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SIBO: Symptome, Atemtest und Behandlung

SIBO steht für „small intestinal bacterial overgrowth“, auf Deutsch bakterielle Dünndarmfehlbesiedlung. Dabei vermehren sich Bakterien im Dünndarm stärker, als es normal wäre. Blähungen, Bauchschmerzen und veränderter Stuhlgang sind typisch, aber auch bei vielen anderen Verdauungsproblemen zu finden. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen des Universitätsklinikums Freiburg, was bei einer Fehlbesiedlung im Darm passiert, welche Beschwerden auftreten können, wie ein Atemtest funktioniert und was er nicht leisten kann, welche anderen Erkrankungen abgeklärt werden müssen, wie die Behandlung aussieht und welche Rolle die Ernährung spielt.

Thema
Ernährung
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist SIBO?

Bei einer bakteriellen Dünndarmfehlbesiedlung wachsen nach dem Universitätsklinikum Freiburg übermäßig viele Bakterien im Dünndarm. Normalerweise enthält der Dünndarm nur wenige Bakterien, etwa 10³ bis 10⁴ pro Milliliter, weil mit der Nahrung aufgenommene Bakterien überwiegend von der Magensäure abgetötet werden. Im Dickdarm leben dagegen etwa 10¹⁰ bis 10¹² Bakterien pro Milliliter, die unter anderem an der weiteren Verdauung beteiligt sind.

Mehrere Schutzmechanismen verhindern, dass Dickdarmbakterien in den Dünndarm aufsteigen: die Klappe zwischen Dünn- und Dickdarm (Ileozökalklappe), die Darmbewegungen (Peristaltik), Abwehrstoffe in der Schleimhaut sowie Bauchspeichel und Galle. Sind diese Mechanismen gestört, kann es zu einer Fehlbesiedlung kommen.

SIBO ist nicht dasselbe wie eine „gestörte Darmflora“ im Allgemeinen. Es geht um eine messbare Fehlbesiedlung des Dünndarms, die ärztlich festgestellt wird. Wie sich die Ernährung allgemein auf die Darmbakterien auswirkt, erklärt unser Ratgeber zum Blähbauch nur am Rande; SIBO ist eine eigene Fragestellung.

Welche Beschwerden bei SIBO auftreten können

Die Beschwerden können nach dem Universitätsklinikum Freiburg 30 bis 90 Minuten nach dem Essen auftreten. Durch die Gasbildung kommt es typischerweise zu:

  • Blähbauch und vermehrten Winden
  • Aufstoßen und Mundgeruch
  • Übelkeit und Sodbrennen
  • krampfartigen Bauchschmerzen, vor allem um den Nabel und im rechten Unterbauch
  • Verstopfung oder Durchfall

Wird die Aufnahme von Nährstoffen gestört, können bestimmte Fettsäuren, Vitamin B12 und Eisen schlechter aufgenommen werden. Mögliche Folgen sind Fettstühle, Gewichtsverlust und Mangelzustände. Chronische Beschwerden können die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.

Keines dieser Zeichen ist spezifisch für SIBO. Blähungen und Bauchschmerzen kommen auch bei Unverträglichkeiten, einem Reizdarm und vielen anderen Erkrankungen vor.

Ursachen und Risikofaktoren

Eine Fehlbesiedlung entsteht, wenn die natürlichen Schutzmechanismen nicht ausreichend wirken. Das Universitätsklinikum Freiburg nennt dafür unter anderem:

  • Operationen am Bauch: Das sogenannte Blindsacksyndrom ist eine Form der SIBO nach Bauchoperationen
  • Erkrankungen wie Leberzirrhose oder Diabetes, die eine Fehlbesiedlung begünstigen können
  • die längere Einnahme von säurehemmenden Medikamenten
  • eine gestörte Darmbewegung

Wird eine SIBO durch eine andere Erkrankung ausgelöst, muss nach dem Universitätsklinikum Freiburg auch diese Grunderkrankung behandelt werden. Deshalb gehört die Suche nach der Ursache zur Diagnostik dazu.

Der H2-Atemtest mit Glukose

Im gastroenterologischen Funktionslabor des Universitätsklinikums Freiburg wird der Test auf Dünndarmfehlbesiedlung als H2-Atemtest mit Glukose durchgeführt. Dabei trinkt man eine Zuckerlösung, und anschließend wird mehrfach der Wasserstoffgehalt der Ausatemluft gemessen. Bei einer Fehlbesiedlung bilden die Bakterien schon im Dünndarm Gas, was sich als früher Anstieg des Wasserstoffs zeigen kann.

Davon zu unterscheiden sind andere Atemtests, die das Freiburger Labor durchführt: der H2-Atemtest mit Laktose (auf Laktoseintoleranz), mit Fruktose (auf Fruktosemalabsorption) und mit Sorbit. Diese Tests beantworten andere Fragen und sind kein SIBO-Test.

Für die Untersuchungen muss man in der Regel nüchtern erscheinen. Weitere wichtige Verhaltensweisen für die Vorbereitung werden in Freiburg bei der Anmeldung besprochen. Welche Vorbereitung gilt, legt also das untersuchende Team fest; sie sollte nicht nach Anleitungen aus dem Internet geplant werden.

Was sonst abgeklärt werden muss

Weil die Beschwerden so allgemein sind und eine SIBO andere Erkrankungen des Verdauungstrakts überdecken kann, ist nach dem Universitätsklinikum Freiburg eine Differenzialdiagnostik nötig. Dazu können gehören:

  • eine Magenspiegelung, etwa um eine Infektion mit Helicobacter oder eine Zöliakie zu erkennen
  • eine Darmspiegelung, um Engstellen, Entzündungen, Fisteln oder Divertikulitis auszuschließen
  • eine Ultraschalluntersuchung des Bauchs, in besonderen Fällen eine MRT
  • Laboruntersuchungen, etwa auf Lebererkrankungen oder Diabetes
  • Atemtests auf Laktose- und Fruktoseunverträglichkeit
  • eine Stuhluntersuchung, um eine Schwäche der Bauchspeicheldrüse oder Krankheitserreger und Parasiten auszuschließen

Welche dieser Untersuchungen im Einzelfall sinnvoll sind, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt anhand der Beschwerden und der Vorgeschichte.

Behandlung: ärztlich gesteuert

Die Behandlung einer SIBO erfolgt nach dem Universitätsklinikum Freiburg mit Antibiotika und weiteren Medikamenten. Welche Wirkstoffe, in welcher Dosis und wie lange, legt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt fest. Ein festes Schema für alle Betroffenen gibt dieser Ratgeber bewusst nicht vor.

Ebenso wichtig ist die Behandlung einer zugrunde liegenden Erkrankung, wenn sie die Fehlbesiedlung ausgelöst hat. Ohne diese Ursachenbehandlung können die Beschwerden wiederkehren.

Das Universitätsklinikum Freiburg erwähnt außerdem ergänzende Probiotika. Ob ein bestimmtes Präparat sinnvoll ist, sollte ärztlich geklärt werden; ein allgemeines Versprechen, dass Probiotika eine SIBO beseitigen, lässt sich daraus nicht ableiten.

Welche Rolle spielt die Ernährung?

Viele Betroffene fragen, was sie bei SIBO nicht essen dürfen. Die ausgewerteten Quellen nennen keine Liste verbotener Lebensmittel und keine bestimmte SIBO-Diät. Eine Ernährungsumstellung ist kein Diagnosetest und keine Heilung: Ob Beschwerden nach dem Weglassen von Lebensmitteln besser werden, sagt nicht, ob eine Fehlbesiedlung vorliegt.

Gerade weil eine SIBO nach dem Universitätsklinikum Freiburg zu Gewichtsverlust und Mängeln an Vitamin B12 und Eisen führen kann, sind lang andauernde, stark einschränkende Diäten ohne Begleitung problematisch. Eine Ernährung, die die Beschwerden lindert und trotzdem ausreichend Nährstoffe liefert, sollte individuell geplant werden.

Nach ärztlicher Abklärung begleiten wir Erwachsene in unserer Ernährungsberatung in Bilbao dabei, die Ernährung an die Beschwerden und Befunde anzupassen (die Beratung findet auf Spanisch statt). Diagnose und medikamentöse Behandlung bleiben in ärztlicher Hand.

Ein Blatt für den Arzttermin

Weil die Beschwerden unspezifisch sind, helfen genaue Angaben bei der Abklärung. Notieren Sie vor dem Termin:

  • Beginn und Verlauf: Seit wann bestehen die Beschwerden? Gab es einen Auslöser, etwa eine Operation, eine Infektion oder neue Medikamente?
  • Zeitlicher Bezug: Treten die Beschwerden kurz nach dem Essen auf?
  • Stuhlgang: Häufigkeit, Konsistenz, Fettstühle, Blut
  • Gewicht: ungewollte Abnahme, und wie viel in welcher Zeit
  • Bisherige Diäten: welche Lebensmittel bereits weggelassen wurden und mit welchem Effekt
  • Frühere Untersuchungen: Atemtests, Spiegelungen, Laborwerte, mit Befunden
  • Medikamente: insbesondere säurehemmende Mittel und deren Einnahmedauer

Dieses Blatt ist keine Diagnose, sondern eine Gesprächsgrundlage.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Welcher Atemtest? Die englischsprachige Patienteninformation des Universitätsklinikums Freiburg schreibt, SIBO könne mit einem Atemtest mit Laktose oder Glukose festgestellt werden. Das gastroenterologische Funktionslabor derselben Klinik führt den Test auf Dünndarmfehlbesiedlung als Atemtest mit Glukose und den Laktosetest als Test auf Laktoseintoleranz. Für die Frage nach SIBO ist deshalb die Angabe des Funktionslabors maßgeblich.

Wie ernst ist SIBO? Die Patienteninformation bezeichnet SIBO einerseits als nicht schwerwiegend und leicht zu diagnostizieren, beschreibt andererseits Gewichtsverlust, Mangelzustände und eine aufwendige Differenzialdiagnostik. Weil die Beschwerden andere Erkrankungen überdecken können, ist eine gründliche Abklärung wichtiger als die Einschätzung, ob die Erkrankung „harmlos“ ist.

Heilung: Die Patienteninformation spricht von hoher Heilungswirksamkeit. Sie betont aber zugleich, dass eine Grunderkrankung mitbehandelt werden muss; ohne das ist ein dauerhafter Erfolg nicht gesichert.

Zusammenfassung

  • SIBO ist eine übermäßige Vermehrung von Bakterien im Dünndarm, in dem normalerweise nur wenige leben.
  • Typisch sind Blähungen, Aufstoßen, Bauchschmerzen und Durchfall oder Verstopfung; bei gestörter Aufnahme auch Gewichtsverlust und Mängel.
  • Getestet wird mit einem H2-Atemtest mit Glukose; Laktose- und Fruktosetests beantworten andere Fragen.
  • Weil die Beschwerden unspezifisch sind, müssen andere Erkrankungen abgeklärt werden.
  • Die Behandlung mit Medikamenten wird ärztlich festgelegt; Grunderkrankungen werden mitbehandelt.
  • Diäten sind kein Diagnosetest; die Ernährung sollte individuell und ausreichend nährstoffreich geplant werden.

Häufige Fragen zu SIBO

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was sind SIBO-Symptome?

Nach dem Universitätsklinikum Freiburg vor allem Blähbauch, vermehrte Winde, Aufstoßen, Mundgeruch, Übelkeit, krampfartige Bauchschmerzen sowie Verstopfung oder Durchfall, oft 30 bis 90 Minuten nach dem Essen. Bei gestörter Nährstoffaufnahme kommen Fettstühle, Gewichtsverlust und Mangelzustände hinzu.

Wie bekomme ich SIBO weg?

Die Behandlung erfolgt ärztlich, nach dem Universitätsklinikum Freiburg mit Antibiotika und weiteren Medikamenten. Liegt eine Grunderkrankung zugrunde, muss sie mitbehandelt werden. Wirkstoffe, Dosis und Dauer legt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt fest.

Woher weiß ich, ob ich SIBO habe?

Nur durch eine ärztliche Abklärung. Ein Hinweis kann ein H2-Atemtest mit Glukose sein. Weil die Beschwerden unspezifisch sind, werden zusätzlich andere Erkrankungen ausgeschlossen, etwa durch Spiegelungen, Ultraschall, Labor- und Stuhluntersuchungen.

Was darf man bei SIBO nicht essen?

Eine allgemeingültige Verbotsliste nennen die ausgewerteten Quellen nicht. Eine Diät ist weder Diagnosetest noch Heilung. Weil SIBO zu Gewichtsverlust und Nährstoffmängeln führen kann, sollte eine Ernährungsanpassung individuell und fachlich begleitet erfolgen.

Kann ein Atemtest allein SIBO beweisen?

Ein Atemtest liefert einen wichtigen Hinweis, wird aber im Zusammenhang mit Beschwerden und weiteren Befunden beurteilt. Nach dem Universitätsklinikum Freiburg gehört eine Differenzialdiagnostik dazu, weil SIBO andere Erkrankungen des Verdauungstrakts überdecken kann.

Welche Angaben sollte ich zur Untersuchung mitbringen?

Hilfreich sind Beginn und Verlauf der Beschwerden, ihr Bezug zu den Mahlzeiten, Stuhlgewohnheiten, ungewollter Gewichtsverlust, bereits ausprobierte Diäten, frühere Befunde und eine Medikamentenliste, besonders mit säurehemmenden Mitteln.

Quellen

  1. Universitätsklinikum Freiburg, International Medical Services · Small intestinal bacterial overgrowth (englisch)
  2. Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Innere Medizin II · Gastroenterologisches Funktionslabor

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.