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Kieferschmerzen: Ursachen und wann Hilfe nötig ist

Schmerzen im Kiefer sind meist harmlos und gehen zurück, wenn sich der überlastete Kiefer erholt. Dahinter können aber auch eine Funktionsstörung des Kausystems, eine Veränderung am Kiefergelenk, Zahn- oder Nebenhöhlenprobleme stecken und in seltenen Fällen ein Herzinfarkt. Dieser Ratgeber erklärt nach dem Gesundheitsmagazin der AOK und dem Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums, welche Ursachen infrage kommen, was Sie selbst tun können und wann Sie sofort Hilfe brauchen.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
6 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Wie Kiefer, Gelenk und Kaumuskeln zusammenarbeiten

Der bewegliche Unterkiefer ist über das linke und das rechte Kiefergelenk mit dem Schädel verbunden. Die Kiefergelenke liegen nach gesund.bund.de rechts und links knapp unterhalb der Ohren und ermöglichen zum Beispiel das Kauen.

Kauen ist nach der AOK ein komplexes Zusammenspiel: Lippen, Zunge, Wangen und Gaumen bringen die Nahrung in Position, Ober- und Unterkiefer mit den Zähnen, die Kiefergelenke und die Kaumuskulatur zerkleinern sie. Sensoren in Muskeln, Gelenk und Zähnen sorgen dafür, dass man nicht zu fest zubeißt. Weil das Kiefergelenk am Schädel liegt und über Muskeln und Nerven mit Ohren, Augen, Hals, Schultern und Halswirbelsäule in Verbindung steht, können Schmerzen unter dem Ohr und am Kiefer zusammenhängen.

Welche Beschwerden mit dem Kiefer zusammenhängen können

Nach der AOK kann das Kiefergelenk unter anderem an diesen Beschwerden beteiligt sein:

  • Kiefer-, Kau- und Zahnschmerzen,
  • Kopfschmerzen und Nackenverspannungen,
  • Schulterschmerzen,
  • Schwindel und Sehstörungen,
  • Taubheitsgefühl und Kribbeln im Gesicht,
  • Ohrgeräusche (Tinnitus) und Schluckbeschwerden.

Das heißt nicht, dass jede dieser Beschwerden vom Kiefer kommt. Schwindel, Ohrgeräusche oder Kribbeln im Gesicht haben viele mögliche Ursachen und sollten ärztlich abgeklärt werden. Mehr dazu lesen Sie in den Ratgebern Tinnitus und Nackenverspannung.

Überlastung und Verletzungen als Ursache

Häufig ist der Kiefer schlicht überlastet. Die AOK nennt als Beispiele:

  • exzessives Kaugummikauen,
  • langes Mundöffnen in der Zahnarztpraxis,
  • zu festes Zubeißen beim Essen,
  • zu schnelle oder zu weite Bewegungen des Unterkiefers, etwa beim ausgiebigen Gähnen.

Solche Beschwerden, auch einseitige Schmerzen links oder rechts, verschwinden meist, wenn sich der Kiefer von den Strapazen erholt. Länger stören direkte Verletzungen: ein Unterkieferbruch nach einem Sturz, Verletzungen an Bändern oder Kapseln durch einen Sportunfall, Muskelzerrungen oder Nervenverletzungen als Komplikation einer zahnärztlichen Spritze. Auch Zähneknirschen und Zähnepressen begünstigen nach der AOK Kieferschmerzen.

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

Bei einer Craniomandibulären Dysfunktion, auch Myoarthropathie oder Kiefergelenksyndrom genannt, ist das Kausystem krankhaft gestört. Die Funktionsstörungen betreffen nach der AOK Kiefer, Kaumuskulatur und Nerven und können Schmerzen im Kopf, Nacken oder in den Schultern verursachen.

Die Störung entsteht unter anderem, wenn Ober- und Unterkiefer nicht richtig zusammenpassen, etwa durch Fehlstellungen oder unpassenden Zahnersatz. Auch die Körperhaltung spielt eine Rolle: Wer viel sitzt, belastet die Kiefergelenke stärker. Zudem kann Stress Schmerzen im Kiefer verursachen.

Wichtig: CMD ist eine mögliche Ursache, aber nicht jeder Kieferschmerz ist eine CMD. Ob sie vorliegt, klärt eine Untersuchung in der Zahnarztpraxis.

Veränderungen am Kiefergelenk

Das Kiefergelenk selbst kann verändert oder geschädigt sein. gesund.bund.de nennt dafür Beispiele:

  • Gelenkknorpel, der über das normale Maß hinaus abgenutzt ist,
  • eine Entzündung im Bereich der Kiefergelenke,
  • Kiefergelenke, die von Geburt an weniger beweglich sind,
  • vergrößerte Teile des Unterkieferknochens.

Mögliche Folgen sind Schmerzen im Gesicht oder in anderen Bereichen des Kopfes, Schwierigkeiten beim Kauen oder beim Öffnen des Mundes sowie ein Knacken oder Reiben im Gelenk. Fieber, eine Schwellung oder eine deutlich eingeschränkte Mundöffnung sollten zeitnah untersucht werden.

Kieferschmerzen bei Erkältung und Nebenhöhlenentzündung

Kommen die Schmerzen zusammen mit einer verstopften Nase, kann eine Nasennebenhöhlenentzündung dahinterstecken. Die Nebenhöhlen reichen nach gesund.bund.de nach unten bis zu den Zähnen des Oberkiefers. Typisch sind Beschwerden im Bereich des Kiefers, der Stirn oder um die Augen, seltener an den Zähnen. Beim Vorbeugen werden Druck und Verstopfungsgefühl meist stärker.

Auch die AOK nennt Entzündungen der Nasennebenhöhlen und des Zahnhalteapparats als mögliche Ursachen anhaltender Kieferbeschwerden. Hohes Fieber, Schwellungen um die Augen, starke Gesichtsschmerzen oder ein steifer Nacken bei einer Nebenhöhlenentzündung sind nach gesund.bund.de ein Grund, sofort eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen.

Notfall: Kieferschmerzen bei einem Herzinfarkt

Ein Herzinfarkt beginnt nach gesund.bund.de häufig mit Schmerzen in der Brust, die plötzlich auftreten oder sich langsam steigern, in Ruhe nicht weggehen und länger als fünf Minuten dauern. Schmerzen oder Taubheitsgefühle im Oberkörper können dabei in Schulterblätter, Nacken und Kiefer ausstrahlen. Rufen Sie sofort den Notruf 112, wenn Kieferschmerzen zusammen mit diesen Zeichen auftreten:

  • Brustschmerzen, Druck- oder Engegefühl im Brustkorb,
  • Atemnot,
  • Blässe, Schweißausbrüche oder kalter Schweiß,
  • Übelkeit oder Erbrechen,
  • Schwächegefühl, Schwindel oder Bewusstlosigkeit.

Fordern Sie einen Rettungswagen mit Notarzt an, nicht den hausärztlichen Bereitschaftsdienst, und warten Sie bei nächtlichen Beschwerden nicht bis zum Morgen. Bei Frauen können Luftnot, Übelkeit und Erbrechen die einzigen Anzeichen sein. Die Seite des Schmerzes, links oder rechts, erlaubt keine Entwarnung, und ein solcher Verdacht gehört nie zuerst in die Physiotherapie.

Was bei Kieferschmerzen hilft und wann zum Zahnarzt

Bei harmlosen Überlastungsbeschwerden empfiehlt die AOK:

  • Überlastungen vermeiden: kein stundenlanges Kaugummikauen, kein Gähnen mit weit geöffnetem Mund, nicht zu viel Druck beim Abbeißen und Kauen,
  • für muskuläre Entspannung sorgen, etwa mit Bewegungspausen, Spaziergängen oder Sport, wenn Sie viel sitzen,
  • regelmäßige Auszeiten nehmen, um die Psyche zu entlasten.

Erzwingen Sie keine weite Mundöffnung und massieren Sie nicht gegen starken Schmerz. Halten die Beschwerden über mehrere Wochen an oder sind sie sehr ausgeprägt, vereinbaren Sie einen Termin in einer Zahnarztpraxis. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt kann gezielte Übungen für zu Hause empfehlen und eine Schienentherapie oder Physiotherapie verordnen.

Ist eine muskuläre oder gelenkbedingte Ursache ärztlich oder zahnärztlich geklärt, begleiten wir die Behandlung in unserer Praxis für Physiotherapie in Bilbao (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Wo die Quellen unterschiedlich gewichten

Die AOK beschreibt den Kiefer als sehr sensibles System und zählt eine breite Liste von Beschwerden auf, an denen das Kiefergelenk beteiligt sein kann, darunter Schwindel, Sehstörungen und Tinnitus. Die Erläuterung von gesund.bund.de zu Erkrankungen des Kiefergelenks bleibt enger: Sie nennt Schmerzen im Gesicht und Kopf, Probleme beim Kauen und Mundöffnen sowie Knacken oder Reiben.

Für die Praxis bedeutet das: Der Kiefer kann an solchen Beschwerden beteiligt sein, sie beweisen aber keine Kieferursache. Auch die Häufigkeitsangabe der AOK, nach der schätzungsweise 20 Prozent der Bevölkerung behandlungsbedürftige CMD-Beschwerden haben, ist eine Schätzung und keine Aussage über den Einzelfall. Für den Notfall sind sich die Quellen nicht widersprüchlich: Kieferschmerzen mit Brustschmerzen oder Atemnot sind nach gesund.bund.de immer ein Fall für die 112.

Kieferschmerzen im Überblick

  • Meist steckt eine Überlastung dahinter, die nach Schonung von selbst abklingt.
  • CMD, Veränderungen am Kiefergelenk, Zahn- und Nebenhöhlenentzündungen sind weitere mögliche Ursachen.
  • Kieferschmerzen mit Brustschmerzen, Atemnot oder kaltem Schweiß: sofort 112.
  • Fieber, Schwellung oder kaum mögliche Mundöffnung zeitnah abklären lassen.
  • Bei Beschwerden über mehrere Wochen hilft die Zahnarztpraxis bei der Ursachensuche.
  • Physiotherapie kommt infrage, wenn eine muskuläre oder gelenkbedingte Ursache geklärt ist.

Häufige Fragen zu Kieferschmerzen

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was können Schmerzen im Kiefer bedeuten?

Am häufigsten eine Überlastung, etwa durch Kaugummikauen, festes Zubeißen oder weites Gähnen. Möglich sind auch eine Funktionsstörung des Kausystems (CMD), Veränderungen oder Entzündungen am Kiefergelenk, Zahn- oder Nebenhöhlenentzündungen, Verletzungen und selten ein Herzinfarkt.

Was tun, wenn man Kieferschmerzen hat?

Den Kiefer schonen: kein Dauerkauen, kein weites Gähnen, weniger Druck beim Kauen, dazu Entspannung und Bewegungspausen. Halten die Schmerzen mehrere Wochen an oder sind sie stark, sollten Sie in die Zahnarztpraxis gehen. Mit Brustschmerzen oder Atemnot: sofort 112.

Wie fühlt sich eine Kieferentzündung an?

Die genutzten Quellen beschreiben Entzündungen im Bereich der Kiefergelenke mit möglichen Schmerzen im Gesicht oder Kopf, Schwierigkeiten beim Kauen oder Mundöffnen. Fieber, Schwellung oder eine stark eingeschränkte Mundöffnung sollten zeitnah ärztlich oder zahnärztlich untersucht werden.

Wie fühlen sich Kieferschmerzen bei einem Herzinfarkt an?

Sie strahlen meist zusammen mit Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust in den Kiefer aus; dazu können Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit und Schwäche kommen. Die Schmerzen gehen in Ruhe nicht weg. In diesem Fall sofort den Notruf 112 wählen.

Sind Kieferschmerzen immer eine CMD?

Nein. CMD ist eine mögliche Ursache, daneben kommen Überlastung, Verletzungen, Veränderungen am Kiefergelenk sowie Zahn- und Nebenhöhlenentzündungen infrage. Ob eine CMD vorliegt, klärt die Untersuchung in der Zahnarztpraxis.

Wann kann Physiotherapie sinnvoll sein?

Wenn ärztlich oder zahnärztlich eine muskuläre oder gelenkbedingte Ursache festgestellt wurde. Nach der AOK kann die Zahnärztin oder der Zahnarzt neben Übungen und einer Schiene auch Physiotherapie verordnen. Bei Verdacht auf einen Notfall ist Physiotherapie nicht der richtige Weg.

Quellen

  1. AOK-Gesundheitsmagazin · Kieferschmerzen: Auswirkungen auf den Rest des Körpers
  2. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · ICD-10-Code K07.6: Krankheiten des Kiefergelenkes
  3. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Herzinfarkt
  4. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Nasennebenhöhlenentzündung

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.