Was ist ein Morton Neurom?
Zwischen den fünf Mittelfußknochen verlaufen parallel zu den Knochen Nervenbahnen zu den Zehen. Dort kann es zu entzündlichen Veränderungen kommen. Zuerst ist der Nerv nur in seiner Funktion gestört; in diesem Stadium spricht man von Morton-Neuralgie (Nervenreizung). Später können entzündliche Gewebsschwellungen entstehen, das Neurom oder der Nervenknoten.
Weitere Bezeichnungen sind Morton-Neurinom und Morton-Syndrom. Die GFFC ordnet die Erkrankung als besondere Form der Metatarsalgie ein, also der Schmerzen im Mittelfuß. Benannt ist sie nach dem amerikanischen Chirurgen Thomas George Morton, der sie 1876 beschrieb.
Symptome: brennende Zehen und Vorfußschmerzen
- Schmerzen bei Belastung, teilweise auch in Ruhe, mit Ausstrahlung bis in die Zehen.
- Eine besonders schmerzhafte Stelle nahe den Mittelfußköpfchen, typisch zwischen dem zweiten und dritten oder dem dritten und vierten Strahl.
- Stechende, brennende, ziehende oder elektrisierende Schmerzen; die GFFC beschreibt sie als „stromschlagartig, in die Zehenspitzen einschießend“.
- Taubheitsgefühl und Gefühlsstörungen im betroffenen Bereich.
- Bei fortgeschrittener Reizung tastbare, teilweise harte Knoten.
Die Schmerzen können anfallsartig auftreten und verstärken sich bei Belastung. Bei Druck auf die Stelle strahlen sie manchmal nach oben und unten aus.
Ursachen und Risikofaktoren
Bei der Entstehung spielt häufig eine Druckbelastung eine Rolle, teilweise durch angeborene oder erworbene Formveränderungen des Mittel- und Vorfußes. Typisch ist die Erkrankung bei Spreizfüßen, sie kommt aber auch bei normaler Fußform vor. Weitere begünstigende Faktoren sind:
- ungeeignetes Schuhwerk nach dem Merkspruch „vorne spitz, hinten hoch und insgesamt zu klein“,
- Erkrankungen der Nerven, etwa eine Polyneuropathie bei Diabetes,
- Druck durch eine Einlage mit Pelotte, die an der falschen Stelle drückt,
- Laufen und andere Sportarten mit viel Belastung des Vorfußes.
Frauen sind deutlich häufiger betroffen, besonders im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. In manchen Fällen findet sich keine Ursache.
Wie erkenne ich ein Morton Neurom? Die Diagnose
Die Diagnose stützt sich vor allem auf das Gespräch über die typischen Beschwerden und eine sorgfältige Untersuchung des Fußes. Dabei finden sich öfter auch andere druckschmerzhafte Stellen, zum Beispiel an den Zehengrundgelenken.
Ergänzend empfiehlt Orthinform Röntgenaufnahmen des Fußes, am besten im Stehen unter Belastung. Tastbare Knoten lassen sich im Ultraschall oder in der MRT nachweisen. Die Beschwerden treten aber häufig auch ohne sichtbaren Knoten auf. Das schließt die Diagnose nicht aus; dann handelt es sich eher um die Vorstufe, die Morton-Neuralgie.
Andere Ursachen von Vorfußschmerzen
Nicht jeder Schmerz im Vorfuß ist ein Morton-Neurom. Orthinform weist darauf hin, dass sich bei der Untersuchung öfter zusätzliche Schmerzpunkte, etwa an den Zehengrundgelenken, finden. Häufig bestehen auch Vorfußdeformitäten wie ein Hallux valgus oder Hammerzehen.
Nervenerkrankungen wie eine Polyneuropathie bei Diabetes können die Beschwerden begünstigen; mehr zu Missempfindungen an Füßen und Händen im Ratgeber Kribbeln in Beinen und Händen. Die Abgrenzung der verschiedenen Ursachen gehört in ärztliche Hände.
Schuhe und Einlagen beim Morton Neurom
Basis jeder Behandlung sollte sein, begünstigende Faktoren wie ungeeignetes Schuhwerk zu vermeiden. Zu den nicht operativen Maßnahmen gehören orthopädische Einlagen. Orthinform nennt Einlagen mit retrokapitalem Quersteg, also einer Erhöhung hinter den Mittelfußköpfchen; in besonderen Fällen kann eine Aussparung in Höhe des Neuroms sinnvoll sein.
Auch spezielle Fußgymnastik und Physiotherapie werden zu den konservativen Möglichkeiten gezählt. In unserer Praxis für Physiotherapie in Bilbao beraten wir zur Belastung des Fußes und zu Übungen (die Beratung findet auf Spanisch statt). Orthinform weist darauf hin, dass auch eine vorhandene Einlage mit Pelotte durch Druck der Auslöser sein kann; sprechen Sie das bei der Untersuchung an.
Was kann man gegen Morton Neurom tun? Weitere Behandlungen
Liegt eine weitere Erkrankung wie ein Diabetes vor, sollte sie bestmöglich behandelt werden. Daneben beschreibt Orthinform verschiedene Möglichkeiten:
- entzündungshemmende Salbenverbände,
- Ultraschall in Kombination mit Elektrotherapie,
- Stoßwellentherapie,
- Injektionen mit örtlichen Betäubungsmitteln und/oder Kortison,
- bei ausgedehnten Schmerzen zeitweise entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR).
Magnetfeldtherapie und Injektionen mit Botulinumtoxin bezeichnet Orthinform ausdrücklich als experimentell. Dass ein Verfahren aufgezählt wird, heißt nicht, dass seine Wirksamkeit gut belegt ist. Welche Behandlung infrage kommt, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Operation: wann und mit welchen Folgen
Helfen konservative Maßnahmen nicht und bleiben die Schmerzen, kommt eine Operation infrage. Dabei wird der betroffene Nerv mit dem Nervenknoten freigelegt und/oder entfernt (Neurektomie). Daneben können Fußfehlstellungen operativ versorgt werden, etwa durch eine Verkürzung von Mittelfußknochen, oft zusammen mit einem Hallux valgus oder Hammerzehen.
Nach der Entfernung des Nervs bleibt meist eine Gefühlsminderung im Versorgungsgebiet der betroffenen Zehennerven. Nach gesicherter Wundheilung, meist in einem Spezialschuh, ist rasch die volle Belastung möglich; Nervenschmerzen können noch einige Wochen anhalten. Viele Operierte berichten von deutlicher Schmerzlinderung, selten können die Beschwerden auch Jahre später zurückkehren.
Wo sich die Quellen unterscheiden
- Lage: Die GFFC nennt den Raum zwischen drittem und viertem Zeh, selten zwischen zweitem und drittem. Orthinform beschreibt beide Stellen als typisch und erwähnt gelegentlich auch andere Zwischenräume.
- Natur der Erkrankung: Orthinform beschreibt entzündliche Veränderungen des Nervs und in seinen Fragen und Antworten eine mechanische Überlastung mit Entzündung des Bindegewebes um den Nerv. Die GFFC spricht von einem Nervenknoten durch einen besonderen Nervenverlauf.
- Gefühlsminderung nach der Operation: Nach der GFFC verbleibt sie „meist“, nach Orthinform „kann“ sie dauerhaft auftreten.
- Nicht operative Therapie: Die GFFC nennt nur Injektionen und Einlagen; Orthinform zählt zahlreiche weitere Verfahren auf, darunter experimentelle.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Morton-Neurom ist eine Nervenreizung mit Knotenbildung zwischen den Mittelfußköpfchen.
- Typisch sind brennende, elektrisierende Schmerzen mit Ausstrahlung in die Zehen, oft beim Gehen in engen Schuhen.
- Die Diagnose ist vor allem klinisch; Ultraschall und MRT ergänzen, ein fehlender Knoten schließt sie nicht aus.
- Passende Schuhe und Einlagen sind die Basis; Injektionen und andere Verfahren können folgen.
- Eine Operation hinterlässt meist eine Gefühlsminderung an den betroffenen Zehen.
Häufige Fragen zum Morton Neurom
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Was kann man gegen Morton Neurom tun?
Begünstigende Faktoren wie enge, spitze oder hohe Schuhe vermeiden, Einlagen mit Quersteg nutzen und gegebenenfalls Fußgymnastik und Physiotherapie machen. Ärztlich kommen Salbenverbände, Injektionen und andere Verfahren hinzu; bei anhaltenden Schmerzen eine Operation.
Kann ein Morton Neurom wieder verschwinden?
Die Quellen nennen keine Häufigkeit für ein spontanes Verschwinden. Sie beschreiben aber, dass konservative Maßnahmen die Beschwerden lindern können und eine Operation erst bei deren Versagen infrage kommt.
Wie lange dauert ein Morton Neurom?
Eine feste Dauer geben die Quellen nicht an. Nach einer Operation können Nervenschmerzen noch einige Wochen anhalten.
Wie erkenne ich Morton Neurom?
Typisch sind brennende, stechende oder elektrisierende Schmerzen im Vorfuß, oft zwischen dem dritten und vierten Zeh, die bei Belastung zunehmen und in die Zehen ausstrahlen, manchmal mit Taubheit. Sicher feststellen kann es nur eine ärztliche Untersuchung.
Ist das ein bösartiger Tumor?
Die Quellen beschreiben das Morton-Neurom als entzündliche Gewebsschwellung oder Nervenknoten, der durch Druck und Überlastung entsteht. Trotz der Endung „-om“ beschreiben sie es nicht als Krebs.
Welche anderen Ursachen machen Vorfußschmerzen?
Zum Beispiel schmerzhafte Zehengrundgelenke, Fehlstellungen wie Hallux valgus oder Hammerzehen und Nervenerkrankungen wie eine Polyneuropathie. Die Unterscheidung gehört in ärztliche Hände.
Quellen
- Orthinform (BVOU) · Morton-Neurom
- Gesellschaft für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (GFFC) · Morton-Neuralgie
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
