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Spreizfuß: Beschwerden, Einlagen und Übungen

Der Fußballen wird breiter, Schuhe drücken plötzlich, unter den mittleren Zehen brennt es beim Gehen: Das sind typische Zeichen eines Spreizfußes, einer der häufigsten Fußfehlstellungen. Viele haben damit kaum Beschwerden, bei anderen schmerzt der Vorfuß bei jedem Schritt. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen der AOK und von gesund.bund.de, dem Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit, wie ein Spreizfuß entsteht, welche Beschwerden er macht und was Einlagen, Schuhe und Übungen bewirken können.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
6 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist ein Spreizfuß?

Beim Spreizfuß ist der Fußballen breiter als normalerweise. Der Fußballen ist nach gesund.bund.de der Bereich zwischen den Zehen und dem Fußrücken auf der Unterseite des Fußes. Die AOK beschreibt den Spreizfuß als häufige Fußfehlstellung, bei der sich das sogenannte Vorfußquergewölbe absenkt und die Knochenstrahlen des Mittelfußes auseinanderschieben.

Von außen erkennt man, dass der Fußballen breiter wird und die Zehen leicht auseinanderdriften. Manchmal tritt der Spreizfuß zusammen mit anderen Fehlstellungen auf: Beim Senk-Spreizfuß ist zusätzlich die Längswölbung des Fußes abgeflacht, beim Hohl-Spreizfuß ist sie verstärkt.

Was beim Gehen anders ist

Der Fuß berührt beim Laufen nach gesund.bund.de nicht vollständig den Boden: Die Fußsohle und auch der Fußballen sind gewölbt. Deshalb werden normalerweise die Bereiche hinter der großen und hinter der kleinen Zehe am stärksten belastet.

Beim Spreizfuß wird zusätzlich der Fußballen hinter den mittleren Zehen stark belastet. Das kann zu Druckstellen und Schmerzen führen. Auf Dauer können die mittleren Zehengrundgelenke nach der AOK gereizt und überlastet werden, was Schmerzen im Bereich des Mittelfußes verursacht. Ein Spreizfuß kann aber auch ganz ohne Beschwerden bestehen.

Wie entsteht ein Spreizfuß?

Meist spielen mehrere Ursachen zusammen. Tritt die Fehlstellung schon im Kindesalter auf, ist sie nach der AOK in der Regel angeboren. Häufiger entsteht sie im Erwachsenenalter. Begünstigend wirken:

  • eine schwach ausgeprägte Fußmuskulatur
  • geschwächtes Bindegewebe
  • Übergewicht
  • ungeeignete Schuhe, vor allem hohe Absätze
  • tägliches Laufen auf hartem Asphalt

Seltener ist der Spreizfuß die Folge einer Lähmung oder einer Gelenkerkrankung wie der rheumatoiden Arthritis. Bei Kindern gehört eine Fußfehlstellung in die kinderärztliche oder orthopädische Abklärung; dieser Ratgeber richtet sich an Erwachsene.

Welche Beschwerden macht ein Spreizfuß?

Viele Menschen mit einem Spreizfuß haben nach der AOK kaum oder keine Symptome, besonders wenn die Fehlstellung nicht sehr ausgeprägt ist. Mögliche Beschwerden sind:

  • Schmerzen unter den mittleren Zehengrundgelenken und im Mittelfuß
  • Druckstellen am Fußballen
  • Hornhaut und Schwielen an der großen und kleinen Zehe, weil normale Schuhe zu eng werden
  • das Gefühl, dass Schuhe vorne drücken oder nicht mehr passen

Schmerzen im Vorfuß können auch andere Ursachen haben, etwa eine Reizung von Nerven zwischen den Zehen oder eine Gelenkentzündung. Bleiben die Beschwerden trotz bequemer Schuhe bestehen, sollte der Fuß ärztlich untersucht werden.

Was passiert, wenn man den Spreizfuß nicht behandelt?

Behandelt wird nach der AOK, wenn Beschwerden bestehen. Ein schmerzfreier Spreizfuß muss also nicht zwangsläufig behandelt werden. Die Fehlstellung bildet sich allerdings nicht von selbst zurück.

Auf Dauer kann ein Spreizfuß einen Hallux valgus (Ballenzeh) begünstigen: Die große Zehe dreht sich nach innen zu den anderen Zehen, während sich ihr Grundgelenk nach außen schiebt. Bei anhaltender Fehlbelastung können außerdem Gang- und Haltungsstörungen entstehen. Wer Druckstellen, zunehmende Schmerzen oder eine Veränderung der großen Zehe bemerkt, sollte das deshalb abklären lassen, statt abzuwarten.

Einlagen und Polster: den Druck verteilen

Einlagen und Polsterungen können nach der AOK den Druck am Fuß verteilen, Druckstellen verhindern und die Zehengrundgelenke entlasten. Meist kommen Einlagen mit sogenannten Pelotten zum Einsatz, speziellen Polstern, die den Mittelfuß stützen.

Weil kein Fuß genau dem anderen gleicht, werden die Füße für passende Einlagen im Fachhandel exakt vermessen, etwa mit Schaumabdrücken. Verordnet werden sie in Deutschland bei Bedarf von der Hausarzt- oder Orthopädiepraxis; welche Kosten die Krankenkasse übernimmt, hängt von der Versicherung ab. Ob und welche Einlage sinnvoll ist, sollte nach einer Untersuchung entschieden werden, nicht auf Verdacht.

Schuhe für breite Füße

Grundsätzlich ist es nach der AOK wichtig, bequeme Schuhe mit flachen Absätzen zu tragen. Im Handel gibt es Schuhe für breite Füße; entscheidend ist genug Platz im Bereich des Ballens. Reicht das nicht, können Schuhe im Einzelfall von einer Orthopädieschuhmacherin oder einem Orthopädieschuhmacher individuell angepasst werden.

Ein einfaches Protokoll hilft, beim nächsten Termin zu klären, ob Schuhe und Einlagen passen:

  • Wo drückt es? unter den mittleren Zehen, an der großen oder kleinen Zehe
  • Wann? nach langem Stehen, beim Gehen auf hartem Boden, in bestimmten Schuhen
  • Mit welcher Einlage oder welchem Schuh?
  • Übungen: welche gut tun und welche Schmerzen verstärken

Fußgymnastik: Übungen gegen Spreizfuß

Physiotherapeutische Maßnahmen können nach der AOK Schmerzen infolge der Fehlstellung lindern und Gang- und Haltungsstörungen vorbeugen. Mit Fußgymnastik lässt sich die Fußmuskulatur stärken. Die AOK nennt Beispiele:

  • Fußspirale: den angewinkelten Fuß mit den Händen sanft in verschiedene Richtungen drehen
  • Gewölbe aufbauen: die Zehen nach unten beugen, sodass sich das Fußgewölbe aufbaut, einige Sekunden halten und lösen
  • Sternensammler: am Boden liegende Münzen mit dem Vorfuß aufheben und wieder ablegen

Wichtig ist, die Übungen regelmäßig zu Hause zu machen, damit die Muskeln stark werden und bleiben. Verstärkt eine Übung die Schmerzen deutlich, pausieren Sie sie und besprechen Sie das mit Ihrer Physiotherapeutin oder Ihrem Physiotherapeuten. In unserer Praxis für Physiotherapie in Bilbao können Erwachsene ihre Fußfunktion prüfen und ein passendes Übungsprogramm erarbeiten (die Beratung findet auf Spanisch statt). Beschwerden an der Ferse erklären die Ratgeber zu Plantarfasziitis und Haglundferse.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Erklärung: gesund.bund.de erklärt den Spreizfuß über die Lastverteilung beim Gehen und die Belastung der mittleren Ballen. Die AOK beschreibt ihn anatomisch über das abgesenkte Quergewölbe und auseinanderweichende Mittelfußknochen. Beide betonen, dass er auch ohne Beschwerden bestehen kann.

Behandlung: Nur die AOK geht auf Behandlung ein. Sie sagt klar, dass sich die Fehlstellung nicht zurückbildet, die Beschwerden mit Einlagen, Schuhen und Physiotherapie aber gelindert werden können. Dass Training allein einen Spreizfuß dauerhaft „wegtrainiert“, behauptet keine der beiden Quellen.

Operation: Die AOK hält sie nur in Ausnahmefällen für sinnvoll, etwa bei Gelenkveränderungen oder Arthrose; gesund.bund.de äußert sich dazu nicht.

Zusammenfassung

  • Beim Spreizfuß senkt sich das Quergewölbe, der Fußballen wird breiter.
  • Die mittleren Zehengrundgelenke werden stärker belastet; Schmerzen und Hornhaut sind möglich.
  • Viele Betroffene haben kaum Beschwerden; behandelt wird bei Beschwerden.
  • Die Fehlstellung bildet sich nicht zurück und kann einen Hallux valgus begünstigen.
  • Einlagen, breite flache Schuhe und Fußgymnastik lindern die Beschwerden.
  • Eine Operation ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll.

Häufige Fragen zum Spreizfuß

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was kann man gegen einen Spreizfuß tun?

Bequeme, breite Schuhe mit flachen Absätzen tragen, bei Bedarf angepasste Einlagen mit Pelotte nutzen und regelmäßig Fußgymnastik machen. Bei anhaltenden Schmerzen ärztlich oder physiotherapeutisch abklären lassen.

Was passiert, wenn man den Spreizfuß nicht behandelt?

Ohne Beschwerden ist oft keine Behandlung nötig. Bei Beschwerden können die mittleren Zehengrundgelenke überlastet werden, und auf Dauer kann ein Hallux valgus begünstigt werden.

Ist Barfußlaufen bei Spreizfuß möglich?

Die genutzten Quellen bewerten Barfußlaufen nicht. Einige Übungen wie das Aufheben von Münzen macht man barfuß. Menschen mit Diabetes oder Gefühlsstörungen in den Füßen sollten vorher ärztlich klären, was sicher ist.

Kann man einen Spreizfuß wegtrainieren?

Nein, die Fehlstellung bildet sich nach der AOK nicht von selbst zurück. Übungen können aber die Fußmuskulatur stärken und die Beschwerden lindern, wenn sie regelmäßig gemacht werden.

Muss ein schmerzfreier Spreizfuß behandelt werden?

In der Regel nicht. Behandelt wird, wenn Beschwerden bestehen. Bequeme Schuhe mit genug Platz am Ballen und Fußgymnastik schaden aber auch ohne Beschwerden nicht.

Was unterscheidet Spreizfuß und Senkfuß?

Beim Spreizfuß ist das Quergewölbe im Vorfuß abgesenkt, beim Senkfuß die Längswölbung. Beides kann zusammen auftreten; dann spricht man vom Senk-Spreizfuß.

Quellen

  1. AOK · Spreizfuß: Ursachen, Symptome und Übungen (2023)
  2. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Spreizfuß (Glossar)

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.