Was bedeutet CMD?
CMD steht für craniomandibuläre (auch kraniomandibuläre) Dysfunktion. Das craniomandibuläre System besteht nach dem Universitätsklinikum Heidelberg aus den Zähnen des Ober- und Unterkiefers, der Kaumuskulatur und den Kiefergelenken. Seine wichtigsten Aufgaben sind Kauen und Sprechen. Störungen in diesem System werden als CMD bezeichnet.
Unter CMD fasst die Heidelberger Klinik alle schmerzhaften und nicht schmerzhaften Beschwerden zusammen, die auf eine strukturelle, funktionelle, biochemische oder psychische Fehlregulation der Muskel- oder Kiefergelenksfunktion zurückgehen. Die Universitätsmedizin Göttingen beschreibt CMD als komplexes Krankheitsbild „mit vielen Gesichtern“ und als eine der häufigsten Erkrankungen in der Zahnmedizin.
Die Kiefergelenke verbinden nach gesund.bund.de den beweglichen Unterkiefer mit dem Schädel; sie liegen rechts und links knapp unterhalb der Ohren. Veränderungen dieser Gelenke werden im ICD-10 unter K07.6 („Krankheiten des Kiefergelenkes“) verschlüsselt.
Welche Beschwerden zu einer CMD gehören können
Im Mittelpunkt stehen Beschwerden des Kauapparats. Die Quellen nennen:
- Schmerzen in der Kaumuskulatur und schmerzhafte Verhärtungen der Kaumuskeln
- Schmerzen im Kiefergelenk sowie Knacken oder Reiben im Gelenk
- Schwierigkeiten beim Kauen oder beim Öffnen des Mundes
- Zahnschmerzen, empfindliche Zähne, Zahnlockerungen und Zahnwanderungen
- stressbedingtes Zähneknirschen
Das Universitätsklinikum Heidelberg zählt darüber hinaus Beschwerden in Bereichen zum CMD-Symptomenkomplex, die nicht primär betroffen sind: Schmerzen in Kopf, Gesicht, Nacken, Schulter und Rücken, Ohrgeräusche und Schwindel, Sehstörungen, Schluckbeschwerden, Stimmveränderungen und Taubheitsgefühle in Armen und Fingern.
Eine solche Liste bedeutet nicht, dass diese Beschwerden immer vom Kiefer ausgehen. Sie haben viele mögliche Ursachen und gehören deshalb in die jeweils passende Fachrichtung. Zu Ohrgeräuschen gibt es einen eigenen Ratgeber zum Tinnitus.
Mögliche Ursachen
CMD kann nach der Universitätsmedizin Göttingen durch unterschiedliche Faktoren verursacht werden. Häufig finden sich emotionaler Stress, Zähneknirschen und Zähnepressen. Die Heidelberger Definition umfasst strukturelle, funktionelle, biochemische und psychische Einflüsse.
Auch das Kiefergelenk selbst kann verändert sein. Gesund.bund.de nennt als Beispiele einen über das normale Maß abgenutzten Gelenkknorpel, Entzündungen im Bereich der Kiefergelenke, eine von Geburt an eingeschränkte Beweglichkeit oder vergrößerte Anteile des Unterkieferknochens. Das Universitätsklinikum Heidelberg beschreibt außerdem die Arthrose des Kiefergelenks und eine Verlagerung der Gelenkscheibe (Diskus).
Weil so viele Faktoren beteiligt sein können, arbeitet die Göttinger Klinik mit anderen Fachrichtungen zusammen, etwa Neurologie, Orthopädie oder Radiologie, wenn die Ursache nicht primär im zahnärztlichen Bereich liegt.
Diagnostik: Funktionsanalyse
Die wissenschaftlich anerkannten Methoden, um den Funktionszustand des Kausystems zu erfassen, sind nach der Universitätsmedizin Göttingen die klinische und die instrumentelle Funktionsanalyse. Basis ist die klinische Funktionsanalyse: Dabei werden die Kiefergelenke, die Kau- und Nackenmuskulatur von Hand untersucht und die Beweglichkeit des Unterkiefers beurteilt.
Aus dieser Basisuntersuchung kann sich ergeben, ob weitere Verfahren nötig sind, etwa eine instrumentelle Funktionsanalyse, bei der Kaukontakte und Kieferbewegungen genauer analysiert werden, bildgebende Verfahren oder Untersuchungen in anderen Fachrichtungen. Die instrumentelle Funktionsanalyse gehört nach Göttingen nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland.
Für den Ersttermin empfiehlt die Göttinger Klinik, vorhandene Unterlagen mitzubringen: einen Arztbrief bei Überweisung, Röntgenbilder, Kiefermodelle, alte Aufbissschienen und eine Medikamentenliste.
Aufbissschiene: Wie sie wirken soll
Eine häufige Behandlung ist eine herausnehmbare Okklusionsschiene (Aufbissschiene) aus Kunststoff. Sie soll nach dem Universitätsklinikum Heidelberg die Stellung des Kiefergelenks günstig beeinflussen und das Kausystem entlasten. Die Schiene bringt den Unterkiefer in eine neue Position, verringert die Überaktivität der Kaumuskulatur und entlastet die Kiefergelenke. Die Heidelberger Klinik bezeichnet die hohe Erfolgsrate der Schienentherapie als durch Studien gut dokumentiert.
Als Wirkungsweisen nennt sie unter anderem:
- Minderung von Fehlfunktionen wie Knirschen und Pressen
- Verringerung muskulärer Fehlfunktionen
- Beeinflussung der Verhältnisse innerhalb des Kiefergelenks
- Beeinflussung der Kaukraft und geringerer Verschleiß der Zähne
Welche Schiene passt, hängt nach Göttingen von der Diagnose ab. Eine Schiene ist ein herausnehmbares Hilfsmittel; das ist etwas anderes als bleibende Veränderungen an Zähnen oder Biss.
Physiotherapie und weitere konservative Maßnahmen
Grundsätzlich sollte die Therapie der CMD nach dem Universitätsklinikum Heidelberg nicht allein zahnärztlich, sondern fachübergreifend erfolgen. Als wirkungsvolle Möglichkeiten werden physiotherapeutische Maßnahmen wie Kälte, Wärme, Massagen und Bewegungsübungen angesehen. Auch in Göttingen kommen je nach Diagnose Aufbissschienen und physiotherapeutische Anwendungen in der ersten Behandlungsphase zum Einsatz; darauf aufbauend wird ein langfristiger Therapieplan erstellt.
Zusätzlich nennt die Heidelberger Klinik Medikamente als Möglichkeit, aus den Gruppen der Schmerzmittel, der nichtsteroidalen Antirheumatika, der Muskelrelaxantien, der trizyklischen Antidepressiva und der Kortikoide. Ob und welche Medikamente sinnvoll sind, wird ärztlich entschieden.
Liegt nach zahnärztlicher oder ärztlicher Diagnostik ein muskulärer Anteil vor, können Erwachsene diese Behandlung in unserer Praxis für Physiotherapie in Bilbao abstimmen lassen, in Absprache mit der behandelnden Zahnärztin oder dem behandelnden Zahnarzt (die Beratung findet auf Spanisch statt). Zahnärztliche Leistungen und Veränderungen am Biss bieten wir nicht an.
Wann ein Eingriff erwogen wird
Eine chirurgische Behandlung kommt nach dem Universitätsklinikum Heidelberg bei gelenkbedingten Funktionsstörungen infrage, wenn vorherige konservative Maßnahmen keinen Erfolg hatten. Die Heidelberger Klinik beschreibt eine Stufenleiter:
- Gelenkspülung (Arthrozentese und Lavage): ein minimal invasives Verfahren in Vollnarkose, bei dem das Gelenk mit zwei dünnen Nadeln punktiert und gespült wird; bei Kiefergelenksarthrose nennt Heidelberg es ein frühzeitiges Verfahren der Wahl zur Schmerzreduktion.
- Arthroskopie: eine Gelenkspiegelung, vor allem wenn Diagnostik keine exakte Diagnose erlaubt oder nicht invasive Verfahren nicht geholfen haben.
- Offene Kiefergelenkschirurgie: als letzte Möglichkeit, wenn konservative und minimal invasive Maßnahmen erfolglos waren; mit einem geringen Risiko einer Schädigung des Gesichtsnervs.
Schienen- und Physiotherapie sollten nach Heidelberg auch nach einer Gelenkspülung in jedem Fall begleitend eingesetzt werden.
Behandlungsziele festhalten: ein Notizblatt
CMD-Behandlungen bestehen oft aus mehreren Bausteinen, die von verschiedenen Fachleuten kommen. Damit der Überblick nicht verloren geht, kann ein einfaches Notizblatt helfen. Es ist kein Test, ob man eine CMD hat, sondern eine Hilfe für die Gespräche mit dem Behandlungsteam:
- Maßnahme: zum Beispiel Schiene, Physiotherapie, Medikament
- Ziel: Was soll sich verbessern, etwa Schmerz beim Kauen, Mundöffnung oder Knirschen?
- Kontrolle: Wann wird überprüft, ob die Maßnahme wirkt?
- Offene Fragen: Ist ein Schritt rückgängig zu machen? Welche Alternativen gibt es? Was passiert, wenn es nicht besser wird?
Gerade vor Maßnahmen, die Zähne oder Biss dauerhaft verändern, lohnt es sich, diese Fragen zu klären. Auch die Göttinger Klinik betont, dass vor kieferorthopädischer Planung und vor umfangreichen Zahnversorgungen eine Funktionsdiagnostik sinnvoll ist.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Umfang der Symptome: Das Universitätsklinikum Heidelberg zählt auch Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen, Tinnitus, Schwindel, Sehstörungen und Taubheitsgefühle zum CMD-Symptomenkomplex. Gesund.bund.de beschreibt für Krankheiten des Kiefergelenks enger Schmerzen im Gesicht oder Kopf, Probleme beim Kauen und Mundöffnen sowie Knacken oder Reiben.
Tinnitus: Die Universitätsmedizin Göttingen schreibt, dass der Ursprung eines Tinnitus häufig im Hörsystem liegt und daher HNO-ärztlich zu untersuchen ist; wegen der Nähe von Kiefergelenk und Mittelohr werde aber auch eine CMD als Ursache vermutet. Ein Zusammenhang ist damit möglich, aber nicht die Regel.
Heilungsversprechen: Göttingen formuliert das Ziel, Betroffene „dauerhaft“ von ihren Beschwerden zu befreien; Heidelberg beschreibt eine Stufenleiter bis zur offenen Operation für Fälle, in denen alles andere nicht hilft. Eine Garantie auf vollständige Heilung gibt keine der Quellen.
Zusammenfassung
- CMD bezeichnet Funktionsstörungen von Zähnen, Kaumuskulatur und Kiefergelenken.
- Typisch sind Kaumuskel- und Kiefergelenksschmerzen, Gelenkgeräusche und eingeschränkte Mundöffnung.
- Nicht jeder Kopfschmerz, Tinnitus oder Schwindel kommt vom Kiefer; diese Beschwerden gehören in die passende Fachrichtung.
- Die Diagnostik beginnt mit der klinischen Funktionsanalyse; weitere Verfahren folgen nur bei Bedarf.
- Behandelt wird zunächst konservativ und fachübergreifend: Aufbissschiene, Physiotherapie, bei Bedarf Medikamente.
- Eingriffe kommen bei gelenkbedingten Störungen in Betracht, wenn konservative Maßnahmen erfolglos waren.
Häufige Fragen zur CMD
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Welche Symptome hat man bei CMD?
Typisch sind Schmerzen in den Kaumuskeln und im Kiefergelenk, Knacken oder Reiben im Gelenk, Probleme beim Kauen oder Mundöffnen und Zähneknirschen. Das Universitätsklinikum Heidelberg zählt auch Beschwerden in Kopf, Nacken, Ohren oder Augen dazu, die aber viele andere Ursachen haben können.
Wie bekommt man CMD weg?
Behandelt wird zunächst konservativ und fachübergreifend: mit einer Aufbissschiene, Physiotherapie mit Kälte, Wärme, Massagen und Bewegungsübungen sowie bei Bedarf Medikamenten. Ein Eingriff wird nur bei gelenkbedingten Störungen erwogen, wenn das nicht hilft. Eine feste Heilungsdauer nennen die Quellen nicht.
Was wird bei einer CMD Behandlung gemacht?
Am Anfang steht eine klinische Funktionsanalyse, bei der Kiefergelenke, Kau- und Nackenmuskeln untersucht und die Unterkieferbeweglichkeit beurteilt werden. Danach folgen je nach Diagnose Aufbissschiene, Physiotherapie und gegebenenfalls Medikamente, aufbauend ein langfristiger Therapieplan.
Ist CMD heilbar?
Die Quellen geben keine Heilungsgarantie. Das Universitätsklinikum Heidelberg bezeichnet die Erfolgsrate der Schienentherapie als durch Studien gut dokumentiert, und für hartnäckige gelenkbedingte Störungen gibt es weitere Stufen bis zum Eingriff. Wie gut die Behandlung wirkt, hängt von Ursache und Befund ab.
Ist jeder Kieferschmerz eine CMD?
Nein, nicht automatisch. Schon für das Kiefergelenk selbst nennt gesund.bund.de verschiedene Veränderungen wie Knorpelabnutzung oder Entzündungen, und Schmerzen in Gesicht und Kopf haben auch andere Ursachen. Ob eine CMD vorliegt, klärt eine Funktionsanalyse durch eine Zahnärztin oder einen Zahnarzt, bei Bedarf gemeinsam mit anderen Fachrichtungen.
Wann kann Physiotherapie helfen?
Physiotherapeutische Maßnahmen wie Kälte, Wärme, Massagen und Bewegungsübungen gelten nach dem Universitätsklinikum Heidelberg als wirkungsvoll bei CMD. Sinnvoll ist Physiotherapie vor allem, wenn ein muskulärer Anteil diagnostiziert ist, und in Abstimmung mit der zahnärztlichen Behandlung.
Quellen
- Universitätsklinikum Heidelberg, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie · Kiefergelenkserkrankungen und Craniomandibuläre Dysfunktion
- Universitätsmedizin Göttingen, Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik · Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · ICD-10-Code K07.6: Krankheiten des Kiefergelenkes
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
