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Schnarchen: warum es entsteht und was Sie dagegen tun können

Schnarchen ist weit verbreitet: Ein großer Teil der Erwachsenen schnarcht zumindest gelegentlich, Männer häufiger als Frauen und ältere Menschen häufiger als jüngere. Meist ist es harmlos, aber lästig – vor allem für die Person, die daneben schläft. Manchmal steckt hinter lautem Schnarchen jedoch eine Schlafapnoe mit nächtlichen Atemaussetzern. Hier erfahren Sie, wie Schnarchen entsteht, was dagegen hilft und wann Sie es abklären lassen sollten.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 48/4809228

Wie entsteht Schnarchen?

Beim Atmen strömt die Luft durch Nase, Rachen und Kehlkopf in die Lunge. Im Schlaf lässt die Spannung der Rachenmuskulatur nach, und der Atemweg wird enger. Strömt die Luft durch diese Engstelle, geraten weiche Gewebe wie das Gaumensegel, das Zäpfchen, die Rachenwände oder der Zungengrund in Schwingung. Das erzeugt das typische Geräusch.

Je enger der Atemweg und je schlaffer das Gewebe, desto lauter wird das Schnarchen. Wird der Rachen so eng, dass er sich zeitweise ganz verschließt, setzt die Atmung kurz aus. Dann spricht man von einer obstruktiven Schlafapnoe.

Häufige Ursachen und Auslöser

  • Übergewicht: Fettgewebe am Hals engt den Rachen ein.
  • Alkohol am Abend sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel entspannen die Rachenmuskulatur zusätzlich.
  • Rückenlage: Zunge und Gaumensegel sinken nach hinten.
  • Verstopfte Nase durch Erkältung, Allergie, Nasenpolypen oder eine schiefe Nasenscheidewand.
  • Anatomie: große Mandeln, langes Gaumensegel, kleiner oder zurückliegender Unterkiefer.
  • Rauchen: reizt und schwellt die Schleimhaut.
  • Alter: Mit den Jahren lässt die Spannung des Gewebes nach.
  • Wechseljahre: Bei Frauen nimmt Schnarchen danach häufig zu.

Harmloses Schnarchen oder Schlafapnoe?

Gleichmäßiges Schnarchen ohne Atempausen, nach dem Sie sich morgens erholt fühlen, ist meist harmlos. Hinweise auf eine Schlafapnoe sind dagegen lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Pausen, auf die ein Schnaufen oder Schnappen folgt, ausgeprägte Tagesmüdigkeit, Einschlafen in ruhigen Situationen, Konzentrationsstörungen, nächtliches Wasserlassen, morgendliche Kopfschmerzen und Bluthochdruck.

Die obstruktive Schlafapnoe ist sehr häufig und wird oft lange nicht erkannt. Unbehandelt erhöht sie das Risiko für Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Unfälle durch Sekundenschlaf. Deshalb sollte sie bei Verdacht im Schlaflabor oder mit einer ambulanten Schlafuntersuchung abgeklärt werden.

Was tun gegen Schnarchen? Maßnahmen für zu Hause

  • Übergewicht reduzieren – schon wenige Kilo können helfen.
  • Drei bis vier Stunden vor dem Schlafen keinen Alkohol trinken.
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen.
  • In Seitenlage schlafen; spezielle Kissen oder ein Rucksack mit Ball können das Drehen auf den Rücken verhindern.
  • Mit leicht erhöhtem Oberkörper schlafen.
  • Eine verstopfte Nase behandeln, etwa mit Salzwasserspülungen oder bei Allergie mit kortisonhaltigem Spray.
  • Mit dem Rauchen aufhören.
  • Regelmäßige Schlafzeiten einhalten; Übermüdung verstärkt das Schnarchen.

Hilft Training für Zunge und Rachen?

Gezielte Übungen für Zunge, Gaumen und Rachenmuskulatur, die sogenannte myofunktionelle Therapie, können die Spannung im Rachen verbessern. Eine systematische Übersicht in der Fachzeitschrift Sleep ergab, dass solche Übungen Schnarchen und bei Schlafapnoe die Zahl der Atemaussetzer verringern können. Auch regelmäßiges Singen oder Spielen von Blasinstrumenten wird diskutiert.

Die Übungen wirken nur, wenn sie über Wochen täglich durchgeführt werden. Eine Logopädin oder ein Logopäde kann ein passendes Programm zusammenstellen und die richtige Ausführung zeigen. Bei einer mittelschweren oder schweren Schlafapnoe ersetzen sie keine ärztlich verordnete Behandlung.

Hilfsmittel und medizinische Behandlung

Eine Unterkieferprotrusionsschiene, die beim Zahnarzt angepasst wird, schiebt den Unterkiefer im Schlaf leicht nach vorn und erweitert so den Rachen. Sie hilft vielen Menschen mit Schnarchen und leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe. Nasenpflaster oder Nasenspreizer helfen nur, wenn die Nase die Hauptursache ist.

Bei einer Schlafapnoe ist die Atemmaske mit Überdruck (CPAP) die Standardtherapie. Operationen kommen in Frage, wenn eine klare anatomische Ursache vorliegt, etwa sehr große Mandeln, eine verkrümmte Nasenscheidewand oder ein auffälliges Gaumensegel. Welche Behandlung passt, hängt von der genauen Ursache ab und sollte HNO-ärztlich oder schlafmedizinisch geklärt werden.

Wie wird Schnarchen untersucht?

Die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt untersucht Nase, Rachen und Kehlkopf, oft mit einem Endoskop. Fragebögen zur Tagesmüdigkeit und Angaben der Bettpartnerin oder des Bettpartners helfen bei der Einschätzung. Besteht der Verdacht auf Atemaussetzer, folgt eine Schlafuntersuchung zu Hause (Polygrafie) oder im Schlaflabor (Polysomnografie). Dabei werden Atmung, Sauerstoffsättigung, Puls und Körperlage während der Nacht aufgezeichnet.

Schnarchen bei Kindern

Gelegentliches Schnarchen bei einer Erkältung ist bei Kindern normal. Schnarcht ein Kind aber regelmäßig laut, atmet es mit offenem Mund, schläft unruhig, schwitzt nachts stark oder ist tagsüber müde, unkonzentriert oder auffällig zappelig, sollte das abgeklärt werden. Häufigste Ursache sind vergrößerte Rachen- oder Gaumenmandeln. Ihre Entfernung bessert die Atmung im Schlaf oft deutlich.

Wenn Schnarchen die Partnerschaft belastet

Schnarchen stört häufig vor allem den Schlaf der Partnerin oder des Partners. Ohrstöpsel oder getrennte Schlafzimmer sind kurzfristige Lösungen, ersetzen aber keine Abklärung, wenn Atemaussetzer beobachtet werden. Gerade die Beobachtungen der Person, die daneben schläft, sind für die Ärztin oder den Arzt besonders wertvoll. Eine Tonaufnahme mit dem Smartphone kann helfen, das Schnarchen zu beschreiben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schnarchen entsteht durch flatterndes Gewebe in einem verengten Rachen.
  • Übergewicht, Alkohol, Rückenlage und eine verstopfte Nase verstärken es.
  • Atemaussetzer, Schnappatmung und Tagesmüdigkeit sprechen für eine Schlafapnoe.
  • Gewichtsabnahme, Seitenlage und Verzicht auf Alkohol helfen oft.
  • Schienen, Übungen, CPAP oder Operationen werden je nach Ursache eingesetzt.

Häufige Fragen zum Schnarchen

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Ist Schnarchen gefährlich?

Gleichmäßiges Schnarchen ist meist harmlos. Gefährlich kann es werden, wenn eine Schlafapnoe mit Atemaussetzern dahintersteckt.

Warum schnarche ich plötzlich?

Häufige Gründe sind Gewichtszunahme, eine Erkältung oder Allergie, Alkohol am Abend, neue Medikamente oder Schlafmangel.

Was hilft sofort gegen Schnarchen?

Kurzfristig helfen oft Seitenlage, ein erhöhter Oberkörper, eine freie Nase und der Verzicht auf Alkohol am Abend.

Schnarchen Frauen auch?

Ja. Frauen schnarchen seltener als Männer, nach den Wechseljahren aber deutlich häufiger als zuvor.

Helfen Anti-Schnarch-Sprays?

Für Sprays, die den Rachen befeuchten, gibt es nur wenige gute Belege. Sinnvoller ist es, die Ursache zu klären.

Wer ist für Schnarchen zuständig?

Erste Ansprechpartner sind die Hausarztpraxis oder die HNO-Praxis. Bei Verdacht auf Schlafapnoe folgt eine Schlafuntersuchung.

Quellen

  1. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Schnarchen
  2. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Schlafapnoe
  3. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Obstruktive Schlafapnoe (OSA)
  4. Benjafield AV, et al. Estimation of the global prevalence and burden of obstructive sleep apnoea: a literature-based analysis. Lancet Respir Med. 2019
  5. Camacho M, et al. Myofunctional therapy to treat obstructive sleep apnea: a systematic review and meta-analysis. Sleep. 2015

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.