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Schlafwandeln: was dahintersteckt und wann man es abklären lässt

Plötzlich sitzt jemand mitten in der Nacht aufrecht im Bett, steht auf und läuft umher, ohne richtig wach zu sein. Schlafwandeln ist vor allem bei Kindern verbreitet und wächst sich meist aus. Bei Erwachsenen, bei häufigen Episoden oder Verletzungen lohnt sich eine Abklärung. Dieser Ratgeber erklärt nach dem Patientenratgeber der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) und dem Portal Neurologen und Psychiater im Netz, was beim Schlafwandeln passiert, wie man Betroffene schützt und welche Angaben bei der Abklärung helfen.

Thema
Psychologie
Aktualisiert
Lesezeit
8 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist Schlafwandeln?

Beim Schlafwandeln, medizinisch Somnambulismus, kommt es nach der DGSM aus dem Schlaf heraus zu Aktivitäten, ohne dass die Person richtig wach ist. Meist geschieht das mitten in der Nacht oder in der zweiten Nachthälfte. Die Augen sind geöffnet, die Person sieht, was sie tut. Häufig sind es ganz alltägliche Dinge wie Herumlaufen oder Möbelrücken, manchmal aber auch völlig unsinnige Handlungen, weil die höheren Gehirnzentren noch „schlafen“ und die Situation nicht richtig eingeschätzt wird.

Die DGSM zählt das Schlafwandeln zu den Parasomnien: Phänomene, die im Schlaf auftreten, ohne direkt die Qualität und Erholsamkeit des Schlafes zu beeinträchtigen. Wer häufig betroffen ist, schildert allerdings oft einen insgesamt gestörten Schlaf. Allgemeine Informationen zu Schlafproblemen finden Sie im Ratgeber Schlafstörungen.

Wie läuft eine Episode ab?

Häufig beginnt es nach Neurologen und Psychiater im Netz damit, dass sich die Person nachts plötzlich im Bett aufrichtet. Sie blickt um sich und wirkt verwirrt. Manchmal legt sie sich wieder hin und schläft weiter. Steht sie auf, nimmt sie ihre Umgebung nur halb wahr:

  • Sie läuft umher, verrückt Möbel oder räumt auf.
  • Bekannte Personen werden oft nicht erkannt.
  • Manchmal verlässt sie das Zimmer oder läuft sogar auf die Straße.
  • Beruhigt sie sich und schläft im Bett weiter, erinnert sie sich am nächsten Morgen selten an das Geschehen.

Das verbreitete Bild vom Schlafwandler, der mit ausgestreckten Armen über den Dachgiebel dem Vollmond entgegenbalanciert, nennt das Portal ein überzeichnetes Klischee: Nach allen Erfahrungen zieht es Schlafwandelnde in der Regel nicht aufs Dach, und mit dem Vollmond hat das Schlafwandeln nicht unbedingt etwas zu tun.

Warum kann man mit offenen Augen schlafwandeln?

Schlafwandeln gehört nach der DGSM zu den NREM-Schlaf-Parasomnien, die auch Aufwachstörungen genannt werden. Der Grund: Das Gehirn erwacht nicht vollständig. So können einfache Handlungen ausgeführt werden, die Augen sind offen und die Person sieht, wohin sie läuft, aber das Gehirn ist nicht voll „eingeschaltet“.

Zur selben Gruppe gehören der Pavor nocturnus (Nachtangst) und die Schlaftrunkenheit. Der Pavor nocturnus ist die intensivste Form: Die Episode beginnt meist am Anfang der Nacht mit einem lauten Schrei und massiver Angst. Bei der Schlaftrunkenheit ist die Person verwirrt und nicht orientiert, verlässt aber das Bett nicht. Schlafwandeln und Schlaftrunkenheit sind die milderen Formen.

Eine eigene Form des Schlafwandelns ist nach der DGSM das Essen im Schlaf: Betroffene nehmen nachts wiederholt Nahrung zu sich, ohne komplett wach zu sein, und erinnern sich häufig nicht daran.

Wer schlafwandelt: Kinder und Erwachsene

Bei Kindern ist Schlafwandeln keine Seltenheit. Nach Angaben der DGSM, die Neurologen und Psychiater im Netz zitiert, erleben bis zu 30 % aller Mädchen und Jungen wenigstens eine Episode, bis zu 4 % schlafwandeln häufig. Bei vielen nimmt die Häufigkeit ab dem zehnten Lebensjahr ab; nur bei etwa einem Prozent bleibt es bis ins Erwachsenenalter bestehen.

Als Ursache bei Kindern vermutet der Schlafmediziner Prof. Thomas Penzel eine vorübergehende Störung des Gehirns, die in aller Regel nicht weiter gefährlich ist und sich mit der Zeit auswächst. Eher ungewöhnlich ist es, wenn das Schlafwandeln erstmals in der Jugend oder noch später im Leben auftritt.

Gerade bei Erwachsenen kann es nach der DGSM zu Verletzungen kommen, zum Beispiel durch Anstoßen in der Dunkelheit. Die Gefahr, dass Schlafwandelnde sich und andere verletzen, beschreibt auch Neurologen und Psychiater im Netz als hoch.

Was ist der Grund für Schlafwandeln?

Ähnlich wie beim Pavor nocturnus, der in Familien gehäuft vorkommt, geht die DGSM von einem Veranlagungs-Stress-Modell aus: Veranlagung und Belastung wirken zusammen. Bei Kindern nennt Neurologen und Psychiater im Netz etwa Stress in der Schule als möglichen Auslöser, den es auszuloten gilt.

Beginnt das Schlafwandeln erst in der Jugend oder im Erwachsenenalter, kommen nach Neurologen und Psychiater im Netz auch andere Auslöser in Betracht:

  • nächtliche Atemstörungen wie ein Schlafapnoesyndrom (mehr im Ratgeber Schlafapnoe),
  • unruhige Beine im Schlaf (Restless-Legs-Syndrom),
  • bestimmte Arzneimittel: Nach der Einnahme von Schlafmitteln, Herzmedikamenten oder Psychopharmaka kann es nachts zu Bewusstseinsstörungen kommen, bei denen Betroffene halb schlafend, halb wach aufstehen.

Eigene Medikamente sollten Sie nicht auf eigene Faust absetzen. Steht ein Arzneimittel im Verdacht, wird es nach dem Portal ärztlich überprüft und gegebenenfalls gegen ein gleichwertiges Präparat ausgetauscht.

Was ist kein Schlafwandeln?

Nicht jede nächtliche Unruhe ist Schlafwandeln. Nach Neurologen und Psychiater im Netz sind davon abzugrenzen:

  • Bewusstseinsstörungen durch Arzneimittel,
  • Ausnahmezustände bei psychischen Erkrankungen,
  • nächtliche epileptische Anfälle,
  • die REM-Schlaf-Verhaltensstörung.

Bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung bewegt sich die Person nach der DGSM mit den Bildern eines intensiven Traums, weil die normale Muskelblockade im REM-Schlaf nicht funktioniert. Anders als beim Schlafwandeln erinnern sich Betroffene an die lebhaften Träume. Die Störung ist selten, betrifft meist Männer ab 50 und kann nach der DGSM Vorbote einer degenerativen Erkrankung wie Parkinson sein; bei Verdacht ist eine Untersuchung in einem schlafmedizinischen Zentrum unbedingt anzuraten.

Auch Albträume unterscheiden sich: Die Traumhandlung wird nach dem Erwachen gut erinnert, während Schlafwandelnde sich meist an nichts erinnern.

Was soll man machen, wenn jemand schlafwandelt?

Bei der Ansprache sollte man nach dem Schlafmediziner Penzel unbedingt gelassen bleiben. Empfehlenswert ist es, die schlafwandelnde Person möglichst sanft zu wecken und beim Namen zu nennen, beruhigend auf sie einzureden und sie wieder ins Bett zu begleiten. Ansprechbar im üblichen Sinn ist sie dabei nicht: Das Gehirn ist nicht voll wach, bekannte Personen werden oft nicht erkannt.

Für die Nacht empfehlen die Quellen vor allem eine sichere Schlafumgebung:

  • Türen und Fenster sichern, wie der Neurologe Roland Wenzelburger vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte rät.
  • Die Schlafumgebung so gestalten, dass man sich im Dunkeln nicht verletzt; nach der DGSM kommt es sonst gerade bei Erwachsenen zu Verletzungen durch Anstoßen.
  • Bei Kindern kann eine Alarmmatte vor dem Bett helfen: Steht das Kind auf, werden die Eltern geweckt.

Ziel ist Schutz, nicht Fesselung: Niemand sollte im Bett festgehalten oder festgebunden werden, und Sicherungen sollten so gewählt sein, dass der Weg nach draußen in einem echten Notfall nicht versperrt ist.

Wann sollte man Schlafwandeln abklären lassen?

Ob eine Behandlung nötig ist, hängt nach der DGSM in der Regel von der Belastung ab. Weil es beim Schlafwandeln zu gefährlichen Aktionen kommen kann, wünschen sich manche Betroffene auch bei seltenen Episoden eine Behandlung. Ärztlichen Rat sollten Sie nach den Quellen suchen, wenn:

  • das Schlafwandeln erstmals in der Jugend oder im Erwachsenenalter auftritt,
  • es zu Verletzungen kommt oder sich gefährliche Situationen häufen,
  • die Episoden Sie selbst und Ihre Angehörigen belasten,
  • ein Kind häufig schlafwandelt und deshalb tagsüber oft müde und unkonzentriert ist.

Nicht jede Person braucht ein Schlaflabor. Erst wenn die gründliche Anamnese keine klare Diagnose zulässt, ist nach der DGSM eine Schlafuntersuchung mit Videoaufzeichnung sinnvoll, oft in einem schlafmedizinischen Zentrum. Dort werden über Elektroden unter anderem Hirnaktivität (EEG), Atemfluss und Beinbewegungen aufgezeichnet. So lässt sich klären, aus welchem Schlafstadium die Episode kommt und ob die Person vollständig erwacht.

Für das Gespräch hilft es, aufzuschreiben, was Mitbewohnende beobachtet haben, zu welcher Uhrzeit, ob Sie sich erinnern und welche Belastungen, Medikamente oder nächtlichen Beschwerden wie Atemaussetzer oder unruhige Beine es gab.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Beide Quellen beschreiben das Schlafwandeln als häufige, bei Kindern meist harmlose Aufwachstörung, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Neurologen und Psychiater im Netz betont die Verletzungsgefahr und die Abgrenzung zu anderen nächtlichen Störungen. Der DGSM-Ratgeber ordnet das Schlafwandeln in die Parasomnien ein und stellt die Selbsthilfe in den Vordergrund.

Bei der Behandlung nennen beide Entspannung. Die DGSM beschreibt regelmäßige Entspannungsübungen vor dem Zubettgehen, nach denen Episoden seltener auftreten, und zusätzlich am Tag geübte Vorstellungsübungen wie „Wenn ich mit dem Fuß den Boden berühre, wache ich auf.“. Das Portal nennt Autogenes Training oder Meditation am Abend und, wenn Stress oder Konflikte das Schlafwandeln auslösen, unter Umständen eine kognitive Verhaltenstherapie, in der man den Umgang mit belastenden Situationen lernt.

Ein Schlaflabor wird nach dem Portal oft für eine sichere Diagnose genutzt; die DGSM sieht die Schlafuntersuchung vor allem dann, wenn die Anamnese keine klare Diagnose erlaubt. Eine feste Regel, wer untersucht werden muss, geben die Quellen nicht vor.

Zusammenfassung

  • Beim Schlafwandeln wacht das Gehirn nur teilweise auf: Augen offen, Handlungen möglich, Erinnerung meist keine.
  • Bis zu 30 % der Kinder schlafwandeln mindestens einmal; meist wächst es sich aus.
  • Beginnt es erst in der Jugend oder im Erwachsenenalter, kommen Atemstörungen, unruhige Beine oder Arzneimittel als Auslöser in Betracht.
  • Sanft wecken, beim Namen nennen, ruhig ins Bett begleiten; die Umgebung sichern, ohne festzuhalten.
  • Entspannungs- und Vorstellungsübungen, bei Stress auch Verhaltenstherapie, können helfen.
  • Neuer Beginn im Erwachsenenalter, Verletzungen oder häufige Episoden gehören ärztlich abgeklärt; bei unmittelbarer Gefahr sofort Hilfe holen.

Häufige Fragen zum Schlafwandeln

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was ist der Grund für Schlafwandeln?

Man geht von einem Zusammenspiel aus Veranlagung und Stress aus. Bei Kindern vermuten Fachleute eine vorübergehende Störung des Gehirns. Beginnt es im Erwachsenenalter, kommen auch Atemstörungen im Schlaf, unruhige Beine oder Arzneimittel als Auslöser in Betracht.

Wie merke ich, dass ich schlafwandle?

Meist gar nicht, denn Schlafwandelnde erinnern sich am nächsten Morgen fast nie. Hinweise geben vor allem Beobachtungen von Angehörigen oder Mitbewohnenden.

Was soll man machen, wenn jemand schlafwandelt?

Gelassen bleiben, die Person sanft wecken und beim Namen nennen, beruhigend auf sie einreden und sie ins Bett zurückbegleiten.

Ist man beim Schlafwandeln ansprechbar?

Nur eingeschränkt. Die Person sieht, was sie tut, ist aber nicht richtig wach, schätzt Situationen oft falsch ein und erkennt bekannte Personen häufig nicht.

Ist Schlafwandeln immer harmlos?

Bei Kindern meist ja. Es kann aber zu Verletzungen kommen, besonders bei Erwachsenen. Neu auftretendes Schlafwandeln im Erwachsenenalter sollte ärztlich abgeklärt werden.

Braucht jeder ein Schlaflabor?

Nein. Eine Schlafuntersuchung mit Video ist vor allem sinnvoll, wenn das ärztliche Gespräch keine klare Diagnose zulässt, etwa zur Abgrenzung von anderen nächtlichen Störungen.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): Ratgeber für Patientinnen und Patienten – Parasomnien (PDF, 10.02.2026)
  2. Neurologen und Psychiater im Netz: Nächtliche Ausflüge – Was hinter Schlafwandeln steckt

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.