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Tarsaltunnelsyndrom: wenn der Nerv am Innenknöchel eingeengt ist

Brennen, Kribbeln oder Taubheit an der Fußsohle, die sich beim Stehen und Gehen verstärken, können auf ein Tarsaltunnelsyndrom hinweisen. Dabei wird der Schienbeinnerv (Nervus tibialis) hinter dem Innenknöchel in einem engen Kanal eingeengt. Es ist das Gegenstück zum Karpaltunnelsyndrom an der Hand, kommt aber viel seltener vor und wird oft spät erkannt. Dieser Ratgeber erklärt Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist der Tarsaltunnel?

Der Tarsaltunnel liegt an der Innenseite des Sprunggelenks, zwischen Innenknöchel und Fersenbein. Er wird von einem straffen Band (Retinaculum flexorum) überdacht. Durch diesen Kanal laufen der Schienbeinnerv, Blutgefäße und die Sehnen mehrerer Fußmuskeln. Wird es dort eng, gerät der Nerv unter Druck. Seine Äste versorgen die Haut der Fußsohle und die kleinen Fußmuskeln.

Ursachen

  • Knick-Senkfuß, bei dem die Ferse nach innen kippt und der Kanal gedehnt wird.
  • Folgen von Verletzungen, etwa einem verstauchten Sprunggelenk oder Brüchen.
  • Ganglien, Krampfadern oder Sehnenscheidenentzündungen im Kanal.
  • Knochenvorsprünge oder Narbengewebe.
  • Schwellungen bei Schwangerschaft, Rheuma, Diabetes oder Schilddrüsenunterfunktion.
  • Bei etwa einem Drittel der Betroffenen findet sich keine klare Ursache.

Typische Symptome

  • Brennen, Kribbeln oder elektrisierende Schmerzen an Fußsohle, Ferse oder Zehen.
  • Taubheitsgefühl an der Fußsohle.
  • Schmerzen hinter dem Innenknöchel, die in die Fußsohle oder die Wade ausstrahlen können.
  • Verstärkung bei langem Stehen, Gehen oder Laufen, Besserung in Ruhe.
  • Manchmal nächtliche Beschwerden.
  • Selten Schwäche der kleinen Fußmuskeln.

Wie wird das Tarsaltunnelsyndrom festgestellt?

In der Untersuchung wird geprüft, ob Klopfen hinter dem Innenknöchel Kribbeln in die Fußsohle auslöst (Hoffmann-Tinel-Zeichen) und ob bestimmte Fußstellungen die Beschwerden verstärken. Die Elektroneurografie (ENG) misst, wie schnell der Nerv Signale weiterleitet; die Elektromyografie (EMG) prüft die Fußmuskeln. Diese Untersuchungen bieten wir in der Neurophysiologie an. Ultraschall oder MRT zeigen, ob Ganglien, Krampfadern oder Narben den Nerv bedrängen.

Was sonst dahinterstecken kann

Ähnliche Beschwerden verursachen die Polyneuropathie, etwa bei Diabetes, ein Bandscheibenvorfall im unteren Rücken mit Reizung der Nervenwurzel S1, die Plantarfasziitis und die Morton-Neuralgie zwischen den Zehen. Hinweise: Bei der Polyneuropathie sind meist beide Füße strumpfförmig betroffen, beim Tarsaltunnelsyndrom oft nur ein Fuß. Rückenschmerzen mit Ausstrahlung ins Bein sprechen eher für den Rücken. Mehr dazu im Ratgeber Kribbeln in Beinen und Händen.

Was Sie selbst tun können

  • Schuhe mit guter Fersenführung und ausreichend Platz am Innenknöchel tragen.
  • Enge Schnürung oder hohe Schaftränder am Knöchel vermeiden.
  • Lange Stehphasen durch Pausen und Positionswechsel unterbrechen.
  • Bei Schwellung Bein hochlagern und kühlen.
  • Bei Übergewicht abnehmen, um den Fuß zu entlasten.

Einlagen und Schuhversorgung

Wenn ein Knick-Senkfuß den Kanal belastet, können Einlagen mit Unterstützung des Längsgewölbes und Fersenführung den Druck auf den Nerv verringern. Auch eine leichte Erhöhung an der Innenseite der Ferse wird eingesetzt. Ziel ist, dass die Ferse beim Gehen nicht nach innen kippt. Einlagen sollten individuell angepasst und nach einigen Wochen überprüft werden.

Physiotherapie

Die Physiotherapie setzt an Fußstellung, Muskelkraft und Beweglichkeit an:

  • Kräftigung der Fußmuskulatur und des hinteren Schienbeinmuskels, der das Gewölbe stützt.
  • Dehnung der Wade, wenn sie verkürzt ist.
  • Nervenmobilisation: sanfte Bewegungen, die den Nerv in seinem Kanal gleiten lassen.
  • Gang- und Laufanalyse mit Anpassung der Belastung.
  • Weichteiltechniken am Innenknöchel.

Medikamente und Spritzen

Entzündungshemmende Schmerzmittel helfen bei begleitender Sehnenreizung. Bei nervenbedingten Schmerzen werden manchmal Medikamente eingesetzt, die die Schmerzweiterleitung dämpfen. Eine Kortisonspritze in den Kanal kann Schwellung reduzieren und gleichzeitig die Diagnose stützen, wenn die Beschwerden danach deutlich nachlassen. Grunderkrankungen wie Diabetes oder Rheuma sollten gut eingestellt sein.

Wann wird operiert?

Eine Operation kommt infrage, wenn ein Ganglion, eine Krampfader oder Narbengewebe den Nerv eindeutig einengt, wenn die Nervenmessung eine deutliche Schädigung zeigt oder wenn konservative Maßnahmen nach drei bis sechs Monaten nicht helfen. Dabei wird das Band über dem Kanal gespalten und der Nerv befreit. Bei einer klaren Ursache sind die Ergebnisse meist gut, ohne erkennbare Ursache weniger vorhersehbar.

Verlauf und Prognose

Viele Betroffene bessern sich mit Schuhversorgung, Einlagen und Physiotherapie innerhalb einiger Monate. Je länger ein Nerv unter Druck steht, desto langsamer erholt er sich. Deshalb lohnt sich eine frühe Abklärung. Nach einer Operation können Taubheit und Kribbeln noch Monate brauchen, bis sie zurückgehen, weil Nerven nur langsam regenerieren.

Sport mit Tarsaltunnelsyndrom

Läuferinnen und Läufer sind häufiger betroffen, besonders bei Knick-Senkfuß und hohem Trainingsumfang. Während einer Reizphase eignen sich Radfahren und Schwimmen. Beim Wiedereinstieg helfen stabile Laufschuhe, weicher Untergrund und eine langsame Steigerung. Treten Kribbeln oder Taubheit beim Laufen auf, sollte die Belastung reduziert werden.

Tarsaltunnelsyndrom und Diabetes

Menschen mit Diabetes haben häufiger Nervenengpasssyndrome, weil die Nerven empfindlicher auf Druck reagieren. Gleichzeitig kann eine diabetische Polyneuropathie ähnliche Beschwerden verursachen. Die Nervenmessung hilft, beides zu unterscheiden. Eine gute Blutzuckereinstellung, tägliche Fußkontrolle und passendes Schuhwerk schützen die Füße. Wunden an gefühlsgeminderten Füßen sollten immer rasch ärztlich angesehen werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Tarsaltunnelsyndrom wird der Schienbeinnerv hinter dem Innenknöchel eingeengt.
  • Typisch sind Brennen, Kribbeln und Taubheit an der Fußsohle, die beim Gehen zunehmen.
  • Die Nervenmessung (ENG/EMG) und Bildgebung sichern die Diagnose und grenzen andere Ursachen ab.
  • Einlagen, Schuhe und Physiotherapie helfen oft, eine Operation ist bei klarer Einengung sinnvoll.

Häufige Fragen zum Tarsaltunnelsyndrom

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie fühlt sich ein Tarsaltunnelsyndrom an?

Meist wie Brennen, Kribbeln oder Ameisenlaufen an der Fußsohle, oft verbunden mit Schmerzen am Innenknöchel.

Welcher Arzt ist zuständig?

Orthopädie oder Neurologie; die Nervenmessung erfolgt in der Neurologie oder Neurophysiologie.

Kann das Tarsaltunnelsyndrom von selbst heilen?

Leichte Formen bessern sich oft, wenn die auslösende Belastung wegfällt.

Helfen Einlagen?

Bei Knick-Senkfuß können Einlagen den Druck auf den Nerv deutlich verringern.

Ist das Tarsaltunnelsyndrom gefährlich?

Nein, unbehandelt kann der Nerv aber dauerhaft geschädigt werden.

Wie lange dauert die Heilung nach einer Operation?

Die Wunde heilt in wenigen Wochen, Gefühlsstörungen können sich über Monate bessern.

Sieht man das Tarsaltunnelsyndrom im MRT?

Das MRT zeigt Ursachen wie Ganglien oder Krampfadern; die Nervenfunktion selbst prüft die Nervenmessung.

Kann ich trotzdem arbeiten?

Meist ja; bei Berufen mit langem Stehen helfen Pausen, gutes Schuhwerk und Einlagen.

Kann ein Tarsaltunnelsyndrom beide Füße betreffen?

Ja, das ist möglich, aber seltener. Bei beidseitigen Beschwerden wird besonders an eine Polyneuropathie gedacht.

Quellen

  1. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Tarsaltunnelsyndrom
  2. McSweeney SC, Cichero M. Tarsal tunnel syndrome – A narrative literature review. Foot. 2015

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.