Was unterscheidet Divertikulose und Divertikulitis?
Divertikel sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut: An Schwachstellen der Darmmuskulatur wölbt sich die Darminnenwand nach außen. So entstehen kleine ballonförmige Säckchen, in denen sich Stuhl ablagern kann. gesundheitsinformation.de und gesund.bund.de unterscheiden vereinfacht drei Formen:
- Divertikulose: Man hat Divertikel, aber keine Beschwerden.
- Divertikelkrankheit: Die Divertikel verursachen Beschwerden oder Komplikationen; bei dauerhaften oder wiederkehrenden Beschwerden spricht man von einer chronischen Divertikelkrankheit.
- Divertikulitis: Die Divertikel sind entzündet. Unterschieden werden die unkomplizierte Form ohne Eiteransammlungen und die komplizierte Form mit Eiteransammlungen.
Divertikel sind häufig und werden mit dem Alter häufiger. Nach gesundheitsinformation.de haben etwa 13 % der Menschen unter 50 Jahren Divertikel, bei über 70-Jährigen sind es etwa 50 %. Etwa 1 % aller Menschen mit Divertikeln entwickelt innerhalb von 10 Jahren eine Divertikulitis; sie kann in jedem Alter auftreten.
Wie merke ich, dass ich eine Divertikulitis habe?
Wenn sich Divertikel entzünden, treten nach gesundheitsinformation.de plötzlich dumpfe Schmerzen im Unterbauch auf, begleitet von leichtem Fieber. Weitere Anzeichen sind:
- Verstopfung oder Durchfall
- Blähungen und Übelkeit
- manchmal Krämpfe; Erbrechen ist eher selten
Drückt die Ärztin oder der Arzt auf den Bauch, spannt sich die Bauchmuskulatur reflexartig an (Abwehrspannung); beim plötzlichen Loslassen wird der Schmerz stärker.
Bei einer Divertikelkrankheit ohne akute Entzündung sitzen die Schmerzen meist im linken Unterbauch, seltener im rechten. Sie kommen und gehen oft, sind nach dem Essen häufig stärker und nach dem Stuhlgang schwächer. Manchmal bluten Divertikel auch.
Ist linker Bauchschmerz ein sicherer Hinweis?
Nein. Divertikel bilden sich meist im Sigma, einem etwa 40 bis 45 Zentimeter langen S-förmigen Abschnitt des Dickdarms vor dem Mastdarm, wo der Druck des Stuhls auf die Darmwand am höchsten ist. Nach den Internisten im Netz liegen sie in über 90 % der Fälle dort; sie können aber in allen Abschnitten des Dickdarms außer im Mastdarm vorkommen. Deshalb sind Schmerzen links typisch, aber nicht beweisend – und auch rechts möglich.
Umgekehrt können andere Erkrankungen ähnliche Beschwerden machen, etwa eine Blinddarmentzündung oder ein Reizdarmsyndrom. Deshalb gehört die Einordnung in ärztliche Hände.
Was ist der Auslöser für eine Divertikulitis?
Warum sich Divertikel entzünden, ist nach gesundheitsinformation.de noch unklar. Vermutet wird, dass eine schlechtere Durchblutung und die Bildung von Kotsteinen in den Divertikeln Entzündungen wahrscheinlicher machen. Die Entzündung selbst wird durch Bakterien ausgelöst. Nach den Internisten im Netz lässt sich nicht vorhersagen, ob und wann sich Divertikel entzünden; weder Anzahl noch Größe der Divertikel deuten darauf hin.
Für die Entstehung von Divertikeln nennen die Quellen eine erbliche Anfälligkeit, schwaches Bindegewebe, gestörte Darmbewegungen, höheres Alter und starkes Übergewicht. Eine ballaststoffarme Ernährung kann zu Verstopfung und hartem Stuhl führen und erhöht vermutlich das Risiko; auch viel rotes Fleisch, Rauchen und wenig Bewegung werden vermutet.
Häufiger zu Komplikationen kommt es nach gesundheitsinformation.de bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa nach einer Organtransplantation, oder mit schwerer Nierenerkrankung. Vermutlich erhöht auch die längerfristige Einnahme bestimmter Medikamente das Risiko für einen schweren Verlauf, darunter entzündungshemmende Schmerz- und Rheumamittel, Kortisonpräparate und starke Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide.
Wie wird eine Divertikulitis festgestellt?
Zunächst fragt die Ärztin oder der Arzt nach Vorerkrankungen und Medikamenten. Bei der körperlichen Untersuchung werden der Bauch abgehört und abgetastet und der Enddarm ausgetastet. Je nach Beschwerden folgen Blut- und Urinuntersuchungen und eine Temperaturmessung, in der Regel dann ein Ultraschall. Steht die Diagnose noch nicht fest, kann eine Computertomografie (CT) nötig sein; die Internisten im Netz zählen das CT zur Standarddiagnostik bei akuter Divertikulitis.
Eine Darmspiegelung ist während einer akuten Divertikulitis zu risikoreich, weil sich die Entzündung ausbreiten kann, falls der Darm verletzt wird. Nach dem Abheilen wird sie nach gesundheitsinformation.de häufig etwa 4 bis 6 Wochen später empfohlen, um Polypen, Darmkrebs oder andere Erkrankungen als Ursache auszuschließen. Ob und wann sie im eigenen Fall nötig ist, entscheidet das Behandlungsteam. Wichtig zu wissen: Aus Divertikeln selbst entsteht kein Darmkrebs.
Wie bekomme ich eine Divertikulitis weg?
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad. Ziele sind, Komplikationen zu vermeiden, akute Beschwerden zu lindern, Rückfällen vorzubeugen und chronische Beschwerden zu vermeiden. Eine Divertikulitis ist meist gut behandelbar und heilt dann innerhalb weniger Wochen ab.
- Unkomplizierte Divertikulitis: Antibiotika sind nach gesundheitsinformation.de und gesund.bund.de meist unnötig.
- Komplikationen oder erhöhtes Risiko: Dann sind Antibiotika notwendig; eine Behandlung im Krankenhaus kann erforderlich sein. Bei schwerer Divertikulitis erhalten Betroffene dort nach den Internisten im Netz zunächst keine normale Nahrung und Antibiotika über die Vene; bessert sich der Zustand, wird nach etwa 2 bis 3 Tagen auf normale Kost umgestellt.
- Abszess: Eine Eiteransammlung kann nach den Internisten im Netz unter CT-Kontrolle punktiert und abgeleitet werden.
- Operation: Bessert sich eine akute Divertikulitis nicht oder bestehen dauerhafte Beschwerden, kann der betroffene Darmabschnitt entfernt werden. Wegen der Risiken sollte das sorgsam abgewogen werden. Bei schweren Komplikationen wie einer Bauchfellentzündung muss dagegen rasch operiert werden.
Rückfälle, Komplikationen und die Frage nach der Operation
Etwa 20 % der Betroffenen bekommen nach gesundheitsinformation.de in den Jahren nach einer Divertikulitis mindestens einmal erneut eine. Greift die Entzündung auf Darmwand oder Nachbarorgane über, können sich Abszesse und Fisteln bilden, also röhrenartige Verbindungen etwa zwischen Darm und Blase. Selten entsteht ein Loch in der Darmwand mit lebensbedrohlicher Bauchfellentzündung. Wiederholte Entzündungen können narbige Verengungen und schlimmstenfalls einen Darmverschluss verursachen.
Das Risiko für Komplikationen ist bei der ersten Divertikulitis am höchsten und sinkt bei wiederkehrenden Entzündungen deutlich. Ein erneuter Schub bedeutet deshalb nicht automatisch eine Operation: Die frühere Empfehlung, nach dem dritten Rückfall zu operieren, gilt nach den Internisten im Netz heute nicht mehr. Auch nach einer Operation können sich im verbliebenen Dickdarm erneut Divertikel entzünden.
Für den Arzttermin nach einem Schub hilft eine kurze Frageliste: Was soll ich in den nächsten Tagen und Wochen essen, und wann darf ich wieder normal essen? Bei welchen Beschwerden soll ich mich sofort wieder melden? Ist bei mir eine weitere Untersuchung wie eine Darmspiegelung nötig, und wann? Was kann ich gegen Rückfälle tun?
Was sollte man bei einer Divertikulitis nicht essen?
Eine allgemeingültige Verbotsliste gibt es nach den Quellen nicht. Lange wurde empfohlen, Nüsse, Körner, Mais und Popcorn zu meiden, weil man vermutete, dass Reste davon in den Divertikeln stecken bleiben und Entzündungen auslösen. Untersuchungen haben das widerlegt: Auf Nüsse muss man nach gesundheitsinformation.de nicht verzichten.
Vorbeugend sorgt eine ballaststoffreiche Ernährung dafür, dass der Stuhl nicht zu hart wird; das könnte Menschen mit Divertikeln vor Beschwerden oder Entzündungen schützen. Viele Ballaststoffe stecken in Vollkornprodukten, Gemüse, Hülsenfrüchten und Obst (siehe ballaststoffreiche Lebensmittel). Auch bei chronischer Divertikelkrankheit kann ein Versuch mit mehr Ballaststoffen sinnvoll sein. Ob probiotische Lebensmittel helfen, ist noch nicht ausreichend geklärt.
Was Sie während eines akuten Schubs essen sollen, besprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam; die Ernährung heilt eine Entzündung nicht. Ist die akute Phase ärztlich abgeklärt, kann unsere Ernährungsberatung in Bilbao Erwachsene beim Umstieg auf eine ballaststoffreichere Kost begleiten (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Wo sich die Quellen unterscheiden
- Häufigkeit: gesundheitsinformation.de nennt etwa 13 % unter 50 und 50 % über 70 Jahren mit Divertikeln. Die Internisten im Netz nennen etwa 30 % der 60-Jährigen und 65 % der über 85-Jährigen sowie rund 14 Millionen Menschen in Deutschland.
- Operation nach dem ersten Schub: Die Internisten im Netz beschreiben, dass Chirurgen in bestimmten Stadien empfehlen, den entzündeten Abschnitt nach dem ersten Schub zu entfernen. gesundheitsinformation.de und gesund.bund.de (Stand 2026) betonen, dass ein Eingriff wegen der Risiken sorgsam abgewogen werden sollte.
- Antibiotika: gesundheitsinformation.de und gesund.bund.de halten sie bei unkomplizierter Divertikulitis meist für unnötig. Die Internisten im Netz beschreiben Antibiotika vor allem für schwere Verläufe im Krankenhaus und äußern sich nicht ausdrücklich zur unkomplizierten Form.
- Darmspiegelung: gesund.bund.de formuliert, sie dürfe in der akuten Phase nicht durchgeführt werden und sei 4 bis 6 Wochen danach „möglich“. gesundheitsinformation.de schreibt, sie werde dann „häufig empfohlen“.
- Lage: gesundheitsinformation.de schreibt „meist“ im Sigma, die Internisten im Netz nennen über 90 %.
Zusammenfassung
- Divertikel sind häufige Ausstülpungen der Darmwand; entzünden sie sich, liegt eine Divertikulitis vor.
- Typisch sind plötzliche dumpfe Unterbauchschmerzen, meist links, mit leichtem Fieber und Verdauungsbeschwerden.
- Die Diagnose stützt sich auf Untersuchung, Blutwerte, Ultraschall und bei Bedarf CT; eine Darmspiegelung nicht in der akuten Phase.
- Unkomplizierte Entzündungen brauchen meist keine Antibiotika; Komplikationen werden im Krankenhaus behandelt.
- Ein erneuter Schub bedeutet nicht automatisch eine Operation.
- Nüsse und Körner muss man nicht meiden; Ballaststoffe können vorbeugen.
Häufige Fragen zur Divertikulitis
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie merke ich, dass ich eine Divertikulitis habe?
Typisch sind plötzlich auftretende dumpfe Schmerzen im Unterbauch, meist links, mit leichtem Fieber, dazu Verstopfung oder Durchfall, Blähungen und Übelkeit. Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt.
Wie bekomme ich eine Divertikulitis weg?
Das hängt vom Schweregrad ab. Eine unkomplizierte Divertikulitis heilt meist innerhalb weniger Wochen ab, oft ohne Antibiotika. Bei Komplikationen sind Antibiotika und manchmal ein Krankenhausaufenthalt oder eine Operation nötig.
Was ist der Auslöser für eine Divertikulitis?
Die Entzündung wird durch Bakterien ausgelöst. Warum sich Divertikel entzünden, ist noch unklar; vermutet werden eine schlechtere Durchblutung und Kotsteine in den Divertikeln.
Was sollte man bei einer Divertikulitis nicht essen?
Eine feste Verbotsliste gibt es nicht. Nüsse, Körner oder Popcorn muss man nach heutigem Wissen nicht meiden. Was im akuten Schub sinnvoll ist, legt das Behandlungsteam fest.
Braucht jede Divertikulitis Antibiotika?
Nein. Bei einer unkomplizierten Divertikulitis sind Antibiotika meist unnötig. Notwendig sind sie bei Komplikationen oder erhöhtem Risiko dafür.
Bedeutet ein erneuter Schub automatisch eine Operation?
Nein. Die frühere Regel, nach dem dritten Rückfall zu operieren, gilt nicht mehr. Ob operiert wird, wird individuell abgewogen; bei schweren Komplikationen wie einer Bauchfellentzündung muss allerdings rasch operiert werden.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Divertikelkrankheit und Divertikulitis
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Divertikulitis, Divertikelkrankheit, in Zusammenarbeit mit dem IQWiG, Stand 05.03.2026
- Internisten im Netz (Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten): Was ist eine Divertikulitis?
- Internisten im Netz: Divertikulitis – Behandlung
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
