Was ist Bruxismus?
Bruxismus ist der Fachbegriff für das unbewusste und wiederholte Anspannen der Kaumuskulatur. Nach der AOK pressen oder reiben dabei oft die Zähne aufeinander; Bruxismus kann aber auch ohne Kontakt der Zähne auftreten, etwa als reines Anspannen der Kiefermuskeln.
Wie häufig Bruxismus ist, beziffern die Quellen unterschiedlich: Nach der AOK knirscht etwa jeder fünfte Erwachsene, nach der Zahnärztekammer Hamburg etwa jeder zehnte. Am häufigsten betroffen ist die Altersgruppe zwischen 30 und 45 Jahren.
Viele Menschen knirschen zeitweise. Zum Problem wird Bruxismus nach der AOK vor allem, wenn er dauerhaft auftritt und Beschwerden oder Schäden verursacht. Nicht jedes Pressen ist also eine Krankheit.
Wachbruxismus und Schlafbruxismus
Fachleute unterscheiden zwei Formen:
- Wachbruxismus: Pressen oder Reiben im wachen Zustand, oft unbemerkt bei Konzentration oder Anspannung und nicht selten verbunden mit nervösen Gewohnheiten. Nach der AOK tritt er bei Erwachsenen öfter auf als der Schlafbruxismus.
- Schlafbruxismus: Knirschen und Pressen während des Schlafs. Weil im Schlaf natürliche Schutzreflexe gegen zu starkes Kauen gedämpft sind, wirken nach der Zahnärztekammer Hamburg ein Vielfaches des normalen Kaudrucks auf die Zähne.
Beide Formen können gemeinsam vorkommen. Für die Behandlung ist die Unterscheidung wichtig, weil am Tag die Selbstbeobachtung, in der Nacht vor allem der Schutz der Zähne im Vordergrund steht.
Was sind die Auslöser von Bruxismus?
Eine einzelne Ursache gibt es nach der Zahnärztekammer Hamburg nicht; Bruxismus entsteht aus verschiedenen, individuell unterschiedlich beteiligten Prozessen. Als wesentlicher Faktor gelten psychische Belastungen wie Stress, Ängste und Durchschlafstörungen. Die AOK nennt Stress die Hauptursache chronischen Knirschens. Weitere mögliche Faktoren:
- bestimmte Medikamente, zum Beispiel gegen Depressionen oder ADHS
- Koffein, Nikotin, Alkohol oder Drogen
- familiäre Veranlagung
- Atmungsstörungen im Schlaf wie Schlafapnoe sowie die Refluxkrankheit
Lange galten Störungen des Zusammenbisses als Ursache. Ein solcher Zusammenhang ist nach der Zahnärztekammer Hamburg wissenschaftlich bisher nicht belegt, aber auch nicht ganz ausgeschlossen. Setzen Sie verordnete Medikamente wegen eines Knirschverdachts nicht selbst ab, sondern sprechen Sie mit der verordnenden Praxis.
Welche Beschwerden treten bei einem Bruxismus auf?
Der Druck beim Knirschen kann nach der AOK ein Vielfaches des normalen Kaudrucks betragen. Mögliche Folgen sind:
- abgeriebene Zähne mit Verlust von Höckern und Schneidekanten, Rillen und Risse im Zahnschmelz
- abplatzender Zahnschmelz, beschädigte Füllungen oder Zahnersatz, im Extremfall Zahnbruch
- zurückgehendes Zahnfleisch und empfindliche Zahnhälse
- vergrößerte, verspannte Kaumuskeln, Schmerzen in Kiefer, Gesicht oder Nacken
- Kopfschmerzen, besonders morgens im Schläfenbereich
- eingeschränkte Mundöffnung, Knacken oder Reiben im Kiefergelenk
Ein abgenutztes Gebiss allein beweist noch keinen aktiven Bruxismus, denn Zahnabnutzung hat auch andere Ursachen. Umgekehrt haben nicht alle Knirschenden Beschwerden.
Bruxismus und CMD
Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) ist nach der Zahnärztekammer Hamburg ein Sammelbegriff für Fehlfunktionen von Kiefergelenk und Kaumuskulatur, etwa mit Mundöffnungsstörungen, Knacken oder Reiben im Kiefergelenk, Ohren-, Kopf- oder Gesichtsschmerzen und Schmerzen beim Kauen. Wissenschaftlichen Studien zufolge klagen 20 bis 30 Prozent der Menschen mit Schlafbruxismus über Mund- und Gesichtsschmerzen; dann liegt möglicherweise eine CMD vor.
Die AOK beschreibt die CMD als mögliche krankhafte Folge des Bruxismus. Bruxismus führt aber nicht automatisch zu einer CMD, und eine CMD kann auch andere Ursachen haben. Bei Hinweisen darauf sollten nach der Zahnärztekammer Hamburg auch andere Fachrichtungen wie HNO, Orthopädie, Neurologie oder Augenheilkunde einbezogen werden.
Wie wird Bruxismus festgestellt?
Erste Hinweise kommen nach der Zahnärztekammer Hamburg meist vom Schlafpartner und aus der Selbstbeobachtung. Verspannungen oder Schmerzen der Kaumuskulatur nach dem Erwachen können auf Bruxismus hindeuten. In der Zahnarztpraxis werden die Zähne genau untersucht und die Kaumuskeln auf Verspannungen und Muskelknötchen abgetastet.
Die AOK rät zur zahnärztlichen Abklärung, wenn Sie auf nächtliches Pressen oder Knirschen aufmerksam gemacht werden, Schmerzen in Kiefergelenk, Kau- oder Nackenmuskulatur haben, morgens mit Schläfenkopfschmerz aufwachen, überempfindliche Zähne bemerken oder den Mund schwer öffnen können. Nicht alle Diagnoseverfahren werden nach der AOK von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
Für das Gespräch hilft eine kurze Beschreibung, getrennt nach drei Bereichen:
- Tagsüber: Wann ertappe ich mich beim Pressen, mit oder ohne Zahnkontakt?
- Nachts: Was berichtet der Schlafpartner, wie fühlt sich der Kiefer morgens an?
- Folgen: Schmerzen, Mundöffnung, empfindliche oder beschädigte Zähne, Schlafqualität
Warum die Schiene schützt, ohne das Knirschen sicher zu stoppen
Erstes Mittel bei Schlafbruxismus ist nach beiden Quellen oft eine Aufbissschiene aus Kunststoff für Ober- oder Unterkiefer. Sie schützt Zähne und Zahnersatz vor weiterem Abrieb. Vorübergehend kann sie das Knirschen verringern, ein dauerhaftes Abklingen des Bruxismus wird damit nach der Zahnärztekammer Hamburg aber in der Regel nicht erreicht.
Wie oft die Schiene getragen werden soll, legt die Zahnarztpraxis fest. Die AOK berichtet von der Empfehlung, gelegentlich ohne Schiene zu schlafen, um einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden; das ist keine allgemeingültige Regel. Speziell angepasste Schienen für eine Langzeittherapie werden nach der Zahnärztekammer Hamburg nicht von den gesetzlichen Kassen übernommen.
Bei offensichtlich zu hohen Füllungen oder Zahnersatz kann die Zahnarztpraxis diese anpassen. Ein weitergehendes Beschleifen gesunder Zähne verändert den Biss dauerhaft und gehört nur in die Hand der Fachleute nach sorgfältiger Abklärung.
Was kann man gegen Bruxismus tun?
Bei Wachbruxismus empfiehlt die AOK zunächst achtsame Selbstbeobachtung: Kleben Sie farbige Punkte etwa an Uhr, Bildschirm oder Handy. Sehen Sie einen Punkt, prüfen Sie Ihre Zähne. Im Ruhezustand sollten sie sich bei geschlossenen Lippen normalerweise nicht berühren. Pressen Sie, öffnen Sie den Mund weit und schließen ihn locker wieder.
Weil Stress eine große Rolle spielt, helfen Ausgleich, Bewegung und Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung. Gute Schlafgewohnheiten unterstützen zusätzlich. Bei anhaltendem Stress oder psychischen Beschwerden kann eine Psychotherapie sinnvoll sein. Physiotherapie kann nach der Zahnärztekammer Hamburg schmerzende Kaumuskeln behandeln und Haltungsgewohnheiten verbessern.
Die Zahnärztekammer Hamburg erwähnt außerdem Injektionen mit Botulinumtoxin bei schwerem Bruxismus, Akupunktur und Biofeedback. Muskelentspannende Maßnahmen können das Knirschen abmildern, bekämpfen aber keine tieferliegenden Ursachen; ob eine solche Behandlung infrage kommt, ist eine ärztliche Einzelfallentscheidung. „Wundermittel“ aus dem Internet gibt es nicht.
In unserer Praxis in Bilbao bieten wir Erwachsenen eine allgemeine Erstberatung zu Bruxismus an; mehr über den Bereich Neurophysiologie finden Sie auf der Leistungsseite. Schienen und Zahnbehandlung erfolgen in der Zahnarztpraxis (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Wo sich die Quellen unterscheiden
Häufigkeit und Geschlecht: Die AOK nennt etwa jeden fünften Erwachsenen und eine ähnliche Häufigkeit bei Frauen und Männern. Die Zahnärztekammer Hamburg nennt etwa jeden zehnten und schreibt, Frauen knirschten häufiger.
Schiene: Die AOK empfiehlt, die Schiene nicht jede Nacht zu tragen. Die Zahnärztekammer Hamburg sieht die Schiene als Schutz, der das Knirschen meist nicht dauerhaft beendet, und empfiehlt für die Langzeittherapie speziell angepasste Schienen.
CMD und Biss: Die AOK bezeichnet CMD als krankhafte Folge des Bruxismus; die Zahnärztekammer Hamburg nennt CMD bei einem Teil der Betroffenen und weitere mögliche Ursachen. Sie hält einen ursächlichen Einfluss des Zusammenbisses für nicht belegt, aber nicht ausgeschlossen.
Zusammenfassung
- Bruxismus ist unbewusstes Pressen oder Knirschen, auch ohne Zahnkontakt möglich.
- Man unterscheidet Wachbruxismus und Schlafbruxismus.
- Stress gilt als wichtigster Faktor; weitere sind Substanzen, Medikamente und Schlafstörungen.
- Folgen können Zahnschäden, Muskelverspannungen und Kieferbeschwerden sein, nicht immer eine CMD.
- Die Aufbissschiene schützt die Zähne, stoppt das Knirschen aber meist nicht dauerhaft.
- Selbstbeobachtung, Entspannung und Behandlung der Belastungen setzen an den Ursachen an.
Häufige Fragen zu Bruxismus
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Was kann man gegen Bruxismus tun?
Tagsüber hilft Selbstbeobachtung, etwa mit farbigen Erinnerungspunkten, nachts schützt eine Aufbissschiene die Zähne. Stressabbau, Entspannungsverfahren, guter Schlaf und bei Bedarf Physio- oder Psychotherapie setzen an den Ursachen an.
Was sind die Auslöser von Bruxismus?
Vor allem Stress und psychische Belastungen. Diskutiert werden außerdem bestimmte Medikamente, Koffein, Nikotin, Alkohol, Drogen, Veranlagung und Atmungsstörungen im Schlaf.
Welche Beschwerden treten bei einem Bruxismus auf?
Abgeriebene oder rissige Zähne, empfindliche Zahnhälse, verspannte Kaumuskeln, morgendlicher Kopfschmerz, Kiefer- und Nackenschmerzen und manchmal eine eingeschränkte Mundöffnung.
Ist Bruxismus heilbar?
Ein sicheres Heilmittel gibt es nicht. Viele kommen mit Schiene, Selbstbeobachtung und Stressabbau gut zurecht; mit zunehmendem Alter nimmt das Risiko oft wieder ab.
Ist Bruxismus auch ohne Zahnkontakt möglich?
Ja. Nach der AOK kann Bruxismus auch als reines Anspannen der Kaumuskeln ohne Kontakt der Zähne auftreten.
Warum schützt eine Schiene, ohne sicher die Aktivität zu stoppen?
Die Schiene liegt zwischen den Zähnen und fängt den Abrieb ab. Die Muskelaktivität selbst entsteht im Nervensystem und durch Belastungen; sie kann vorübergehend abnehmen, verschwindet aber meist nicht dauerhaft.
Quellen
- AOK · Bruxismus: Was hilft gegen Zähneknirschen
- Zahnärztekammer Hamburg, Patientenportal der Hamburger Zahnärzte · Zähneknirschen
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
