Was ist Migräne?
Migräne ist nach der Deutschen Hirnstiftung eine Erkrankung des Gehirns und die häufigste schwere Kopfschmerzerkrankung. Sie ist keine psychische Erkrankung und nicht mit einem gewöhnlichen Spannungskopfschmerz zu verwechseln. Bei einem Anfall setzen plötzlich heftige Schmerzen ein, deutlich stärker als gewöhnliche Kopfschmerzen und meist mit weiteren Beschwerden.
Von einer Migräne spricht man nach dem IQWiG erst, wenn die typischen Beschwerden mindestens fünfmal aufgetreten sind. Das heißt nicht, dass man bei neuen, ungewohnten Beschwerden fünf Anfälle abwarten sollte: Neue oder veränderte Kopfschmerzen gehören ärztlich abgeklärt. Frauen sind ab der Pubertät zwei- bis dreimal so häufig betroffen wie Männer; das Risiko ist höher, wenn mehrere Familienmitglieder Migräne haben.
Wie merke ich, dass ich Migräne habe?
Typisch sind nach beiden Quellen:
- mäßige bis starke Kopfschmerzen, oft auf einer Seite, betont an Stirn und Schläfe
- pulsierender, pochender oder hämmernder Charakter
- Verstärkung schon bei leichter körperlicher Aktivität
- Übelkeit und Erbrechen
- Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen
Unbehandelt dauern die Attacken 4 bis 72 Stunden. Deshalb suchen Betroffene im Anfall Ruhe. Bei Kindern können die Kopfschmerzen fehlen; ihnen ist dann vor allem übel oder schwindelig. Eine Sonderform mit Schwindel beschreibt der Ratgeber Vestibuläre Migräne.
Ist jeder Anfall mit Aura verbunden?
Nein. Eine Aura haben nach der Hirnstiftung bis zu 20 Prozent der Betroffenen, meist bevor die Schmerzen einsetzen. Typisch sind Sehstörungen wie Lichtblitze, Flimmern oder Wellenlinien; vorübergehend können auch Kribbeln, Taubheitsgefühle, Sprachstörungen oder Lähmungen auftreten. Die Aura hält meist 15 bis 30 Minuten an und klingt nach dem IQWiG normalerweise innerhalb einer Stunde folgenlos ab.
Die Aura entsteht durch eine sich wellenförmig ausbreitende Hemmung der Nervenzellen in der Hirnrinde, meist beginnend in den Sehzentren. Eine erstmals auftretende oder ungewöhnliche Aura sollte immer ärztlich abgeklärt und nicht vorschnell als harmlos eingestuft werden, weil ähnliche Zeichen auch bei anderen Erkrankungen vorkommen.
Was will mein Körper mir mit Migräne sagen?
Migräne ist keine verschlüsselte Botschaft des Körpers, sondern eine neurologische Erkrankung mit oft genetischer Grundlage. Der Kopfschmerz beruht nach der Hirnstiftung auf einer durch Nervenfasern ausgelösten Entzündung an den Blutgefäßen des Gehirns. Das IQWiG weist darauf hin, dass auch die Verarbeitung von Schmerzsignalen im Gehirn eine Rolle spielen könnte.
Der Verlauf wird von weiteren Faktoren beeinflusst, etwa psychischen Belastungen, dem Umgang mit Stress, Bewegungsmangel und Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen. Das bedeutet nicht, dass Migräne eingebildet oder psychisch verursacht wäre.
Was ist Auslöser von Migräne?
Als mögliche Auslöser von Attacken nennen die Quellen unter anderem:
- Stress, manchmal auch das Nachlassen von Stress, etwa am Wochenende
- Schlafmangel und ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
- unregelmäßige Mahlzeiten oder ausgelassenes Essen
- zu wenig Flüssigkeit
- Alkohol
- Schwankungen des Östrogenspiegels, etwa vor der Regelblutung
Welche Faktoren eine Rolle spielen, ist individuell verschieden. Pauschale Verbotslisten für Lebensmittel sind nicht belegt. Wichtig ist die Unterscheidung: Vorboten wie eine Aura kündigen eine Attacke an, vermutete Trigger stehen nur zeitlich mit ihr in Verbindung. Ob ein Faktor wirklich auslöst, zeigt erst ein Tagebuch über längere Zeit, etwa wenn man eine Weile auf Rotwein verzichtet und prüft, ob die Anfälle seltener werden.
Wie wird Migräne festgestellt?
Die Diagnose wird nach der Hirnstiftung anhand der typischen Beschwerdeschilderung und eines normalen körperlichen Untersuchungsbefunds gestellt. CT oder Kernspintomografie sind bei typischem Verlauf meist nicht nötig. Bevor man sich selbst mit Medikamenten behandelt, sollte nach dem IQWiG ärztlich geklärt sein, dass es sich tatsächlich um Migräne handelt.
Ein Kopfschmerzkalender, auf Papier oder per App, hilft bei Diagnose und Behandlung. Ein Eintrag könnte so aussehen:
- Datum, Beginn und Dauer der Attacke
- Stärke und Art der Schmerzen, Begleitbeschwerden, Aura ja oder nein
- was davor geschah: Schlaf, Mahlzeiten, Stress, Zyklus
- eingenommene Medikamente und ihre Wirkung
- ob der Zusammenhang mit einem Faktor nur vermutet oder wiederholt beobachtet wurde
Wie bekommt man Migräne weg?
Viele lindern Anfälle zunächst mit dem, was ihnen guttut: Sie legen sich in einen ruhigen, dunklen Raum und kühlen die schmerzende Kopfseite, etwa mit einem feuchten Tuch. Bei starken Schmerzen werden Medikamente eingesetzt: Schmerzmittel, nach der Hirnstiftung vorzugsweise kombiniert mit einem Mittel gegen Übelkeit, und bei unzureichender Wirkung migränespezifische Mittel aus der Gruppe der Triptane. Früh bei den ersten Anzeichen zu behandeln, verbessert die Wirkung.
Werden Schmerz- und Migränemittel zu oft genommen, können sie die Kopfschmerzen verstärken. Das IQWiG empfiehlt, sie nicht häufiger als zehn Tage im Monat zu nehmen; die Hirnstiftung warnt bereits ab mehr als neun Tagen im Monat vor Kopfschmerzen durch Medikamentenübergebrauch. Welche Mittel und Dosis passen, sollte ärztlich besprochen werden.
Wann kann eine vorbeugende Behandlung besprochen werden?
Bei sehr starken oder häufigen Anfällen kommen vorbeugende Medikamente infrage, die ärztlich verordnet und kontrolliert werden. Nach der Hirnstiftung ist das der Fall, wenn Attacken trotz Behandlung mehr als dreimal im Monat auftreten; die Entscheidung hängt aber auch von Schwere und Begleiterkrankungen ab. Ob die Vorbeugung noch nötig ist, wird nach einiger Zeit ärztlich überprüft, nicht durch eigenständiges Absetzen.
Zu den nicht medikamentösen Basismaßnahmen gehören Entspannungsverfahren wie autogenes Training, regelmäßiger Ausdauersport und kognitive Verhaltenstherapie, die hilft, mit Stress und der Angst vor Attacken umzugehen. In unserer Praxis in Bilbao bieten wir eine allgemeine Erstberatung zur ärztlichen Abklärung an; ergänzend kann unsere psychologische Beratung Erwachsene bei der Stress- und Schmerzbewältigung begleiten (die Beratung findet auf Spanisch statt). Mehr zu Verspannungen lesen Sie im Ratgeber Nackenverspannung.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Bei der chronischen Migräne vereinfachen beide Quellen. Das IQWiG spricht von Beschwerden an mehr als 15 Tagen pro Monat über mindestens drei Monate, die Hirnstiftung von mindestens 15 Kopfschmerztagen pro Monat. Fachliche Klassifikationen verlangen zusätzlich, dass ein Teil dieser Tage Migränetage sind; die genaue Einordnung trifft die Ärztin oder der Arzt. Auch die Häufigkeitsangaben unterscheiden sich: Das IQWiG nennt weniger als 2 von 100 Menschen mit Migräne, die Hirnstiftung etwa 2 Prozent der Bevölkerung.
Bei der Medikamenteneinnahme nennt das IQWiG höchstens zehn Tage im Monat, die Hirnstiftung warnt ab mehr als neun Tagen. Bei der Häufigkeit nennt das IQWiG 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern, die Hirnstiftung unter Berufung auf das Robert Koch-Institut rund 15 und 6 Prozent. Die Werte sollten nicht gemittelt werden; sie beruhen auf unterschiedlichen Bezugsgrößen.
Zusammenfassung
- Migräne ist eine neurologische Erkrankung, keine psychische und keine Einbildung.
- Typisch sind pochende, oft einseitige Kopfschmerzen mit Übelkeit und Reizempfindlichkeit.
- Etwa jeder Fünfte hat eine Aura, meist mit Sehstörungen.
- Auslöser sind individuell; ein Kopfschmerzkalender hilft, sie zu erkennen.
- Akutmittel früh, aber nicht zu oft einsetzen.
- Neue neurologische Ausfälle oder stärkste Kopfschmerzen sind ein Notfall.
Häufige Fragen zu Migräne
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie merke ich, dass ich Migräne habe?
An wiederkehrenden, meist einseitigen, pochenden Kopfschmerzen, die sich bei Bewegung verstärken und oft mit Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit einhergehen. Die Diagnose stellt eine Ärztin oder ein Arzt.
Wie bekommt man Migräne weg?
Im Anfall helfen Ruhe in einem dunklen Raum, Kühlung und ärztlich abgestimmte Schmerz- oder Migränemittel, früh eingenommen. Heilen lässt sich Migräne nicht, aber meist gut kontrollieren.
Was ist Auslöser von Migräne?
Häufig genannt werden Stress, Schlafmangel, ausgelassene Mahlzeiten, zu wenig Flüssigkeit, Alkohol und Hormonschwankungen. Welche Faktoren bei einer Person wirken, zeigt ein Kopfschmerzkalender.
Was will mein Körper mir mit Migräne sagen?
Migräne ist keine Botschaft, sondern eine Erkrankung des Gehirns mit oft erblicher Grundlage. Stress und Lebensstil beeinflussen den Verlauf, verursachen die Erkrankung aber nicht allein.
Ist jeder Anfall mit Aura verbunden?
Nein. Nur bis zu etwa 20 Prozent der Betroffenen haben eine Aura. Eine neue oder ungewöhnliche Aura sollte ärztlich abgeklärt werden.
Wann kann eine vorbeugende Behandlung besprochen werden?
Wenn Attacken sehr stark oder häufig sind, etwa mehr als dreimal im Monat trotz Akutbehandlung. Die Entscheidung trifft die Ärztin oder der Arzt individuell.
Quellen
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
