Was sind Bronchiektasen?
Bronchiektasen sind irreversible, also unumkehrbare, sackförmige Ausweitungen der Atemwege (Bronchien und Bronchiolen). Meist schädigen entzündliche Prozesse die Wände der Bronchien und das elastische Bindegewebe der Lunge. Dadurch ist die Selbstreinigung der Lunge gestört, die man mukoziliäre Clearance nennt.
In den betroffenen Abschnitten staut sich Bronchialsekret. Es ist ein Nährboden für Bakterien und andere Erreger. So bleiben örtliche Entzündungen bestehen, und Infektionen in der Lunge kehren immer wieder. Nach dem Lungeninformationsdienst gehen Fachleute heute von etwa 100.000 Betroffenen in Deutschland aus, mit steigender Tendenz; lange wurde die Häufigkeit unterschätzt.
Bronchiektasen-Symptome: woran man sie bemerkt
Typische Beschwerden sind:
- Husten mit schleimigem oder eitrigem Auswurf, auch ohne akuten Infekt,
- wiederkehrende oder chronische Atemwegsinfekte mit Entzündung der Bronchien,
- Müdigkeit und Erschöpfung,
- Blut im Auswurf (Hämoptyse),
- Schmerzen im Brustkorb,
- Verkrampfung der Atemwegsmuskulatur (Bronchospasmus) und Luftnot.
Bei Atemwegsinfektionen können Fieber, vermehrter eitriger Auswurf, pfeifende Atemgeräusche (Giemen) und gelegentlich Bluthusten hinzukommen. Manche Betroffene haben außerdem eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen. Teilweise zeigen sich die Beschwerden nur während akuter Krankheitsschübe.
Ursachen und Risikofaktoren
Bronchiektasen können angeboren sein, die angeborene Form ist aber selten. Meist liegt eine Grunderkrankung vor. Bei ungefähr jedem dritten Fall bleibt die Ursache nach dem deutschen Register PROGNOSIS ungeklärt (idiopathische Bronchiektasen). Bekannte Ursachen und Risikofaktoren sind:
- frühere schwere Atemwegsinfektionen wie Keuchhusten, schwere Lungenentzündung, Grippe, Masern oder Tuberkulose,
- COPD im fortgeschrittenen Stadium und schweres Asthma,
- Mukoviszidose (cystische Fibrose) und die Primäre ciliäre Dyskinesie (PCD), eine Erbkrankheit der Flimmerhärchen,
- Immundefekte und die allergische bronchopulmonale Aspergillose (ABPA), eine Überempfindlichkeit gegen Schimmelpilze,
- Verengungen der Atemwege, etwa durch einen Tumor oder einen eingeatmeten Fremdkörper,
- das Einatmen giftiger Substanzen wie Tabakrauch sowie Reflux oder häufiges Verschlucken in die Atemwege.
Bronchiektasen mit und ohne Mukoviszidose unterscheiden sich in Ursache und Behandlung. Dieser Ratgeber beschreibt vor allem Erwachsene ohne Mukoviszidose; für Kinder gelten eigene Empfehlungen.
Wie werden Bronchiektasen festgestellt?
Der Verdacht entsteht bei chronischem Husten mit schleimigem Auswurf. Nicht selten erhalten Betroffene zunächst die Diagnose COPD oder Asthma, und Bronchiektasen werden lange übersehen. Weiterführende Untersuchungen sind sinnvoll bei Beschwerden über Jahre, gehäuften Verschlechterungen und Infektionen, wiederkehrenden Nasennebenhöhlenentzündungen mit Husten oder wenn eine COPD- oder Asthma-Behandlung nicht anspricht.
Nach Gespräch und Abhören der Lunge folgen bildgebende Verfahren. Auf einem gewöhnlichen Röntgenbild sind Bronchiektasen oft nicht zu erkennen; Fachleute empfehlen deshalb eine hochauflösende Computertomographie (HR-CT) des Brustkorbs. Bei jüngeren Betroffenen kann eine MRT ohne Strahlenbelastung sinnvoll sein. Hinzu kommen Lungenfunktionstests, die Untersuchung des Auswurfs auf Keime und Pilze sowie Blutuntersuchungen auf Störungen des Immunsystems und gegebenenfalls ein Allergietest auf Schimmelpilze.
Ziele der Bronchiektasen-Therapie
Die Aussackungen der Atemwege lassen sich nicht rückgängig machen; in diesem Sinne sind Bronchiektasen nicht heilbar. Wenn möglich, wird zuerst die Grunderkrankung behandelt. Ist sie unbekannt oder reicht das nicht aus, steht die Behandlung der Beschwerden im Vordergrund. Wichtige Ziele sind:
- Infektionen und Krankheitsschübe vorbeugen und behandeln,
- die Selbstreinigung der Lunge verbessern,
- Atemwegsverengung und chronische Entzündung behandeln,
- einer fortschreitenden Schädigung von Lunge und Bronchien vorbeugen,
- Krankenhausaufenthalte vermeiden und Lebensqualität sowie Belastbarkeit verbessern.
Inhalation und tägliche Atemphysiotherapie
Viel trinken und regelmäßig inhalieren, zum Beispiel mit Kochsalzlösung, hilft, das oft sehr zähe Bronchialsekret zu verflüssigen, sodass es sich leichter abhusten lässt. Um das Sekret aus den Bronchien zu lösen, sollten Betroffene spezielle atemphysiotherapeutische Übungen erlernen, etwa die autogene Drainage oder Lagerungsdrainagen, manchmal unterstützt von kleinen Geräten zur Atemtherapie.
Wichtig ist, die Übungen regelmäßig anzuwenden, in der Regel ein- bis zweimal am Tag und bei akuten Krankheitsschüben auch häufiger. Bei Bedarf kommen schleimlösende Medikamente hinzu. Ein Aufenthalt in einer spezialisierten Rehabilitationseinrichtung kann helfen, die erlernten Techniken im Alltag umzusetzen.
Leben mit Bronchiektasen: Rauchstopp, Bewegung, Impfungen
Die Lunge von Schadstoffen zu entlasten, ist essenziell: Betroffene sollten unbedingt mit dem Rauchen aufhören. Auch starke Luftverschmutzung kann sich ungünstig auswirken. Fachleute empfehlen regelmäßige Alltagsbewegung, zum Beispiel mit einem Schrittzähler, und individuell angepasste sportliche Betätigung. Eine Kombination aus moderatem Kraft- und Ausdauertraining hilft nachweislich, die Lungenfunktion zu verbessern, und wirkt Krankheitsschüben und Erschöpfung entgegen.
Zur Vorbeugung von Atemwegsinfekten nennt der Lungeninformationsdienst die saisonale Grippeimpfung, aufgefrischte Corona-Impfungen sowie Impfungen gegen Pneumokokken, Keuchhusten und RSV. Welche Impfungen für Sie sinnvoll sind, klärt Ihre Arztpraxis.
Behandlung von Infektionen und Krankheitsschüben
Antibiotika werden gegen akute Infektionen und gegen eine chronische Infektion mit dem „Nasskeim“ Pseudomonas aeruginosa eingesetzt, als Tabletten oder zum Inhalieren. In Deutschland hat etwa ein Drittel der Menschen mit Bronchiektasen eine solche chronische Infektion; sie ist mit häufigeren Schüben, schlechterer Lungenfunktion und mehr Krankenhausaufenthalten verbunden. Bei manchen Betroffenen kann eine langfristige, niedrig dosierte Antibiotikatherapie sinnvoll sein; dann sind sorgfältige Kontrollen wichtig.
Bei verengten Atemwegen können bronchienerweiternde Medikamente zum Inhalieren eingesetzt werden, aber nicht standardmäßig bei allen Betroffenen. Inhalierbare kortisonähnliche Mittel empfehlen Fachleute nicht langfristig, sofern sie nicht schon zur Behandlung einer bestehenden COPD oder eines Asthmas gehören. Eine Operation kommt nur ausnahmsweise infrage, meist wenn die Bronchiektasen auf einen Lungenabschnitt begrenzt sind. Welche Behandlung passt, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Wo die Fachinformationen Grenzen setzen
Der Lungeninformationsdienst stützt sich unter anderem auf die deutsche S2k-Leitlinie zum Management von Bronchiektasen bei Erwachsenen von 2024. Einige Punkte sind dort ausdrücklich nicht für alle gleich geregelt:
- Bronchienerweiternde Medikamente werden nicht für alle Betroffenen standardmäßig empfohlen, wohl aber bei Atemwegsverengung oder gleichzeitigem Asthma oder COPD.
- Eine Dauertherapie mit Antibiotika kommt nur bei manchen Betroffenen infrage, etwa bei chronischer Pseudomonas-Infektion und mehr als drei Schüben pro Jahr.
- Für Kinder und Jugendliche gibt es eigene europäische Empfehlungen; die Aussagen für Erwachsene lassen sich nicht einfach übertragen.
- Die Angaben zu Medikamenten haben den Stand August 2024 und können sich seither geändert haben; aktuelle Fragen klärt die Lungenfachpraxis.
Das Wichtigste in Kürze
- Bronchiektasen sind bleibende Ausweitungen der Bronchien mit gestörter Selbstreinigung der Lunge.
- Leitsymptom ist Husten mit Auswurf; häufige Infekte, Erschöpfung und Atemnot kommen hinzu.
- Die Diagnose stützt sich vor allem auf die HR-CT der Lunge und die Untersuchung des Auswurfs.
- Tägliche Atemphysiotherapie, Inhalation, Bewegung, Rauchstopp und Impfungen sind wichtige Bausteine.
- Infektionen und Schübe werden gezielt ärztlich behandelt.
Häufige Fragen zu Bronchiektasen
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Sind Bronchiektasen gefährlich?
Sie sind nicht rückgängig zu machen und begünstigen wiederkehrende Infektionen. Etwa die Hälfte der Betroffenen hat zwei oder mehr Krankheitsschübe pro Jahr, ein Drittel davon muss im Krankenhaus behandelt werden. Eine chronische Pseudomonas-Infektion ist mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko verbunden.
Was kann man gegen Bronchiektasen machen?
Die Grunderkrankung behandeln, täglich Atemphysiotherapie und Inhalation, viel trinken, nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen, empfohlene Impfungen wahrnehmen und Infektionen frühzeitig ärztlich behandeln lassen.
Wie lange kann man mit Bronchiektasen leben?
Eine allgemeine Zahl nennen die Quellen nicht, und eine Durchschnittsangabe sagt wenig über den Einzelfall. Der Verlauf hängt unter anderem von der Ursache, der Häufigkeit von Schüben und einer chronischen Pseudomonas-Infektion ab.
Wie machen sich Bronchiektasen bemerkbar?
Vor allem durch Husten mit schleimigem oder eitrigem Auswurf, oft über Jahre, dazu häufige Atemwegsinfekte, Müdigkeit, Atemnot, manchmal Blut im Auswurf oder Brustschmerzen.
Sind Bronchiektasen ansteckend?
Bronchiektasen selbst sind eine bleibende bauliche Veränderung der Atemwege. Die wiederkehrenden Infektionen werden aber durch Bakterien und andere Erreger verursacht; deshalb sind Impfungen zur Vorbeugung von Atemwegsinfekten wichtig.
Was bedeutet eine Exazerbation?
Eine akute Verschlechterung, häufig durch eine Infektion, mit mehr Husten, mehr eitrigem Auswurf, manchmal Fieber oder stärkerer Atemnot. Sie wird meist mit Antibiotika behandelt, bei schweren Verläufen im Krankenhaus.
Quellen
- Lungeninformationsdienst (Helmholtz Munich) · Bronchiektasen
- Lungeninformationsdienst (Helmholtz Munich) · Bronchiektasen: Symptome und Grundlagen
- Lungeninformationsdienst (Helmholtz Munich) · Bronchiektasen: Diagnose
- Lungeninformationsdienst (Helmholtz Munich) · Bronchiektasen: Ursachen und Risikofaktoren
- Lungeninformationsdienst (Helmholtz Munich) · Bronchiektasen: Therapie
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
