Was ist eine Schleimbeutelentzündung am Knie?
Schleimbeutel (Bursen) sind flache Säckchen mit einer dünnen Schicht Gelenkflüssigkeit. Sie liegen an Stellen, an denen Sehnen, Muskeln oder Haut über Knochen gleiten. Wird ein Schleimbeutel wiederholt gedrückt oder gerieben, reagiert seine Innenhaut mit vermehrter Flüssigkeitsbildung: Er schwillt an und schmerzt. Man spricht von Bursitis oder Schleimbeutelreizung.
Am Knie sind vor allem drei Schleimbeutel von Bedeutung: der vor der Kniescheibe (praepatellar), der unterhalb der Kniescheibe vor der Patellasehne (infrapatellar) und der an der Innenseite des Schienbeins, wo drei Sehnen ansetzen (Pes anserinus). Eine Baker-Zyste in der Kniekehle ist dagegen meist eine Ausstülpung der Gelenkkapsel.
Symptome einer Knie-Schleimbeutelreizung
- Weiche, gut abgrenzbare Schwellung vorne auf der Kniescheibe, die sich wie ein kleines Kissen anfühlt.
- Druckschmerz und Schmerzen beim Knien.
- Schmerzen beim starken Beugen des Knies, weil die Haut über dem Schleimbeutel gespannt wird.
- Bei der Pes-anserinus-Bursitis: Schmerz an der Innenseite, einige Zentimeter unterhalb des Gelenkspalts, oft beim Treppensteigen und nachts.
- Das Kniegelenk selbst ist meist frei beweglich – anders als bei einem Gelenkerguss.
- Bei Infektion: Rötung, Überwärmung, starke Schmerzen, manchmal Fieber.
Ursachen und Risikofaktoren
- Häufiges Knien: Berufe wie Fliesenleger, Reinigungskräfte, Gärtnerinnen, Dachdecker; früher „Dienstmädchenknie“ genannt.
- Direkter Schlag oder Sturz auf die Kniescheibe.
- Überlastung durch Laufen, besonders bei der Pes-anserinus-Bursitis, oft zusammen mit Übergewicht oder Kniearthrose.
- Gicht oder rheumatoide Arthritis, die Schleimbeutel entzünden können.
- Kleine Hautverletzungen über dem Knie, durch die Bakterien eindringen.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Meist erkennt die Ärztin oder der Arzt die Schleimbeutelentzündung schon beim Ansehen und Abtasten. Ein Ultraschall zeigt, wie viel Flüssigkeit sich gebildet hat und ob das Gelenk selbst betroffen ist. Besteht der Verdacht auf eine Infektion oder auf Gicht, wird mit einer feinen Nadel Flüssigkeit entnommen und im Labor untersucht. Röntgenbilder sind nur nach einem Sturz oder bei Verdacht auf Knochenveränderungen nötig.
Was Sie selbst tun können
- Knien vermeiden oder dicke, gut gepolsterte Knieschoner verwenden.
- Das Knie in den ersten Tagen mehrmals täglich 15–20 Minuten kühlen (nicht direkt auf die Haut).
- Hochlagern hilft, die Schwellung zu verringern.
- Entzündungshemmende Schmerzmittel oder Gele können lindern; sprechen Sie das mit Ihrer Apotheke ab.
- Eine leichte elastische Bandage kann die Schwellung begrenzen.
- Belastungen wie Laufen oder Treppensteigen vorübergehend reduzieren, aber nicht ganz auf Bewegung verzichten.
Ärztliche Behandlung
Bei einer nicht infizierten Schleimbeutelentzündung reichen Entlastung und die genannten Maßnahmen meist aus; die Schwellung bildet sich innerhalb einiger Wochen zurück. Bei sehr großer Schwellung kann die Flüssigkeit abgesaugt werden. Eine Kortisonspritze in den Schleimbeutel ist eine Option bei hartnäckigen, nicht infizierten Formen, besonders bei der Pes-anserinus-Bursitis.
Eine bakterielle Schleimbeutelentzündung wird mit Antibiotika behandelt, oft zuerst als Tabletten, bei schweren Verläufen über die Vene. Selten muss der Schleimbeutel operativ geöffnet oder entfernt werden – zum Beispiel, wenn die Infektion nicht abheilt oder die Entzündung immer wiederkehrt.
Woran erkenne ich eine Infektion?
Eine infizierte Bursitis ist ernst zu nehmen, denn die Keime können sich in Haut und Gewebe ausbreiten. Warnzeichen sind eine deutliche Rötung, Überwärmung und zunehmende Schmerzen, eine kleine Wunde oder Schürfung über dem Knie, Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl. Menschen mit Diabetes, geschwächtem Immunsystem oder Alkoholerkrankung sind häufiger betroffen. In diesen Fällen sollten Sie nicht abwarten, sondern das Knie noch am selben oder am nächsten Tag untersuchen lassen.
Vorbeugen
- Bei kniender Arbeit immer Knieschoner oder ein dickes Kniekissen nutzen.
- Regelmäßige Pausen einlegen und die Arbeitsposition wechseln.
- Schürfwunden am Knie sorgfältig reinigen und abdecken.
- Oberschenkel- und Hüftmuskulatur kräftigen, um das Knie bei Belastung zu entlasten.
- Trainingsumfang beim Laufen langsam steigern.
Rolle der Physiotherapie
Wenn die akute Reizung abgeklungen ist, hilft die Physiotherapie, die Ursachen anzugehen: Bei der Pes-anserinus-Bursitis etwa durch Kräftigung von Oberschenkel und Hüfte, Dehnung der Oberschenkelrückseite und Anpassung der Laufbelastung. Bei beruflich bedingten Formen geht es um Arbeitshaltung und Schutz. Da Schmerzen an der Innenseite des Knies viele Ursachen haben können, wird zugleich geprüft, ob andere Ursachen von Knieschmerzen wie Meniskus oder Arthrose eine Rolle spielen.
Wie verläuft eine Schleimbeutelentzündung?
Eine durch Druck entstandene Schleimbeutelreizung bildet sich meist langsam zurück, sobald die auslösende Belastung wegfällt. Die Schmerzen lassen oft schon nach einigen Tagen nach, die Schwellung kann aber mehrere Wochen bestehen bleiben. Wird die Belastung nicht verändert, kann die Bursitis chronisch werden: Die Wand des Schleimbeutels verdickt sich, und es bleibt eine dauerhafte, wenig schmerzhafte Schwellung zurück, die bei erneutem Knien wieder aufflammt.
Eine bakterielle Bursitis bessert sich unter Antibiotika in der Regel innerhalb weniger Tage. Wichtig ist, die Behandlung vollständig durchzuführen und das Knie in dieser Zeit zu schonen. Bleiben Rötung und Fieber bestehen, muss die Behandlung angepasst werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Schleimbeutelentzündung am Knie zeigt sich meist als weiche Schwellung vor der Kniescheibe.
- Häufiges Knien ist die wichtigste Ursache.
- Entlastung, Kühlung und Knieschoner helfen bei den meisten Formen.
- Rötung, Wärme, eine Wunde und Fieber sprechen für eine Infektion.
- Infizierte Schleimbeutel müssen ärztlich behandelt werden.
Häufige Fragen zur Schleimbeutelentzündung am Knie
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie lange dauert eine Schleimbeutelentzündung am Knie?
Ohne Infektion bessert sie sich mit Entlastung meist innerhalb einiger Wochen. Eine infizierte Bursitis braucht oft eine Antibiotikabehandlung über ein bis zwei Wochen.
Ist eine Schleimbeutelentzündung gefährlich?
Meist nicht. Gefährlich kann eine bakterielle Infektion werden, wenn sie nicht behandelt wird.
Kühlen oder wärmen bei Schleimbeutelentzündung?
In der akuten Phase hilft meist Kühlen, um Schwellung und Schmerzen zu verringern.
Darf ich mit einer Schleimbeutelentzündung Sport machen?
Belastungen, die das Knie drücken oder stark beugen, sollten Sie vorübergehend meiden. Radfahren oder Schwimmen sind oft möglich.
Muss der Schleimbeutel entfernt werden?
Nur selten, etwa bei immer wiederkehrenden Entzündungen oder einer Infektion, die nicht abheilt.
Was ist der Unterschied zum Kniegelenkerguss?
Beim Schleimbeutel liegt die Schwellung außerhalb des Gelenks und das Knie bleibt meist gut beweglich; beim Erguss ist das Gelenk selbst geschwollen.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Schleimbeutelentzündung
- MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Schleimbeutelentzündung
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.