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Leberzirrhose: Ursachen, Stadien und Behandlung

Müdigkeit, nachlassende Leistungsfähigkeit, vielleicht ein Druckgefühl im Oberbauch: Mit solchen unauffälligen Beschwerden beginnt eine Leberzirrhose oft, wenn sie überhaupt Beschwerden macht. Viele Betroffene merken jahrelang nichts. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen von gesund.bund.de und des Universitätsklinikums Heidelberg, wie eine Leberzirrhose entsteht, woran man sie erkennt, was kompensiert und dekompensiert bedeutet und welche Behandlung möglich ist.

Thema
Ernährung
Aktualisiert
Lesezeit
6 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine Leberzirrhose?

Bei einer Leberzirrhose wird nach gesund.bund.de intaktes Lebergewebe allmählich zerstört und in funktionsloses, knotiges Bindegewebe umgewandelt. Die Leber vernarbt, verhärtet und kann schließlich schrumpfen; umgangssprachlich spricht man von einer Schrumpfleber. Das Bindegewebe kann die Aufgaben der Leberzellen nicht übernehmen, langfristig droht ein Leberausfall.

Die Leber ist das größte Entgiftungsorgan des Körpers. Das Universitätsklinikum Heidelberg beschreibt die Zirrhose als Zustand, der sich nicht mehr umkehren lässt. Das heißt aber nicht, dass jede Zirrhose rasch zum Leberversagen führt: Wird die Ursache behandelt, kann das Fortschreiten gebremst oder aufgehalten werden.

Welche Ursachen hat eine Leberzirrhose?

Meist steckt eine nicht ausgeheilte, chronische Lebererkrankung dahinter. Die Quellen nennen vor allem:

  • langjährigen, hohen Alkoholkonsum
  • chronische Virusinfektionen der Leber, vor allem Hepatitis B und C
  • Stoffwechselerkrankungen
  • die Autoimmunhepatitis, bei der das Immunsystem Leberzellen angreift
  • seltene erbliche Erkrankungen wie die Kupferspeicherkrankheit (Wilson-Krankheit)

Gegen Hepatitis A und B kann man sich impfen lassen, und Kondome senken das Risiko einer Ansteckung mit Hepatitisviren beim Geschlechtsverkehr. Werden die zugrunde liegenden Erkrankungen nicht behandelt, schreitet die Leberschädigung nach dem Universitätsklinikum Heidelberg immer weiter fort.

Was sind die ersten Anzeichen bei Leberzirrhose?

Bis zu 40 Prozent der Betroffenen merken nach gesund.bund.de anfangs nichts von der Erkrankung. Die ersten Beschwerden sind meist unspezifisch: vermehrte Müdigkeit, geringere Leistungsfähigkeit, Gewichtsverlust, starkes Schwitzen und gelegentlich Druck oder Schmerzen im Oberbauch. Mit dem Fortschreiten kommen typische Zeichen hinzu:

  • Gelbsucht: gelbliche Haut, Schleimhäute und Augäpfel, oder eine grau-fahle Hautfarbe
  • Leberhautzeichen wie gerötete Handinnenflächen und Gefäßspinnen im Gesicht und am Oberkörper
  • eingerissene Mundwinkel und auffallend rot glänzende Lippen
  • bei Männern Brustvergrößerung, Verlust der Körperbehaarung und Potenzprobleme
  • bei Frauen Zyklusstörungen
  • ein instabiler Blutzucker bis hin zu einem durch die Leber bedingten Diabetes

Was bedeutet kompensiert oder dekompensiert?

Ärztinnen und Ärzte unterscheiden zwei Stadien. Bei einer kompensierten Leberzirrhose haben sich noch keine größeren Komplikationen entwickelt; sie bleibt anfangs oft unbemerkt. Bei einer dekompensierten Zirrhose ist die Vernarbung so weit fortgeschritten, dass schwere oder lebensbedrohliche Komplikationen auftreten.

Zur Einschätzung des Schweregrads nutzen Fachleute Blutwerte und Bewertungssysteme wie den MELD-Score, der sich aus Leber- und Nierenwerten zusammensetzt und unter anderem die Dringlichkeit einer Lebertransplantation beziffert. Solche Werte gehören in die ärztliche Beurteilung; als Selbsttest sind sie nicht geeignet.

Welche Komplikationen können auftreten?

Durch die Vernarbung kann das Blut nicht mehr frei durch die Leber fließen. Nach den Quellen kann es zu folgenden Komplikationen kommen:

  • Bluthochdruck in der Pfortader mit Krampfadern in Speiseröhre oder Magen, die platzen und lebensbedrohlich bluten können
  • Bauchwassersucht (Aszites): Der Bauch schwillt an, schmerzt und das Atmen fällt schwer; Bakterien können eine Bauchfellentzündung verursachen
  • hepatische Enzephalopathie: Giftstoffe gelangen ins Gehirn und verursachen Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Verlangsamung, zittrige Hände bis hin zum Leberkoma
  • Gerinnungsstörungen, weil die Leber wichtige Eiweiße nicht mehr bildet
  • ein erhöhtes Risiko für Leberkrebs

Oft wird die Leberzirrhose erst entdeckt, wenn eine dieser Komplikationen auftritt. Wegen des Krebsrisikos empfiehlt das Universitätsklinikum Heidelberg regelmäßige Ultraschalluntersuchungen.

Wie wird eine Leberzirrhose festgestellt?

Erste Hinweise liefert die körperliche Untersuchung: eine veränderte, verhärtete Leber, Leberhautzeichen, Bauchwasser, Wassereinlagerungen in den Beinen oder zittrige Finger. Weitere Schritte sind:

  • Blutuntersuchungen zur Leberfunktion, zum Schweregrad und auf Hepatitis B und C
  • eine Ultraschalluntersuchung von Größe, Kontur und Dichte der Leber, von Bauchwasser und Milz
  • die transiente Elastographie, eine schmerzfreie Ultraschalltechnik, die zeigt, wie stark die Leber vernarbt ist
  • in manchen Fällen eine Gewebeprobe (Biopsie)

Eine Biopsie ist nicht in jedem Fall nötig. gesund.bund.de nennt sie vor allem, wenn die Elastographie im Frühstadium nicht genau genug ist; das Universitätsklinikum Heidelberg verzichtet nach eigenen Angaben in der Regel darauf und setzt auf schonendere Verfahren. Wichtig ist auch, die Ursache zu finden, denn davon hängt die Behandlung ab.

Wie wird eine Leberzirrhose behandelt?

Ziel ist, das Fortschreiten aufzuhalten oder zu verlangsamen und Komplikationen zu verhindern. Dazu gehören nach den Quellen:

  • die Behandlung der Ursache, etwa eine antivirale Therapie bei Virushepatitis
  • völliger Verzicht auf Alkohol, auch wenn Alkohol nicht die Ursache war, sowie auf Drogen und Rauchen
  • Medikamente nur, wenn sie dringend nötig sind, mit ärztlich angepasster Dosis
  • die Vorbeugung und Behandlung von Komplikationen, etwa das Veröden von Krampfadern in der Speiseröhre oder vorbeugende Antibiotika gegen eine Bauchfellentzündung
  • bei weit fortgeschrittener Zirrhose eine Lebertransplantation

Eine Therapie, die das Narbengewebe gezielt zurückbildet, gibt es nach dem Universitätsklinikum Heidelberg bisher nicht, auch wenn es Hinweise auf eine teilweise Rückbildung gibt.

Ernährung und ein Blatt für den Arzttermin

Eine ausgewogene Ernährung ist nach dem Universitätsklinikum Heidelberg wichtig; bei einem Vitaminmangel können Vitaminpräparate sinnvoll sein, und diätetische Maßnahmen können Giftstoffe im Darm verringern. Bei Übergewicht kann eine Gewichtsabnahme sinnvoll sein; mehr dazu im Ratgeber Ernährung bei Fettleber. Einschränkungen bei Eiweiß, Salz oder Trinkmenge sollten Betroffene aber nur nach ärztlicher Anweisung vornehmen.

Weil oft mehrere Fachrichtungen beteiligt sind, hilft eine Übersicht für jeden Termin:

  • bekannte Diagnosen, etwa Hepatitis, Fettleber oder Diabetes, und seit wann
  • alle Medikamente, auch frei verkäufliche, sowie Nahrungsergänzungen und pflanzliche Mittel
  • Alkohol: aktueller Konsum oder seit wann kein Alkohol mehr
  • letzte Blutwerte, Ultraschall- oder Elastographie-Befunde
  • anstehende Untersuchungen und offene Fragen

In unserer Praxis in Bilbao bieten wir eine allgemeine Erstberatung an; Leberdiagnostik, hepatologische Behandlung oder Transplantationsmedizin bieten wir nicht an (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Wo sich die Quellen unterscheiden

Bei der Diagnostik gehen die Quellen auseinander: gesund.bund.de beschreibt die Biopsie als notwendig, wenn die Elastographie im Frühstadium nicht genau genug ist. Das Universitätsklinikum Heidelberg schreibt, eindeutig lasse sich eine Zirrhose nur durch eine Gewebeentnahme feststellen, verzichtet aber in der Regel darauf und nutzt schonendere Verfahren. In der Praxis entscheidet das behandelnde Team im Einzelfall.

Beim Alkohol nennt gesund.bund.de in seinem Text aus dem Jahr 2022 Grenzwerte für einen risikoarmen Konsum zur Vorbeugung. Für Menschen mit bestehender Zirrhose gilt nach beiden Quellen dagegen: kein Alkohol. Zur Rückbildung schreibt Heidelberg von Hinweisen auf eine teilweise Rückbildung, gesund.bund.de beschreibt die Vernarbung als fortschreitend; eine Heilung im Sinne einer vollständigen Wiederherstellung versprechen beide nicht.

Zusammenfassung

  • Bei einer Leberzirrhose vernarbt die Leber und verliert ihre Funktion.
  • Häufigste Ursachen sind Alkohol und chronische Virushepatitis.
  • Die Erkrankung bleibt oft lange unbemerkt; erste Zeichen sind unspezifisch.
  • Kompensiert heißt ohne größere Komplikationen, dekompensiert mit schweren Komplikationen.
  • Behandlung der Ursache und völliger Alkoholverzicht können das Fortschreiten bremsen.
  • Blutungen, Verwirrtheit oder ein schnell wachsender Bauch sind ein Notfall.

Häufige Fragen zur Leberzirrhose

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie lange kann man bei Leberzirrhose noch leben?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Es hängt davon ab, ob die Zirrhose kompensiert oder dekompensiert ist, ob die Ursache behandelt wird und welche Komplikationen auftreten. Eine Einschätzung kann nur das behandelnde Team geben.

Was sind die ersten Anzeichen bei Leberzirrhose?

Oft gar keine. Wenn Beschwerden auftreten, sind sie zunächst unspezifisch: Müdigkeit, geringere Leistungsfähigkeit, Gewichtsverlust und Druck im Oberbauch. Später folgen Gelbsucht und typische Hautzeichen.

Kann sich die Leber von einer Leberzirrhose erholen?

Die Vernarbung gilt als nicht umkehrbar. Wird die Ursache behandelt und auf Alkohol verzichtet, lässt sich das Fortschreiten aber aufhalten oder verlangsamen; es gibt Hinweise auf eine teilweise Rückbildung.

Ist eine Leberzirrhose schlimm?

Sie ist eine ernste Erkrankung, weil Komplikationen lebensbedrohlich sein können. Im kompensierten Stadium und mit konsequenter Behandlung können viele Betroffene ihren Zustand aber stabilisieren.

Was bedeutet kompensiert oder dekompensiert?

Kompensiert bedeutet, dass noch keine größeren Komplikationen bestehen. Dekompensiert heißt, dass schwere Komplikationen wie Bauchwasser, Blutungen aus Krampfadern oder eine hepatische Enzephalopathie aufgetreten sind.

Welche Warnzeichen brauchen sofort Hilfe?

Eine plötzliche starke Blutung, zunehmende Verwirrtheit oder Schläfrigkeit, ein schnell anschwellender, schmerzhafter Bauch, Fieber oder Atemnot. Dann sofort den Notruf 112 wählen.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Leberzirrhose: Ursachen, Verlauf, Therapie
  2. Universitätsklinikum Heidelberg · Leberzirrhose

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.