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Herz und Kreislauf MediBilbao Salud

Schmerzen im linken Arm: Wann ist es gefährlich?

Schmerzen im linken Arm machen vielen Menschen Angst, weil sie an einen Herzinfarkt denken. Oft steckt etwas anderes dahinter, aber genau diese Frage lässt sich zu Hause nicht sicher beantworten. Dieser Ratgeber hält sich an die Deutsche Herzstiftung und an gesund.bund.de: Welche Anzeichen zusammen mit Armschmerzen auf einen Herzinfarkt hindeuten, warum Sie dann nicht abwarten dürfen, was bei Frauen anders sein kann und welche anderen Ursachen Ärztinnen und Ärzte in Betracht ziehen.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
8 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757
Mann hält sich im Sprechzimmer den linken Oberarm und spricht mit einer Ärztin
Ob Armschmerzen vom Herzen kommen, lässt sich nur ärztlich klären. Illustration, mit KI erstellt.

Wann sind Schmerzen im linken Arm gefährlich?

Gefährlich sind Armschmerzen vor allem dann, wenn sie Teil eines Herzinfarkts sind. Ein Herzinfarkt beginnt nach gesund.bund.de häufig mit Schmerzen in der Brust, die plötzlich auftreten oder sich langsam steigern. Sie können leicht oder sehr stark sein, gehen in körperlicher Ruhe nicht weg, dauern länger als fünf Minuten und können von der Brust in einen Arm, den Rücken, den Hals oder den Oberbauch ausstrahlen.

Die Deutsche Herzstiftung sagt es ebenso deutlich: Halten die Schmerzen länger als fünf Minuten an, sollten Sie sofort handeln. Bei einem Herzinfarkt ist jede Sekunde wertvoll. Je schneller er erkannt und behandelt wird, desto höher sind die Chancen, ohne schwerwiegende Folgen zu überleben; wird er schnell behandelt, kann sich das Herz in der Regel sogar vollständig erholen. Viele Menschen zögern aber, die 112 zu wählen, und verlieren damit lebensrettende Zeit.

Warten Sie deshalb nicht ab, ob der Schmerz von selbst vergeht. Lieber einmal zu viel den Notruf wählen als einmal zu wenig, rät die Herzstiftung.

Wie fühlen sich Herzinfarktschmerzen an?

Die Herzstiftung beschreibt folgende Anzeichen eines Herzinfarkts:

  • Starke Schmerzen und Druck im Brustkorb: überwiegend im Brustkorb oder ausschließlich hinter dem Brustbein, mit Ausstrahlung in Arme, Oberbauch, Rücken, Hals, Kiefer oder Schulterblätter.
  • Massives Engegefühl: ein heftiger Druck oder ein sehr starkes Einschnürungsgefühl, als würde „ein Elefant auf der Brust stehen“.
  • Heftiges Brennen im Brustkorb.
  • Angstschweiß mit kalter, fahler Haut und starker Angst.
  • Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Schmerzen im Oberbauch: unspezifische Zeichen, vor allem bei Frauen.

Besonders alarmierend sind nach der Herzstiftung Brustschmerzen oder Atemnot bei kleinsten Belastungen oder in Ruhe. Gesund.bund.de nennt zusätzlich Schmerzen oder Taubheitsgefühle im Oberkörper, die in Schulterblätter, Nacken und Kiefer ausstrahlen, sowie Schwächegefühl oder Bewusstlosigkeit. Als Faustregel gilt: Treten die Beschwerden in einem noch nie erlebten Ausmaß auf, rufen Sie den Rettungswagen mit Notarzt.

Wo schmerzt der Arm bei einem Herzinfarkt?

Die Quellen beschreiben den Armschmerz beim Herzinfarkt als Ausstrahlung: Der Schmerz beginnt meist in der Brust oder hinter dem Brustbein und zieht von dort in einen Arm oder in beide Arme. Eine bestimmte Seite oder eine genaue Stelle am Arm, etwa den Oberarm oder die Hand, nennen weder die Herzstiftung noch gesund.bund.de.

Nach DEXIMED kann der Schmerz bei einem Herzinfarkt auch in die Schulter ausstrahlen und als plötzlicher Schulterschmerz wahrgenommen werden, obwohl die Schulter selbst gar nicht geschädigt ist. Ein Schmerz in der Schulter schließt ein Herzproblem also nicht aus.

Entscheidend ist deshalb weniger, wo genau der Arm wehtut, sondern was dazukommt: Brustschmerz, Druck- oder Engegefühl, Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit, Schwäche, und ob die Beschwerden länger als fünf Minuten anhalten.

Anatomische Darstellung von Schulter, Brustkorb und Arm mit Muskeln und Nervenbahnen
Schmerzen im Arm können vom Arm selbst, von Schulter oder Wirbelsäule oder vom Herzen ausgehen. Illustration, mit KI erstellt.

Schmerzen im linken Arm bei Frauen

Bei Frauen sind die Anzeichen eines Herzinfarkts nach der Herzstiftung oft weniger eindeutig, gerade bei älteren Frauen. Der typische starke Brustschmerz ist manchmal weniger heftig als bei Männern; Frauen berichten eher von einem Druck- oder Engegefühl in der Brust. Weitere mögliche Anzeichen bei Frauen sind:

  • Kurzatmigkeit oder Atemnot,
  • Schweißausbrüche,
  • Rückenschmerzen, auch zwischen den Schulterblättern,
  • Übelkeit und Erbrechen,
  • Schmerzen im Oberbauch,
  • ein Ziehen in den Armen,
  • unerklärliche Müdigkeit.

Viele Frauen denken dabei zuerst an eine harmlose Magenverstimmung und kommen deshalb später in die Klinik als Männer. Nach gesund.bund.de können Luftnot, Übelkeit und Erbrechen bei Frauen sogar die einzigen Anzeichen sein. Die Herzstiftung rät: Beschwerden ernst nehmen und bei Symptomen in einem bisher nicht gekannten Ausmaß sofort Hilfe holen.

Kündigt sich ein Herzinfarkt an?

Bei vielen Menschen kommt der Herzinfarkt plötzlich und ohne Vorboten. Nach neueren Daten, die die Herzstiftung nennt, treten bei etwa der Hälfte der Betroffenen aber schon 24 bis 48 Stunden vorher Beschwerden auf: kurze Phasen von Brustenge oder Brennen hinter dem Brustbein, in Ruhe oder bei leichter Belastung, gelegentlich mit nächtlichem Erwachen.

Wer eine bekannte koronare Herzkrankheit hat und neue Beschwerden bemerkt oder spürt, dass bekannte Beschwerden zunehmen, muss schnell ärztliche Hilfe bekommen. Bestehen die Beschwerden auch in Ruhe, muss die 112 gerufen werden, denn es droht Lebensgefahr. Einem Herzinfarkt geht nach gesund.bund.de in der Regel eine mehrjährige koronare Herzkrankheit voraus, er kann aber auch Menschen treffen, die vorher keine Beschwerden hatten.

Was tun bei Verdacht auf Herzinfarkt?

  • Sofort 112 wählen und einen Rettungswagen mit Notarzt anfordern, nicht den ärztlichen Not- oder Bereitschaftsdienst der Hausärztinnen und Hausärzte.
  • Den Verdacht deutlich aussprechen: Sagen Sie am Telefon, dass Sie einen Herzinfarkt vermuten.
  • Nicht abwarten: Bei nächtlichen Beschwerden auf keinen Fall bis zum nächsten Morgen warten.
  • Nicht selbst fahren: Wer sich nicht zum Anruf durchringen kann, lässt sich nach der Herzstiftung in die nächste Brustschmerzambulanz (Chest Pain Unit) oder eine Klinikambulanz fahren, aber fährt auf keinen Fall selbst.

In der Klinik ist die wichtigste Untersuchung ein EKG. Das verschlossene Herzkranzgefäß muss so schnell wie möglich wieder geöffnet werden, meist mit einem Herzkatheter. Deshalb zählt jede Minute bis zur Behandlung.

Herz, Schulter oder Wirbelsäule?

Nicht jeder Schmerz im Arm oder in der Brust kommt vom Herzen. Die Herzstiftung nennt Erkrankungen der Wirbelsäule als wichtige Alternative: Bei älteren Menschen kann Verschleiß der Wirbelsäule Schmerzen im Brustkorb verursachen, und auch jüngere Menschen können Wirbelsäulenprobleme haben, deren Beschwerden in den Brustkorb ausstrahlen. Ein Hinweis kann die Situation sein: Wirbelsäulenbedingte Beschwerden treten meist in Ruhe auf, Schmerzen bei körperlicher Aktivität deuten eher auf das Herz.

Nach DEXIMED haben Schulterschmerzen ihren Ursprung häufig im Schultergelenk oder im Schultereckgelenk, aber auch Erkrankungen der Halswirbelsäule können Schmerzen in der Schulter verursachen. Ein eingeklemmter Nerv an der Schulter kann zu verminderter Kraft und Schmerzen an der Rückseite der Schulter führen.

Wichtig: Findet die Ärztin oder der Arzt eine Ursache an der Wirbelsäule, schließt das nach der Herzstiftung eine Herzerkrankung noch nicht aus. Beschreiben Sie deshalb möglichst genau, wann die Schmerzen auftreten. Schulterschmerzen ohne die genannten Warnzeichen sollten Sie nach DEXIMED ärztlich abklären lassen, wenn sie lange anhalten, immer wiederkehren, nach einer Verletzung begonnen haben oder mit weiteren Beschwerden wie Fieber einhergehen. Mehr zu Beschwerden von Schulter und Nacken lesen Sie in unseren Ratgebern zum Schulter-Arm-Syndrom und zum Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule.

Patient beschreibt einer Ärztin im Sprechzimmer seine Beschwerden
Wann und in welcher Situation die Schmerzen auftreten, ist für die Ärztin oder den Arzt ein wichtiger Hinweis. Illustration, mit KI erstellt.

Risikofaktoren und Vorbeugung

Risikofaktoren für einen Herzinfarkt sind nach gesund.bund.de Rauchen, starkes Übergewicht, ein erhöhter Cholesterinspiegel, Bluthochdruck und Diabetes; das Risiko steigt mit dem Alter. Die Herzstiftung nennt außerdem Stress, psychosoziale Belastung, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung.

Frauen erleiden einen Herzinfarkt im Durchschnitt später als Männer, nach der Herzstiftung statistisch etwa zehn Jahre nach den Wechseljahren, weil der schützende Effekt der Östrogene nachlässt. Gefährdet sind aber auch jüngere Frauen zwischen 40 und 50, vor allem bei ungesunder Lebensweise oder familiärer Belastung.

Als Schutzfaktoren nennt die Herzstiftung Bewegung, Entspannung, rauchfrei leben, gesund essen, gemeinsame Mahlzeiten, soziale Geborgenheit und die Grippeimpfung. Ob und welche Vorsorge für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Gesund.bund.de ist beim Notruf am strengsten: Treten Schmerzen im Brustbereich auf, sollen Betroffene immer die 112 wählen. Die Herzstiftung knüpft das sofortige Handeln an Schmerzen, die länger als fünf Minuten anhalten, und bietet für Unsichere einen Zwischenweg an: sich in eine Brustschmerzambulanz fahren lassen, aber nie selbst fahren. Im Zweifel gilt die strengere Empfehlung.

Zur Situation, in der Schmerzen auftreten, setzen die Texte der Herzstiftung unterschiedliche Akzente. Der Artikel zu Herz oder Wirbelsäule sagt, wirbelsäulenbedingte Beschwerden träten meist in Ruhe auf, Herzschmerzen eher bei Belastung. Der Artikel zu den Herzinfarkt-Anzeichen nennt dagegen Brustschmerzen in Ruhe besonders alarmierend, und gesund.bund.de betont, dass Herzinfarktschmerzen in Ruhe nicht weggehen. Schmerzen in Ruhe sind also kein Beweis für eine harmlose Ursache.

Zusammenfassung

  • Armschmerzen sind gefährlich, wenn sie zu einem Herzinfarkt gehören: mit Brustschmerz, Druck, Enge oder Brennen, länger als fünf Minuten.
  • Weitere Warnzeichen sind Atemnot, kalter Schweiß, fahle Haut, Übelkeit, Erbrechen, Schwäche und Todesangst.
  • Die Quellen nennen keine bestimmte Armseite; entscheidend sind die Begleitzeichen.
  • Bei Frauen können die Anzeichen unspezifischer sein, etwa ein Ziehen in den Armen, Rückenschmerzen oder Übelkeit.
  • Bei Verdacht sofort 112, nicht den Bereitschaftsdienst, nicht abwarten, nicht selbst fahren.
  • Armschmerzen ohne Warnzeichen können von Schulter oder Wirbelsäule kommen und gehören ärztlich abgeklärt.

Häufige Fragen zu Schmerzen im linken Arm

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wann sind Schmerzen im linken Arm gefährlich?

Wenn sie mit Brustschmerz, Druck- oder Engegefühl, Atemnot, kaltem Schweiß oder Übelkeit auftreten oder länger als fünf Minuten anhalten. Dann sofort den Notruf 112 wählen.

Wo schmerzt der linke Arm bei einem Herzinfarkt?

Herzstiftung und gesund.bund.de beschreiben einen Schmerz, der von der Brust in einen oder beide Arme ausstrahlt, ohne eine bestimmte Stelle oder Seite zu nennen. Er kann auch in Schulter, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch ziehen.

Wie fühlen sich Herzinfarktschmerzen an?

Oft als starker Schmerz, Druck oder Einschnürungsgefühl im Brustkorb, manchmal als heftiges Brennen, mit Angstschweiß und kalter, fahler Haut. Bei Frauen eher als Druck- oder Engegefühl mit Atemnot, Übelkeit oder Rückenschmerzen.

Wie fühlen sich Herzschmerzen im Arm an?

Die Quellen beschreiben sie als ausstrahlenden Schmerz aus der Brust; bei Frauen nennt die Herzstiftung auch ein Ziehen in den Armen. Gesund.bund.de nennt zudem Taubheitsgefühle im Oberkörper.

Kann ein Herzinfarkt nur mit Armschmerzen beginnen?

Die Quellen nennen Brustschmerz als häufigsten Beginn, beschreiben aber auch unspezifische Anzeichen, besonders bei Frauen. Treten Beschwerden in einem nie erlebten Ausmaß auf, rufen Sie nach der Herzstiftung den Rettungswagen.

Soll ich mit Verdacht auf Herzinfarkt selbst in die Klinik fahren?

Nein. Wählen Sie die 112. Wer sich nicht zum Anruf durchringen kann, lässt sich in eine Brustschmerzambulanz fahren, fährt aber auf keinen Fall selbst.

Quellen

  1. Deutsche Herzstiftung · Herzinfarkt rechtzeitig erkennen: Auf diese Anzeichen sollten Sie achten
  2. Deutsche Herzstiftung · Herzinfarkt bei Frauen: Diese Symptome sollten Sie kennen
  3. Deutsche Herzstiftung · Herzschmerzen oder Schmerzen in der Wirbelsäule?
  4. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Herzinfarkt (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG, Stand 28.08.2020)
  5. DEXIMED – Deutsche Experteninformation Medizin · Schulterschmerzen, Patienteninformation

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.