Was ist LDL-Cholesterin?
Alle Zellen brauchen Cholesterin, etwa für Zellhüllen, Hormone, Vitamin D oder Gallensäure. Weil es nicht wasserlöslich ist, wird es im Blut in Lipoproteinen transportiert. Das Gesamtcholesterin setzt sich vorwiegend aus HDL- und LDL-Cholesterin zusammen; LDL steht für „low density lipoprotein“, Lipoprotein niedriger Dichte.
LDL macht nach dem IQWiG den größten Anteil aus: Über zwei Drittel des Cholesterins im Blut liegen als LDL vor. In dieser Form wird Cholesterin von der Leber, wo es hauptsächlich hergestellt wird, in den Rest des Körpers gebracht. Umgangssprachlich heißt LDL „schlechtes Cholesterin“, weil hohe Werte mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind.
LDL ist also nicht dasselbe wie das Gesamtcholesterin. Nach der Deutschen Herzstiftung ist es von allen Blutfetten der wichtigste gut messbare Risikofaktor. Ein Überschuss fördert Ablagerungen in den Gefäßwänden; reißen instabile Ablagerungen ein, kann sich ein Gerinnsel bilden und plötzlich einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen.
Wann wird LDL bestimmt, und muss man nüchtern sein?
LDL wird meist zusammen mit HDL, Gesamtcholesterin und weiteren Blutfetten bestimmt, um Störungen des Fettstoffwechsels zu erkennen und das Herz-Kreislauf-Risiko abzuschätzen. Gesetzlich Versicherte haben nach dem IQWiG ab 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch auf einen Check-up, zwischen 18 und 35 Jahren einmal.
Mahlzeiten beeinflussen die Cholesterinwerte kaum; nüchtern sein ist daher nicht zwingend nötig. Weil oft weitere Werte gemessen werden, die nach dem Essen steigen, wird es meist trotzdem empfohlen: dann 8 Stunden vorher nichts essen und nur stilles Wasser trinken.
Die Herzstiftung empfiehlt, beim Check-up nicht nur das Gesamtcholesterin, sondern auch LDL, HDL beziehungsweise Nicht-HDL und Triglyzeride bestimmen zu lassen und den Lipoprotein(a)-Wert einmalig zu messen. Bei Frauen steigt LDL nach der Menopause häufig an; ab dann sollte das Lipidprofil regelmäßig kontrolliert werden.
Wie hoch darf ein LDL-Wert sein?
Das IQWiG nennt als Orientierung für Frauen und Männer über 18 Jahre einen Referenzbereich von unter 130 mg/dl (unter 3,36 mmol/l). Die Werte können sich je nach Labor und Testverfahren unterscheiden.
Die Herzstiftung beschreibt dagegen Zielwerte, die sich nach dem persönlichen Risiko richten:
- niedriges Risiko, also gesund und ohne Risikofaktoren: unter 116 mg/dl (unter 3,0 mmol/l)
- mäßig erhöhtes Risiko, etwa durch Übergewicht oder leicht erhöhten Blutdruck: unter 100 mg/dl (unter 2,6 mmol/l)
- hohes Risiko, etwa bei ausgeprägtem Bluthochdruck, erblich hohen Cholesterinwerten oder bei Rauchenden: unter 70 mg/dl (unter 1,8 mmol/l)
- sehr hohes Risiko, was die meisten Menschen mit Herzerkrankungen und mit Diabetes betrifft: unter 55 mg/dl (unter 1,4 mmol/l)
Welche Gruppe auf Sie zutrifft, ergibt sich nicht aus einem einzelnen Merkmal, sondern aus der ärztlichen Gesamtbewertung.
Referenzwert und Zielwert: Warum beides stimmt
Referenzbereich und Zielwert beantworten verschiedene Fragen. Der Referenzbereich des Labors zeigt, welche Werte bei Erwachsenen als Orientierung gelten. Der Zielwert beschreibt, wie niedrig das LDL bei einer Behandlung sein sollte, um das persönliche Risiko ausreichend zu senken. Nach der Herzstiftung zeigen Studien eindeutig: Je früher und stärker LDL gesenkt wird, desto weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle treten auf.
Ein Beispiel: Ein Befund zeigt 125 mg/dl und liegt damit im Referenzbereich unter 130. Für eine gesunde Person ohne Risikofaktoren kann das unauffällig sein. Hat jemand dagegen bereits eine Herzerkrankung, kann die Ärztin oder der Arzt einen Zielwert unter 55 anstreben, und derselbe Wert ist dann deutlich zu hoch. Beide Angaben widersprechen sich nicht; sie beziehen sich auf verschiedene Ausgangslagen.
Umgekehrt ist ein Wert über 130, etwa 160 mg/dl, ein Anlass, das Gesamtrisiko ärztlich einschätzen zu lassen, aber keine automatische Diagnose oder Verordnung. Auch die Einheit zählt: 3,36 mmol/l entsprechen 130 mg/dl.
Warum ist LDL erhöht?
Erhöhte LDL-Werte sind nach der Herzstiftung im Wesentlichen erblich bedingt. Zusätzlich können beitragen:
- wenig Bewegung und eine einseitige, fett- und kalorienreiche Ernährung, vor allem mit gesättigten Fettsäuren und Transfettsäuren
- starkes Übergewicht
- Krankheiten wie Diabetes, eine Schilddrüsenunterfunktion oder chronische Leber- und Nierenerkrankungen
- bestimmte Medikamente, etwa hormonelle Verhütungsmittel, Betablocker oder Kortisonpräparate
- Hormonveränderungen in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren
Bei der familiären Hypercholesterinämie ist der LDL-Wert durch angeborene Veränderungen schon von Kindheit an deutlich erhöht. Sie betrifft nach dem IQWiG etwa 0,2 bis 0,5 Prozent aller Menschen. Deshalb kann LDL auch bei schlanken Menschen hoch sein: Die Herzstiftung zitiert Prof. Laufs, dass es schlanke, gesund lebende und sportliche Menschen mit zu hohen Werten gibt.
Was bedeutet ein sehr niedriger Wert?
Niedrige LDL-Werte sind nach dem IQWiG in der Regel kein Grund für weitere Untersuchungen und im Rahmen einer Behandlung oft gewünscht. Stark erniedrigte Werte sind selten.
Mögliche Ursachen sehr niedriger Werte sind Krankheiten wie eine Schilddrüsenüberfunktion, Lebererkrankungen, chronische Infektionen oder Tumorerkrankungen, außerdem eine sehr hohe Dosis cholesterinsenkender Medikamente.
Ein unerwartet niedriger Wert ohne Behandlung sollte deshalb ärztlich abgeklärt werden, auch wenn er meist unbedenklich ist.
Welche Lebensmittel senken den LDL-Wert?
Das IQWiG empfiehlt, sich mehr zu bewegen, überschüssiges Gewicht zu verlieren, sich ausgewogener zu ernähren und nicht zu rauchen. Nach der Herzstiftung können Haferflocken, Haferkleie, Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen und Erbsen, Obst wie Himbeeren, Pilze und Gemüse wie Karotten, Brokkoli und Artischocken das LDL etwas senken, vor allem durch ihre unverdaulichen Bestandteile.
Realistisch ist mit besserer Ernährung meist ein Absenken um etwa 10 Prozent, manchmal 20 Prozent; bei Übergewicht und sehr fettreicher Ausgangsernährung ist der Effekt eher größer. Bei einem Ausgangswert von 160 mg/dl reicht das oft nicht, um einen niedrigen Zielwert zu erreichen. Cholesterin aus Eiern, Butter, Wurst oder Käse erhöht das LDL bei den meisten Menschen nur geringfügig; in Maßen dürfen sie auf dem Speiseplan stehen, solange die Kalorienzufuhr nicht zu Übergewicht führt.
Für Nahrungsergänzungsmittel wie Zimt, Knoblauch, Omega-3-Fettsäuren oder Pflanzensterole gibt es nach der Herzstiftung keinen Beleg für einen nennenswerten Effekt; von Rotschimmelreis rät sie ab. Mehr praktische Tipps finden Sie in unserem Ratgeber Cholesterin senken. In unserer Praxis in Bilbao begleiten wir Erwachsene in der Ernährungsberatung bei der Umstellung ihrer Essgewohnheiten, ergänzend zur ärztlichen Risikobewertung (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Bewegung, Rauchstopp und Medikamente
Regelmäßige Bewegung, am besten Ausdauer- und Krafttraining, ist nach der Herzstiftung extrem wichtig für Herz und Gefäße, auch wenn sich ihre Wirkung kaum am Cholesterinwert ablesen lässt: Sie verbessert unter anderem Blutzucker, Blutdruck und Gefäßfunktion. Ein Rauchstopp ist essenziell; das Herzinfarktrisiko ist bei Rauchenden mindestens doppelt so hoch.
Ob Medikamente nötig sind, hängt vom Gesamtrisiko ab. Bei leicht erhöhtem LDL und niedrigem Risiko reicht nach der Herzstiftung meist eine Umstellung des Lebensstils. Bei chronischen Vorerkrankungen, familiärer Veranlagung oder bestehender Gefäßerkrankung sind zusätzlich Lipidsenker nötig.
- Statine sind Mittel der Wahl bei mittlerem oder hohem Risiko; sie hemmen die körpereigene Cholesterinbildung, sodass Leber und Zellen mehr LDL aus dem Blut aufnehmen.
- Weitere Wirkstoffgruppen verringern die Cholesterinaufnahme im Darm oder wirken auf die LDL-Rezeptoren; letztere werden vor allem bei ausgewählten Hochrisikopatientinnen und -patienten eingesetzt.
Ernährung und Bewegung können Medikamente bei hohem Risiko also nicht ersetzen, aber ergänzen. Die Entscheidung trifft die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit Ihnen.
Wo sich die Quellen unterscheiden
IQWiG und Herzstiftung stimmen darin überein, dass LDL ein bedeutender Risikofaktor ist, dass das persönliche Risiko nur mit allen Faktoren zusammen beurteilt werden kann und dass Bewegung, Gewichtsabnahme, ausgewogene Ernährung und Nichtrauchen helfen.
Der wichtigste Unterschied betrifft die Zahlen. Das IQWiG nennt einen Referenzbereich unter 130 mg/dl als Laborwert-Orientierung. Die Herzstiftung, die sich nach den Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie richtet, nennt risikoabhängige Zielwerte von unter 116 bis unter 55 mg/dl. Beides sollte man nicht mitteln: Es sind unterschiedliche Maßstäbe für unterschiedliche Fragen.
Außerdem betont die Herzstiftung stärker die erbliche Prägung und die begrenzte Wirkung der Ernährung, während das IQWiG ausführlicher auf niedrige Werte, Medikamente als Ursache und die Rahmenbedingungen der Blutabnahme eingeht.
Zusammenfassung
LDL-Cholesterin transportiert Cholesterin von der Leber in den Körper und ist der wichtigste gut messbare Blutfett-Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Als Laborreferenz gilt nach dem IQWiG unter 130 mg/dl; Behandlungsziele hängen vom Gesamtrisiko ab und können deutlich niedriger liegen.
Hohe Werte sind vor allem erblich bedingt, werden aber durch Ernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht, Krankheiten und Medikamente mitbestimmt. Ernährung senkt LDL meist um etwa 10 Prozent; bei hohem Risiko sind zusätzlich Medikamente nötig. Bewegung und Rauchstopp schützen Herz und Gefäße unabhängig vom Cholesterinwert.
Häufige Fragen zum LDL-Cholesterin
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Ist LDL 160 zu hoch?
Der Wert liegt über dem Referenzbereich von unter 130 mg/dl. Ob und wie behandelt wird, hängt vom persönlichen Gesamtrisiko ab. Ernährung allein reicht bei einem solchen Ausgangswert oft nicht, um einen niedrigen Zielwert zu erreichen.
Was sollte man bei zu hohem LDL nicht essen?
Ungünstig ist eine fett- und kalorienreiche Ernährung mit viel gesättigten Fettsäuren und Transfettsäuren. Eier, Butter, Wurst oder Käse sind in Maßen möglich, solange die Kalorien nicht zu Übergewicht führen.
Sind Laborreferenz und Therapieziel identisch?
Nein. Die Referenz unter 130 mg/dl dient der Orientierung, Zielwerte von unter 116 bis unter 55 mg/dl richten sich nach dem persönlichen Risiko. Beides beantwortet unterschiedliche Fragen.
Kann LDL auch bei schlanken Menschen hoch sein?
Ja. Der Cholesterinspiegel ist im Wesentlichen erblich bestimmt. Bei der familiären Hypercholesterinämie ist LDL schon von Kindheit an deutlich erhöht.
Muss man zur Blutabnahme nüchtern sein?
Für Cholesterin nicht zwingend, weil Mahlzeiten die Werte kaum beeinflussen. Werden weitere Werte gemessen, wird es meist empfohlen: 8 Stunden nichts essen, nur stilles Wasser.
Können Ernährung und Bewegung Medikamente ersetzen?
Bei niedrigem Risiko reicht oft eine Lebensstiländerung. Bei Vorerkrankungen, familiärer Veranlagung oder Gefäßerkrankungen sind zusätzlich Medikamente nötig; Ernährung und Bewegung ergänzen sie.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · LDL-Cholesterin
- Deutsche Herzstiftung: Cholesterinspiegel senken – was wirklich hilft
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
