnert es meist lebhaft und detailliert.
  • Kontakt: Beim Nachtschreck ist das Kind nicht erreichbar. Nach einem Albtraum ist es wach, verängstigt, sucht Trost und lässt sich beruhigen.
  • Bedeutung: Bei Albträumen besteht nach kindergesundheit-info.de am ehesten ein Zusammenhang mit Belastungen und zu starken Tageseindrücken. Der Nachtschreck hat nichts mit Albträumen zu tun.

Mehr zum gesunden Schlafrhythmus lesen Sie im Ratgeber Schlafrhythmus.

Was tun gegen Pavor nocturnus? Soll ich mein Kind aufwecken?

Eltern können nach kindergesundheit-info.de meist nur abwarten, bis die Episode vorbei ist, und darauf achten, dass sich ihr Kind nicht verletzt, zum Beispiel wenn es aus dem Bett steigt und durch die Wohnung läuft. Bewährt haben sich:

  • ruhig bleiben und in der Nähe bleiben
  • das Kind nicht festhalten und nicht abrupt wachrütteln; Versuche, es auf den Arm zu nehmen oder zu beruhigen, verstärken die Aufregung oft
  • Gefahrenquellen aus dem Weg räumen
  • wenn es aufsteht, behutsam zurück ins Bett führen
  • am nächsten Tag nicht dramatisch von der Nacht erzählen, denn das kann zusätzlich Ängste auslösen

Ein Kind gezielt zu wecken ist also nicht nötig. Zur Vorbeugung nennt die DGSM regelmäßige Entspannungsübungen vor dem Zubettgehen; durch die körperliche Entspannung sinkt die Häufigkeit des Aufschreckens. Bei Kindern ist das mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt abzustimmen.

Mutter wacht auf einem Stuhl am Bett ihres schlafenden Kindes
Illustration, mit KI erstellt.

Was löst Nachtschreck aus?

Die Entstehung ist nach der DGSM bisher wenig verstanden. Meist wirken Veranlagung, denn der Nachtschreck tritt in Familien gehäuft auf, und Stress zusammen. kindergesundheit-info.de nennt als angenommene Ursachen genetische Veranlagung sowie Fieber und Schlafmangel; Aufwachstörungen können sich außerdem verstärken, wenn Kinder übermüdet sind oder unter besonderen Belastungen stehen.

Was sind die Ursachen von Pavor nocturnus also nicht? Ein Nachtschreck bedeutet nicht automatisch, dass ein Kind ein Trauma erlebt hat oder psychisch krank ist. Ausreichender, regelmäßiger Schlaf ist eine sinnvolle Grundlage. Allgemeine Tipps zu Schlafproblemen finden Sie im Ratgeber Schlafstörungen.

Was sollte ich beobachten?

Wenn Sie ärztlichen Rat suchen, helfen genaue Beobachtungen. Weil sich die betroffene Person kaum erinnert, ist es sinnvoll, zu trennen, was die Begleitperson gesehen hat und was die betroffene Person selbst noch weiß:

  • Von der Begleitperson beobachtet: Uhrzeit und Abstand zum Einschlafen, Dauer, Schreien, Aufstehen oder Umherlaufen, ob Ansprechen möglich war, ob es Verletzungen oder gefährliche Situationen gab, wie die Episode endete
  • Von der betroffenen Person erinnert: nichts, einzelne Bilder oder eine zusammenhängende Traumhandlung
  • Rahmen: Häufigkeit pro Woche, Fieber, Schlafmangel, besondere Belastungen, ähnliche Ereignisse in der Familie
  • Tag danach: Müdigkeit, Stimmung, Auswirkungen auf andere Familienmitglieder

Diese Notizen ersetzen keine Diagnose. Die Sicherheit der betroffenen Person hat dabei immer Vorrang vor dem Notieren oder Filmen.

Mutter und Tochter lesen abends gemeinsam ein Bilderbuch im Bett
Illustration, mit KI erstellt.

Wann sollte ich ärztlichen Rat suchen? Braucht jedes Kind ein EEG?

Aufwachstörungen sind nach kindergesundheit-info.de meist harmlos und machen nur im Einzelfall einen Besuch in der Kinderarztpraxis nötig, besonders:

  • wenn das nächtliche Verhalten besonders aggressiv ist und eine erhöhte Verletzungsgefahr besteht
  • wenn die Ereignisse über längere Zeit fast jede Nacht auftreten
  • wenn das Kind unter ausgeprägter Tagesmüdigkeit leidet
  • wenn andere Familienmitglieder stark beeinträchtigt werden
  • wenn der Nachtschreck besonders häufig auftritt und als stark belastend empfunden wird

Braucht jedes Kind ein EEG oder ein Schlaflabor? Nein. Eine Untersuchung im Schlaflabor ist nach der DGSM bei schwer ausgeprägten Fällen mit häufigen Episoden angezeigt, um nächtliche epileptische Anfälle abzugrenzen, oder wenn die gründliche Befragung keine klare Diagnose zulässt. Weil es beim Pavor nocturnus zu gefährlichen Aktionen kommen kann, wünschen manche Betroffene auch bei seltenen Episoden eine Behandlung. Eine Medikation ohne ärztliche Abklärung ist nicht angebracht.

Können Erwachsene betroffen sein?

Ja, aber selten. Bei Erwachsenen kommt das nächtliche Aufschrecken nach der DGSM ebenfalls nur selten vor. Welche Symptome zeigen Erwachsene beim Pavor nocturnus? Die Quellen beschreiben die Episoden allgemein gleich: lauter Schrei, massive Angst, Aufspringen oder Umherlaufen, fehlende Erinnerung. Gerade bei Erwachsenen kann es bei nächtlichen Aufwachstörungen durch Anstoßen in der Dunkelheit zu Verletzungen kommen.

Für Erwachsene ist nach der DGSM neben Entspannungsübungen vor dem Schlafengehen auch eine ambulante kognitive Verhaltenstherapie mit Stressreduktion sinnvoll. Tritt ein Nachtschreck erstmals im Erwachsenenalter auf oder sind die Episoden ungewöhnlich, ist eine ärztliche Abklärung wichtig; dafür kann eine schlafmedizinische Untersuchung nötig sein. Für Kinder und Jugendliche gelten die Hinweise der Kinderarztpraxis; Empfehlungen für Erwachsene lassen sich nicht einfach auf Kinder übertragen.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Harmlosigkeit: kindergesundheit-info.de bezeichnet den Nachtschreck als völlig harmlos und ohne körperlichen oder seelischen Schaden. Die DGSM weist darauf hin, dass es zu gefährlichen Aktionen kommen kann, und bei Erwachsenen zu Verletzungen. Beides stimmt: Die Episode selbst schadet meist nicht, die Verletzungsgefahr verlangt aber Vorsicht.

Häufigkeit: Die DGSM nennt etwa 20 Prozent aller Kinder. kindergesundheit-info.de nennt keine Prozentzahl, sondern das Alter zwischen zwei und sechs Jahren. Je nach untersuchter Gruppe und Definition schwanken solche Zahlen; sie sind nicht direkt vergleichbar.

Ursachen: Die DGSM spricht von Veranlagung und Stress, kindergesundheit-info.de von Veranlagung, Fieber und Schlafmangel.

Aktualität: Der DGSM-Ratgeber wurde am 10.02.2026 zuletzt redigiert, die Seite von kindergesundheit-info.de trägt das Datum 18.11.2025.

Zusammenfassung

  • Der Pavor nocturnus ist eine Aufwachstörung aus dem Tiefschlaf, meist am Anfang der Nacht.
  • Typisch sind Schreien, große Angst, Schwitzen, fehlende Ansprechbarkeit und kaum Erinnerung am Morgen.
  • Er ist häufig bei Kindern zwischen zwei und sechs Jahren und bei Erwachsenen selten.
  • Ruhig bleiben, nicht festhalten oder wachrütteln und vor allem für Sicherheit sorgen.
  • Ärztlicher Rat bei Verletzungsgefahr, sehr häufigen Episoden, Tagesmüdigkeit, starker Belastung oder Beginn im Erwachsenenalter.
  • Ein Schlaflabor ist nur in ausgewählten Fällen nötig.

Häufige Fragen zum Pavor nocturnus

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was tun gegen Pavor nocturnus?

Während der Episode ruhig bleiben, das Kind nicht festhalten oder wachrütteln und darauf achten, dass es sich nicht verletzt. Vorbeugend können ausreichender Schlaf und regelmäßige Entspannung vor dem Schlafengehen helfen. Bei häufigen oder heftigen Episoden ärztlichen Rat suchen.

Was sind die Ursachen von Pavor nocturnus?

Die Entstehung ist wenig verstanden. Meist wirken Veranlagung und Stress zusammen; bei Kindern werden auch Fieber und Schlafmangel als Auslöser angenommen.

Welche Symptome zeigen Erwachsene beim Pavor nocturnus?

Ähnliche wie Kinder: lauter Schrei, massive Angst, Aufspringen oder Umherlaufen, fehlende Erinnerung. Bei Erwachsenen ist der Nachtschreck selten und sollte ärztlich abgeklärt werden, auch wegen der Verletzungsgefahr.

Soll ich ein Kind aufwecken?

Nein. Versuche, das Kind zu beruhigen oder zu wecken, verstärken die Aufregung oft. Bleiben Sie in der Nähe, sorgen Sie für Sicherheit und warten Sie ab, bis die Episode nach einigen Minuten vorbei ist.

Ist Nachtschreck dasselbe wie ein Albtraum?

Nein. Der Nachtschreck tritt aus dem Tiefschlaf am Anfang der Nacht auf, das Kind ist nicht ansprechbar und erinnert sich kaum. Einen Albtraum erinnert das Kind lebhaft, ist danach wach und lässt sich trösten.

Wann sollte ich ärztlichen Rat suchen?

Wenn eine erhöhte Verletzungsgefahr besteht, die Episoden über längere Zeit fast jede Nacht auftreten, das Kind tagsüber sehr müde ist, die Familie stark belastet ist oder ein Nachtschreck erst im Erwachsenenalter beginnt.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): Patientenratgeber Parasomnien (PDF, redigiert am 10.02.2026)
  2. kindergesundheit-info.de (BIÖG): Von Albträumen, Nachtschreck und Schlafwandlern (18.11.2025)

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.