Was ist Verstopfung?
Obstipation ist der medizinische Fachbegriff für Verstopfung des Darms. Menschen mit Verstopfung können nach dem IQWiG nur selten auf die Toilette, der Stuhlgang fällt schwer und der Stuhl ist hart. Viele haben ständig das Gefühl eines vollen Bauchs, manche fühlen sich auch müde und abgekämpft.
Viele Menschen haben hin und wieder Verstopfung. Wenn harte, mühsame und unbefriedigende Stuhlgänge über viele Monate die Regel sind, kann es sich nach gesund.bund.de um eine chronische Verstopfung handeln. Verstopfung kann auch ein Symptom des Reizdarmsyndroms sein; die Abgrenzung ist manchmal schwierig. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zum Reizdarm.
In Europa haben nach gesund.bund.de durchschnittlich ungefähr 15 Prozent der Bevölkerung mit Verstopfung zu tun, Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer. Mit zunehmendem Alter, vor allem ab 65 Jahren, tritt sie häufiger auf; mögliche Gründe sind Bewegungsmangel, Bettlägerigkeit und Nebenwirkungen von Medikamenten.
Woran erkennt man eine Verstopfung?
Dass der Stuhl nicht jeden Tag gleich aussieht, ist normal und hängt auch vom Essen ab. Täglicher Stuhlgang ist keine Voraussetzung für eine gesunde Verdauung. Häufen sich folgende Anzeichen und bleiben sie mindestens drei Monate bestehen, liegt nach gesund.bund.de der Verdacht auf eine chronische Verstopfung nahe:
- weniger als drei Stuhlgänge pro Woche
- harter, knolliger Stuhl
- mühevoller Stuhlgang, oft nur unter Pressen oder mit Hilfe der Finger
- fehlender Stuhldrang
- Gefühl der unvollständigen Entleerung oder dass etwas im Weg ist
- Gefühl eines aufgeblähten Bauches
Die Häufigkeit allein entscheidet also nicht: Auch harter Stuhl, starkes Pressen und das Gefühl unvollständiger Entleerung gehören zu den Kriterien.
Was verursacht eine Verstopfung?
Bei einer Verstopfung ist entweder die Darmentleerung gestört, oder der Nahrungsbrei wird langsamer als gewöhnlich durch den Darm transportiert. Der Stuhl bleibt dann länger im Dickdarm, der ihm laufend Wasser entzieht, sodass er hart und knollig wird. Häufig lässt sich keine Ursache feststellen. Zu einer längeren Verweildauer können beitragen:
- faserarme Nahrung mit wenig Ballaststoffen
- zu wenig trinken
- mangelnde Bewegung
- willentliches Unterdrücken des Stuhldrangs
- plötzliche Änderungen der Lebensumstände, etwa auf Reisen
Diese Faktoren führen nach gesund.bund.de aber nur bei manchen Menschen zu Beschwerden, vor allem bei einer natürlichen Neigung zu Verstopfung. Die Entleerung selbst kann durch starkes Pressen gestört werden oder durch Erkrankungen des Enddarms wie vergrößerte Hämorrhoiden oder eine starke Senkung des Beckenbodens.
Wenn Erkrankungen oder Medikamente dahinterstecken
Daneben nennt gesund.bund.de weitere Gründe, die ärztlich bedacht werden:
- Engstellen im Darm, etwa bei oder nach entzündlichen Erkrankungen wie Morbus Crohn und Divertikulitis, durch Narbenstränge nach Bauchoperationen oder bei Tumorerkrankungen; sie können bis zum Darmverschluss führen
- hormonelle Faktoren wie hohe Progesteronspiegel in der Schwangerschaft oder selten eine Schilddrüsenunterfunktion
- neurologische Erkrankungen wie multiple Sklerose oder Parkinson
- psychische Erkrankungen wie Magersucht sowie Diabetes mellitus
- Nebenwirkungen vieler Arzneimittel, etwa Eisenpräparate, opioidhaltige Schmerzmittel, Antidepressiva oder Mittel gegen Bluthochdruck
Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenmächtig ab, wenn Sie eine Nebenwirkung vermuten, sondern sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Viele Menschen befürchten, dass chronische Verstopfung das Darmkrebsrisiko erhöht. Das ist nach gesund.bund.de nicht der Fall.
Wann sollte man zum Arzt?
Beschwerden beim Stuhlgang sollten nach gesund.bund.de unbedingt ärztlich abgeklärt werden, wenn sie plötzlich auftreten und eines der folgenden Zeichen hinzukommt:
- Blut im Stuhl oder am Darmausgang
- starke Schwankungen des Stuhldurchmessers
- Blutarmut (Anämie)
- Gewichtsverlust
- Darmkrebs in der Familie
Bei solchen Warnzeichen sollte man nicht monatelang abwarten. Auch wenn eine Verstopfung trotz Basismaßnahmen anhält, ist eine Abklärung sinnvoll. Anders ist es, wenn sich der Darminhalt staut: Typische Zeichen einer Darmlähmung sind nach gesund.bund.de Bauchschmerzen, die nicht nachlassen, ein zunehmend aufgeblähter Bauch, Übelkeit, Erbrechen und Windverhalt, bei dem keine Luft und Gase mehr aus dem Darm entweichen. Solche Beschwerden gehören sofort ärztlich untersucht.
Kotstau: Wenn trotz Verstopfung Durchfall auftritt
Vor allem bei älteren Menschen kann eine hartnäckige Verstopfung dazu führen, dass sich steinharte Kotballen im Darm ansammeln. Dann kann nach gesund.bund.de ein dünnflüssiger Durchfall entstehen, der sich an den Kotballen vorbeischiebt. Eine solche Impaktbildung muss manchmal im Krankenhaus behandelt werden.
Das ist eine Falle: Wer plötzlich flüssigen Stuhl hat, hält die Verstopfung leicht für überwunden oder nimmt sogar Mittel gegen Durchfall. Tatsächlich kann der Darm weiter verlegt sein. Ohne Behandlung können sich die Kotballen aufstauen und den Darm komplett verlegen; es kann zu einem Darmverschluss, einer Entzündung der Darmwand mit Durchbruch und einer Bauchfellentzündung kommen. Ein solcher Verlauf kann lebensbedrohlich werden.
Deshalb gilt: Wer nach längerer Verstopfung plötzlich Durchfall bekommt, besonders mit Bauchschmerzen oder aufgeblähtem Bauch, sollte das ärztlich abklären lassen. In dieser Lage ist es nicht sinnvoll, auf eigene Faust große Mengen Ballaststoffe zu essen oder Einläufe zu machen, denn bei einem möglichen Verschluss gehört die Behandlung in ärztliche Hände.
Stuhltagebuch und ärztliche Untersuchung
Außer der Stuhlhäufigkeit sind die Symptome nicht messbar. Gesund.bund.de empfiehlt deshalb, über mehrere Wochen ein Stuhltagebuch zu führen und die täglichen Gewohnheiten zu dokumentieren. Die Bristol-Stuhlformen-Skala hilft dabei: Sie beschreibt sieben Stuhltypen. Typ 1 und 2 deuten auf Verstopfung, Typ 3 bis 5 gelten als normal, Typ 6 und 7 sprechen für Durchfall. Notieren Sie zusätzlich:
- Häufigkeit und Ablauf des Stuhlgangs sowie die Stuhlform
- Ernährung, Trinkmenge und Bewegung
- alle Medikamente, auch Eisenpräparate oder Abführmittel
- Blut im Stuhl, Gewichtsverlust oder plötzliche Veränderungen und seit wann sie bestehen
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach diesen Punkten und untersucht den After, auch mit dem Finger. Bei Hinweisen auf eine Grunderkrankung folgen Bluttests, Röntgen, Ultraschall oder Endoskopie. Oft wird zunächst behandelt; bleibt der Erfolg nach vier Wochen aus, kommen weitere Untersuchungen infrage. Eine Stuhluntersuchung auf Bakterien oder Pilze („Darm-Ökogramm“) liefert nach gesund.bund.de keine wissenschaftlich belegten Therapiehinweise.
Was hilft? Der Stufenplan
Gibt es keine Hinweise auf andere Erkrankungen, wird nach gesund.bund.de ein Stufenplan empfohlen. Zuerst kommen Basismaßnahmen:
- Ballaststoffreich essen: Obst, Gemüse, Vollkornprodukte oder Weizenkleie füllen den Darm, sodass er den Inhalt besser weiterschieben kann. Ähnlich wirken Quellstoffe wie Floh- und Leinsamen; auch Mangos, Pflaumen oder Kiwis fördern den Stuhlgang.
- Ausreichend trinken: 1,5 bis 2 Liter am Tag, besonders bei mehr Ballast- und Quellstoffen. Wer wegen einer Herz- oder Nierenerkrankung weniger trinken soll, hält sich an die ärztliche Vorgabe.
- Bewegen: Altersgerechte Aktivität reicht; möglichst wenig sitzen oder liegen, viel zu Fuß erledigen. Ein zusätzliches Sportprogramm bringt in der Regel keine Vorteile.
- Zeit nehmen: Den Stuhldrang nicht immer wieder unterdrücken.
Pro-, Prä- und Synbiotika können die Stuhlfrequenz erhöhen und den Stuhl weicher machen; ihre Wirkung sollte über vier bis sechs Wochen erprobt und bei fehlender Besserung beendet werden. Reichen die Basismaßnahmen nicht, kommen Abführmittel zum Einsatz: Manche ziehen Wasser in den Darm und vergrößern so das Stuhlvolumen, andere regen zusätzlich direkt die Darmbewegung an und können Krämpfe und Durchfall auslösen. Helfen sie nicht, kann ärztlich ein Mittel verordnet werden, das die Darmmuskulatur direkt anregt. Bei Entleerungsstörungen kommen Zäpfchen, Einläufe oder bei gestörtem Zusammenspiel der Beckenbodenmuskulatur Biofeedback infrage; eine Operation erst, wenn alles andere ausgeschöpft ist.
Mehr Ideen für den Speiseplan finden Sie in unserem Ratgeber zu ballaststoffreichen Lebensmitteln. In unserer Praxis in Bilbao begleiten wir Erwachsene nach ärztlicher Abklärung in der Ernährungsberatung dabei, Ballaststoffe und Trinkmenge passend in den Alltag einzubauen (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Wo sich die Quellen unterscheiden
IQWiG und gesund.bund.de beschreiben die Verstopfung übereinstimmend: seltener, schwerer Stuhlgang mit hartem Stuhl, ausgelöst etwa durch wenig Ballaststoffe, geänderte Ernährung auf Reisen, zu wenig Flüssigkeit oder Bewegung, aber auch durch Medikamente oder krankhafte Veränderungen des Darms.
Der Umfang unterscheidet sich deutlich. Das IQWiG gibt im Glossar eine knappe Definition und nennt zusätzlich Müdigkeit und Abgeschlagenheit sowie das Gefühl eines vollen Bauchs. Gesund.bund.de nennt konkrete Kriterien wie weniger als drei Stuhlgänge pro Woche über mindestens drei Monate, Warnzeichen, die Gefahr des Kotstaus bei älteren Menschen und einen ausführlichen Stufenplan bis zu Abführmitteln, Biofeedback und Operation.
Gesund.bund.de beschreibt Pro- und Präbiotika sowie Akupunkturverfahren als Möglichkeiten, die bei manchen Menschen helfen; eine allgemeine Empfehlung für alle ist das nicht.
Zusammenfassung
Verstopfung zeigt sich durch seltenen, harten oder mühsamen Stuhlgang, Pressen und das Gefühl unvollständiger Entleerung. Häufig findet sich keine Ursache; wenig Ballaststoffe, zu wenig Flüssigkeit, Bewegungsmangel, unterdrückter Stuhldrang, Erkrankungen und Medikamente können beitragen.
Zuerst helfen Basismaßnahmen: ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend trinken, Bewegung und Zeit für den Toilettengang; danach kommen Abführmittel und weitere ärztliche Maßnahmen. Ein Stuhltagebuch erleichtert die Abklärung. Warnzeichen wie Blut im Stuhl oder Gewichtsverlust gehören ärztlich untersucht, und plötzlicher Durchfall nach langer Verstopfung kann auf einen Kotstau hinweisen.
Häufige Fragen zur Verstopfung
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie löse ich am schnellsten eine Verstopfung?
Eine Sofortlösung für alle gibt es nicht. Empfohlen werden zuerst ballaststoffreiche Kost, ausreichend Flüssigkeit, Bewegung und Zeit für den Toilettengang; reicht das nicht, kommen Abführmittel infrage. Bei Warnzeichen gehört die Verstopfung ärztlich abgeklärt.
Wie lange darf eine Verstopfung dauern?
Halten Beschwerden mindestens drei Monate an, liegt der Verdacht auf eine chronische Verstopfung nahe. Treten Warnzeichen wie Blut im Stuhl oder Gewichtsverlust auf, sollte man aber nicht abwarten.
Ist täglicher Stuhlgang notwendig?
Nein. Als ein Kriterium gelten weniger als drei Stuhlgänge pro Woche. Entscheidend ist das Gesamtbild aus Häufigkeit, Stuhlform, Pressen und dem Gefühl unvollständiger Entleerung.
Kann trotz Verstopfung Durchfall auftreten?
Ja. Bei einem Kotstau kann sich dünnflüssiger Stuhl an harten Kotballen vorbeischieben. Das ist keine Besserung und sollte ärztlich abgeklärt werden, besonders bei älteren Menschen.
Wann können Ballaststoffe ungeeignet sein?
Bei Verdacht auf einen Kotstau oder Darmverschluss, etwa mit starken Bauchschmerzen, aufgeblähtem Bauch oder Erbrechen, gehört die Behandlung in ärztliche Hände. Zudem braucht mehr Ballaststoff ausreichend Flüssigkeit.
Was sollte ich zur Untersuchung notieren?
Häufigkeit und Form des Stuhls, etwa nach der Bristol-Skala, Ernährung, Trinkmenge, Bewegung, alle Medikamente und Warnzeichen wie Blut im Stuhl oder Gewichtsverlust, jeweils mit dem Beginn.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Verstopfung bei Erwachsenen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Glossar: Obstipation
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Darmlähmung (paralytischer Ileus)
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
