Was ist Sarkopenie?
Der Begriff stammt aus dem Griechischen: „sarx“ bedeutet Fleisch, „penia“ Verlust. Kennzeichnend für eine Sarkopenie sind nach der Deutschen Rheuma-Liga der Verlust von Muskelmasse sowie die Abnahme der Muskelkraft und der körperlichen Ausdauer.
Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie zitiert eine kurze Definition: Von Sarkopenie spricht man, wenn sowohl die Muskelmasse als auch die Muskelfunktion abnimmt. Wer im Laufe des Lebens schwächer wird, hält das oft für eine harmlose Alterserscheinung. Ausgeprägter Muskelschwund kann aber dazu führen, dass Menschen stürzen oder ihren Alltag nicht mehr selbstständig bewältigen.
Wie äußert sich eine Sarkopenie?
Menschen mit Sarkopenie haben nach der Rheuma-Liga eine geringere körperliche Leistungsfähigkeit. Typische Folgen sind:
- nachlassende Kraft und Ausdauer im Alltag
- eine höhere Neigung zu Stürzen und damit zu Knochenbrüchen
- eine schlechtere Lebensqualität
- der drohende Verlust der Selbstständigkeit
Ein erster Hinweis kann nach der Rheuma-Liga ein langsames Gehtempo sein. Viele Betroffene bemerken die Veränderung schleichend, etwa beim Treppensteigen, beim Aufstehen oder beim Tragen von Einkäufen.
Warum Muskeln im Alter abbauen
Das Syndrom betrifft nach der Rheuma-Liga mindestens jeden zweiten Menschen über 80 Jahren. Neben dem Alterungsprozess spielen mangelnde Bewegung und chronische Krankheiten eine Rolle, und nach der DGG kann vor allem die Ernährung den Kraftverlust beschleunigen.
Ältere Menschen verbrauchen weniger Energie und essen deshalb meist weniger, wobei die meisten einfach die Gesamtmenge ihrer Mahlzeiten verringern. Im Alter kann der Körper Eiweiße aber schlechter verarbeiten. Auch chronische Entzündungen können zur Sarkopenie führen: Für die rheumatoide Arthritis ist das nach der Rheuma-Liga bekannt, und Betroffene erkranken früher als Menschen ohne entzündliche Grunderkrankung. Rauchen begünstigt die Entstehung ebenfalls.
Sarkopenie bei jedem Körpergewicht
Wenn im Alter Muskelmasse abnimmt, kann sich nach der Rheuma-Liga an Stelle fehlender Muskelfasern Fettgewebe ablagern; zusätzliches Fett sammelt sich auch rund um die Taille. Eine Sarkopenie ist deshalb bei jedem Gewicht möglich.
Besonders problematisch ist die Kombination mit Übergewicht, die sogenannte sarkopenische Adipositas, weil das überschüssige Körperfett zusätzlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt. Das Körpergewicht allein sagt, ebenso wie der Body-Mass-Index, nichts darüber aus, ob genügend Muskelmasse vorhanden ist. Eine stabile Waage ist also keine Entwarnung.
Wie wird Sarkopenie festgestellt?
Für die Diagnose ist nach der Rheuma-Liga international eine Stufenleiter festgelegt. Ärztlich werden dabei mehrere Bereiche geprüft:
- Gehtempo: einen ersten Hinweis gibt die Geschwindigkeit auf einer kurzen Gehstrecke
- Griffkraft: die Stärke des Händedrucks wird mit einem Handkraft-Messgerät gemessen
- Muskelmasse: direkt messbar mit der Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA), einer Methode ähnlich der Knochendichtemessung
- Körperzusammensetzung: eine Bioimpedanz-Analyse hilft, sie zu bestimmen
Grenzwerte und Testverfahren werden in Fachkreisen weiterentwickelt. Ein einzelner Selbsttest zu Hause, etwa wiederholtes Aufstehen vom Stuhl, ersetzt deshalb keine ärztliche Beurteilung.
Was hilft gegen Sarkopenie?
Die Basis der Behandlung ist nach der DGG gezieltes Krafttraining, insbesondere für die größten Muskeln des Körpers. Krafttraining erhöht nach der Rheuma-Liga die Muskelkraft und verbessert die Balance. Wer seine Muskulatur regelmäßig fordert, kann sogar im Alter noch Muskelmasse aufbauen und die Funktion verbessern.
Wichtig ist Regelmäßigkeit: Die Rheuma-Liga empfiehlt ein angepasstes Übungsprogramm zwei- bis dreimal pro Woche, und zwar dauerhaft, denn wer aufhört, muss damit rechnen, dass die Sarkopenie erneut auftritt. Treppensteigen reduziert das Sturzrisiko. Welche Übungen möglich sind, hängt vom Zustand der Gelenke ab.
In unserer Praxis für Physiotherapie in Bilbao können Sie ein an Ihre Kraft und Ihre Gelenke angepasstes Übungsprogramm erarbeiten (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Ernährung gegen Muskelabbau im Alter
Der zweite Pfeiler ist nach der DGG eine Ernährungsumstellung. Eine eiweißarme Ernährung begünstigt nach der Rheuma-Liga den Muskelabbau, denn Muskeln bestehen aus Eiweiß. Eiweißquellen sind:
- Milch und Milchprodukte
- Fisch und Geflügel
- Hülsenfrüchte
Das Eiweiß sollte nach der DGG nicht nur aus Fleisch stammen; die Vielfalt zählt. Wie viel Eiweiß im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von Gesundheitszustand und Nierenfunktion ab und sollte ärztlich oder in einer Ernährungsberatung besprochen werden. Ob eine Eiweißzufuhr in Form von Präparaten hilft, ist nach der Rheuma-Liga wissenschaftlich umstritten. Unsere Ernährungsberatung in Bilbao kann bei der Umstellung des Speiseplans begleiten.
Ziele im Alltag statt nur Zahlen auf der Waage
Weil das Gewicht allein wenig über die Muskeln verrät, lohnt es sich, Fortschritte im Alltag festzuhalten. Eine einfache Notiz für das nächste Gespräch mit Ärztin, Physiotherapie oder Ernährungsberatung kann so aussehen:
- Alltagsziel: zum Beispiel eine Etage ohne Pause, Einkäufe selbst tragen
- Was hindert beim Essen: Appetit, Kauen, Einkaufen, Kochen allein
- Was hindert bei der Bewegung: Schmerzen, Angst vor Stürzen, fehlende Begleitung
- Veränderung seit dem letzten Termin: was leichter, was schwerer geworden ist
Diese Notiz ist kein Test und ersetzt keine Messung. Sie hilft aber, Training und Ernährung an die eigenen Ziele anzupassen.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Stand: Die Pressemeldung der DGG stammt aus dem Jahr 2017, der Beitrag der Rheuma-Liga aus dem Jahr 2020. Grenzwerte und Medikamente, die damals in Erforschung waren, geben nicht unbedingt den heutigen Stand wieder.
Eiweiß: Die DGG zitiert die Empfehlung, im Alter mehr Protein und weniger Kohlenhydrate und Fett zu essen. Die Rheuma-Liga hält es für umstritten, ob Eiweiß als Präparat hilft, und für ungeklärt, ob die Empfehlungen auch für Menschen mit Rheuma gelten.
Vitamin D und Medikamente: Beide Quellen beschreiben Vitamin D und spezielle Medikamente als Gegenstand der Forschung, nicht als etablierte Behandlung.
Zusammenfassung
- Sarkopenie ist der Verlust von Muskelmasse, Muskelkraft und Ausdauer.
- Sie erhöht das Risiko für Stürze, Knochenbrüche und den Verlust der Selbstständigkeit.
- Sie kommt bei jedem Körpergewicht vor; Waage und BMI reichen zur Beurteilung nicht.
- Gehtempo, Griffkraft und Muskelmasse gehören zur ärztlichen Diagnose.
- Regelmäßiges, dauerhaftes Krafttraining ist die Basis der Behandlung.
- Eiweißreiche, vielfältige Ernährung ist der zweite Pfeiler.
Häufige Fragen zur Sarkopenie
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie äußert sich eine Sarkopenie?
Durch nachlassende Kraft und Ausdauer, langsameres Gehen, mehr Mühe bei Treppen oder beim Aufstehen und eine höhere Sturzneigung. Oft entwickelt sie sich schleichend.
Was hilft gegen Sarkopenie?
Gezieltes Krafttraining, regelmäßig und dauerhaft, dazu eine eiweißreiche und vielfältige Ernährung. Bei Menschen mit entzündlichem Rheuma ist zudem die gute Behandlung der Grunderkrankung wichtig.
Wie hoch ist die Lebenserwartung bei Sarkopenie?
Eine individuelle Lebenserwartung lässt sich nicht angeben. Nach der Deutschen Rheuma-Liga sterben Menschen mit Sarkopenie im Durchschnitt früher als Gleichaltrige ohne Muskelschwund.
Was hilft gegen den Muskelabbau im Alter?
Muskeln regelmäßig fordern, etwa mit Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche und Treppensteigen, und genug Eiweiß aus Milchprodukten, Fisch, Geflügel und Hülsenfrüchten essen.
Kann Sarkopenie auch bei Übergewicht vorkommen?
Ja. Fettgewebe kann sich an Stelle von Muskelfasern ablagern. Diese sarkopenische Adipositas gilt als besonders problematisch, weil das Körperfett zusätzlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt.
Warum reicht das Körpergewicht zur Beurteilung nicht aus?
Weil Gewicht und BMI nichts darüber aussagen, wie viel davon Muskelmasse ist. Aussagekräftiger sind Griffkraft, Gehtempo und Messungen der Muskelmasse.
Quellen
- Deutsche Rheuma-Liga · Sarkopenie (Stand Oktober 2020)
- Deutsche Gesellschaft für Geriatrie · Pressemeldung „Mit guter Ernährung lässt sich Sarkopenie bremsen“ (2017)
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
