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Bipolare Störung: Symptome, Phasen und Behandlung

Wochenlang voller Energie, kaum Schlaf, große Pläne, dann der Absturz in Erschöpfung und Leere: Bei einer bipolaren Störung pendelt die Stimmung zwischen zwei Polen, weit über normale Schwankungen hinaus. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen von gesund.bund.de und der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS), welche Phasen es gibt, woran man Frühwarnzeichen erkennt, wie die Diagnose gestellt wird und wie Behandlung und Rückfallvorbeugung aussehen.

Thema
Psychologie
Aktualisiert
Lesezeit
6 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine bipolare Störung?

Die bipolare Störung, früher manisch-depressive Erkrankung genannt, ist eine psychische Erkrankung mit starken Stimmungsschwankungen. Die Stimmung pendelt zwischen bestens gelaunt, selbstsicher und voller Energie (manisch) und tieftraurig, antriebslos und leer (depressiv). Nach der DGBS fallen Betroffene oft ohne nachvollziehbaren Grund von einem Extrem ins andere.

Weltweit haben nach gesund.bund.de etwa 2 von 100 Menschen eine bipolare Störung. Die meisten erleben die erste Episode vor dem 25. Lebensjahr. Die Erkrankung entwickelt sich meist schleichend und ist chronisch, doch eine Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten kann die Lebensqualität entscheidend verbessern.

Wie verhalten sich Menschen in einer manischen Phase?

Während einer Manie fühlen sich Betroffene nach gesund.bund.de über das normale Maß hinaus selbstbewusst und leistungsfähig, manchmal auch gereizt. Typisch sind:

  • Selbstüberschätzung und sprunghafte Reaktionen
  • ein vermindertes Schlafbedürfnis bei trotzdem hohem Antrieb am Tag
  • übermäßige Gesprächigkeit
  • gesteigerte sexuelle Lust
  • Verlust sozialer Hemmungen, unangemessenes und zunehmend rücksichtsloses Verhalten
  • manchmal psychotische Symptome wie Verfolgungswahn oder Halluzinationen

Weil Betroffene sich in dieser Phase überschätzen, treffen sie oft folgenreiche Entscheidungen, die Arbeit, Finanzen und Beziehungen belasten können.

Was unterscheidet Manie von Hypomanie?

Eine Hypomanie äußert sich ähnlich wie eine Manie, ist aber deutlich schwächer ausgeprägt und manchmal von depressiven Schüben durchsetzt. Weil schwach manische Symptome häufig nicht zu deutlichen Beeinträchtigungen führen, fällt eine hypomanische Phase oft nicht auf. Viele Betroffene erleben sie sogar als besonders produktive Zeit.

Das ist ein Grund, warum die Diagnose oft spät gestellt wird. Für die Einordnung ist es hilfreich, wenn auch vertraute Personen schildern, welche Veränderungen sie beobachtet haben.

Wie zeigt sich die depressive Phase?

In der depressiven Episode kippt die Stimmung ins Gegenteil. Betroffene fühlen sich müde, erschöpft, antriebslos, niedergeschlagen oder traurig und ziehen sich zurück. Hinzu kommen ein geringes Selbstwertgefühl, ständiges Grübeln und sexuelle Lustlosigkeit. Gedanken an Selbsttötung können in den Vordergrund treten.

In einem Mischzustand wechseln manische und depressive Symptome in kurzen Abständen oder treten gleichzeitig auf: gesteigerte Aktivität bei depressiver Stimmung. In solchen Phasen ist das Suizidrisiko nach gesund.bund.de besonders hoch. Mehr zu depressiven Beschwerden lesen Sie im Ratgeber Depression: Symptome.

Welche Formen und Verläufe gibt es?

Der Verlauf ist von Mensch zu Mensch verschieden. Die meisten erleben nur einige wenige Phasen, manche mehr als zehn Episoden. Einen festen Takt, in dem sich die Phasen abwechseln, gibt es nicht. Nach der DGBS gehen Episoden manchmal direkt ineinander über, manchmal liegen ganze Jahre ohne Beschwerden dazwischen. gesund.bund.de beschreibt grob:

  • Bipolar-I-Störung: manische Phasen, meist im Wechsel mit depressiven Phasen oder Mischzuständen; es können auch wiederkehrend nur manische Episoden auftreten
  • Bipolar-II-Störung: hypomanische und depressive Phasen wechseln sich ab, ohne manische Episoden
  • Rapid Cycling: mindestens vier abgrenzbare Episoden innerhalb eines Jahres, ein besonders episodenreicher Verlauf

Diese Einteilung ist eine Vereinfachung; die genaue Zuordnung treffen Fachleute anhand festgelegter Kriterien.

Was sind die Auslöser für eine bipolare Störung?

Die genauen Ursachen sind unklar. Wahrscheinlich trägt eine familiäre Veranlagung bei; traumatische Ereignisse, emotionaler Stress oder andere Faktoren können die Störung dann auslösen. Einen schweren Verlauf begünstigen nach gesund.bund.de:

  • schwerwiegende Lebensereignisse (Traumata)
  • Drogenkonsum
  • psychotische Symptome

Schwere Verläufe treten bei Frauen und bei Menschen, die jung erkranken, häufiger auf. Das ist ein statistischer Befund und keine Vorhersage für einzelne Personen.

Wie stelle ich fest, ob ich bipolar bin?

Selbsttests im Internet können Anlass für ein Gespräch sein, aber keine Diagnose stellen. Diagnostiziert wird eine bipolare Störung von Psychiaterinnen und Psychiatern oder Neurologinnen und Neurologen durch ausführliche Gespräche und eine körperliche Untersuchung. Wichtig sind die Lebensgeschichte, frühere Stimmungsschwankungen und ob Familienmitglieder betroffen sind.

Viele erhalten die Diagnose erst 5 bis 10 Jahre nach Beginn. Eine erste depressive Episode wird oft als Depression eingestuft, eine Manie mit psychotischen Symptomen manchmal als Schizophrenie. Für das Gespräch hilft ein gemeinsames Notizblatt, ohne Selbstbewertung:

  • Veränderungen im Schlaf: weniger Schlafbedürfnis oder sehr viel Schlaf
  • Veränderungen von Antrieb, Gesprächigkeit und Stimmung
  • ungewöhnliche Ausgaben oder rasche Entscheidungen
  • wie lange die Veränderungen dauerten
  • was eine vertraute Person beobachtet hat

Wie wird eine bipolare Störung behandelt?

Eine Therapie, die die Ursachen beseitigt, gibt es nicht. Früh erkannt und richtig behandelt, lassen sich Krankheitsepisoden aber hinauszögern oder vermeiden. Je weniger Episoden jemand erlebt hat, desto besser spricht die Behandlung an. Unterschieden werden die Akutbehandlung, die Symptome schnell lindern soll, und die Phasenprophylaxe, die weitere Episoden verringern soll.

Meist werden Verfahren kombiniert: Medikamente, die die Fachärztin oder der Facharzt je nach Phase und Symptomen auswählt, und ergänzend Psychotherapie wie Psychoedukation, kognitive Verhaltenstherapie oder Familientherapie. Bei schweren Depressionen, die auf andere Behandlungen nicht ansprechen, kommt eine Elektrokonvulsionstherapie infrage. Selbsthilfegruppen bieten Information und Austausch für Betroffene und Angehörige. In unserer Praxis in Bilbao bieten wir eine allgemeine Erstberatung an, die bei der Orientierung zur psychiatrischen Abklärung hilft; unsere psychologische Beratung kann Erwachsene ergänzend begleiten, ersetzt aber keine ärztliche Behandlung der Phasen (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Wo sich die Quellen unterscheiden

Die Quellen betonen verschiedene Aspekte. gesund.bund.de beschreibt Formen, Verlauf und Behandlung ausführlich, vereinfacht dabei aber die Einteilung in Bipolar I und II; die Darstellung ersetzt keine diagnostischen Kriterien. Die kurze Einführung der DGBS hebt hervor, dass zwischen den Phasen ganze Jahre ohne Beschwerden liegen können und dass nur wenige Betroffene rechtzeitig den Weg zu geschulten Fachleuten finden.

Die DGBS nennt ein zwanzigfach erhöhtes Suizidrisiko im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung, ohne Bezugszeitraum. gesund.bund.de beschreibt das Risiko qualitativ als besonders hoch in Mischzuständen. Beide Angaben unterstreichen, wie wichtig Behandlung und Krisenplanung sind, sagen aber nichts über das Risiko einer einzelnen Person aus.

Zusammenfassung

  • Bei der bipolaren Störung wechseln manische oder hypomanische und depressive Phasen.
  • Zwischen den Episoden sind lange beschwerdearme Zeiten möglich.
  • Weniger Schlaf, mehr Antrieb und riskante Entscheidungen können Frühzeichen sein.
  • Die Diagnose stellen Fachleute; Selbsttests reichen nicht.
  • Medikamente und Psychotherapie wirken am besten kombiniert.
  • Bei Suizidgedanken sofort den Notruf 112 wählen.

Häufige Fragen zur bipolaren Störung

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie verhalten sich bipolare Personen?

Das hängt von der Phase ab. In einer Manie wirken Betroffene oft überaus selbstbewusst, gesprächig, schlafen wenig und handeln sprunghaft. In einer depressiven Phase sind sie antriebslos, niedergeschlagen und ziehen sich zurück. Dazwischen können lange stabile Zeiten liegen.

Was sind die Auslöser für eine bipolare Störung?

Die Ursachen sind nicht genau bekannt. Wahrscheinlich spielt eine familiäre Veranlagung eine Rolle; Traumata, emotionaler Stress oder Drogen können eine Erkrankung auslösen oder den Verlauf verschlechtern.

Wie stelle ich fest, ob ich bipolar bin?

Nur durch eine fachliche Untersuchung bei Psychiatrie oder Neurologie. Hilfreich sind Notizen zu Schlaf, Antrieb, Entscheidungen und Dauer der Veränderungen sowie Beobachtungen vertrauter Personen.

Was sind die Frühwarnzeichen einer bipolaren Störung?

Häufig verändern sich Schlaf und Antrieb, etwa deutlich weniger Schlafbedürfnis bei viel Energie, oder Rückzug und Erschöpfung. Welche Zeichen bei einer Person typisch sind, lässt sich am besten im Verlauf gemeinsam mit Fachleuten herausfinden.

Was unterscheidet Manie von Hypomanie?

Eine Hypomanie ähnelt der Manie, ist aber deutlich schwächer und führt oft nicht zu großen Beeinträchtigungen. Deshalb bleibt sie häufig unbemerkt.

Können zwischen Episoden beschwerdearme Zeiten liegen?

Ja. Zwischen manischen und depressiven Phasen sind Zeiten ohne oder mit wenigen Beschwerden möglich, manchmal über Jahre. Eine Phasenprophylaxe soll solche stabilen Zeiten verlängern.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Bipolare Störung: Verlauf und Behandlung
  2. Bipolare Störung (Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen)

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.