Was sind Clusterkopfschmerzen?
Bei Clusterkopfschmerzen kommt es zu häufigen Attacken mit heftigen, immer einseitigen Kopfschmerzen, meist im Bereich des Auges oder der Schläfe. Der Name kommt vom englischen „cluster“ für Gruppe oder Häufung: Die Beschwerden treten in bestimmten Phasen gehäuft auf, dazwischen sind Betroffene meist beschwerdefrei. Ein anderer Name ist Bing-Horton-Kopfschmerz.
Fachleute zählen Clusterkopfschmerzen zu den primären Kopfschmerzen, also Kopfschmerzen ohne andere zugrunde liegende Erkrankung, wie auch Migräne und Spannungskopfschmerzen. Diese sind viel häufiger, aber weniger schmerzhaft.
Nur etwa 1 von 1.000 Menschen hat Clusterkopfschmerzen. Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen. Meist beginnen sie zwischen 20 und 40 Jahren, möglich sind sie aber in jedem Alter.
Wie fühlt sich eine Attacke an, und wie lange dauert sie?
In kurzer Zeit bauen sich sehr starke bohrende, stechende oder brennende Schmerzen im Bereich eines Auges auf; auch Schläfe und angrenzende Stirn können sehr weh tun. Manche beschreiben das Gefühl, als würde ein Nagel durch das Auge stechen. Typisch sind Begleitzeichen auf der Schmerzseite:
- gerötetes, tränendes Auge
- laufende oder verstopfte Nase
- verkleinerte Pupille
- Schwitzen an Stirn und Wangen
- hängendes oder geschwollenes Augenlid
- Überempfindlichkeit gegen Geräusche oder Licht
Weil die Schmerzen bei Bewegung etwas nachlassen, sind viele während einer Attacke unruhig und gehen umher. Eine Attacke dauert 15 Minuten bis 3 Stunden; dann verschwinden die Schmerzen meist so schnell, wie sie gekommen sind. In der Regel ist immer dieselbe Kopfseite betroffen.
Was ist der Unterschied zwischen Migräne und Clusterkopfschmerzen?
Beide können einseitig sein, unterscheiden sich nach den IQWiG-Informationen aber deutlich:
- Dauer: Eine Clusterattacke dauert 15 Minuten bis 3 Stunden; eine unbehandelte Migräne 4 Stunden bis 3 Tage.
- Verhalten: Bei Clusterkopfschmerzen sind viele unruhig und gehen umher, weil Bewegung etwas lindert. Migräne verstärkt sich oft bei körperlicher Aktivität; viele legen sich in einen ruhigen, dunklen Raum.
- Schmerzcharakter: Cluster: bohrend, stechend oder brennend am Auge. Migräne: oft pulsierend, pochend oder hämmernd.
- Begleitzeichen: Cluster: tränendes Auge, laufende Nase, hängendes Lid auf der Schmerzseite. Migräne: häufig Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, manchmal eine Aura.
- Wer ist betroffen: Clusterkopfschmerzen betreffen häufiger Männer, Migräne häufiger Frauen.
Diese Unterschiede helfen bei der Einordnung, ersetzen aber keine ärztliche Diagnose. Mehr zu einer Migräneform mit Schwindel lesen Sie im Ratgeber Vestibuläre Migräne.
Was ist der Grund für Clusterkopfschmerzen?
Die Ursache ist nicht bekannt. Fachleute vermuten unter anderem, dass Nervenzellen in Hirnbereichen, die auch den Tag-Nacht-Rhythmus regulieren, „überaktiv“ sind. Weil Clusterkopfschmerzen in manchen Familien gehäuft vorkommen, könnte auch Vererbung eine Rolle spielen.
Ähnlich wie bei Migräne gibt es Auslöser (Trigger). Viele bekommen eine Attacke nach Alkohol. Weitere mögliche Auslöser sind Aufenthalte in großen Höhen und nitroglyzerinhaltige Medikamente, etwa Mittel gegen Brustenge bei koronarer Herzkrankheit. Diese Trigger lösen Attacken aber nur in einer aktiven Phase aus.
Manche berichten von bestimmten Gerüchen als Auslöser. Auch Käse oder Wurstwaren werden oft genannt; dass sie Attacken auslösen, ist aber nicht belegt. Eine allgemeine Diät gegen Clusterkopfschmerzen beschreiben die Quellen nicht.
Episodischer und chronischer Verlauf
Die Attacken treten meist in Phasen (Episoden) auf, die einige Tage bis Wochen dauern. Dazwischen liegt oft eine lange beschwerdefreie Zeit, manchmal Jahre. Häufig fallen die Phasen ins Frühjahr oder in den Herbst.
Während einer Phase können Attacken alle zwei Tage bis mehrmals täglich auftreten, oft zur selben Uhrzeit, vor allem früh morgens oder 1 bis 2 Stunden nach dem Einschlafen.
Bei etwa 15 von 100 Betroffenen dauern die Episoden ein Jahr, oder die beschwerdefreie Zeit zwischen zwei Episoden ist kürzer als ein Monat. Dann spricht man von chronischen Clusterkopfschmerzen. Ein episodischer Verlauf kann chronisch werden, vor allem bei spätem Beginn, und umgekehrt.
Warum braucht es eine Untersuchung?
Die Diagnose ergibt sich aus einem ausführlichen ärztlichen Gespräch und einer körperlichen Untersuchung. Neurologisch geprüft werden unter anderem die Wahrnehmung von Berührungen und die Muskelkraft. Um andere Erkrankungen als Grund für die Schmerzen auszuschließen, wird meist einmal eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes gemacht.
Die Untersuchung ist wichtig, weil andere, auch ernste Ursachen ausgeschlossen werden müssen und weil die wirksamen Behandlungen ärztlich verordnet werden. Viele Betroffene sind erleichtert, wenn sie wissen, dass sie eine Kopfschmerzerkrankung haben, für die es wirksame Behandlungen gibt.
Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis. In unserer Praxis in Bilbao bieten wir keine spezialisierte Kopfschmerzsprechstunde und keine Sauerstofftherapie an; wenden Sie sich für Diagnose und Behandlung an eine neurologische Praxis.
Wie bekomme ich Clusterkopfschmerzen weg?
Gewöhnliche Schmerzmittel aus der Apotheke lindern akute Clusterkopfschmerzen nicht. Warum? Die Quellen begründen das nicht; sie stellen nur fest, dass diese Mittel bei Clusterattacken nicht wirken. Ärztlich verordnet werden stattdessen:
- Reiner Sauerstoff: Vielen hilft es, ihn über ein Sauerstoffgerät mit Atemmaske einzuatmen. Die Maske muss Mund und Nase abdecken, damit eine ausreichende Konzentration erreicht wird. Ein improvisierter Ersatz ist das nicht.
- Migränemittel aus der Gruppe der Triptane: Als Spritze oder Nasenspray wirken sie deutlich schneller als als Tablette.
- Vorbeugende Medikamente bei häufigen Attacken: Am häufigsten wird ein Wirkstoff eingesetzt, der Herzrhythmusstörungen verursachen kann und in Deutschland für Clusterkopfschmerzen nicht offiziell zugelassen ist (Off-Label-Use); manchmal auch andere Mittel, etwa Kortisonpräparate.
Zu Beginn der Therapie kann ein Krankenhausaufenthalt nötig sein. Manche müssen lernen, mit einer Sauerstoffmaske umzugehen oder sich ein Medikament selbst unter die Haut zu spritzen. Dosierungen legt immer die Ärztin oder der Arzt fest. Eine Garantie, dass die Attacken dauerhaft verschwinden, gibt es nicht; vorbeugende Mittel, die die Erkrankung grundsätzlich verhindern, sind nicht bekannt.
Was gehört in das Tagebuch? Erste Attacke oder bekannte Diagnose
Ein Kopfschmerztagebuch hilft nach dem IQWiG, Auslösern auf die Spur zu kommen, etwa indem man notiert, was man vor einer Attacke gegessen, getrunken oder unternommen hat. Je nach Situation sind unterschiedliche Notizen nützlich:
- Bei einer ersten, noch unklaren Attacke: Beginn (plötzlich oder allmählich), Seite und Ort, Dauer, Begleitzeichen am Auge und an der Nase, ob Bewegung lindert oder verstärkt, ob es neurologische Ausfälle gab. Bei Warnzeichen zuerst 112, Notizen später.
- Bei bekannter Diagnose: Datum und Uhrzeit, Dauer und Stärke jeder Attacke, Alkohol, Höhe oder neue Medikamente davor, angewendete Behandlung und ihre Wirkung, Beginn und Ende der Phase.
- Für beide: Wie stark beeinträchtigen die Attacken Schlaf, Arbeit, Familie und Straßenverkehr? Gibt es belastende Gedanken?
Diese Notizen sind keine Selbstdiagnose. Sie helfen, im Arztgespräch den Verlauf genau zu beschreiben. Versuchen Sie nicht, Attacken absichtlich mit Auslösern hervorzurufen.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Gleiche Herkunft: Die Texte auf gesund.bund.de und gesundheitsinformation.de stammen beide vom IQWiG. Sie stimmen inhaltlich weitgehend überein und sind keine voneinander unabhängigen Bestätigungen.
Detailtiefe: Nur gesundheitsinformation.de beschreibt den chronischen Verlauf (etwa 15 von 100 Betroffenen) und nennt den Namen Bing-Horton. gesund.bund.de beschreibt dagegen genauer, dass Triptane als Spritze oder Nasenspray schneller wirken als in Tablettenform.
Auslöser: Beide nennen Alkohol, große Höhen und nitroglyzerinhaltige Medikamente und halten Nahrungsmittel als Auslöser für nicht belegt.
Aktualität: gesundheitsinformation.de wurde am 13.07.2022 aktualisiert, die nächste Aktualisierung ist für 2026 geplant; gesund.bund.de nennt Literatur aus den Jahren 2012 und 2018.
Zusammenfassung
- Clusterkopfschmerzen sind sehr starke, immer einseitige Attacken am Auge oder an der Schläfe mit 15 Minuten bis 3 Stunden Dauer.
- Typisch sind Begleitzeichen wie tränendes Auge, laufende Nase oder hängendes Lid und motorische Unruhe.
- Die Ursache ist unbekannt; in aktiven Phasen können Alkohol, große Höhen oder nitroglyzerinhaltige Medikamente Attacken auslösen.
- Die Diagnose stellt eine Ärztin oder ein Arzt nach Gespräch, neurologischer Untersuchung und meist einem MRT.
- Gewöhnliche Schmerzmittel helfen nicht; reiner Sauerstoff und Triptane als Spritze oder Nasenspray können lindern.
- Plötzliche erstmals sehr starke Kopfschmerzen oder neurologische Ausfälle sind ein Notfall (112).
Häufige Fragen zu Clusterkopfschmerzen
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Ist Clusterkopfschmerz schlimm?
Die Schmerzen werden oft als unerträglich beschrieben und können Schlaf, Beruf und Familienleben stark beeinträchtigen. Clusterkopfschmerzen sind aber eine eigenständige Kopfschmerzerkrankung, für die es wirksame Behandlungen gibt. Eine ärztliche Untersuchung schließt andere Ursachen aus.
Wie bekomme ich Cluster-Kopfschmerzen weg?
Akute Attacken lassen sich meist mit ärztlich verordnetem reinem Sauerstoff über eine Mund-Nasen-Maske oder mit Triptanen als Spritze oder Nasenspray lindern. Bei häufigen Attacken gibt es vorbeugende Medikamente. Gewöhnliche Schmerzmittel helfen nicht.
Wie lange dauert eine Attacke?
Eine Attacke dauert 15 Minuten bis 3 Stunden. In einer aktiven Phase können Attacken alle zwei Tage bis mehrmals täglich auftreten, oft zur selben Uhrzeit, besonders nachts.
Warum hilft gewöhnliches Schmerzmittel oft nicht?
Die Quellen stellen fest, dass gängige rezeptfreie Schmerzmittel akute Clusterattacken nicht lindern, ohne den Grund zu erklären. Wirksam sind ärztlich verordnete Behandlungen wie reiner Sauerstoff oder Triptane.
Was ist der Grund für Cluster-Kopfschmerzen?
Die Ursache ist unbekannt. Vermutet wird eine Überaktivität von Nervenzellen, die auch den Tag-Nacht-Rhythmus steuern, und eine erbliche Komponente. Alkohol, große Höhen und bestimmte Medikamente können in aktiven Phasen Attacken auslösen.
Wann ist sofortige Hilfe nötig?
Bei erstmals plötzlich auftretenden sehr starken Kopfschmerzen und bei Lähmungen, Taubheitsgefühlen, Sprach- oder Sehstörungen wählen Sie den Notruf 112. Auch wer durch die Schmerzen den Lebenswillen verliert, braucht rasch Hilfe.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Cluster-Kopfschmerzen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Cluster-Kopfschmerzen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Migräne
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Schlaganfall: Symptome und Behandlung
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
