Was ist eine Sinusitis?
Die Nasennebenhöhlen sind luftgefüllte Hohlräume im Schädel: die Kieferhöhlen in den Wangen, die Stirnhöhlen über den Augen, die Siebbeinzellen zwischen den Augen und die Keilbeinhöhle in der Tiefe. Sie sind mit Schleimhaut ausgekleidet und über kleine Öffnungen mit der Nase verbunden. Bei einer Sinusitis ist diese Schleimhaut entzündet.
Da fast immer auch die Nasenschleimhaut betroffen ist, sprechen Fachleute von Rhinosinusitis. Eine akute Sinusitis dauert weniger als zwölf Wochen, meist nur wenige Wochen. Halten die Beschwerden länger an, spricht man von einer chronischen Sinusitis.
Sinusitis-Symptome
- Verstopfte oder behinderte Nasenatmung.
- Schnupfen, oft gelblich-grün, oder Sekret, das in den Rachen läuft.
- Druck- oder Klopfschmerz im Gesicht, an Wangen, Stirn oder zwischen den Augen.
- Verstärkung der Schmerzen beim Vorbeugen oder Bücken.
- Vermindertes Riechvermögen.
- Kopfschmerzen, Zahnschmerzen im Oberkiefer.
- Abgeschlagenheit, manchmal leichtes Fieber.
- Husten durch Sekret im Rachen, besonders nachts.
Ursachen
Die häufigste Ursache ist ein Virusinfekt der oberen Atemwege, also eine Erkältung. Bakterien sind nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen beteiligt, meist als Folge der viralen Entzündung. Begünstigend wirken Allergien, eine verkrümmte Nasenscheidewand, vergrößerte Nasenmuscheln, Rauchen, Schwimmen in gechlortem Wasser oder Tauchen. Eine Entzündung einer einzelnen Kieferhöhle kann auch von einem entzündeten Zahn im Oberkiefer ausgehen.
Viral oder bakteriell?
Die Farbe des Nasensekrets sagt nicht zuverlässig aus, ob Bakterien beteiligt sind – auch bei einer viralen Sinusitis ist der Schnupfen oft gelb oder grün. Hinweise auf eine bakterielle Sinusitis sind laut der amerikanischen HNO-Leitlinie: Beschwerden, die länger als zehn Tage ohne Besserung anhalten, eine erneute Verschlechterung nach anfänglicher Besserung („zweiter Gipfel“) oder ein schwerer Beginn mit hohem Fieber und starken einseitigen Schmerzen über mehrere Tage.
Wie lange dauert eine Sinusitis?
Die meisten akuten Sinusitiden bessern sich nach sieben bis zehn Tagen deutlich und sind nach zwei bis vier Wochen ausgeheilt. Die verstopfte Nase und der Husten können etwas länger bestehen bleiben. Bei einer bakteriellen Sinusitis verkürzt eine Antibiotikabehandlung die Dauer nur geringfügig. Halten die Beschwerden länger als zwölf Wochen an, sollte eine HNO-ärztliche Untersuchung erfolgen.
Was hilft bei einer Sinusitis?
- Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol lindern Kopf- und Gesichtsschmerzen.
- Nasenspülungen mit Salzwasser reinigen die Nase und lösen Sekret.
- Kortisonhaltige Nasensprays können die Schwellung verringern und die Beschwerden etwas schneller lindern.
- Abschwellende Nasensprays erleichtern kurzfristig die Atmung; nicht länger als fünf bis sieben Tage.
- Dampfinhalation und warme Kompressen werden von vielen als angenehm empfunden, ihr Nutzen ist aber begrenzt belegt.
- Viel trinken, ausruhen und den Oberkörper nachts etwas hochlagern.
- Pflanzliche Präparate zeigen in manchen Studien einen leichten Nutzen.
Wann sind Antibiotika nötig?
Bei einer viralen Sinusitis helfen Antibiotika nicht und verursachen nur Nebenwirkungen. Auch bei Verdacht auf eine bakterielle Sinusitis empfiehlt die amerikanische Leitlinie bei unkomplizierten Verläufen oft zunächst ein „wachsames Abwarten“ über einige Tage, sofern eine Kontrolle gesichert ist. Antibiotika sind angezeigt bei schweren Verläufen, starkem Fieber, Beschwerden, die sich trotz Abwarten nicht bessern, bei geschwächtem Immunsystem und bei Warnzeichen für Komplikationen.
Vorbeugen
- Häufiges Händewaschen in der Erkältungszeit.
- Nicht rauchen.
- Allergien behandeln lassen.
- Bei Schnupfen frühzeitig Nasenspülungen anwenden.
- Ausreichend Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen.
- Bei häufigen Nebenhöhlenentzündungen HNO-ärztlich nach Ursachen suchen lassen.
Wann zur HNO-Ärztin oder zum HNO-Arzt?
Eine HNO-ärztliche Untersuchung ist sinnvoll, wenn die Beschwerden länger als drei bis vier Wochen anhalten, mehrmals im Jahr wiederkehren, stark sind oder einseitig mit Blutungen auftreten. Mit einem Endoskop lässt sich die Nase genau untersuchen, gegebenenfalls ergänzt durch ein CT. Bei immer wiederkehrenden Entzündungen werden Ursachen wie Allergien, eine schiefe Nasenscheidewand oder Polypen gezielt behandelt.
Sinusitis bei Kindern
Auch Kinder können eine Sinusitis bekommen, allerdings sind ihre Nebenhöhlen noch nicht vollständig ausgebildet: Kieferhöhlen und Siebbeinzellen sind von Geburt an vorhanden, die Stirnhöhlen entwickeln sich erst im Schulalter. Bei Kindern zeigt sich eine Sinusitis oft durch anhaltenden Schnupfen, Husten besonders nachts, Mundgeruch und Müdigkeit. Wie bei Erwachsenen heilen die meisten Fälle ohne Antibiotika. Bei Schwellung um die Augen, hohem Fieber oder schlechtem Allgemeinzustand muss das Kind rasch ärztlich untersucht werden.
Tipps für die Erkältungszeit
Wer zu Nebenhöhlenentzündungen neigt, kann bei den ersten Erkältungszeichen gegensteuern: mehrmals täglich die Nase mit Salzwasser spülen, ausreichend trinken, die Nase sanft schnäuzen – ein Nasenloch nach dem anderen, ohne starken Druck – und nachts den Oberkörper leicht erhöht lagern. Trockene Heizungsluft trocknet die Schleimhäute aus; regelmäßiges Lüften und eine Schale Wasser auf der Heizung können helfen.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine akute Sinusitis folgt meist auf eine Erkältung und ist überwiegend viral.
- Typisch sind verstopfte Nase, Sekret und Gesichtsdruck, der beim Vorbeugen zunimmt.
- Die meisten Fälle heilen in zwei bis vier Wochen ohne Antibiotika.
- Schmerzmittel, Nasenspülungen und Kortisonsprays lindern die Beschwerden.
- Schwellung am Auge, Sehstörungen oder starke Kopfschmerzen sind ein Notfall.
Häufige Fragen zur Sinusitis
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Was ist der Unterschied zwischen Sinusitis und Rhinosinusitis?
Inhaltlich kaum einer. Rhinosinusitis betont, dass Nase und Nebenhöhlen fast immer gemeinsam entzündet sind.
Ist eine Sinusitis ansteckend?
Die Sinusitis selbst nicht direkt, aber die zugrunde liegende Erkältung kann ansteckend sein.
Wie lange dauert eine Sinusitis?
Meist zwei bis vier Wochen. Eine deutliche Besserung tritt oft nach sieben bis zehn Tagen ein.
Darf ich mit Sinusitis Sport machen?
Leichte Bewegung ist meist möglich. Bei Fieber oder starkem Krankheitsgefühl sollten Sie sich schonen.
Darf ich mit Sinusitis fliegen?
Möglichst nicht, weil der Druckausgleich gestört sein kann. Wenn es nötig ist, vorher ein abschwellendes Nasenspray verwenden.
Hilft Inhalieren bei Sinusitis?
Viele empfinden es als lindernd. Der Nutzen ist aber wissenschaftlich nur schwach belegt.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Nasennebenhöhlenentzündung
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Nasennebenhöhlenentzündung
- Rosenfeld RM, et al. Clinical practice guideline (update): adult sinusitis. Otolaryngol Head Neck Surg. 2015
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.