Was ist eine Migräne mit Aura?
Migräne ist etwas anderes als gewöhnliche Kopfschmerzen. Bei einem Anfall setzen nach dem IQWiG plötzlich heftige, oft einseitige Schmerzen ein, meist pulsierend oder pochend und oft verstärkt durch Bewegung. Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit können dazukommen. Unbehandelt dauert ein Anfall zwischen vier Stunden und drei Tagen. Von Migräne spricht man erst, wenn die typischen Beschwerden mindestens fünfmal aufgetreten sind.
Manche Menschen haben eine Migräne mit Aura, früher auch klassische Migräne genannt; im ICD-10 hat sie den Code G43.1. Als Aura bezeichnet man vorübergehende Seh-, Gefühls- oder Sprachstörungen, die den Anfall ankündigen. Nach gesund.bund.de können die Aura-Beschwerden der Migräne vorausgehen, aber auch gleichzeitig mit den Kopfschmerzen auftreten.
Migräne ist häufig: Etwa 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern haben wiederkehrende Anfälle. Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Diskutiert werden entzündliche Vorgänge an Blutgefäßen im Gehirn und die Art, wie das Gehirn Schmerzsignale verarbeitet.
Typische Aura-Symptome: Sehstörungen, Flimmern, Kribbeln
Die Aura kann nach den Quellen ganz unterschiedliche Beschwerden machen:
- Sehen: Lichtblitze, eigenartige Formen oder ungewöhnliche Strukturen; die Umgebung wirkt verschwommen, verwackelt, verzerrt oder wie durch Wellenlinien; man sieht schlechter.
- Gefühl: Missempfindungen wie Kribbeln oder ein Taubheitsgefühl auf der Haut.
- Bewegung: vorübergehende Lähmungserscheinungen; bestimmte Körperbereiche lassen sich kurz nicht bewegen.
- Sprache: vorübergehende Schwierigkeiten beim Sprechen oder kurzzeitiges Nicht-sprechen-Können.
- Weitere: schlechteres Hören oder starker Schwindel.
Die Quellen nennen zuerst Sehstörungen. Gefühls-, Sprach- und Bewegungsstörungen sind ebenfalls möglich; gerade sie ähneln den Zeichen eines Schlaganfalls.
Wie lange dauert eine Aura?
Eine Aura klingt nach dem IQWiG normalerweise innerhalb einer Stunde folgenlos wieder ab und wird dann von den typischen Migräneschmerzen abgelöst. Auch gesund.bund.de beschreibt, dass die Aura nach etwa einer Stunde nachlässt, in der Regel ohne anhaltende Folgen, und sich unmittelbar danach die Kopfschmerzen einstellen.
Für die Ärztin oder den Arzt ist der genaue Ablauf wichtig. Eine einfache Zeitleiste, nach einem Anfall ausgefüllt, kann helfen:
- Beginn: Uhrzeit, Situation, erstes Symptom (zum Beispiel Flimmern links im Sichtfeld).
- Ablauf: Welche Symptome kamen dazu, in welcher Reihenfolge, wanderten sie (etwa Kribbeln von der Hand zum Gesicht)?
- Ende: Wann war jedes Symptom wieder vollständig verschwunden?
- Kopfschmerz: Wann begann er, auf welcher Seite, wie stark, wie lange; Übelkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit.
- Drumherum: Schlaf, Essen, Stress, Zyklus, eingenommene Medikamente.
Diese Zeitleiste dient dem Gespräch in der Praxis. Sie ist kein Test, mit dem man zu Hause einen Schlaganfall ausschließen kann.
Kann eine Aura ohne Kopfschmerzen auftreten?
Ja. Nach gesund.bund.de kann man manchmal eine Aura haben, ohne dass danach eine Migräne folgt. Bei Kindern können die migränetypischen Kopfschmerzen außerdem ganz fehlen; dann stehen Übelkeit, Erbrechen und Schwindel im Vordergrund. Die Abklärung bei Kindern gehört in die Kinderarztpraxis.
Gerade eine erstmals auftretende Aura ohne Kopfschmerz ist schwer einzuordnen. Ob es eine Aura war, lässt sich erst nach ärztlicher Untersuchung sagen. Neue Seh-, Sprach- oder Gefühlsstörungen gehören deshalb sofort ärztlich abgeklärt, beim ersten Mal über den Notruf.
Was sollte ich bei erstmals auftretenden Ausfällen tun?
Ein Schlaganfall ist nach gesund.bund.de ein Notfall, bei dem jede Minute zählt. Typische Anzeichen sind:
- plötzlich auftretende Schwäche, Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühle;
- Sprachstörungen;
- Gesichtsfeldausfall oder herabhängender Mundwinkel;
- Schwindel und unsicherer Gang;
- manchmal starke Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen.
Bei jedem Verdacht auf einen Schlaganfall sollte man schnell den Notruf 112 wählen und keinesfalls darauf warten, dass die Beschwerden wieder verschwinden. Auch Beschwerden, die nach einigen Stunden von selbst abklingen, können ein Warnzeichen sein: Sie können auf eine vorübergehende Durchblutungsstörung (TIA) hinweisen, die oft einem Schlaganfall vorausgeht. Dass sich Symptome wieder bessern, spricht also nicht sicher für eine Aura. Das gilt auch für Menschen, die ihre Migräne kennen, wenn die Beschwerden anders sind als sonst.
Auslöser und Vorbeugung
Unregelmäßiger Schlaf und unregelmäßige Essenszeiten können nach gesund.bund.de und dem IQWiG die Wahrscheinlichkeit eines Anfalls erhöhen. Möglicherweise spielen auch Ernährung und körperliche Aktivität eine Rolle. Stress kann Schmerzen verstärken; manchmal setzt eine Migräne aber gerade ein, wenn der Stress nachlässt, etwa am Wochenende oder zu Urlaubsbeginn. Bei Frauen treten Anfälle oft in den Tagen vor der Regelblutung auf.
Worauf man empfindlich reagiert, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Ein Migräne-Tagebuch hilft, Auslöser zu erkennen: Dauer und Stärke der Anfälle, was davor gegessen und getrunken wurde, was passiert ist und welche Medikamente genommen wurden. So lässt sich auch prüfen, ob Anfälle seltener werden, wenn man einen vermuteten Auslöser eine Weile meidet.
Bei sehr starken oder häufigen Anfällen kommen nach dem IQWiG vorbeugende Medikamente oder eine psychotherapeutische Behandlung infrage. Dabei lernt man zum Beispiel, besser mit Stress umzugehen. Manche probieren Entspannungsverfahren oder pflanzliche Mittel aus. Vorbeugung kann Anfälle seltener machen, heilt die Migräne aber nicht.
Wie wird Migräne mit Aura behandelt?
Viele Betroffene legen sich nach den Quellen während eines Anfalls in einen ruhigen, dunklen Raum und kühlen die schmerzende Kopfseite, etwa mit einem feuchten Tuch oder einem Kühlelement. Bei starken Schmerzen helfen Medikamente: einfache Schmerzmittel, entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR und spezielle Migränemittel aus der Gruppe der Triptane. Bevor man sich selbst behandelt, sollte ärztlich geklärt sein, dass es sich wirklich um Migräne handelt. Welches Mittel, in welcher Dosis und zu welchem Zeitpunkt, wird ärztlich festgelegt.
Wichtig: Werden Schmerz- und Migränemittel zu oft eingenommen, können sie die Kopfschmerzen verstärken. Empfohlen wird, sie an höchstens zehn Tagen im Monat zu nehmen. Kinder und Jugendliche dürfen bestimmte Schmerzmittel nur nach ärztlicher Anweisung bekommen.
Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt meist schon nach einem ausführlichen Gespräch und einer körperlichen Untersuchung; bleiben Fragen offen, kommt zum Beispiel eine MRT des Kopfes infrage. Für eine neurologische Einschätzung in Bilbao können Sie sich an unsere Sprechstunde für Neurophysiologie wenden (die Beratung findet auf Spanisch statt). Neue oder plötzliche Ausfälle sind dagegen ein Fall für den Notruf, nicht für einen Praxistermin.
Migräne, Psyche und Alltag
Die Quellen beschreiben Migräne nicht als rein psychische Erkrankung; die genaue Ursache ist nicht bekannt, diskutiert werden Vorgänge an den Blutgefäßen und in der Schmerzverarbeitung des Gehirns. Die Psyche spielt aber eine Rolle: Stress kann Anfälle begünstigen, und wiederkehrende, unvorhersehbare Anfälle können sehr belasten. Viele Menschen sorgen sich nach dem IQWiG, wie sich der nächste Anfall auf Familie und Beruf auswirkt, und meiden aus Angst Aktivitäten, die ihnen eigentlich Freude machen.
Eine kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, solche Denkmuster und Verhaltensweisen zu ändern. Andere profitieren von Entspannungsverfahren wie autogenem Training oder von körperlicher Aktivität. Was am besten hilft, ist individuell verschieden. Migräne kann sich im Lauf des Lebens verändern und auch von selbst bessern; bei vielen Frauen bleiben Anfälle in der Schwangerschaft aus und hören nach den Wechseljahren auf.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Beim zeitlichen Ablauf der Aura gibt es Nuancen. Das IQWiG und der Hauptartikel von gesund.bund.de beschreiben die Aura als Vorbote, der nach etwa einer Stunde abklingt und unmittelbar von den Kopfschmerzen abgelöst wird. Die ICD-Erklärung auf gesund.bund.de ergänzt dagegen, dass die Aura-Beschwerden auch gleichzeitig mit den Kopfschmerzen auftreten können und dass manchmal gar keine Migräne folgt. Der „klassische“ Ablauf gilt also nicht für jeden Anfall.
Daraus folgt eine wichtige Grenze: Die Dauer von etwa einer Stunde ist eine Orientierung für bekannte Migräne-Auren, kein Kriterium zur Selbstdiagnose. Auch Durchblutungsstörungen im Gehirn können nach gesund.bund.de Beschwerden machen, die nach einigen Stunden wieder verschwinden. Ob weitere Untersuchungen wie eine MRT nötig sind, entscheidet die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall; nicht jeder Mensch mit Migräne braucht sie.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei einer Migräne mit Aura kündigen vorübergehende Seh-, Gefühls- oder Sprachstörungen den Anfall an.
- Typisch sind Lichtblitze, Flimmern, verschwommenes Sehen, Kribbeln oder Taubheit.
- Die Aura klingt meist innerhalb einer Stunde folgenlos ab; danach folgen oft starke, einseitige Kopfschmerzen.
- Eine Aura kann auch gleichzeitig mit dem Kopfschmerz oder ganz ohne Kopfschmerz auftreten.
- Erstmalige, plötzliche oder ungewohnte Ausfälle: sofort 112, nicht abwarten.
- Für den Anfall gibt es Schmerzmittel und Triptane, höchstens an zehn Tagen im Monat; Dosis und Zeitpunkt legt die Praxis fest.
- Ein Migräne-Tagebuch und eine Aura-Zeitleiste helfen bei Diagnose, Auslösersuche und Vorbeugung.
Häufige Fragen zur Migräne mit Aura
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Was ist der Unterschied zwischen Migräne mit Aura und ohne Aura?
Bei beiden Formen kommt es zu den typischen, oft einseitigen und pochenden Kopfschmerzen mit Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit. Bei der Migräne mit Aura treten zusätzlich vorübergehende Seh-, Gefühls- oder Sprachstörungen auf, meist vor dem Kopfschmerz.
Ist eine Aura-Migräne gefährlich?
Die Aura klingt normalerweise innerhalb einer Stunde folgenlos ab. Gefährlich ist vor allem, einen Schlaganfall für eine Aura zu halten. Bei erstmaligen, plötzlichen oder ungewohnten Ausfällen sofort den Notruf 112 wählen.
Ist Migräne mit Aura heilbar?
Eine Heilung beschreiben die Quellen nicht. Migräne kann sich aber im Laufe des Lebens verändern und von selbst bessern. Medikamente lindern Anfälle, und Vorbeugung kann sie seltener machen.
Hat Migräne etwas mit der Psyche zu tun?
Die Quellen beschreiben Migräne nicht als rein psychische Erkrankung, aber Stress kann Anfälle begünstigen, und die Krankheit selbst kann seelisch belasten. Psychotherapeutische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie und Entspannungsverfahren können helfen, besser damit umzugehen.
Kann eine Aura ohne Kopfschmerzen auftreten?
Ja, nach gesund.bund.de kann manchmal eine Aura auftreten, ohne dass danach eine Migräne folgt. Weil das schwer von anderen Ursachen zu unterscheiden ist, sollte eine erstmalige Aura ohne Kopfschmerz sofort ärztlich abgeklärt werden.
Was sollte ich bei erstmals auftretenden Ausfällen tun?
Sofort den Notruf 112 wählen, wenn plötzlich Lähmungen, Taubheit, Sprach- oder Sehstörungen, ein hängender Mundwinkel oder starker Schwindel auftreten. Nicht abwarten, ob die Beschwerden wieder verschwinden.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Migräne: Symptome, Ursachen und Verlauf
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Migräne
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · ICD-10-Code G43.1: Migräne mit Aura [Klassische Migräne]
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Schlaganfall: Symptome und Behandlung
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
