Zum Inhalt springen

Sprache MediBilbao Salud

Sprachentwicklungsstörung: Anzeichen erkennen, Hilfe finden

Mit zwei Jahren spricht das Kind kaum Wörter, mit drei versteht man es schwer: Viele Eltern fragen sich dann, ob das noch normal ist. Dieser Ratgeber erklärt nach kindergesundheit-info.de, einer Elternbroschüre des Deutschen Bundesverbands für akademische Sprachtherapie und Logopädie (dbs) und der Techniker Krankenkasse (TK), worin sich eine Sprachentwicklungsverzögerung von einer Sprachentwicklungsstörung unterscheidet, welche Anzeichen es gibt, was bei mehrsprachigen Kindern gilt, wie die Abklärung abläuft und wie Eltern ohne Druck unterstützen können.

Thema
Logopädie
Aktualisiert
Lesezeit
8 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine Sprachentwicklungsstörung?

Die meisten Kinder lernen nach dem dbs die wichtigsten Regeln der Sprache in den ersten vier Lebensjahren, oft ganz selbstverständlich. Manche Kinder durchlaufen bestimmte Entwicklungsschritte aber langsamer oder verwenden sprachliche Muster, die für die normale Entwicklung untypisch sind. Bei einer Sprachentwicklungsstörung (SES) haben Kinder Schwierigkeiten, Sprache zu verstehen und/oder zu verwenden.

Ungefähr 10 % der Kinder im Kindergartenalter sind nach dem dbs betroffen. Jungen sind nach kindergesundheit-info.de deutlich häufiger betroffen als Mädchen. Wichtig ist eine Botschaft des dbs: Sprachentwicklungsstörungen sind Störungen, aus denen Kinder nicht einfach „herauswachsen“; sie brauchen professionelle Unterstützung.

Was ist der Unterschied zwischen Sprachentwicklungsverzögerung und -störung?

Treten in den ersten drei Lebensjahren deutliche zeitliche Abweichungen von den erwartbaren Entwicklungsschritten auf, spricht man nach dem dbs von einer Sprachentwicklungsverzögerung (SEV). Ein bekanntes Beispiel sind die Late Talker, die „späten Sprecher“: Sie sprechen mit 24 Monaten noch keine 50 Wörter und noch keine Zwei- bis Drei-Wort-Sätze. Etwa die Hälfte holt den Rückstand auf und wird zum sogenannten Late Bloomer; nach kindergesundheit-info.de erreichen diese Kinder im Lauf des dritten Lebensjahres bis zum Schulalter selbstständig das normale Niveau.

Eine Verzögerung ist also noch keine Störung. Von einer Störung wird nach kindergesundheit-info.de erst ab dem dritten Lebensjahr gesprochen, wenn das Kind nur wenig aufholt. Trotzdem lohnt es sich, Verzögerungen früh zu erfassen: Kinder mit SEV haben nach dem dbs ein erhöhtes Risiko für eine SES, und sicher vorhersagen lässt sich nicht, wer aufholt. Hinweise auf ein höheres Risiko sind ein eingeschränktes Sprachverstehen, wenig Interesse an Kommunikation und wenig „So-tun-als-ob“-Spiel.

Spätes Sprechen ist also nicht immer eine Störung, aber ein Grund, genauer hinzuschauen.

Wie äußert sich eine Sprachentwicklungsstörung?

Wie genau sich eine SES zeigt, unterscheidet sich nach dem dbs von Kind zu Kind und hängt davon ab, welche Bereiche betroffen sind. Mögliche Hinweise nach kindergesundheit-info.de sind:

  • Aussprachefehler wie „Nuller“ statt „Schnuller“, Verwechseln von Lauten wie r und l oder Auslassen von Silben
  • Zwei-Wort-Sätze wie „Papa Ball“ gelingen nicht
  • ein Wortschatz unter 50 Wörtern, allgemeine Wörter wie „Dings“ oder „machen“ statt genauer Bezeichnungen
  • anhaltende Grammatikfehler wie „Mama kaufen geht“ oder „die Baume“
  • große Schwierigkeiten zu verstehen, was gesagt wird

Solche Fehler macht nahezu jedes Kind beim Sprechenlernen. Als Symptom gelten sie nach dem dbs erst, wenn sie deutlich länger als erwartet bestehen bleiben, deutlich häufiger auftreten und nachfolgende Entwicklungsschritte verhindern. Halten sie gerade im dritten Lebensjahr an, rät kindergesundheit-info.de zum ärztlichen Rat.

Welche Arten von Sprachentwicklungsstörungen gibt es?

Der dbs unterscheidet Störungen nach den betroffenen Sprachbereichen, die jeweils auch das Verstehen betreffen können:

  • Lautverwendung (phonologische Störung): Laute werden ausgelassen oder ersetzt, immer gleich („Tatze“ statt „Katze“) oder wechselnd.
  • Wortschatz (semantisch-lexikalische Störung): kleinerer oder weniger vernetzter Wortschatz, Wortfindungsprobleme, unpassende Reaktionen auf Bitten.
  • Grammatik (morphologisch-syntaktische Störung): falsche Wortformen, Verb an falscher Stelle, kurze, starre Sätze.
  • Kommunikative Verwendung (pragmatische Störung): Schwierigkeiten, Gespräche zu beginnen oder zu halten, sehr wörtliches Verständnis, Missverständnisse bei Ironie oder Humor.

Davon abzugrenzen sind reine Aussprachestörungen wie das Lispeln; sie entstehen nach dem dbs durch Schwierigkeiten in der Bewegungsausführung und sind keine SES. Auch zeitweiliges Stottern zwischen zwei und fünf Jahren betrifft nach kindergesundheit-info.de etwa 5 % der Kinder und vergeht meist von selbst; hält es an, gehört es ärztlich besprochen.

Woher kommt eine Sprachentwicklungsstörung?

Bei etwa 2–3 % der Kinder steht die SES nach dem dbs im Zusammenhang mit einer anderen Beeinträchtigung, etwa einer Hörstörung, einer Autismus-Spektrum-Störung oder einem genetischen Syndrom wie Trisomie 21. Bei den übrigen 7–8 % tritt sie ohne eindeutige Ursache auf, wobei genetische Faktoren eine Rolle zu spielen scheinen.

Die TK nennt als häufige Ursachen einer Verzögerung ein eingeschränktes Hörvermögen, etwa nach wiederkehrenden Mittelohrentzündungen, eine allgemeine Entwicklungsverzögerung, eine familiäre Häufung und Fehlbildungen wie eine Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte. Nicht immer findet man eine Ursache.

Ganz klar ist der dbs in einem Punkt: Die familiäre Kommunikation ist niemals Ursache für Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung. Eltern tragen in keinem Fall die Schuld.

Kann Mehrsprachigkeit die Ursache sein?

Nein. Bei mehrsprachigen Kindern ist die Einschätzung nach dem dbs allerdings schwieriger. Manche werden als auffällig eingestuft, obwohl sie die Zweitsprache ganz typisch erwerben; bei anderen wird eine SES übersehen, weil man nur schlechte Deutschkenntnisse vermutet. Entscheidend: Eine SES tritt immer in allen Sprachen auf, die ein Kind spricht. Sind die Leistungen nur in der Zweitsprache auffällig, spricht das eher für Förderbedarf im Zweitspracherwerb.

Der dbs rät Eltern, in der Sprache mit dem Kind zu sprechen, in der sie sich wohlfühlen und vielseitigen Input geben können. Für die Abklärung kann eine kurze Notiz pro Sprache helfen:

  • Seit wann und wie viel hört und spricht das Kind jede Sprache, mit wem?
  • Einige Beispielwörter und -sätze aus jeder Sprache, möglichst wörtlich notiert
  • In welchen Situationen versteht es gut, wo eher schlecht (zu Hause, Kita, Telefon, Bilderbuch)?
  • Zählt man die Wörter aller Sprachen zusammen: Sind es mit zwei Jahren etwa 50? Der dbs zählt dabei ausdrücklich alle Sprachen mit.

Wie wird eine Sprachentwicklungsstörung festgestellt?

Ob eine Störung vorliegt, kann nach kindergesundheit-info.de nur eine fachliche Diagnose feststellen. Erste Anlaufstelle ist die Kinderärztin oder der Kinderarzt, spätestens bei der nächsten Früherkennungsuntersuchung, bei denen nach der TK Gehör und Sprachentwicklung geprüft werden. Festgestellt werden sollte eine SES nach kindergesundheit-info.de in der Regel von Fachärztinnen und -ärzten für Phoniatrie und Pädaudiologie.

Das Gehör wird geprüft, weil vor allem eine schlechte Aussprache auch durch Hörprobleme verursacht sein kann. Ist das Hören normal, kann nach der TK eine Entwicklungsdiagnostik folgen, etwa in einem Sozialpädiatrischen Zentrum, ergänzt um eine logopädische Mituntersuchung. Weitere Untersuchungen wie ein EEG kommen nur unter Umständen hinzu.

In der sprachtherapeutischen Diagnostik erfragen Therapeutinnen und Therapeuten nach dem dbs zunächst die bisherige Entwicklung und Ihre Beobachtungen im Alltag, bauen spielerisch Kontakt zum Kind auf und wählen dann passende Tests aus. Bringen Sie das U-Heft und bisherige Berichte mit.

Kann eine Sprachentwicklungsstörung geheilt werden?

Eine SES ist nach dem dbs immer behandlungsbedürftig. Die Sprachtherapie (Logopädie) findet meist ambulant und überwiegend im Einzelkontakt statt; wie lange sie dauert, hängt von den Fortschritten, dem Ausmaß der Störung und der Prognose ab. Sie endet, wenn die Ziele erreicht sind und das Kind altersentsprechend kommuniziert. Je früher eine Störung erkannt wird, desto größer sind nach kindergesundheit-info.de die Erfolgsaussichten.

Liegt eine Ursache wie eine Hörstörung zugrunde, wird nach der TK diese behandelt, etwa mit Hörgerät und Hörfrühförderung. Bei allgemeiner Entwicklungsverzögerung kann zunächst eine heilpädagogische Frühförderung sinnvoll sein.

Eltern können zu Hause unterstützen, ohne Druck: Der dbs empfiehlt einen zugewandten Austausch, Alltagshandlungen sprachlich zu begleiten und dem Kind Zeit zu lassen, sich auszudrücken. Die TK rät, von Geburt an viel mit dem Kind zu sprechen, das Gehör aber nicht durch ständige Beschallung zu überfordern. Ansprechpartner für Diagnose und Therapie sind die Kinderarztpraxis und eine logopädische Praxis Ihrer Wahl vor Ort.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Wann Therapie beginnt: Die TK nennt eine Sprachtherapie etwa ab dreieinhalb bis vier Jahren als sinnvoll. Der dbs und kindergesundheit-info.de betonen dagegen, Auffälligkeiten früh zu erkennen und abzuklären, da die Erfolgsaussichten mit früher Förderung steigen. Abwarten bis zu einem bestimmten Alter empfiehlt keine der Quellen.

Begriffe: Die TK verwendet überwiegend „Sprachentwicklungsverzögerung“ für alle Formen. Der dbs und kindergesundheit-info.de trennen klar zwischen Verzögerung und Störung.

Aktualität: Die TK-Seite stützt sich auf Literatur bis 2014, kindergesundheit-info.de auf Leitlinien von 2011 und 2022, die dbs-Broschüre stammt von 2026.

Zusammenfassung

  • Late Talker sprechen mit zwei Jahren weniger als 50 Wörter und keine Zwei-Wort-Sätze; etwa die Hälfte holt auf.
  • Eine Sprachentwicklungsstörung betrifft Verstehen und Sprechen, rund 10 % der Kindergartenkinder, und wächst sich nicht einfach aus.
  • Mehrsprachigkeit ist keine Ursache; eine SES zeigt sich in allen Sprachen des Kindes.
  • Eltern sind nie schuld an einer Sprachentwicklungsstörung.
  • Abklärung über Kinderarztpraxis, Hörtest und fachliche Diagnostik; Behandlung durch Sprachtherapie.
  • Zweifel am Gehör oder Schwierigkeiten beim Verstehen sind Gründe, nicht abzuwarten.

Häufige Fragen zur Sprachentwicklungsstörung

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Verzögerung oder Störung der Sprachentwicklung: Was ist der Unterschied?

Bei einer Verzögerung verläuft die Sprachentwicklung in den ersten drei Jahren deutlich langsamer, etwa die Hälfte der Late Talker holt auf. Von einer Störung spricht man, wenn das Kind kaum aufholt oder untypische Muster zeigt; sie ist behandlungsbedürftig.

Wie äußert sich eine Störung der Sprachentwicklung?

Durch Schwierigkeiten beim Verstehen und/oder Sprechen, etwa einen kleinen Wortschatz, anhaltende Grammatikfehler, ersetzte oder ausgelassene Laute oder Probleme, ein Gespräch zu führen.

Welche Arten von Störungen der Sprachentwicklung gibt es?

Je nach betroffenem Bereich Störungen der Lautverwendung, des Wortschatzes, der Grammatik und der kommunikativen Verwendung von Sprache. Oft sind mehrere Bereiche betroffen.

Kann eine Störung der Sprachentwicklung geheilt werden?

Kinder wachsen nicht einfach heraus, können aber mit Sprachtherapie deutliche Fortschritte machen. Die Therapie endet, wenn das Kind altersentsprechend kommuniziert; wie lange das dauert, ist individuell.

Kann Mehrsprachigkeit die Ursache sein?

Nein. Eine SES zeigt sich in allen Sprachen eines Kindes. Sind die Schwierigkeiten nur in der Zweitsprache, spricht das eher für Förderbedarf im Zweitspracherwerb.

Warum wird das Gehör geprüft?

Weil Hörprobleme, etwa nach wiederkehrenden Mittelohrentzündungen, eine häufige Ursache für Sprachauffälligkeiten sind und vor allem eine schlechte Aussprache erklären können.

Quellen

  1. kindergesundheit-info.de: Früherkennung – Risiken und Störungen in der Sprachentwicklung
  2. Deutscher Bundesverband für akademische Sprachtherapie und Logopädie (dbs): Sprachentwicklungsstörungen (SES) – Informationen für Eltern, 2026 (PDF)
  3. Techniker Krankenkasse: Sprachentwicklungsverzögerungen

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.