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Schlafapnoe: wenn nachts die Atmung stockt

Bei der obstruktiven Schlafapnoe erschlaffen im Schlaf die Muskeln im Rachen so stark, dass die Atemwege wiederholt eng werden oder ganz verschließen. Die Atmung setzt für Sekunden aus, der Körper schreckt kurz auf, ohne dass man es bemerkt. Folge: lautes Schnarchen, unruhiger Schlaf und Tagesmüdigkeit. Unbehandelt erhöht die Schlafapnoe das Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Unfälle. Dieser Ratgeber erklärt Symptome, Diagnose und wirksame Behandlungen.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was passiert bei der Schlafapnoe?

Im Schlaf entspannt sich die Muskulatur des Rachens. Bei Menschen mit Schlafapnoe fallen Zungengrund und Gaumensegel so weit zurück, dass der Luftweg verengt oder verschlossen wird. Der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt, das Gehirn registriert die Gefahr und löst eine kurze Weckreaktion aus. Dabei öffnen sich die Atemwege wieder, oft mit einem lauten Schnarchgeräusch. Dieser Ablauf kann sich hunderte Male pro Nacht wiederholen, ohne dass Betroffene aufwachen.

Typische Anzeichen

  • Lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Pausen.
  • Atemaussetzer, die Partnerin oder Partner beobachten.
  • Ausgeprägte Tagesmüdigkeit, Einschlafen beim Fernsehen oder Lesen.
  • Morgendliche Kopfschmerzen und trockener Mund.
  • Häufiges nächtliches Wasserlassen.
  • Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit, Libidoverlust.
  • Nächtliches Schwitzen und unruhiger Schlaf.

Nicht jedes Schnarchen bedeutet Schlafapnoe. Mehr zum harmlosen Schnarchen im Ratgeber Schnarchen.

Risikofaktoren

  • Übergewicht, besonders ein großer Halsumfang.
  • Männliches Geschlecht, bei Frauen nach den Wechseljahren häufiger.
  • Höheres Alter.
  • Alkohol, Schlaf- und Beruhigungsmittel am Abend.
  • Rauchen.
  • Vergrößerte Mandeln, zurückliegender Unterkiefer, behinderte Nasenatmung.

Folgen einer unbehandelten Schlafapnoe

Die wiederholten Sauerstoffabfälle und Weckreaktionen belasten Herz und Kreislauf. Unbehandelte Schlafapnoe ist mit Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Herzschwäche, Schlaganfall und Typ-2-Diabetes verbunden. Durch die Tagesmüdigkeit steigt das Risiko für Verkehrs- und Arbeitsunfälle deutlich. Auch Stimmung und Gedächtnis können leiden. Eine wirksame Behandlung verbessert Tagesmüdigkeit und Lebensqualität und kann den Blutdruck senken.

Diagnose: Polygrafie und Schlaflabor

Am Anfang stehen ein Gespräch, Fragebögen zur Tagesschläfrigkeit und eine HNO-Untersuchung von Nase, Rachen und Kehlkopf. Mit einem kleinen Gerät für zu Hause (Polygrafie) werden in der Nacht Atemfluss, Atembewegungen, Sauerstoffsättigung und Puls aufgezeichnet. Bestätigt sich der Verdacht oder ist das Ergebnis unklar, folgt eine Untersuchung im Schlaflabor (Polysomnografie), die zusätzlich die Schlafstadien misst. Der Apnoe-Hypopnoe-Index gibt an, wie viele Atemaussetzer pro Stunde auftreten.

Schweregrade

  • Leicht: 5 bis 14 Atemaussetzer oder Abflachungen pro Stunde.
  • Mittelgradig: 15 bis 29 pro Stunde.
  • Schwer: 30 und mehr pro Stunde.

Die Wahl der Behandlung richtet sich nach Schweregrad, Beschwerden und Begleiterkrankungen.

CPAP-Therapie

Bei der CPAP-Therapie trägt man nachts eine Maske über Nase oder Nase und Mund. Ein kleines Gerät erzeugt einen leichten Überdruck, der die Atemwege offen hält. Die Wirkung tritt sofort ein: Die Atemaussetzer verschwinden, viele fühlen sich nach wenigen Wochen deutlich wacher. Anfangs ist die Maske gewöhnungsbedürftig. Eine gut sitzende Maske, ein Befeuchter gegen trockene Schleimhäute und Geduld helfen, die Therapie dauerhaft zu nutzen.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

  • Unterkieferprotrusionsschiene: schiebt den Unterkiefer im Schlaf leicht nach vorne; geeignet bei leichter bis mittelgradiger Schlafapnoe.
  • Lagetherapie: wenn die Atemaussetzer vor allem in Rückenlage auftreten.
  • Gewichtsreduktion: kann die Zahl der Atemaussetzer deutlich senken.
  • Operationen: etwa an Nase, Mandeln oder Gaumen in ausgewählten Fällen.
  • Zungenschrittmacher: stimuliert den Zungennerv; für bestimmte Patientinnen und Patienten, die CPAP nicht vertragen.

Was Sie selbst tun können

  • Abnehmen bei Übergewicht.
  • Abends keinen Alkohol und keine Beruhigungsmittel.
  • Mit dem Rauchen aufhören.
  • Regelmäßige Schlafzeiten einhalten.
  • Nicht auf dem Rücken schlafen, wenn die Apnoe lageabhängig ist.

Weitere Tipps für erholsamen Schlaf im Ratgeber Schlafstörungen.

Schlafapnoe bei Frauen

Frauen haben vor den Wechseljahren seltener eine Schlafapnoe, danach steigt das Risiko. Die Beschwerden sind bei Frauen oft weniger typisch: Statt lautem Schnarchen stehen Schlafstörungen, Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Niedergeschlagenheit im Vordergrund. Deshalb wird die Schlafapnoe bei Frauen häufiger übersehen. Auch in der Schwangerschaft kann sie auftreten.

Schlafapnoe und Autofahren

Ausgeprägte Tagesmüdigkeit durch eine unbehandelte Schlafapnoe kann die Fahrtauglichkeit einschränken. Wer am Steuer müde wird, sollte nicht fahren, bis die Behandlung wirkt. Mit einer erfolgreichen Therapie ist Autofahren in der Regel wieder möglich. Berufskraftfahrer müssen ihre Therapietreue häufig nachweisen.

Probleme mit der CPAP-Maske lösen

Häufige Schwierigkeiten sind Druckstellen, Luftlecks, trockene Nase oder Mund und das Gefühl, eingeengt zu sein. Oft hilft eine andere Maskengröße oder -form, etwa eine Nasenmaske statt einer Vollgesichtsmaske. Ein Befeuchter und ein beheizter Schlauch lindern Trockenheit. Viele Geräte erhöhen den Druck langsam beim Einschlafen. Bei Problemen sollten Sie sich an das Schlaflabor oder den Gerätelieferanten wenden, statt die Therapie abzubrechen.

Schlafapnoe bei Kindern

Auch Kinder können eine Schlafapnoe haben, meist durch vergrößerte Gaumen- oder Rachenmandeln. Hinweise sind lautes Schnarchen, Atempausen, unruhiger Schlaf, Mundatmung, Tagesmüdigkeit oder Unruhe und Konzentrationsprobleme. Häufig hilft die Entfernung der vergrößerten Mandeln. Eltern sollten auffälliges Schnarchen kinderärztlich oder HNO-ärztlich abklären lassen.

Wie läuft eine Nacht im Schlaflabor ab?

Man kommt am Abend ins Schlaflabor und schläft in einem ruhigen Einzelzimmer. Sensoren am Kopf, an der Brust, an den Beinen, an der Nase und am Finger zeichnen Hirnströme, Atmung, Sauerstoff, Herzschlag und Bewegungen auf. Die Untersuchung ist schmerzfrei. Am nächsten Morgen kann man nach Hause gehen; die Auswertung folgt einige Tage später.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei der Schlafapnoe setzt die Atmung im Schlaf immer wieder aus.
  • Typisch sind lautes Schnarchen, Atempausen und Tagesmüdigkeit.
  • Die Diagnose erfolgt mit Polygrafie oder im Schlaflabor.
  • CPAP ist die wirksamste Therapie; Schienen, Lagetherapie und Abnehmen sind Alternativen.

Häufige Fragen zur Schlafapnoe

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Ist Schlafapnoe gefährlich?

Unbehandelt erhöht sie das Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Schlaganfall und Unfälle.

Kann Schlafapnoe von selbst verschwinden?

Selten; deutliche Gewichtsabnahme kann sie aber stark bessern.

Muss ich die CPAP-Maske jede Nacht tragen?

Ja, die Wirkung besteht nur, solange die Maske genutzt wird.

Hilft eine Schnarchschiene bei Schlafapnoe?

Bei leichter bis mittelgradiger Schlafapnoe kann eine Unterkieferprotrusionsschiene wirksam sein.

Wie erkenne ich Schlafapnoe selbst?

Hinweise sind lautes Schnarchen mit Pausen, beobachtete Atemaussetzer und starke Tagesmüdigkeit.

Haben auch schlanke Menschen Schlafapnoe?

Ja, etwa durch einen kleinen Unterkiefer, große Mandeln oder eine enge Rachenanatomie.

Wer übernimmt die Kosten für CPAP?

Bei gesicherter Diagnose übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel die Kosten.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Obstruktive Schlafapnoe (OSA)
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Obstruktive Schlafapnoe
  3. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Behandlung einer obstruktiven Schlafapnoe

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.