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Nasenmuschel: wenn sie zu groß ist und die Nase verstopft

Eine dauerhaft verstopfte Nase, Mundatmung in der Nacht und Schnarchen: Häufig stecken vergrößerte Nasenmuscheln dahinter. Die Nasenmuscheln sind wichtige Strukturen in der Nase, die die Atemluft erwärmen, befeuchten und reinigen. Schwellen sie dauerhaft an, wird die Nasenatmung eng. Dieser Ratgeber erklärt die Funktion der Nasenmuscheln, Ursachen ihrer Vergrößerung und Behandlungsmöglichkeiten von Nasenspray bis zur schonenden Verkleinerung.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was sind Nasenmuscheln?

In jeder Nasenhälfte befinden sich drei Nasenmuscheln: die untere, mittlere und obere. Es sind knöcherne Wülste, die mit einer gut durchbluteten Schleimhaut überzogen sind. Sie vergrößern die innere Oberfläche der Nase und sorgen dafür, dass die Atemluft auf dem Weg zur Lunge erwärmt, befeuchtet und von Staub gereinigt wird. Für die Nasenatmung ist vor allem die untere Nasenmuschel wichtig.

Der natürliche Nasenzyklus

Die Schleimhaut der Nasenmuscheln schwillt im Wechsel ab und an. Alle paar Stunden ist eine Nasenseite etwas enger als die andere. Dieser Nasenzyklus ist normal und wird meist nicht bemerkt. Im Liegen schwillt die untenliegende Seite stärker an. Erst wenn die Schwellung dauerhaft ist, spricht man von einer Vergrößerung (Hyperplasie) der Nasenmuscheln.

Warum die Nasenmuscheln anschwellen

  • Allergischer Schnupfen, etwa durch Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare.
  • Nicht-allergische Rhinitis durch Reizstoffe, Temperaturwechsel oder Gerüche.
  • Gewöhnung an abschwellende Nasensprays (Privinismus).
  • Hormonelle Einflüsse, zum Beispiel in der Schwangerschaft.
  • Chronische Entzündungen der Nasennebenhöhlen (chronische Sinusitis).
  • Ausgleich bei verkrümmter Nasenscheidewand: Auf der weiten Seite vergrößert sich die Muschel.
  • Bestimmte Medikamente, etwa einige Blutdruckmittel.

Typische Beschwerden

  • Dauerhaft oder wechselseitig verstopfte Nase.
  • Mundatmung, besonders nachts, mit trockenem Mund am Morgen.
  • Schnarchen und schlechter Schlaf.
  • Druckgefühl in der Nase, näselnde Sprache.
  • Verminderter Geruchssinn.
  • Nachlaufendes Sekret in den Rachen (Schleim im Hals).

Untersuchung beim HNO-Arzt

Die HNO-Ärztin betrachtet die Nase von vorn und mit einem dünnen Endoskop. Ein abschwellendes Spray während der Untersuchung zeigt, ob die Schwellung aus Schleimhaut besteht, die sich zurückbildet, oder ob auch Knochen beteiligt ist. Eine Messung des Luftstroms (Rhinomanometrie) bestimmt, wie eng die Nase ist. Ein Allergietest klärt, ob eine Allergie zugrunde liegt. Bei Verdacht auf eine Nebenhöhlenentzündung folgt eine Bildgebung.

Behandlung mit Nasensprays

Kortisonhaltige Nasensprays sind bei allergischer und vielen nicht-allergischen Formen die Behandlung der ersten Wahl. Sie wirken nach einigen Tagen, sind bei richtiger Anwendung auch für längere Zeit geeignet und haben kaum Nebenwirkungen. Bei Allergien kommen Antihistaminika oder eine Hyposensibilisierung hinzu. Salzwasserspülungen reinigen die Nase und befeuchten die Schleimhaut.

Abhängigkeit von abschwellenden Nasensprays

Abschwellende Sprays mit Xylometazolin oder Oxymetazolin sollten nicht länger als fünf bis sieben Tage verwendet werden. Danach gewöhnt sich die Schleimhaut daran und schwillt immer stärker an, sobald die Wirkung nachlässt. Der Ausstieg gelingt am besten schrittweise: zuerst nur eine Nasenseite weiter behandeln oder auf Kinderdosierung umsteigen, parallel ein kortisonhaltiges Spray verwenden. Nach einigen Wochen erholt sich die Schleimhaut meist.

Verkleinerung der Nasenmuscheln

Helfen Sprays nicht ausreichend, können die unteren Nasenmuscheln verkleinert werden (Conchotomie oder Nasenmuschelreduktion). Ziel ist, das Volumen zu verringern, ohne die Funktion zu zerstören. Dazu wird das Gewebe unter der Schleimhaut mit Radiofrequenz, Laser oder feinen Instrumenten verkleinert, manchmal wird der Knochen nach außen verlagert. Der Eingriff dauert meist nur wenige Minuten und kann oft ambulant erfolgen. Häufig wird er mit einer Nasenscheidewand-OP kombiniert.

Nach der Nasenmuschelverkleinerung

In den ersten ein bis zwei Wochen ist die Nase durch Schwellung und Krusten oft noch verstopfter als vorher. Nasenspülungen und Pflegesalben unterstützen die Heilung. Schweres Heben, Sport und Saunagänge sollten Sie in dieser Zeit meiden. Nach etwa vier bis sechs Wochen ist das Ergebnis gut beurteilbar. Bei Allergien kann die Schleimhaut mit der Zeit wieder anschwellen, weshalb die Grundbehandlung oft weitergeführt wird.

Risiken und das Problem der zu kleinen Nasenmuschel

Ernste Komplikationen sind selten. Möglich sind Nachblutungen, Krustenbildung und vorübergehende Trockenheit. Werden die Nasenmuscheln zu stark entfernt, kann ein sogenanntes Empty-Nose-Syndrom entstehen: Die Nase fühlt sich trotz weiter Wege verstopft und trocken an. Moderne Verfahren schonen deshalb die Schleimhaut und verkleinern nur so viel wie nötig.

Was Sie selbst tun können

  • Abschwellende Nasensprays nur kurz verwenden.
  • Regelmäßige Nasenspülungen mit Salzwasser.
  • Bei Allergie Auslöser meiden, etwa durch Milbenbezüge oder Pollenschutz.
  • Raumluft nicht zu trocken halten, besonders im Winter.
  • Kopfende des Bettes leicht erhöhen.
  • Nicht rauchen.

Nasenatmung und Schlaf

Eine verstopfte Nase zwingt nachts zur Mundatmung. Das trocknet Mund und Rachen aus, fördert Schnarchen und kann eine Schlafapnoe verstärken. Viele Betroffene schlafen unruhig und sind tagsüber müde. Wird die Nasenatmung durch Behandlung der Nasenmuscheln verbessert, berichten viele über erholsameren Schlaf. Bei Verdacht auf Atemaussetzer sollte zusätzlich eine Schlafuntersuchung erfolgen, siehe Schlafapnoe.

Verstopfte Nase in der Schwangerschaft

Hormone lassen die Schleimhaut der Nasenmuscheln in der Schwangerschaft häufig anschwellen. Diese Schwangerschaftsrhinitis verschwindet meist innerhalb von zwei Wochen nach der Geburt. Salzwasserspülungen, ein erhöhtes Kopfende und Nasenpflaster helfen. Abschwellende Sprays und Medikamente sollten nur nach ärztlicher Rücksprache verwendet werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nasenmuscheln erwärmen, befeuchten und reinigen die Atemluft.
  • Dauerhaft vergrößerte Nasenmuscheln verursachen eine verstopfte Nase, Mundatmung und Schnarchen.
  • Häufige Ursachen sind Allergien und die Gewöhnung an abschwellende Nasensprays.
  • Kortisonhaltige Sprays sind die erste Wahl; bei fehlender Besserung hilft eine schonende Verkleinerung.

Häufige Fragen zur Nasenmuschel

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Können vergrößerte Nasenmuscheln wieder schrumpfen?

Ja, wenn die Ursache behandelt wird, etwa eine Allergie oder die Gewöhnung an Nasenspray.

Ist die Nasenmuschelverkleinerung schmerzhaft?

Sie erfolgt meist in örtlicher Betäubung oder Narkose; danach ist die Nase einige Tage verstopft und leicht schmerzhaft.

Wie lange dauert die Heilung?

Etwa zwei bis vier Wochen bis zur deutlich freieren Nasenatmung.

Kommt die Schwellung wieder?

Bei manchen Menschen schwillt die Schleimhaut nach Jahren wieder an, besonders bei unbehandelter Allergie.

Zahlt die Krankenkasse die Verkleinerung?

Bei medizinischer Notwendigkeit in der Regel ja.

Ist eine verstopfte Nase im Liegen normal?

Ja, im Liegen schwillt die Schleimhaut etwas an. Dauerhafte Verstopfung ist dagegen nicht normal.

Welches Nasenspray hilft bei vergrößerten Nasenmuscheln?

Meist ein kortisonhaltiges Nasenspray; abschwellende Sprays nur kurzzeitig.

Was ist das Empty-Nose-Syndrom?

Ein Gefühl verstopfter, trockener Nase nach zu starker Entfernung der Nasenmuscheln. Moderne Verfahren beugen dem vor.

Kann man Nasenmuscheln mit Hausmitteln verkleinern?

Salzwasserspülungen und Inhalationen lindern die Schwellung, verkleinern die Muscheln aber nicht dauerhaft.

Quellen

  1. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Verstopfung der Nase und Austreten von Nasensekret
  2. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Rhinitis
  3. Jose J, Coatesworth AP. Inferior turbinate surgery for nasal obstruction in allergic rhinitis after failed medical treatment. Cochrane Database Syst Rev. 2010

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.