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Tendovaginitis de Quervain: Symptome und Therapie

Schmerzen an der Daumenseite des Handgelenks, die beim Greifen, Tippen oder Abspreizen des Daumens zunehmen, können auf eine Tendovaginitis de Quervain hindeuten, auch Morbus de Quervain oder Daumensehnenentzündung genannt. Dieser Ratgeber erklärt nach dem Patientenratgeber der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie (DGH) und Informationen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), wie die Erkrankung entsteht, wie sie festgestellt und behandelt wird und wie Sie belastende Tätigkeiten im Alltag und bei der Arbeit erkennen.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine Tendovaginitis de Quervain?

Sehnenscheiden sind Hüllen, die Sehnen dort umgeben, wo sie ihre Richtung ändern, vor allem an Gelenken. Sie sind mit einer klaren Gelenkflüssigkeit (Synovia) gefüllt, damit die Sehnen reibungslos hindurchgleiten. Werden die Sehnen überlastet, kann eine Entzündungsreaktion entstehen: Die Sehne schwillt an, es wird mehr Flüssigkeit gebildet, und der Kanal wird enger. Das verursacht Schmerzen.

Die Tendovaginitis de Quervain ist eine Sonderform dieser Sehnenscheidenentzündung. Sie betrifft das erste Strecksehnenfach der Hand an der Daumenseite des Handgelenks, durch das die Sehnen zweier Daumenmuskeln verlaufen. Im ICD-10, dem Diagnoseschlüssel, trägt sie die Bezeichnung „Tendovaginitis stenosans (de Quervain)“ (M65.4). Im Alltag spricht man auch von Morbus de Quervain oder Daumensehnenentzündung.

Nicht jeder Schmerz am Daumen ist eine Tendovaginitis de Quervain. Auch andere Sehnenerkrankungen an der Hand, etwa der schnellende Finger, verursachen Schmerzen; über eine weitere häufige Ursache von Handbeschwerden informiert unser Ratgeber zum Karpaltunnelsyndrom. Die genaue Zuordnung gehört in die ärztliche Untersuchung.

Was ist die häufigste Ursache?

Ursache ist nach der DGH meist eine Überlastung der Sehnen durch häufiges Abspreizen des Daumens von der Handfläche weg. Heute gehört auch das extrem häufige Tippen von Kurznachrichten auf dem Handy zu den Auslösern.

Für Sehnenscheidenentzündungen an der Hand allgemein nennt die DGH typische Ursachen:

  • langes Arbeiten am Computer
  • monotone Bewegungsabläufe im Beruf
  • Sportarten wie Tennis oder Golf
  • ungewohnte Arbeiten, etwa Renovierungen

Seltener entstehen Sehnenscheidenentzündungen nicht durch mechanische Belastung, sondern durch Infektionen oder im Rahmen von Grunderkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis.

Welche Beschwerden sind typisch?

Bei einer Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk beschreibt die DGH typischerweise ziehende, stechende Schmerzen. Das Handgelenk schmerzt vor allem bei bestimmten Bewegungen; bei der Tendovaginitis de Quervain stehen Bewegungen des Daumens im Vordergrund, die die Sehnen im ersten Strecksehnenfach beanspruchen. Später kann die Stelle auch in Ruhe oder nachts schmerzen.

Weitere mögliche Anzeichen einer Sehnenscheidenentzündung sind:

  • Überwärmung
  • Rötung
  • Schwellung
  • Reibungsgeräusche bei Bewegung

Notieren Sie für den Arzttermin, wo genau es schmerzt, seit wann, wie stark und bei welchen Tätigkeiten. Diese Angaben zu Ort, Dauer und Intensität stehen nach der DGH am Anfang jeder Behandlung.

Wie wird die Erkrankung festgestellt?

Am Anfang steht eine sorgfältige Befragung. Die DGH empfiehlt, sie möglichst von einer Handchirurgin oder einem Handchirurgen vornehmen zu lassen, um Fehldiagnosen zu vermeiden. Eine Sehnenscheidenentzündung lässt sich meist anhand einiger Bewegungstests erkennen.

Sind die Tests, die Ärztinnen und Ärzte dabei einsetzen, etwa unter Namen wie Finkelstein- oder Eichhoff-Test bekannt, für zu Hause gedacht? Nein. Sie gehören in die Untersuchung, wo sie im Zusammenhang mit dem übrigen Befund beurteilt werden. Ein Selbsttest ersetzt keine Diagnose.

Bei unklarer Diagnose können ein Ultraschall oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) Klarheit bringen. Wird eine rheumatische Ursache vermutet, folgen Blutuntersuchungen.

Was tun bei Tendovaginitis de Quervain?

Auch die Tendovaginitis de Quervain wird zunächst konservativ behandelt. Die DGH nennt als Möglichkeiten:

  • die beschwerdeauslösende Tätigkeit einstellen oder reduzieren
  • Ruhigstellung für begrenzte Zeit mit einer orthopädischen Schiene oder Bandage
  • Kühlen, wenn der schmerzende Bereich geschwollen, gerötet und warm ist
  • schmerz- und entzündungshemmende Medikamente
  • Kortison-Injektionen

Ob eine Kortisonspritze infrage kommt, ist eine individuelle Entscheidung, bei der Nutzen und mögliche Risiken mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden; sie ist weder für alle vorgesehen noch grundsätzlich ausgeschlossen.

In unserer Praxis in Bilbao unterstützt die Physiotherapie Erwachsene mit Beschwerden an Hand und Handgelenk dabei, belastende Bewegungen zu erkennen und den Alltag anzupassen (die Beratung findet auf Spanisch statt). Kortisonspritzen und Operationen gehören nicht zu diesem Angebot.

Was sollte man bei einer Sehnenscheidenentzündung nicht machen?

Die wichtigste Regel ist, die auslösende Belastung zu verringern. Weiterzumachen wie bisher, etwa stundenlang mit dem Daumen auf dem Handy zu tippen oder ungewohnte Renovierungsarbeiten fortzusetzen, hält die Reizung aufrecht.

Für die Arbeit am Computer gibt die DGH Präventionstipps:

  • für einen ergonomischen Arbeitsplatz sorgen und eine ergonomische Maus benutzen
  • eine flache Tastatur verwenden, damit die Handgelenke nicht zu stark abgewinkelt werden
  • die Handballen vor der Tastatur abstützen; spezielle Polster entlasten zusätzlich
  • die Sitzposition überprüfen und regelmäßig wechseln

Eine Schiene dient der zeitlich begrenzten Ruhigstellung; wie lange sie getragen wird, besprechen Sie mit der behandelnden Fachperson.

Tätigkeiten erkennen und Aufgaben anpassen

Die DGUV beschreibt, welche beruflichen Einwirkungen bei Erkrankungen der Sehnenscheiden, darunter die Tendovaginitis de Quervain, als mögliche Berufskrankheit (BK 2101) geprüft werden. Diese Beschreibungen helfen auch, die eigenen Belastungen einzuordnen:

  • Kraft und Haltung: wiederholte grobe Kraftanwendung bei stark abgewinkeltem Handgelenk, etwa beim Drehen, Montieren oder Obstpflücken
  • Hohe Wiederholungszahl: kurzzyklische feinmotorische Handtätigkeiten mit sehr vielen Bewegungen pro Stunde, etwa Maschinenschreiben oder Klavierspielen
  • Ungünstige Stellung: hochfrequente Feinarbeit mit achsenungünstig ausgelenktem Handgelenk
  • Drehbewegungen: monoton wiederholte oder plötzliche Ein- und Auswärtsdrehungen von Hand und Unterarm, etwa mit dem Schraubendreher
  • Ungewohntes: einseitige, lang dauernde Beanspruchung und ungewohnte Arbeiten ohne ausreichende Gewöhnung

Welche dieser Faktoren bei Ihnen eine Rolle spielen, lässt sich mit der Ärztin, dem Arzt oder der Physiotherapie besprechen, um Aufgaben zu verteilen, Pausen einzuplanen oder Werkzeuge anzupassen. Ob eine Berufskrankheit vorliegt, wird im deutschen System gesondert geprüft; eine bestimmte Tätigkeit allein beweist keinen Zusammenhang.

Wie lange dauert es, und wann wird operiert?

Für Sehnenscheidenentzündungen allgemein schreibt die DGH, dass die Entzündung meist nach einigen Tagen verschwindet und chronische Verläufe eher selten sind. Wie lange die Beschwerden im Einzelfall anhalten, hängt aber davon ab, wie stark die Reizung ist und ob die auslösende Belastung verringert werden kann.

Kehren die Schmerzen bei der Tendovaginitis de Quervain wieder und bleibt eine Kortisonbehandlung erfolglos, wird in der Regel eine Operation empfohlen. Dabei wird das erste Strecksehnenfach am Handgelenk gespalten, damit die Sehnen wieder frei gleiten können. Gelegentlich findet man dabei ein Ganglion, das zusätzlich entfernt wird. Der Eingriff kann ambulant in örtlicher Betäubung des Arms oder in Vollnarkose erfolgen.

Ob und wann operiert wird, entscheidet die Handchirurgin oder der Handchirurg im Einzelfall. Ein Rückfall bedeutet nicht automatisch, dass eine Operation unvermeidlich ist.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Blickwinkel: Die DGH schreibt einen Patientenratgeber über Ursachen, Diagnose und Behandlung. Die DGUV richtet sich an Ärztinnen und Ärzte und beschreibt, wann ein Verdacht auf eine Berufskrankheit gemeldet werden sollte; zur Behandlung äußert sie sich nicht.

Ursachen: Die DGH nennt neben dem Beruf auch Alltag und Freizeit, etwa Handy, Sport und Renovierung. Die DGUV beschreibt ausschließlich berufliche Einwirkungen, und zwar sehr genau. Eine Tätigkeit aus ihrer Liste bedeutet nicht automatisch, dass die Erkrankung beruflich verursacht ist oder anerkannt wird.

Stand: Der DGH-Ratgeber stammt von Oktober 2021 und gibt einen allgemeinen Überblick. Er ersetzt keine aktuelle individuelle Empfehlung zu Medikamenten oder Injektionen; über diese wird im Einzelfall entschieden.

Zusammenfassung

  • Die Tendovaginitis de Quervain ist eine Sehnenscheidenentzündung im ersten Strecksehnenfach an der Daumenseite des Handgelenks.
  • Meist steckt eine Überlastung durch häufiges Abspreizen des Daumens dahinter, auch durch Tippen auf dem Handy.
  • Typisch sind ziehende, stechende Schmerzen bei Bewegung, später auch in Ruhe.
  • Die Diagnose stützt sich auf Befragung und Bewegungstests in der Untersuchung; Bildgebung nur bei unklarem Befund.
  • Zuerst wird konservativ behandelt: Belastung reduzieren, Schiene, Kühlen, entzündungshemmende Mittel, eventuell Kortison.
  • Bei wiederkehrenden Schmerzen trotz Behandlung kann eine Operation infrage kommen.

Häufige Fragen zur Tendovaginitis de Quervain

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was tun bei Tendovaginitis de Quervain?

Zuerst die auslösende Tätigkeit verringern und das Handgelenk für begrenzte Zeit mit einer Schiene oder Bandage ruhigstellen. Kühlen kann bei Schwellung, Rötung und Wärme helfen; entzündungshemmende Mittel und in manchen Fällen Kortisonspritzen ergänzen die Behandlung. Lassen Sie die Beschwerden ärztlich abklären.

Wie lange dauert eine Tendovaginitis de Quervain?

Für Sehnenscheidenentzündungen allgemein gilt, dass die Entzündung meist nach einigen Tagen abklingt und chronische Verläufe eher selten sind. Wie lange es im Einzelfall dauert, hängt davon ab, wie stark die Reizung ist und ob sich die auslösende Belastung verringern lässt.

Was darf man bei einer Sehnenscheidenentzündung nicht machen?

Die auslösende Belastung unverändert fortsetzen, etwa stundenlanges Tippen mit dem Daumen oder ungewohnte Handarbeit. Am Computer helfen ein ergonomischer Arbeitsplatz, eine flache Tastatur und Handballenauflagen.

Was ist die häufigste Ursache für Tendovaginitis de Quervain?

Meist eine Überlastung der Daumensehnen durch häufiges Abspreizen des Daumens. Heute zählt auch das sehr häufige Tippen von Nachrichten auf dem Handy zu den Auslösern. Seltener stecken Infektionen oder rheumatische Erkrankungen hinter einer Sehnenscheidenentzündung.

Kommt eine Kortisonspritze immer infrage?

Nein. Kortison-Injektionen gehören zu den konservativen Möglichkeiten, die Entscheidung ist aber individuell. Nutzen und mögliche Risiken besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wann wird eine Operation erwogen?

In der Regel dann, wenn die Schmerzen wiederkehren und eine Kortisonbehandlung erfolglos geblieben ist. Dabei wird das erste Strecksehnenfach gespalten. Der Eingriff kann ambulant erfolgen; ob er sinnvoll ist, entscheidet die Handchirurgin oder der Handchirurg.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie (DGH) · Patientenratgeber Sehnenscheidenentzündungen (PDF, Oktober 2021)
  2. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) · BK-Info BK 2101

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.