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Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule (HWS): Symptome und Behandlung

Ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule kann Nackenschmerzen verursachen, die in den Arm ausstrahlen, manchmal mit Kribbeln oder Schwäche in Arm und Hand. Oft bessern sich die Beschwerden ohne Operation, bei bestimmten Ausfällen ist aber rasches Handeln nötig. Dieser Ratgeber erklärt nach den Informationen der Neurochirurgie des Universitätsklinikums Würzburg und von gesund.bund.de, wie sich ein HWS-Bandscheibenvorfall zeigt, welche Warnzeichen es gibt, wann Bildgebung sinnvoll ist und welche Behandlungen infrage kommen. Er richtet sich an Erwachsene.

Thema
Neurophysiologie
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule?

Die Bandscheiben dienen als abfedernder Puffer zwischen den Wirbelkörpern. Von einem Vorfall spricht man nach der Neurochirurgie des Universitätsklinikums Würzburg, wenn sich ein Teil der Bandscheibe Richtung Wirbelkanal und Nerven vorwölbt. Das kann Schmerzen und auch neurologische Ausfälle verursachen, wenn der Vorfall auf das Rückenmark oder eine Nervenwurzel drückt.

Am häufigsten treten Bandscheibenvorfälle im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule auf (siehe Bandscheibenvorfall). An der Halswirbelsäule (HWS) sind sie seltener, betreffen aber Nacken, Arme und Hände. Im Laufe des Lebens kommt es nach gesund.bund.de zudem zu normalen Verschleißerscheinungen: Die Bandscheiben werden dünner, und an den Rändern der Wirbelkörper können sich kleine Zacken bilden.

Wie merke ich, ob ich einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule habe?

Neben Nackenschmerzen verursachen Bandscheibenvorfälle der HWS nach der Würzburger Neurochirurgie typischerweise Schmerzen im Arm. gesund.bund.de unterscheidet zwei Schmerzformen:

  • Axiale Schmerzen bleiben vor allem im Bereich der Halswirbelsäule und reichen manchmal bis zu den Schultern.
  • Radikuläre Schmerzen strahlen entlang von Nervenbahnen aus, zum Beispiel in den Hinterkopf oder bis in einen Arm. Sie werden meist durch gereizte Nerven ausgelöst, etwa wenn eine Bandscheibe der HWS auf einen Nerv drückt. Das kann auch Reflexe und Muskelkraft im Arm beeinträchtigen oder zu Kribbeln führen.

Sicher feststellen lässt sich ein Bandscheibenvorfall aber nur ärztlich. Ähnliche Beschwerden, die in Schulter oder Arm ausstrahlen, kann nach gesund.bund.de auch eine Verengung des Wirbelkanals verursachen. Kann ein Vorfall ohne Schmerzen bestehen? Ja: Ein Bandscheibenvorfall kann zu Nackenschmerzen führen, muss es aber nicht. Allgemeine Nackenschmerzen ohne Ausstrahlung behandelt der Ratgeber Nackenschmerzen.

Was bedeutet Wurzelkompression?

Von einer Wurzelkompression spricht man, wenn eine Nervenwurzel, also der Abschnitt eines Nervs an seinem Austritt aus dem Wirbelkanal, unter Druck gerät. Gerät die Nervenwurzel durch einen HWS-Bandscheibenvorfall unter Druck, kann das nach der Würzburger Neurochirurgie mit Gefühlsstörungen und Schwäche der Arm- oder Handmuskulatur verbunden sein.

Nicht jede Wurzelkompression stammt von einem Bandscheibenvorfall: gesund.bund.de nennt als weitere Ursache für ausstrahlende Beschwerden die Verengung des Wirbelkanals. Davon zu unterscheiden ist der Druck auf das Rückenmark selbst. Große Bandscheibenvorfälle können nach der Würzburger Neurochirurgie auf das Rückenmark drücken; das kann sich als Gangstörung, Gefühlsstörung in den Beinen oder Störung der Blasen- und Darmfunktion bemerkbar machen.

Ist ein Bandscheibenvorfall im Halswirbel gefährlich? Welche Ausfälle sind dringend?

Nackenschmerzen weisen nach gesund.bund.de nur sehr selten auf eine ernsthafte Erkrankung hin. Schnelle ärztliche Hilfe ist aber wichtig bei:

  • Nervenstörungen, Lähmungserscheinungen oder Schwierigkeiten, den Arm oder die Finger zu bewegen
  • Kontrollverlust beim Wasserlassen oder Stuhlgang
  • einem vorangegangenen Unfall
  • gleichbleibend starken Schmerzen in Ruhe und bei Bewegung
  • unerklärlichem Gewichtsverlust, Fieber oder Schüttelfrost
  • Genickstarre oder Kopfschmerzen mit Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Lichtempfindlichkeit

Ärztlich abklären lassen sollte man es außerdem, wenn ein Kribbeln länger andauert, Hände oder Beine häufig einschlafen, die Beine geschwächt sind oder beim Gehen Gleichgewichtsprobleme auftreten. Gefährlich ist ein HWS-Bandscheibenvorfall also vor allem dann, wenn er Nerven oder Rückenmark so bedrängt, dass Ausfälle entstehen.

Wann braucht man ein MRT?

Die Ärztin oder der Arzt fragt nach gesund.bund.de zuerst nach den Umständen, etwa einem Unfall, der genauen Lage der Schmerzen oder besonderen Belastungen. Die körperliche Untersuchung dient dazu, ernsthafte Ursachen auszuschließen: Hals und Nacken werden abgetastet, Beweglichkeit des Kopfes und Reflexe geprüft und die Muskelkraft in Armen und Schultern untersucht.

Röntgen, Computer- oder Kernspintomografie (MRT) sind bei Nackenschmerzen in der Regel nur erforderlich, wenn Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung vorliegen oder der Verdacht auf eine bestimmte Ursache besteht. Ohne solche Hinweise sind Bilder normalerweise nicht hilfreich: Viele Menschen haben sichtbare Verschleißerscheinungen an der HWS, aber keinerlei Beschwerden. Ein Befund im MRT ist deshalb immer zusammen mit den Beschwerden und der Untersuchung zu deuten. Ob zusätzlich eine Messung der Nervenfunktion sinnvoll ist, entscheidet das Behandlungsteam im Einzelfall.

Beschwerden, Befund und Veränderungen auf einer Karte

Für Gespräche mit dem Behandlungsteam hilft eine kurze, aktuelle Notiz. Sie ersetzt keine Diagnose, macht aber Veränderungen sichtbar:

  • Schmerzort und Seite: nur Nacken, Schulter, Arm, bis in welche Finger, rechts oder links?
  • Gefühl und Kraft: Kribbeln, Taubheit, Schwäche beim Greifen, Knöpfen oder Heben?
  • Beine und Gang: Unsicherheit beim Gehen, geschwächte Beine, Gleichgewichtsprobleme?
  • Befund: Datum und Kernaussage des MRT- oder anderen Befunds, ohne die Höhenangabe allein als Erklärung zu nehmen
  • Verlauf: besser, gleich oder schlechter seit dem letzten Termin, und was sich im Alltag verändert hat

Verschlechtern sich Kraft, Gefühl, Gang oder Blasen- und Darmfunktion, sollte das nicht bis zum nächsten Routinetermin warten.

Behandlung ohne Operation und was man nicht machen sollte

Wenn die Schmerzen im Vordergrund stehen und neurologische Ausfälle fehlen, führt nach der Würzburger Neurochirurgie eine konservative Therapie aus Schmerzmitteln, Physiotherapie, Wärmebehandlung und muskelentspannenden Maßnahmen häufig zur Schmerzfreiheit. gesund.bund.de nennt für Nackenschmerzen allgemein Wärme, Dehn- und Kräftigungsübungen, Massagen und Schmerzmittel, betont aber, dass die meisten Behandlungen nicht ausreichend untersucht sind.

Was darf man bei einem HWS-Bandscheibenvorfall nicht machen? Die Quellen geben keine Verbotsliste. Wichtig ist vor allem, Warnzeichen nicht abzuwarten. Welche Bewegungen angemessen sind, sollte bei Wurzelbeschwerden mit dem Behandlungsteam abgestimmt werden; die allgemeine Empfehlung, bei harmlosen Nackenschmerzen aktiv zu bleiben, lässt sich nicht ungeprüft auf Ausfälle übertragen.

In unserer Praxis in Bilbao bieten wir Erwachsenen eine allgemeine Erstberatung zu neurophysiologischen Fragen an (die Beratung findet auf Spanisch statt); mehr über den Bereich Neurophysiologie finden Sie auf der Leistungsseite. Ob und welche Untersuchung sinnvoll ist, wird im Einzelfall ärztlich entschieden. Ist Physiotherapie ärztlich verordnet, finden Sie unser Angebot unter Physiotherapie. Operationen bieten wir nicht an.

Muss jeder operiert werden? Wie lange dauert es?

Nein. Bandscheibenvorfälle mit neurologischen Ausfällen sollten nach der Würzburger Neurochirurgie rasch operiert werden. Bessern sich die Schmerzen unter konservativer Behandlung innerhalb einiger Wochen nicht deutlich, empfiehlt die Klinik ebenfalls eine Operation. An der HWS gibt es zwei Zugänge: von vorne über einen kleinen Schnitt am Hals, oft mit anschließender Versteifung des Segments oder in ausgewählten Fällen mit einer Bandscheibenprothese, oder von hinten über den Nacken mit Erweiterung des Nervenaustrittslochs, wenn der Vorfall weit genug seitlich liegt und keine knöcherne Verengung vorliegt.

gesund.bund.de ist zurückhaltender: Eine Operation komme nur infrage, wenn eine eindeutige, operativ behebbare Ursache feststeht; bei einem Bandscheibenvorfall biete sie meist keinen großen Vorteil, weil sich Vorfälle oft von allein zurückbilden, und Eingriffe an der HWS seien mit Risiken verbunden. Wie lange ein HWS-Bandscheibenvorfall andauert, ist individuell verschieden; eine feste Dauer nennen die Quellen nicht.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Operation: Die Würzburger Neurochirurgie empfiehlt bei neurologischen Ausfällen eine rasche Operation und auch dann, wenn sich die Schmerzen nach einigen Wochen konservativer Therapie nicht deutlich bessern. gesund.bund.de betont, dass eine Operation bei Bandscheibenvorfällen meist keinen großen Vorteil bietet und Risiken hat, und rät, Vor- und Nachteile genau abzuwägen. Die Klinik beschreibt chirurgische Erfahrung, das Portal allgemeine Nackenschmerzen.

Schwerpunkt: gesund.bund.de behandelt Nackenschmerzen insgesamt; Empfehlungen zur Aktivität beziehen sich auf harmlose Verläufe und gelten nicht automatisch bei Druck auf Nerven oder Rückenmark.

Aktualität: gesund.bund.de hat den Stand 09.06.2023 (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG); die Klinikseite nennt kein Datum.

Zusammenfassung

  • Ein HWS-Bandscheibenvorfall verursacht typischerweise Nacken- und Armschmerzen, bei Druck auf eine Nervenwurzel auch Kribbeln und Schwäche in Arm oder Hand.
  • Große Vorfälle können auf das Rückenmark drücken: Gangstörungen, Beinschwäche oder Blasen- und Darmstörungen müssen schnell abgeklärt werden.
  • Bildgebung ist vor allem bei Warnzeichen oder konkretem Verdacht sinnvoll; Verschleiß im MRT ist häufig und nicht automatisch die Ursache.
  • Ohne Ausfälle wird meist zunächst konservativ behandelt.
  • Ob operiert wird, hängt von Ausfällen und Verlauf ab; die Quellen gewichten den Nutzen unterschiedlich.
  • Eine kurze Notiz zu Schmerzort, Kraft, Gang und Verlauf hilft dem Behandlungsteam.

Häufige Fragen zum HWS-Bandscheibenvorfall

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie merke ich, ob ich einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule habe?

Typisch sind Nackenschmerzen, die in einen Arm ausstrahlen, manchmal mit Kribbeln, Gefühlsstörungen oder Schwäche in Arm oder Hand. Ähnliche Beschwerden haben aber auch andere Ursachen; sicher klären lässt es nur eine ärztliche Untersuchung.

Was darf man bei einem Bandscheibenvorfall in der HWS nicht machen?

Warnzeichen wie Lähmungen, Gangstörungen oder Blasen- und Darmprobleme nicht abwarten. Welche Bewegungen und Übungen passen, sollte bei ausstrahlenden Beschwerden mit dem Behandlungsteam abgestimmt werden.

Ist ein Bandscheibenvorfall im Halswirbel gefährlich?

Meist nicht, aber er kann es werden, wenn er Nervenwurzeln oder das Rückenmark so stark bedrängt, dass Lähmungen, Gangstörungen oder Störungen von Blase und Darm entstehen. Dann ist schnelle Hilfe nötig.

Wie lange dauert ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule?

Das ist individuell verschieden; eine feste Dauer nennen die Quellen nicht. Ohne Ausfälle führt konservative Therapie häufig zur Schmerzfreiheit, und Vorfälle bilden sich oft von allein zurück.

Wann braucht man ein MRT?

Vor allem bei Warnzeichen für eine ernsthafte Erkrankung oder bei Verdacht auf eine bestimmte Ursache, etwa bei Ausfällen. Ohne solche Hinweise ist Bildgebung normalerweise nicht hilfreich.

Muss jeder operiert werden?

Nein. Eine Operation wird vor allem bei neurologischen Ausfällen erwogen oder wenn sich die Schmerzen unter konservativer Therapie nicht bessern. Vor- und Nachteile sollten genau abgewogen werden.

Quellen

  1. Universitätsklinikum Würzburg, Neurochirurgie: Bandscheibenvorfälle
  2. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Nackenschmerzen: Ursachen und Behandlung

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.