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Schluckstörung (Dysphagie): Ursachen erkennen, sicher essen

Schlucken ist ein komplexer Vorgang, an dem mehr als 30 Muskeln und mehrere Hirnnerven beteiligt sind. Gerät er aus dem Gleichgewicht, spricht man von einer Schluckstörung oder Dysphagie. Betroffene verschlucken sich häufig, husten beim Essen oder haben das Gefühl, dass Speisen im Hals stecken bleiben. Schluckstörungen sind vor allem im Alter und nach Schlaganfällen häufig – und sie sind ernst zu nehmen, weil sie zu Lungenentzündungen, Mangelernährung und Austrocknung führen können.

Thema
Logopädie
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 48/4809228

Wie funktioniert Schlucken?

Das Schlucken läuft in mehreren Phasen ab. In der Mundphase wird die Nahrung zerkleinert, mit Speichel vermischt und von der Zunge nach hinten befördert. In der Rachenphase löst ein Reflex in Sekundenbruchteilen den Schluckvorgang aus: Der Kehlkopf hebt sich, der Kehldeckel verschließt die Luftröhre, die Atmung pausiert kurz, und der Bissen gleitet in die Speiseröhre. In der Speiseröhrenphase transportieren Muskelwellen die Nahrung in den Magen.

Störungen können jede dieser Phasen betreffen. Besonders gefährlich ist es, wenn Speichel, Getränke oder Speisen in die Luftröhre gelangen (Aspiration), denn das kann eine Lungenentzündung auslösen.

Symptome einer Schluckstörung

  • Häufiges Verschlucken, Husten oder Räuspern während oder nach dem Essen und Trinken.
  • Gurgelnde, „nasse“ Stimme nach dem Schlucken.
  • Gefühl, dass Speisen im Hals oder hinter dem Brustbein stecken bleiben.
  • Speisereste im Mund nach dem Schlucken, Herauslaufen von Speichel oder Getränken.
  • Sehr langes Kauen, lange Mahlzeiten, Vermeiden bestimmter Speisen.
  • Ungewollter Gewichtsverlust, wiederkehrende Bronchitis oder Lungenentzündungen.
  • Schmerzen beim Schlucken.

Häufige Ursachen

  • Neurologische Erkrankungen: Schlaganfall, Parkinson, Demenz, Multiple Sklerose, ALS.
  • Altersbedingte Veränderungen von Muskulatur und Reflexen („Presbyphagie“), oft verstärkt durch Medikamente oder Mundtrockenheit.
  • Erkrankungen der Speiseröhre: Verengungen durch Reflux, eosinophile Ösophagitis, Bewegungsstörungen wie Achalasie, Tumoren.
  • Kopf-Hals-Bereich: Tumoren, Operationen oder Bestrahlung im Mund-, Rachen- oder Kehlkopfbereich.
  • Entzündungen: akute Mandel- oder Rachenentzündung mit Schmerzen beim Schlucken.
  • Psychische Faktoren: Angst zu ersticken oder ein Kloßgefühl ohne organische Ursache.

Schluckbeschwerden mit Halsschmerzen

Akute Schluckschmerzen mit Halsschmerzen, Fieber und geröteten Mandeln sind meist Zeichen eines Infekts und bessern sich innerhalb weniger Tage. Ein einseitiger, zunehmender Schmerz mit Kieferklemme, kloßiger Sprache oder Atemnot kann auf einen Abszess hinweisen und muss rasch ärztlich untersucht werden. Halten Schluckbeschwerden länger als zwei bis drei Wochen an, besonders bei Rauchern, mit Heiserkeit oder Gewichtsverlust, ist eine HNO-ärztliche Untersuchung nötig.

Wie wird eine Schluckstörung untersucht?

Zunächst erfragt die Ärztin oder der Arzt die Beschwerden und untersucht Mund, Rachen und Nervenfunktionen. Logopädinnen führen eine klinische Schluckuntersuchung durch, bei der sie Mundmotorik, Stimme, Husten und das Schlucken verschiedener Konsistenzen beobachten. Apparative Verfahren zeigen den Schluckvorgang genauer: die endoskopische Schluckuntersuchung (FEES) mit einer dünnen Kamera durch die Nase und die Videofluoroskopie mit Röntgenkontrastmittel. Bei Verdacht auf eine Speiseröhrenursache folgen eine Magenspiegelung oder eine Druckmessung der Speiseröhre.

Schlucktherapie: was hilft?

  • Logopädische Schlucktherapie: Übungen für Zunge, Lippen und Kehlkopfhebung, Training von Schlucktechniken.
  • Haltungsänderungen: zum Beispiel das Kinn beim Schlucken leicht zur Brust senken.
  • Kostanpassung: weiche, pürierte oder angedickte Speisen und Getränke je nach Befund.
  • Mundhygiene: senkt das Risiko einer Lungenentzündung durch Bakterien im Speichel.
  • Behandlung der Ursache: etwa Dehnung einer Verengung, Therapie eines Refluxes oder Anpassung von Medikamenten.
  • In schweren Fällen kann vorübergehend oder dauerhaft eine Ernährung über eine Sonde nötig sein.

Tipps für sicheres Essen und Trinken

  • Aufrecht sitzen beim Essen und noch 20 bis 30 Minuten danach.
  • Kleine Bissen und kleine Schlucke nehmen, langsam essen.
  • Nicht gleichzeitig sprechen und essen; Ablenkung durch Fernsehen vermeiden.
  • Gemischte Konsistenzen wie Suppen mit Einlage oder krümelige Speisen können schwierig sein.
  • Tabletten nur nach Rücksprache zerkleinern; manche gibt es als Saft.
  • Auf ausreichend Flüssigkeit achten, gegebenenfalls mit Andickungsmittel.

Schluckstörungen im Alter

Ein europäisches Expertenpapier beschreibt die oropharyngeale Dysphagie als eigenes geriatrisches Syndrom: Sie ist bei älteren Menschen sehr häufig, wird aber oft übersehen. Folgen sind Mangelernährung, Austrocknung, Lungenentzündungen, Krankenhausaufenthalte und eine geringere Lebensqualität. Eine weitere Übersicht empfiehlt, bei älteren Menschen gezielt nach Schluckproblemen zu fragen und sie systematisch zu untersuchen, besonders bei Gewichtsverlust oder wiederholten Atemwegsinfekten.

Rolle der Logopädie

Logopädinnen und Logopäden sind Spezialisten für die Diagnostik und Therapie von Schluckstörungen. Sie beurteilen, welche Phase des Schluckens gestört ist, welche Konsistenzen sicher geschluckt werden können und welche Übungen und Kompensationstechniken helfen. Die Schlucktherapie wird ärztlich verordnet und kann in der Praxis, im Krankenhaus, in der Rehabilitation oder als Hausbesuch stattfinden. Auch Angehörige und Pflegekräfte werden angeleitet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Schluckstörung zeigt sich durch Verschlucken, Husten beim Essen oder ein Steckenbleiben von Bissen.
  • Häufige Ursachen sind Schlaganfall, neurologische Erkrankungen, Alter und Erkrankungen der Speiseröhre.
  • Unbehandelt drohen Lungenentzündungen, Mangelernährung und Austrocknung.
  • Diagnostik und Schlucktherapie durch Logopädie sind wirksam.
  • Ein feststeckender Bissen mit Atemnot ist ein Notfall (112).

Häufige Fragen zur Schluckstörung

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was sind die ersten Anzeichen einer Schluckstörung?

Häufiges Verschlucken, Husten oder Räuspern beim Essen und Trinken, eine gurgelnde Stimme danach und längere Mahlzeiten.

Kann Stress Schluckbeschwerden verursachen?

Ja, Stress und Angst können ein Kloßgefühl im Hals auslösen. Echte Schluckstörungen sollten aber immer zuerst organisch abgeklärt werden.

Welcher Arzt ist für Schluckstörungen zuständig?

Je nach Ursache HNO-Ärztinnen, Neurologen, Gastroenterologinnen oder Geriater. Logopädinnen übernehmen die Schlucktherapie.

Sind Schluckstörungen heilbar?

Das hängt von der Ursache ab. Nach einem Schlaganfall bessern sie sich oft deutlich; bei fortschreitenden Erkrankungen hilft die Therapie, sicher zu essen.

Was ist eine stille Aspiration?

Dabei gelangen Speisen oder Speichel in die Luftröhre, ohne dass ein Hustenreflex auftritt. Sie wird oft erst durch eine apparative Untersuchung erkannt.

Was hilft bei Problemen beim Schlucken von Tabletten?

Aufrecht sitzen, mit reichlich Wasser einnehmen und das Kinn leicht senken. Fragen Sie in der Apotheke nach anderen Darreichungsformen.

Wann sollte ich mit Schluckbeschwerden zum Arzt?

Wenn sie neu auftreten und länger als zwei bis drei Wochen anhalten, mit Gewichtsverlust, Heiserkeit oder wiederholten Lungenentzündungen einhergehen, und sofort bei plötzlichen Schluckproblemen mit Lähmungen oder Sprachstörungen.

Quellen

  1. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Schwierigkeiten beim Schlucken
  2. Wirth R, et al. Oropharyngeal dysphagia in older persons – from pathophysiology to adequate intervention: a review and summary of an international expert meeting. Clin Interv Aging. 2016
  3. Baijens LW, et al. European Society for Swallowing Disorders – European Union Geriatric Medicine Society white paper: oropharyngeal dysphagia as a geriatric syndrome. Clin Interv Aging. 2016

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.