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Interkostalneuralgie: Symptome und ärztliche Abklärung

Ein scharfer, brennender oder stechender Schmerz, der zwischen den Rippen entlangzieht und beim Atmen, Husten oder Drehen stärker wird, kann von einem gereizten Zwischenrippennerv kommen. Man spricht dann von einer Interkostalneuralgie. Sie ist keine eigene Krankheit, sondern ein Symptom mit verschiedenen Ursachen. Weil Schmerzen im Brustkorb auch auf Herz oder Lunge hinweisen können, gehört die Abklärung in ärztliche Hände. Dieser Ratgeber erklärt nach dem AOK-Gesundheitsmagazin, dem Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums und der BARMER, woran man eine Interkostalneuralgie erkennt, wie sie behandelt wird und wann Brustschmerz ein Notfall ist.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
9 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine Interkostalneuralgie?

Zwischen den Rippen verlaufen die Zwischenrippennerven (Interkostalnerven). Bei einer Interkostalneuralgie ist nach dem AOK-Gesundheitsmagazin einer oder sind mehrere dieser Nerven schmerzhaft gereizt. Die Schmerzen treten entlang der Nervenbahnen auf, die von der Wirbelsäule zwischen den Rippen bis zum Brustbein und zur Bauchdecke reichen. Entweder ist der Nerv selbst geschädigt oder die Struktur, die ihn umgibt.

Wichtig: Die Interkostalneuralgie ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann. Im ICD-10, nach dem in Deutschland Diagnosen verschlüsselt werden, gibt es den Code G58.0 Interkostalneuropathie. gesund.bund.de erklärt ihn so: Ein einzelner Nerv zwischen den Rippen ist geschädigt. Ein Nerv kann zum Beispiel durch starken oder dauerhaften Druck, durch altersbedingte Veränderungen an Wirbelsäule oder Knochen oder durch äußere Einflüsse wie Kälte oder Strahlung geschädigt werden.

Nicht jeder Schmerz zwischen den Rippen ist ein Nervenschmerz. Auch Muskeln, Rippen, Rippenfell, Lunge oder Herz können Schmerzen im Brustkorb verursachen. Darum ist die Interkostalneuralgie eine Diagnose, die ärztlich gestellt wird, nachdem andere Ursachen bedacht wurden.

Welche Symptome treten auf?

Die Schmerzen können nach der AOK scharf, brennend oder stechend sein. Sie können anhaltend spürbar sein oder zwischendurch nachlassen und wiederkehren. Typische Merkmale aus den Quellen:

  • Schmerz entlang einer Rippe, oft auf einer Seite: Die BARMER beschreibt die Reizung von Nerven als gürtelförmige Schmerzen auf der rechten oder linken Seite des Brustkorbs;
  • Verstärkung bei körperlicher Aktivität und bestimmten Bewegungen, etwa beim Drehen des Oberkörpers, Springen, Lachen, Husten oder Niesen;
  • ausgeprägte Schmerzverstärkung beim tiefen Ein- und Ausatmen, bis hin zu einem Gefühl der Atemnot, weil die Rippenmuskeln an der Atmung beteiligt sind;
  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln; nach gesund.bund.de kann man bei einem geschädigten Nerv in der Haut weniger oder nichts mehr fühlen oder Brennen spüren;
  • in manchen Fällen unwillkürliche Zuckungen einzelner Muskelgruppen.

Selbst wenn die Ursache, zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall, bereits abgeklungen ist, können die Schmerzen nach der AOK fortbestehen.

Ursachen: Operation, Gürtelrose und andere Auslöser

Manchmal lässt sich kein Auslöser feststellen. Am häufigsten sind nach der AOK zwei Ursachen:

  • Operationen am Brustkorb: Eine sehr häufige Ursache sind Eingriffe, bei denen die Brustwand geöffnet wird (Thorakotomie). Schätzungsweise jede zweite Person entwickelt danach eine Interkostalneuralgie, akut oder bei dauerhafter Nervenschädigung chronisch (Postthorakotomie-Syndrom).
  • Gürtelrose: Die zweithäufigste Ursache ist eine Gürtelrose (Herpes zoster). Auch hier kann der Schmerz in der akuten Phase auftreten oder chronisch werden.

Weitere mögliche Ursachen sind nach der AOK dauerhaft stark angespannte Muskeln (Muskelhartspann), eine Einengung im Bereich der Brustwirbelsäule, zum Beispiel durch Tumore, Verletzungen wie ein Rippenbruch, andere Operationen wie eine Brustoperation und eine Schwangerschaft mit Dehnung der Nerven. Neue Schmerzen in der Schwangerschaft bespricht man mit der betreuenden Frauenarztpraxis oder Hebamme.

Gürtelrose als Ursache von Nervenschmerzen

Bei einer Gürtelrose wird das Windpockenvirus, das nach überstandenen Windpocken in Nervenzellen ruht, wieder aktiv und wandert über die Nervenbahnen zur Haut. Nach gesund.bund.de beginnt die Erkrankung meist mit starken Schmerzen, Brennen oder Juckreiz; einige Tage später entsteht an dieser Stelle in der Regel ein bläschenartiger Ausschlag, am häufigsten am Rumpf. Die Beschwerden sind typischerweise halbseitig und überschreiten die Mittellinie des Körpers nicht. Manchmal tritt der Ausschlag gar nicht auf; dann bestehen nur die charakteristischen Schmerzen.

Jede Gürtelrose gehört nach gesund.bund.de in ärztliche Behandlung. Virushemmende Medikamente sollten innerhalb von 72 Stunden begonnen werden. Halten die Nervenschmerzen nach dem Abheilen des Ausschlags länger als drei Monate an, spricht man von einer Post-Zoster-Neuralgie. Sie tritt bei bis zu 30 Prozent der Erkrankten auf, vor allem bei älteren Menschen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung gegen Gürtelrose für alle ab 60 Jahren und für Menschen ab 50 mit bestimmten Grunderkrankungen.

Wann sind Brustschmerzen ein Notfall?

Brustschmerzen können nach der BARMER auf lebensbedrohliche Erkrankungen wie einen Herzinfarkt, eine Lungenembolie, einen Pneumothorax oder eine Blutdruckkrise hinweisen. Sofort den Notruf 112 wählen bei:

  • plötzlich auftretenden starken Brustschmerzen mit Engegefühl, Atemnot, kaltem Schweiß oder Schwindel;
  • Schmerzen, die in Arm oder Kiefer ausstrahlen;
  • plötzlicher Atemnot mit Herzrasen und atemabhängigen Brustschmerzen, die auf eine Lungenembolie hinweisen können;
  • blutigem Husten.

Auch atemabhängige Brustschmerzen können nach der BARMER harmlose Ursachen wie einen gereizten Nerv oder ernste Hintergründe haben. Ein Schmerz, der beim Atmen stärker wird, ist also kein sicheres Zeichen für eine Interkostalneuralgie. Ein normaler Arzttermin in der Hausarztpraxis ist angebracht, wenn die Beschwerden neu sind, wiederkehren, länger bestehen bleiben oder im Alltag belasten und keine Notfallzeichen vorliegen.

Wie wird eine Interkostalneuralgie festgestellt?

Zuerst fragt die Ärztin oder der Arzt nach der AOK ausführlich nach, zum Beispiel nach zurückliegenden Operationen am Brustkorb, Verletzungen oder einer Gürtelrose. Danach wird der Brustkorb untersucht. Bei einer Interkostalneuralgie reagieren bestimmte Stellen überempfindlich auf Berührung; manchmal ist die Empfindlichkeit aber auch verringert. Farbveränderungen der Haut können ein weiterer Hinweis sein. Meist reichen Gespräch und Untersuchung für die Diagnose. Zur Absicherung kann der Nerv mit einem örtlichen Betäubungsmittel kurz blockiert werden; die Schmerzen sollten dann sofort nachlassen.

Bei Brustschmerzen allgemein werden nach der BARMER je nach Verdacht auch ein EKG, Bluttests, Ultraschall, Röntgen oder eine CT eingesetzt, um Herz, Lunge, Muskulatur oder Verdauungstrakt als Ursache zu prüfen. Für das Gespräch kann man vorab notieren:

  • Wo genau? Verlauf des Schmerzes, eine oder beide Seiten, ob er entlang einer Rippe zieht.
  • Wie fühlt es sich an? Scharf, brennend, stechend; dauerhaft oder in Schüben; Taubheit, Kribbeln, Berührungsempfindlichkeit.
  • Was sieht man an der Haut? Rötung, Bläschen oder Farbveränderungen, auch wenn sie schon abgeheilt sind.
  • Was ging voraus? Operationen am Brustkorb, Unfall oder Sturz, Gürtelrose, Rückenbeschwerden, neue Belastungen.

Selbsttests mit Druck oder Verbiegen ersetzen diese Abklärung nicht.

Wie behandelt man eine Interkostalneuralgie?

Lässt sich ein Auslöser ermitteln, sollte er nach der AOK gemildert oder behoben werden. Weil die Wege der Schmerzübertragung bei allen Ursachen dieselben sind, ähneln sich die Behandlungsansätze. Gegen die Schmerzen werden Medikamente individuell eingesetzt, zum Beispiel aus der Gruppe der nichtsteroidalen entzündungshemmenden Schmerzmittel (NSAR), bestimmte Antidepressiva, die die Weiterleitung von Schmerzsignalen dämpfen, oder Mittel gegen epileptische Anfälle. Welche Mittel infrage kommen und in welcher Dosis, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Lokal können Wärme oder Kälte helfen. Entspannungsverfahren wie autogenes Training und progressive Muskelentspannung helfen nach der AOK beim Umgang mit dem Schmerz und können ihn verringern. In einigen Fällen kann ein Eingriff sinnvoll sein, um Nerven zu entlasten.

Bei einer muskulären Ursache kann Physiotherapie helfen; dort lernt man Übungen, die Verspannungen im Rücken- und Brustbereich lösen. Wenn die ärztliche Abklärung einen solchen muskulären Anteil ergeben hat, unterstützen wir Sie in unserer Praxis für Physiotherapie in Bilbao (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Wie lange dauert eine Interkostalneuralgie?

Eine feste Dauer nennen die Quellen nicht; sie hängt von der Ursache ab. Nach einer Operation oder einer Gürtelrose kann der Schmerz nach der AOK akut auftreten oder chronisch werden, wenn der Nerv dauerhaft geschädigt ist. Nach gesund.bund.de kann sich ein geschädigter Nerv erholen, wenn die Ursache der Schädigung entfernt wird; die Schädigung kann aber auch dauerhaft sein.

Bei einer Post-Zoster-Neuralgie können die Schmerzen nach gesund.bund.de über Monate oder Jahre anhalten und in seltenen Fällen dauerhaft bestehen bleiben. Eine frühzeitige Behandlung der Gürtelrose ist wichtig, um chronischen Schmerzen vorzubeugen. Halten Schmerzen an, kehren sie wieder oder verändern sie sich, sollte man erneut ärztlich nachfragen.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Beim Abgrenzen von Herzschmerzen setzen die Quellen unterschiedliche Akzente. Die BARMER schreibt, ein einfacher Drucktest könne erste Hinweise geben: Lässt sich der Schmerz durch Drücken auf eine Stelle auslösen, spreche das meist gegen eine Herzursache. Im selben Text betont sie aber, dass atemabhängige Schmerzen auch ernste Ursachen wie eine Lungenembolie haben können und dass für eine sichere Unterscheidung ärztlicher Rat nötig ist. Die AOK beschreibt Druckschmerz und Schmerz beim Beugen zur Seite als Hinweis für die Ärztin oder den Arzt im Rahmen der Untersuchung, nicht als Selbsttest. Ein Druckschmerz allein schließt einen Notfall also nicht aus.

Auch beim Aufwand der Diagnostik unterscheiden sich die Blickwinkel: Die AOK, die von der Interkostalneuralgie ausgeht, schreibt, dass Gespräch und Untersuchung meist reichen und weitere Untersuchungen oft nicht nötig sind. Die BARMER, die von Brustschmerzen allgemein ausgeht, nennt EKG, Bluttests und Bildgebung, um gefährliche Ursachen auszuschließen. Welche Untersuchungen nötig sind, hängt davon ab, wie sicher die Ursache nach dem ersten Gespräch ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Interkostalneuralgie ist ein Nervenschmerz zwischen den Rippen und ein Symptom, keine eigene Krankheit.
  • Der Schmerz ist scharf, brennend oder stechend und wird bei Bewegung, Husten, Niesen und tiefem Atmen stärker.
  • Häufigste Ursachen sind Operationen mit Öffnung der Brustwand und Gürtelrose; manchmal bleibt die Ursache unklar.
  • Eine Gürtelrose sollte früh behandelt werden, virushemmende Mittel möglichst innerhalb von 72 Stunden.
  • Plötzliche starke Brustschmerzen mit Engegefühl, Atemnot, kaltem Schweiß oder Ausstrahlung sind ein Notfall: 112.
  • Die Diagnose stellt meist die Ärztin oder der Arzt mit Gespräch und Untersuchung; Selbsttests ersetzen sie nicht.
  • Behandelt wird nach Ursache, mit Medikamenten, Wärme oder Kälte, Entspannung und bei muskulärem Anteil Physiotherapie.

Häufige Fragen zur Interkostalneuralgie

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie behandelt man eine Interkostalneuralgie?

Zuerst wird die Ursache behandelt, wenn sie sich finden lässt. Gegen die Schmerzen werden Medikamente individuell ärztlich ausgewählt, etwa NSAR, bestimmte Antidepressiva oder Mittel gegen Krampfanfälle. Wärme oder Kälte, Entspannungsverfahren und bei muskulärer Ursache Physiotherapie können ergänzen.

Wie lange dauert eine Intercostalneuralgie?

Das hängt von der Ursache ab. Ein Nerv kann sich erholen, wenn die Ursache wegfällt; nach Operationen oder Gürtelrose können die Schmerzen aber chronisch werden. Eine Post-Zoster-Neuralgie liegt vor, wenn die Schmerzen länger als drei Monate nach dem Abheilen des Ausschlags bestehen.

Ist Interkostalneuralgie gefährlich?

Einseitige Brustschmerzen, die von Muskeln, Nerven oder dem Rippenfell ausgehen, sind nach der BARMER oft weniger bedrohlich als Beschwerden in der Mitte des Brustkorbs. Die Ursache muss aber geklärt werden, zum Beispiel eine Gürtelrose oder eine Einengung an der Brustwirbelsäule. Vor allem dürfen Herz- oder Lungenerkrankungen nicht als Nervenschmerz verkannt werden.

Welche Symptome treten bei einer Interkostalneuralgie auf?

Scharfe, brennende oder stechende Schmerzen entlang der Rippen, oft gürtelförmig auf einer Seite, die bei Bewegung, Husten, Niesen und tiefem Atmen zunehmen. Dazu können Taubheit, Kribbeln, Berührungsempfindlichkeit und Muskelzuckungen kommen.

Kann Gürtelrose Nervenschmerzen verursachen?

Ja. Gürtelrose ist nach der AOK die zweithäufigste Ursache einer Interkostalneuralgie. Die Schmerzen beginnen oft vor dem Ausschlag und können nach dem Abheilen weiter bestehen. Bei Verdacht sollte man schnell ärztliche Hilfe suchen, weil die Behandlung früh beginnen sollte.

Wann sind Brustschmerzen ein Notfall?

Bei plötzlich starken Brustschmerzen mit Engegefühl, Atemnot, kaltem Schweiß oder Schwindel, bei Ausstrahlen in Arm oder Kiefer und bei blutigem Husten sofort 112 wählen. Neue, wiederkehrende oder anhaltende Brustschmerzen ohne diese Zeichen gehören in die Hausarztpraxis.

Quellen

  1. AOK-Gesundheitsmagazin · Interkostalneuralgie: Ursachen, Symptome und Behandlung
  2. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · ICD-10-Code G58.0: Interkostalneuropathie
  3. BARMER · Brustschmerzen: Ursachen, Symptome und Warnzeichen
  4. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Gürtelrose (Herpes zoster): Symptome, Behandlung und Impfung

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.