Zum Inhalt springen

Rheuma MediBilbao Salud

Fibromyalgie: Symptome erkennen, Diagnose verstehen, Behandlung finden

Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung mit Schmerzen in verschiedenen Körperregionen – auf der Haut, in den Muskeln und rund um die Gelenke. Dazu kommen oft Schlafstörungen, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme. Die Erkrankung ist nicht gefährlich und zerstört keine Gelenke, kann den Alltag aber stark belasten. Dieser Ratgeber erklärt nach gesund.bund.de und der Deutschen Rheuma-Liga, woran man Fibromyalgie erkennt, was über die Ursachen bekannt ist, wie die Diagnose gestellt wird, was ein Symptomfragebogen leisten kann und welche Behandlungen helfen.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist Fibromyalgie?

Fibromyalgie, auch Fibromyalgiesyndrom genannt, ist eine chronische Schmerzerkrankung. Die Schmerzen treten in verschiedenen Körperregionen auf, meist in der Nähe von Gelenken und in Muskeln; fast immer ist auch die Wirbelsäule betroffen.

Die Erkrankung ist nach gesund.bund.de nicht gefährlich: Die Organe sind gesund, die Lebenserwartung wird nicht beeinflusst. Seit den 1990er-Jahren ist Fibromyalgie als Erkrankung anerkannt. Trotzdem wird Betroffenen manchmal vorgeworfen, sie bildeten sich die Beschwerden nur ein – das ist falsch und eine zusätzliche Belastung.

Häufig wird Fibromyalgie als Weichteilrheuma bezeichnet. gesund.bund.de nennt diese Bezeichnung irreführend, weil die Schmerzen weder von den Muskeln ausgehen noch durch eine rheumatische Erkrankung entstehen.

Wie merkt man, dass man Fibromyalgie hat?

Im Vordergrund stehen chronische, tief liegende Muskelschmerzen an verschiedenen Stellen. Sie fühlen sich oft an wie eine Muskelzerrung oder ein starker Muskelkater, beginnen oft am Rücken und breiten sich auf Arme und Beine aus. Die Schmerzen sind häufig unberechenbar und wechseln von Tag zu Tag in Stärke und Ort.

Weitere typische Beschwerden nach den beiden Quellen:

  • schlechter, nicht erholsamer Schlaf, Müdigkeit und körperliche wie geistige Erschöpfung
  • Probleme, klare Gedanken zu fassen, sich etwas zu merken oder Worte zu finden – der sogenannte „Fibro-Nebel“
  • Kopfschmerzen, Magen- und Darmbeschwerden
  • Gefühlsstörungen an Händen und Füßen, verstärkte Menstruationsbeschwerden, Herzrasen oder Luftnot
  • erhöhte Schmerzempfindlichkeit, vor allem auf Druck an der Haut
  • innere Unruhe, Angstgefühle oder Niedergeschlagenheit bis hin zur Depression

Was sind Auslöser für Fibromyalgie?

Bei Fibromyalgie ist die Schmerzverarbeitung im Gehirn gestört: Die Schwelle, ab der ein Reiz als Schmerz empfunden wird, ist niedriger als bei anderen Menschen. Die genauen Ursachen sind nicht bekannt. Vermutet wird ein Zusammenspiel genetischer, körperlicher und psychischer Faktoren.

Die Deutsche Rheuma-Liga nennt Faktoren, die das Risiko erhöhen:

  • Stress im Arbeitsleben und im Alltag
  • andere psychische Belastungen wie Misshandlungen im Kindes- oder Erwachsenenalter
  • zu geringe körperliche Aktivität
  • Rauchen und Übergewicht
  • eine andere Erkrankung wie die rheumatoide Arthritis, in deren Folge sich eine Fibromyalgie entwickeln kann

Ob Autoantikörper oder biochemische und neurologische Störungen eine Rolle spielen, wird noch erforscht. Ein einzelner Risikofaktor erklärt die Erkrankung nicht.

Wie verläuft Fibromyalgie – gibt es ein Endstadium?

Fibromyalgie beginnt meist unauffällig und entwickelt sich über längere Zeit. Viele hatten schon vorher diffuse Schmerzen oder andere Schmerzerkrankungen, etwa Reizdarm, Rücken-, Nacken-, Kiefer- oder Kopfschmerzen. Phasen mit stärkeren Schmerzen können sich mit fast beschwerdefreien Phasen abwechseln.

Einen zerstörenden Verlauf bis zu einem „Endstadium“ beschreiben die Quellen nicht. Die Krankheit befällt nach der Rheuma-Liga nie die Gelenke selbst. In einer großen Studie über mehr als zehn Jahre nahmen die Beschwerden bei 25 Prozent etwas ab und gingen bei 10 Prozent deutlich zurück; beim Großteil blieben sie auf ähnlichem Niveau.

Viele kommen mit der Zeit besser mit den Schmerzen zurecht und finden heraus, was sie sich zumuten können. Häufig bestehen zusätzlich andere Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Angststörungen oder Depressionen.

Wie wird Fibromyalgie diagnostiziert?

Bis zur Diagnose vergehen oft Jahre. Die Schmerzen beginnen schleichend oder an einer Stelle, und weder Laborwerte noch Röntgenbilder können die Erkrankung bestätigen. Viele Betroffene fühlen sich nicht ernst genommen. Erkannt wird Fibromyalgie oft erst in einer rheumatologischen oder schmerzmedizinischen Praxis.

Nötig sind ein ausführliches Gespräch, eine körperliche Untersuchung und verschiedene Blutuntersuchungen. Die Blutwerte dienen dazu, andere Ursachen wie rheumatoide Arthritis, Schilddrüsenunterfunktion oder Muskelerkrankungen auszuschließen; auch psychische Ursachen werden bedacht. Die Rheuma-Liga nennt schmerzhafte Druckstellen an Sehnenansätzen als wichtigen Hinweis bei der Untersuchung.

gesund.bund.de beschreibt als Orientierung: Schmerzen in den letzten drei Monaten in mindestens 7 von 19 festgelegten Körperbereichen auf beiden Seiten, dazu weitere Beschwerden wie Konzentrationsprobleme, Erschöpfung, Morgenmüdigkeit, Magenschmerzen, Kopfschmerzen oder Depressionen in einem bestimmten Schweregrad, seit mindestens drei Monaten. Das ist eine vereinfachte Darstellung, kein Selbsttest.

Was beantwortet ein Symptomfragebogen – und was nicht?

Ein Fibromyalgie-Symptom-Fragebogen kann nach gesund.bund.de helfen, die Beschwerden zu erfassen. Die folgende Übersicht trennt, was er leistet und was nicht:

  • Was er leistet: Er dokumentiert, wo und wie lange Schmerzen bestehen und welche Begleitbeschwerden wie stark sind. Das kann das ärztliche Gespräch strukturieren.
  • Was er nicht leistet: Er stellt keine Diagnose. Diese trifft die Ärztin oder der Arzt nach Gespräch und Untersuchung.
  • Was er nicht ausschließt: Andere Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden. Dafür braucht es Krankengeschichte, körperliche Untersuchung und Blutuntersuchungen.

Einen einzelnen Bluttest, der Fibromyalgie beweist, gibt es nach beiden Quellen nicht. Auch das Abtasten bestimmter Druckpunkte ersetzt die ärztliche Gesamtbeurteilung nicht.

Warum ist Bewegung bei Fibromyalgie so wichtig?

Aus Angst, die Schmerzen zu verstärken, verzichten viele auf körperliche Aktivität. Studien belegen jedoch nach gesund.bund.de, dass Bewegung und leichter Sport guttun, den Körper stärken und die Schmerzen etwas lindern können; Bewegung kann auch die Angst vor Schmerzverstärkung verringern.

Die Rheuma-Liga empfiehlt, langsam zu beginnen und das Programm in kleinen Schritten zu steigern, denn Gymnastik kann die Schmerzen anfangs verstärken. Bewegung in warmem Wasser wird meist gut vertragen. Geeignet sein können:

  • Gehen, Nordic Walking und Radfahren
  • Schwimmen und Bewegung in warmem Wasser
  • Tanzen
  • Muskelaufbautraining

Vor dem Training dehnen; warme Vollbäder, Wärmepackungen und sogar Kältebehandlungen können Schmerzen lindern. Nach der ärztlichen Abklärung kann unsere Physiotherapie in Bilbao Erwachsene dabei begleiten, ein individuell dosiertes Bewegungsprogramm aufzubauen (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Welche weiteren Behandlungen helfen?

Oft bringt nicht eine Behandlung allein, sondern die Kombination mehrerer Therapien die Verbesserung. Bei starken Beschwerden kann eine multimodale Schmerztherapie helfen, die Bewegung, Entspannung und Methoden der Schmerzbewältigung aus der kognitiven Verhaltenstherapie verbindet. Ärzte arbeiten dabei nach der Rheuma-Liga oft mit Psychologen, Physiotherapeuten und Selbsthilfegruppen zusammen.

Bestimmte Medikamente, darunter Antidepressiva in niedrigerer Dosis als bei Depressionen, lindern die Schmerzen bei manchen Menschen. Herkömmliche Schmerzmittel helfen meist wenig; entzündungshemmende Rheumamittel sollen wegen häufiger Nebenwirkungen nur ausnahmsweise eingesetzt werden. Reine Schlaf- und Beruhigungsmittel, Betäubungsmittel, Cannabispräparate und Kortison werden nicht empfohlen. Welche Medikamente passen, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Psychotherapie hilft vielen, besser mit der Krankheit umzugehen – das heißt nicht, dass die Schmerzen eingebildet sind. Ergänzend bietet unsere psychologische Beratung Unterstützung bei der Schmerzbewältigung (auf Spanisch). Im Alltag helfen Pausen, eigene Grenzen zu achten, mehr Zeit für Anstrengendes einzuplanen und Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Häufigkeit: gesund.bund.de nennt nach einer repräsentativen Studie etwa 2 Prozent der Erwachsenen in Deutschland und sagt, Frauen seien häufiger betroffen. Die Rheuma-Liga spricht von rund 1,5 Millionen Erkrankten und davon, dass Frauen sechs- bis siebenmal häufiger erkranken. Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Angaben und lassen sich nicht direkt verrechnen.

Diagnosehinweise: gesund.bund.de beschreibt Schmerzbereiche und Begleitbeschwerden über drei Monate. Die Rheuma-Liga hebt schmerzhafte Druckstellen an Sehnenansätzen als wichtigen Hinweis hervor. Beide betonen, dass Laborwerte die Erkrankung nicht nachweisen, sondern andere Ursachen ausschließen.

Medikamente: gesund.bund.de nennt Wirkstoffe mit belegter Wirksamkeit, darunter Antidepressiva. Die Rheuma-Liga schreibt, Antidepressiva wirkten bei etwa der Hälfte, zumindest eine Zeit lang, und rät von Betäubungsmitteln, Cannabis und Kortison ab.

Zusammenfassung

Fibromyalgie ist eine anerkannte chronische Schmerzerkrankung mit gestörter Schmerzverarbeitung. Typisch sind wechselnde Schmerzen an vielen Stellen, schlechter Schlaf, Erschöpfung und Fibro-Nebel. Gelenke und Organe werden nicht zerstört, die Lebenserwartung ist nicht verkürzt.

Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt nach Gespräch, Untersuchung und Ausschluss anderer Ursachen; einen Bluttest dafür gibt es nicht. Wichtig sind Bewegung in kleinen Schritten, Entspannung und Schmerzbewältigung, bei Bedarf multimodal und mit passend ausgewählten Medikamenten.

Häufige Fragen zur Fibromyalgie

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie merkt man, dass man Fibromyalgie hat?

An chronischen, wechselnden Schmerzen an vielen Stellen, oft wie Muskelkater, dazu schlechtem Schlaf, Erschöpfung und Konzentrationsproblemen. Ob es Fibromyalgie ist, klärt nur eine ärztliche Untersuchung.

Was darf man bei Fibromyalgie nicht machen?

Sich aus Angst vor Schmerzen ganz schonen ist nicht hilfreich; Bewegung sollte aber langsam begonnen und in kleinen Schritten gesteigert werden. Von reinen Schlafmitteln, Betäubungsmitteln und Kortison raten die Quellen ab.

Was sind Auslöser für Fibromyalgie?

Die genauen Ursachen sind unbekannt. Vermutet wird ein Zusammenspiel genetischer, körperlicher und psychischer Faktoren. Stress, psychische Belastungen, wenig Bewegung, Rauchen und Übergewicht erhöhen das Risiko.

Was löst einen Fibromyalgie-Schub aus?

Die Quellen nennen keine festen Auslöser für Schübe. Sie beschreiben, dass Phasen mit stärkeren Schmerzen und fast beschwerdefreie Phasen wechseln und die Schmerzen von Tag zu Tag schwanken können.

Gibt es einen einzelnen Bluttest für Fibromyalgie?

Nein. Laborwerte können die Erkrankung nicht nachweisen. Blutuntersuchungen dienen dazu, andere Ursachen wie rheumatoide Arthritis oder eine Schilddrüsenunterfunktion auszuschließen.

Bedeutet Fibromyalgie, dass die Gelenke zerstört werden?

Nein. Die Krankheit befällt nie die Gelenke selbst, verursacht aber Schmerzen in ihrer Umgebung. Die Organe bleiben gesund und die Lebenserwartung wird nicht beeinflusst.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit, mit IQWiG): Fibromyalgie, Stand 21.10.2022
  2. Deutsche Rheuma-Liga: Fibromyalgie – Ursachen, Symptome, Therapie

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.