Zum Inhalt springen

Kiefer MediBilbao Salud

Zähneknirschen: Ursachen, Folgen und was hilft

Mahlen, reiben, pressen: Viele Menschen knirschen mit den Zähnen, ohne es zu merken, oft nachts im Schlaf. Auf Dauer kann das die Zähne abschleifen und Kiefergelenke und Kaumuskeln belasten. Dieser Ratgeber erklärt nach dem Gesundheitsmagazin der AOK und dem Patientenportal der Hamburger Zahnärzte, woran Sie Zähneknirschen erkennen, woher es kommt und was hilft.

Thema
Neurophysiologie
Aktualisiert
Lesezeit
6 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist Zähneknirschen?

Beim Zähneknirschen spannen Betroffene die Kaumuskulatur unbewusst und wiederholt an. Oft pressen oder reiben dabei die Zähne aufeinander; der Fachbegriff ist Bruxismus. Es kann aber auch ohne Kontakt der Zähne vorkommen.

Man unterscheidet das Knirschen im Schlaf (Schlafbruxismus) und im Wachzustand (Wachbruxismus). Beim Wachbruxismus reiben und pressen die Zähne ebenfalls aufeinander, nicht selten verbunden mit nervösen Gewohnheiten. Am häufigsten betroffen ist die Altersgruppe zwischen 30 und 45 Jahren; mit zunehmendem Alter nimmt das Risiko wieder ab.

Zähneknirschen in der Nacht

Das Knirschen passiert häufig nachts, und die Betroffenen bemerken in der Regel nichts davon. Plötzlich spannen sich die Kaumuskeln an und ziehen den Unterkiefer hoch. Weil im Schlaf natürliche Schutzreflexe gegen zu starkes Kauen ausgeschaltet sind, treffen die Zähne mit einem Vielfachen des normalen Kaudrucks aufeinander.

Erste Hinweise kommen deshalb meist von der Person, die neben einem schläft, oder aus der Selbstbeobachtung: Verspannungen oder Schmerzen der Kaumuskulatur, besonders nach dem Aufwachen, morgendliche Kieferschmerzen oder Kopfschmerzen an den Schläfen können auf nächtliches Knirschen hindeuten.

Was ist die Ursache von Zähneknirschen?

Eine allein verantwortliche Ursache gibt es nicht; mehrere Prozesse wirken je nach Person unterschiedlich stark zusammen. Als wesentliche Ursache gelten psychische Faktoren wie Stress, Ängste und Durchschlafstörungen. Wer gestresst ist, spannt unbewusst Muskeln in Kiefer, Gesicht, Nacken und Schultern an. Weitere mögliche Ursachen und Risikofaktoren sind:

  • Schlafstörungen und Atmungsstörungen im Schlaf, etwa eine Schlafapnoe,
  • bestimmte Medikamente, zum Beispiel gegen Depressionen oder ADHS,
  • Koffein, Nikotin, Alkohol oder Drogen,
  • eine familiäre Veranlagung,
  • bestimmte Krankheiten wie die Refluxkrankheit.

Bei einigen dieser Faktoren herrscht nach den Hamburger Zahnärzten noch Unsicherheit über ihre Beteiligung. Setzen Sie Medikamente nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie mit der verordnenden Praxis.

Ist Zähneknirschen psychisch?

Redewendungen wie „die Zähne zusammenbeißen“ zeigen die enge Verbindung zwischen Kiefer und seelischer Belastung. Psychische Faktoren gelten heute als eine wesentliche Ursache, und die AOK nennt Stress die Hauptursache für chronisches Knirschen. Dazu passt, dass Bruxismus am häufigsten in einem Lebensabschnitt mit vielen beruflichen und privaten Herausforderungen auftritt.

Stress ist aber nicht die einzige Ursache: Schlafstörungen, Substanzen, Medikamente und Erkrankungen spielen ebenfalls eine Rolle. Bei anhaltendem Stress und psychischen Beschwerden ist ärztlicher oder psychotherapeutischer Rat sinnvoll.

Folgen für Zähne, Kiefer und Muskeln

  • Abgeschliffene Zähne (Abrasion) mit Verlust von Höckern und Schneidekanten, Rillen und Rissen im Zahnschmelz; im Extremfall können Zähne brechen.
  • Zurückgehendes Zahnfleisch mit freiliegenden, empfindlichen Zahnhälsen und keilförmigen Defekten.
  • Beschädigte Füllungen, Inlays und Zahnersatz.
  • Verspannte und vergrößerte Kaumuskeln, die oft als Kopf- und Gesichtsschmerzen wahrgenommen werden.
  • Funktionsstörungen von Kiefergelenk und Kaumuskulatur (craniomandibuläre Dysfunktion, CMD), etwa eine eingeschränkte Mundöffnung oder Kiefergelenkknacken.

Nach Studien klagen 20 bis 30 Prozent der Menschen mit Schlafbruxismus über Mund- und Gesichtsschmerzen. Zum Problem wird das Knirschen vor allem, wenn es dauerhaft auftritt.

Aufbissschiene: was sie kann und was nicht

Erstes Mittel bei Schlafbruxismus ist oft eine Aufbissschiene aus Kunststoff für Ober- oder Unterkiefer. Sie schützt die Zähne und den Zahnersatz vor weiterem Abrieb. Vorübergehend kann die ungewohnte Situation im Mund das Knirschen auch verringern; ein dauerhaftes Abklingen wird damit in der Regel aber nicht erreicht.

Zuvor wird in der Zahnarztpraxis geprüft, ob offensichtliche Probleme des Zusammenbisses vorliegen, etwa zu hohe Füllungen. Für eine langfristige Therapie gibt es individuell angepasste Schienen, deren Kosten die gesetzlichen Kassen nach den Hamburger Zahnärzten nicht übernehmen; einfache Schienen und Behandlung werden laut AOK in der Regel übernommen.

Wie bekomme ich Zähneknirschen weg? Tipps für den Alltag

Beim Wachbruxismus hilft zunächst achtsame Selbstbeobachtung. Die AOK schlägt einen Selbsttest vor: Kleben Sie farbige Punkte auf Uhr, Bildschirm, Handy oder Autospiegel. Sobald Sie einen sehen, prüfen Sie Ihre Zahnstellung. Pressen Sie die Zähne zusammen, öffnen Sie den Mund weit und schließen ihn entspannt, ohne dass sich die Zähne berühren. Bei geschlossenen Lippen sollten die Zähne normalerweise keinen Kontakt haben.

  • Stress abbauen, etwa mit Ausgleichsbeschäftigungen und Bewegung.
  • Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung.
  • Auf Schlafhygiene achten: Schlafzimmer zwischen 16 und 19 Grad, keine Bildschirme im Bett, feste Schlafzeiten, abends kein schweres Essen und kein zu intensiver Sport.
  • Physiotherapie gegen schmerzende Kaumuskeln und ungünstige Haltungen; mehr dazu im Ratgeber Nackenverspannung.

Beobachtungen für den Zahnarzttermin

Weil Knirschen oft unbemerkt bleibt, helfen der Zahnarztpraxis gesammelte Beobachtungen:

  • Hinweise anderer, dass Sie nachts knirschen oder pressen,
  • ob Sie tagsüber merken, dass Sie die Zähne zusammenbeißen, und in welchen Situationen,
  • Beschwerden beim Aufwachen wie Kiefer-, Gesichts- oder Schläfenkopfschmerzen,
  • Schwierigkeiten beim Mundöffnen oder Knacken im Kiefergelenk,
  • empfindliche Zähne oder Abplatzungen, die Sie im Spiegel sehen.

In der Praxis werden die Zähne untersucht und die Kaumuskulatur auf Verspannungen und Knötchen abgetastet. Ob Schäden vorliegen, beurteilt die Zahnärztin oder der Zahnarzt.

Wo sich die Quellen unterscheiden

  • Häufigkeit: Die AOK spricht von etwa jedem fünften Erwachsenen, die Hamburger Zahnärzte von etwa jedem zehnten Deutschen.
  • Geschlecht: Nach der AOK sind Frauen und Männer ähnlich häufig betroffen, nach den Hamburger Zahnärzten Frauen häufiger.
  • Schiene: Die AOK empfiehlt, die Schiene nicht jede Nacht zu tragen, um einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden; die Hamburger Zahnärzte betonen vor allem den Schutz der Zähne und dass sie das Knirschen meist nicht dauerhaft beendet.
  • Biss: Ein Zusammenhang zwischen Störungen des Zusammenbisses und Knirschen ist nach den Hamburger Zahnärzten wissenschaftlich weder belegt noch ganz ausgeschlossen.
  • Kinder: Nach den Hamburger Zahnärzten schadet Knirschen bei Kindern in der Regel nicht und sollte nach dem Durchbruch der bleibenden Zähne aufhören; es kann aber auch Ausdruck von Stress sein. Fragen zu Kindern klärt die Zahnarztpraxis.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zähneknirschen ist unbewusstes Pressen oder Reiben der Zähne, nachts oder tagsüber.
  • Stress gilt als Hauptursache, daneben Schlafstörungen, Substanzen, Medikamente und Veranlagung.
  • Folgen sind abgeschliffene Zähne, verspannte Kaumuskeln, Kopf- und Kieferschmerzen.
  • Eine Aufbissschiene schützt die Zähne; Entspannung und Stressabbau setzen an der Ursache an.
  • Bei Kieferschmerzen, morgendlichen Kopfschmerzen oder Zahnschäden zur Zahnarztpraxis.

Häufige Fragen zum Zähneknirschen

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie bekomme ich Zähneknirschen weg?

Ein Wundermittel gibt es nicht. Die Zahnarztpraxis schützt die Zähne mit einer Aufbissschiene; Stressabbau, Entspannungsverfahren, Schlafhygiene, Selbstbeobachtung am Tag und bei Bedarf Physiotherapie oder Psychotherapie setzen an den Ursachen an.

Was ist die Ursache von Zähneknirschen?

Meist mehrere Faktoren zusammen. Als wesentliche Ursache gelten Stress, Ängste und Schlafstörungen; außerdem können Medikamente, Koffein, Nikotin, Alkohol, Veranlagung und Erkrankungen wie Schlafapnoe oder Reflux beteiligt sein.

Was bedeutet Zähneknirschen in der Nacht?

Es handelt sich um Schlafbruxismus: Die Kaumuskeln spannen sich im Schlaf unbewusst an, und die Zähne reiben oder pressen mit einem Vielfachen des normalen Kaudrucks aufeinander. Es sagt allein nichts über eine bestimmte Erkrankung aus, sollte aber bei Beschwerden zahnärztlich abgeklärt werden.

Ist Zähneknirschen psychisch?

Psychische Faktoren wie Stress und Ängste gelten als eine wesentliche Ursache. Es spielen aber auch andere Faktoren mit, etwa Schlafstörungen, Substanzen oder Medikamente.

Heilt eine Schiene das Knirschen?

In der Regel nicht. Sie schützt Zähne und Zahnersatz vor weiterem Abrieb und kann das Knirschen vorübergehend verringern, ein dauerhaftes Abklingen erreicht man damit meist nicht.

Wann sollte ich zur Zahnarztpraxis?

Wenn Sie auf nächtliches Knirschen hingewiesen werden, Kiefer-, Kau- oder Nackenmuskeln schmerzen, Sie morgens mit Schläfenkopfschmerzen aufwachen, die Zähne empfindlich sind, sich der Mund schlecht öffnen lässt oder Sie Schliffspuren und Abplatzungen bemerken.

Quellen

  1. AOK-Gesundheitsmagazin · Bruxismus: Was gegen Zähneknirschen hilft
  2. Patientenportal der Hamburger Zahnärzte · Zähneknirschen

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.