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Chronischer Husten: Ursachen und Abklärung

Fast jeder hat ab und zu Husten, und meist ist er nach einigen Wochen vorbei. Hält er länger als acht Wochen an, sprechen Fachleute von chronischem Husten. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf gesundheitsinformation.de und des Lungeninformationsdienstes (Helmholtz Munich), welche Ursachen infrage kommen, wie die Abklärung abläuft, was es bedeutet, wenn keine Ursache gefunden wird, und was im Alltag helfen kann.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
8 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Wann spricht man von chronischem Husten?

Fachleute ordnen Husten nach seiner Dauer ein. Nach der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) gilt Husten bei Erwachsenen bis drei Wochen als akut, zwischen drei und acht Wochen als subakut und ab mehr als acht Wochen als chronisch.

Diese Einteilung beschreibt, wie ein Husten eingeordnet wird. Sie bedeutet nicht, dass man acht Wochen warten muss, bevor man Hilfe sucht: Bei Warnzeichen ist eine Untersuchung jederzeit nötig. Auch ein kürzerer Husten kann auf eine chronische Ursache hinweisen, etwa wenn er immer zur gleichen Jahreszeit wiederkommt.

Chronischer Husten kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Starke Hustenattacken können den Schlaf unterbrechen, die Fahrtüchtigkeit stören, zu ungewolltem Harnabgang oder kurzen Ohnmachten führen.

Welche Ursachen hat chronischer Husten?

Der Lungeninformationsdienst nennt verschiedene Lungenerkrankungen als mögliche Auslöser:

  • Asthma und chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Mukoviszidose und Bronchiektasen
  • Lungenfibrose
  • manchmal auch einen Tumor der Lunge

Nicht immer liegt die Ursache in Lunge und Bronchien. Auch chronische Entzündungen von Rachen und Nasennebenhöhlen, eine Fehlfunktion der Stimmbänder, ein Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre (siehe unseren Ratgeber Sodbrennen) oder eine Herzschwäche können chronischen Husten verursachen. Bei hartnäckigem Schnupfen oder einer Nasennebenhöhlenentzündung können Schleim und Entzündungsstoffe aus der Nase die Hustenrezeptoren im Rachen reizen.

Auch Keuchhusten kann nach der akuten Phase einen wochen- bis monatelangen Reizhusten hinterlassen. Und bestimmte Medikamente, etwa blutdrucksenkende ACE-Hemmer, können Husten auslösen; deshalb fragt die Ärztin oder der Arzt gezielt nach allen eingenommenen Mitteln.

Wie wird chronischer Husten abgeklärt?

Erste Untersuchungen sind meist in der hausärztlichen Praxis möglich. Für spezielle Untersuchungen ist eine Fachärztin oder ein Facharzt für Lungenheilkunde oder Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde zuständig. Nach dem IQWiG werden mehrere Schritte durchlaufen:

  • Gespräch: Art und Dauer der Beschwerden, Auslöser, Erkrankungen, Allergien und eingenommene Medikamente. Wer zum Beispiel ACE-Hemmer nimmt, lässt diese in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt für einige Zeit weg und beobachtet, ob der Husten nachlässt.
  • Körperliche Untersuchung: Vor allem Herz und Lunge werden genau untersucht, um Erkrankungen wie Asthma oder COPD festzustellen oder auszuschließen.
  • Probebehandlung: Bei Husten mit typischen Refluxbeschwerden wie Sodbrennen und Aufstoßen wird zum Beispiel probeweise ein säurehemmendes Medikament (Protonenpumpenhemmer) gegeben. Bessert sich der Husten, ist sehr wahrscheinlich eine Refluxkrankheit die Ursache.
  • Weitere Untersuchungen: Eine Computertomografie oder eine Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie) können sich anschließen, um seltene Erkrankungen zu erkennen.

Welche Schritte nötig sind, hängt vom Einzelfall ab; nicht jede Person braucht jede Untersuchung.

Gefunden, behandelt, ungeklärt: was die Begriffe bedeuten

Bei chronischem Husten tauchen verschiedene Begriffe auf, die man leicht verwechselt:

  • Ursache gefunden: Die Untersuchungen zeigen eine Erkrankung, etwa Asthma, eine Refluxkrankheit oder eine Nasennebenhöhlenentzündung. Dann richtet sich die Behandlung nach dieser Ursache.
  • Ursache behandelt, Husten bleibt: Fachleute sprechen von „therapierefraktärem“ Husten, wenn die Behandlung einer vermuteten Ursache den Husten nicht gelindert hat.
  • Keine Ursache gefunden: Wird auch nach ausführlicher Untersuchung keine Ursache gefunden, spricht man von ungeklärtem oder „idiopathischem“ chronischem Husten.

Die Begriffe überschneiden sich, sind aber nicht genau dasselbe. Auch bei ungeklärtem Husten empfehlen Fachleute regelmäßige Kontrolluntersuchungen in der fachärztlichen Praxis, denn neue Beschwerden können eine neue Bewertung nötig machen.

Warum huste ich, obwohl ich nicht krank bin?

Bei ungeklärtem chronischem Husten wurden keine körperlichen Ursachen wie Erkrankungen der oberen Atemwege, Asthma oder eine Refluxkrankheit gefunden. Das bedeutet nicht, dass der Husten eingebildet ist. Fachleute vermuten eine Überempfindlichkeit des Hustenreflexes, zum Beispiel nach einem früheren Atemwegsinfekt. Dann können schon kleinste Reize Husten auslösen:

  • langes Sprechen oder Lachen
  • Temperaturwechsel und trockene Luft
  • Essenskrümel
  • Gerüche

Der Husten kann auch ganz ohne solche Reize auftreten, und ein trockener Husten kann seinerseits weiteren Hustenreiz verursachen. Typisch ist ein trockener Husten, oft mit häufigem Räuspern, Heiserkeit oder dem Gefühl eines Kloßes oder von Schleim im Hals.

Die meisten Betroffenen sind über 45 Jahre alt; Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer, oft nach den Wechseljahren. Ein erhöhtes Risiko haben Menschen, die beruflich viel sprechen oder singen. Bei vielen bleibt der Husten über mehrere Jahre bestehen.

Welche Veränderungen brauchen rasche Hilfe?

Nicht jeder anhaltende Husten ist harmlos. Die Aussage, ungeklärter chronischer Husten sei ungefährlich, gilt erst, wenn andere Ursachen ausgeschlossen sind. Rasch ärztlich abklären lassen sollten Sie:

  • Atemnot sowie röchelnde oder pfeifende Atemgeräusche
  • blutigen (rosa, rötlichen oder bräunlichen) oder schaumigen Auswurf
  • hohes Fieber
  • bläulich verfärbte Haut oder Lippen und Herzrasen
  • kurze Bewusstlosigkeit während eines Hustenanfalls (Hustensynkope)

Auch ein Husten, der zunehmend stärker wird oder sich in seiner Art verändert, gehört erneut in die Praxis. Dieser Ratgeber bezieht sich auf Erwachsene. Bei Babys, Kleinkindern, älteren und pflegebedürftigen Menschen ist es nach dem Lungeninformationsdienst ratsam, ungewöhnlichen oder hartnäckigen Husten frühzeitig abklären zu lassen.

Wie bekomme ich chronischen Husten weg?

Ist eine Ursache gefunden, wird diese behandelt. Bei ungeklärtem Husten ist das Ziel, die Beschwerden so gut wie möglich zu lindern und den Alltag zu erleichtern. Sinnvoll ist, auslösende Reize wie Rauch oder kalte Luft sowie ein Austrocknen der Atemwege zu vermeiden.

Bei starken Beschwerden kommen nach dem IQWiG nicht medikamentöse Verfahren, Medikamente oder eine Kombination infrage. In einer logopädischen oder physiotherapeutischen Atem-, Sprech- oder Stimmtherapie kann man lernen, das Hustenverhalten anzupassen, die Atemwege weniger zu reizen und Husten oder ständiges Räuspern zu unterbrechen. Ärztlich können außerdem bestimmte Medikamente verschrieben werden, die für diese Anwendung nicht zugelassen sind (Off-Label-Use), darunter ein niedrig dosiertes Opioid; sie haben zahlreiche Nebenwirkungen und können abhängig machen. Ob und wie gut die Therapien helfen, ist unklar.

In unserer Praxis in Bilbao können Erwachsene mit chronischem Husten, Räuspern oder Heiserkeit Nase, Rachen und Kehlkopf in der HNO-Sprechstunde untersuchen lassen; die Abklärung der Lunge erfolgt in Abstimmung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Mit anhaltendem Husten im Alltag zurechtkommen

Ungeklärter chronischer Husten kann körperlich und seelisch sehr belasten. Manche ziehen sich zurück, meiden Kino oder Konzerte und sorgen sich, andere zu stören. Hustenanfälle sind oft nicht vorhersehbar, und der Versuch, sie zu unterdrücken, oder ständiges Daran-Denken kann den Husten noch verstärken. Manchen helfen nach dem IQWiG:

  • die Atemwege befeuchten, etwa durch ausreichend Wasser oder Kräutertee oder Inhalieren mit Salzwasser
  • den Hustenreiz mit Kaugummi, Bonbons oder einem Schluck Wasser lindern
  • sich ablenken oder den Husten bewusst ignorieren
  • Auslöser meiden, etwa in kühlen Supermärkten den Mund bedecken
  • sich mit anderen Betroffenen austauschen

Für die Sprechstunde hilft eine Notiz: seit wann, zu welchen Tageszeiten, welche Auslöser, mit oder ohne Auswurf, welche Medikamente (auch neu begonnene) und welche Folgen wie Schlafstörungen oder ungewollter Urinverlust.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Blickwinkel: Der Lungeninformationsdienst stellt Husten allgemein dar und listet zahlreiche, auch ernste Ursachen für chronischen Husten auf. Das IQWiG beschreibt gezielt den ungeklärten chronischen Husten, also den Fall, in dem nach ausführlicher Untersuchung keine Ursache gefunden wurde, und nennt ihn ungefährlich. Diese Einschätzung lässt sich nicht auf jeden anhaltenden Husten übertragen.

Trocken oder mit Auswurf: Das IQWiG beschreibt ungeklärten chronischen Husten als typischerweise trocken. Der Lungeninformationsdienst weist darauf hin, dass die Einteilung in trocken und produktiv nach den aktuellen Leitlinien als überholt gilt, weil die Übergänge fließend sind. Chronischer Husten kann also beides sein.

Medikamente: Der Lungeninformationsdienst beschreibt Hustenstiller auf Opiatbasis allgemein für die kurzfristige Anwendung. Das IQWiG ordnet Opioide bei ungeklärtem chronischem Husten als Off-Label-Möglichkeit mit Abhängigkeitsrisiko ein, über die nur ärztlich abgewogen entschieden wird.

Zusammenfassung

  • Chronisch ist ein Husten bei Erwachsenen, wenn er länger als acht Wochen anhält; Warnzeichen gehen dieser Frist vor.
  • Häufige Ursachen liegen in Lunge, oberen Atemwegen, Speiseröhre (Reflux) oder Herz; auch Medikamente kommen infrage.
  • Die Abklärung umfasst Gespräch, Untersuchung von Herz und Lunge, gegebenenfalls Probebehandlung und weitere Untersuchungen.
  • Wird keine Ursache gefunden, spricht man von ungeklärtem chronischem Husten; er ist ungefährlich und nicht eingebildet.
  • Atem-, Sprech- oder Stimmtherapie und im Einzelfall Medikamente können helfen; ihr Nutzen ist nicht sicher belegt.
  • Regelmäßige Kontrollen bleiben auch bei ungeklärtem Husten wichtig.

Häufige Fragen zu chronischem Husten

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie erkennt man einen chronischen Husten?

Entscheidend ist die Dauer: Hält ein Husten bei Erwachsenen länger als acht Wochen an, gilt er als chronisch. Ob er trocken ist oder mit Auswurf einhergeht, entscheidet darüber nicht. Ein Arztbesuch ist dann sinnvoll, bei Warnzeichen auch früher.

Was ist, wenn man dauerhaft hustet?

Dann sollte die Ursache ärztlich gesucht werden: Infrage kommen unter anderem Asthma, COPD, Erkrankungen von Nase und Nebenhöhlen, Reflux, eine Herzschwäche oder Medikamente. Bei Atemnot, blutigem Auswurf oder hohem Fieber suchen Sie rasch Hilfe.

Wie bekomme ich chronischen Husten weg?

Ist eine Ursache gefunden, wird diese behandelt. Bei ungeklärtem Husten helfen das Meiden von Auslösern, Befeuchten der Atemwege und bei starken Beschwerden logopädische oder physiotherapeutische Therapien; im Einzelfall auch Medikamente. Ob und wie gut sie wirken, ist allerdings unklar.

Ist ungeklärter Husten eingebildet?

Nein. Fachleute vermuten eine Überempfindlichkeit des Hustenreflexes, etwa nach einem Atemwegsinfekt, sodass schon kleine Reize wie Sprechen, Lachen oder trockene Luft Husten auslösen. Zu verstehen, wie es dazu kommt, kann helfen, besser damit umzugehen.

Warum wird die Medikamentenliste geprüft?

Weil manche Medikamente, zum Beispiel blutdrucksenkende ACE-Hemmer, Husten auslösen können. Ob ein Mittel probeweise weggelassen wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt; setzen Sie verordnete Medikamente nicht auf eigene Faust ab.

Sind CT und Bronchoskopie immer nötig?

Nein. Sie können sich anschließen, wenn Gespräch, Untersuchung und gegebenenfalls Probebehandlung keine Erklärung liefern oder seltene Erkrankungen erkannt werden sollen. Welche Untersuchungen sinnvoll sind, hängt vom Einzelfall ab.

Quellen

  1. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Ungeklärter chronischer Husten
  2. Lungeninformationsdienst (Helmholtz Munich) · Husten: Arten, Ursachen und Behandlung

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.