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Chronische Sinusitis: wenn die Nebenhöhlen nicht zur Ruhe kommen

Eine verstopfte Nase, Schleim im Rachen, Druck im Gesicht und ein schlechter Geruchssinn – und das über Monate: So zeigt sich eine chronische Sinusitis, die chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen. Sie betrifft etwa jeden zehnten Erwachsenen in Europa und beeinträchtigt Schlaf, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität. Mit einer konsequenten Behandlung lassen sich die Beschwerden meist gut kontrollieren.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 48/4809228

Wann ist eine Sinusitis chronisch?

Eine akute Sinusitis heilt meist innerhalb von zwei bis vier Wochen aus. Von einer chronischen Sinusitis spricht man, wenn die Beschwerden länger als zwölf Wochen anhalten, ohne dass sie zwischendurch vollständig verschwinden. Davon abzugrenzen ist die wiederkehrende akute Sinusitis mit mehreren Episoden pro Jahr, zwischen denen die Beschwerden abklingen.

Bei der chronischen Form handelt es sich weniger um eine dauerhafte Infektion als um eine anhaltende Entzündungsreaktion der Schleimhaut. Fachleute sprechen deshalb von chronischer Rhinosinusitis, weil Nase und Nebenhöhlen gemeinsam betroffen sind.

Symptome einer chronischen Sinusitis

  • Dauerhaft verstopfte oder behinderte Nasenatmung.
  • Nasensekret nach vorne oder nach hinten in den Rachen, oft mit Schleim im Hals und Räuspern.
  • Druck- oder Völlegefühl im Gesicht, an Stirn, Wangen oder zwischen den Augen.
  • Vermindertes Riech- und Geschmacksvermögen.
  • Kopfschmerzen, Müdigkeit und schlechter Schlaf.
  • Husten, besonders nachts und morgens.
  • Mundgeruch und Ohrendruck.

Was ist eine chronische Pansinusitis?

Von einer Pansinusitis spricht man, wenn alle Nasennebenhöhlen einer oder beider Seiten gleichzeitig entzündet sind: Kieferhöhlen, Siebbeinzellen, Stirnhöhlen und Keilbeinhöhlen. Sie ist bei der chronischen Rhinosinusitis mit Nasenpolypen häufiger. Im CT zeigt sich eine ausgedehnte Verschattung aller Höhlen. Die Behandlung folgt den gleichen Prinzipien, oft ist aber eine Operation nötig, um alle Nebenhöhlen wieder zu belüften.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Eine anhaltende Entzündungsreaktion der Schleimhaut, oft vom Typ-2-Typ wie bei Asthma.
  • Allergien und Asthma.
  • Anatomische Engstellen wie eine verkrümmte Nasenscheidewand oder vergrößerte Nasenmuscheln.
  • Rauchen und Passivrauchen, Schadstoffe am Arbeitsplatz.
  • Unverträglichkeit von Acetylsalicylsäure und anderen Schmerzmitteln.
  • Seltener: Zahnwurzelentzündungen im Oberkiefer, Immunschwäche, Mukoviszidose, Pilzerkrankungen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose beruht auf der Kombination von Beschwerden und Befund. Die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt untersucht die Nase mit einem Endoskop und sieht dabei Schwellungen, Eiter oder Polypen. Ein CT der Nasennebenhöhlen zeigt das Ausmaß der Entzündung und die Anatomie und ist vor allem vor einer Operation wichtig. Ergänzend werden ein Allergietest, ein Riechtest und gegebenenfalls eine Untersuchung auf Asthma durchgeführt. Bei einseitigen Beschwerden wird auch an eine Zahnursache oder einen Tumor gedacht.

Behandlung: was wirklich hilft

  • Nasenspülungen mit isotoner oder leicht hypertoner Salzlösung, ein- bis zweimal täglich, mit Spülkanne oder Nasendusche.
  • Kortisonhaltige Nasensprays täglich und über längere Zeit; sie wirken nach einigen Tagen bis Wochen und sind gut verträglich.
  • Kortisontabletten kurzzeitig bei Formen mit Polypen.
  • Antibiotika nur bei akuten bakteriellen Verschlechterungen; langfristige Gaben nur in Ausnahmefällen.
  • Allergiebehandlung und Rauchstopp.
  • Abschwellende Nasensprays nicht länger als eine Woche anwenden – sonst droht eine Gewöhnung mit noch stärker verstopfter Nase.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Wenn eine konsequente medikamentöse Behandlung über mehrere Monate nicht ausreichend hilft, kann eine endoskopische Nasennebenhöhlenoperation sinnvoll sein. Dabei werden die Zugänge zu den Nebenhöhlen erweitert und Polypen entfernt, damit Sekret abfließen kann und Sprays und Spülungen besser wirken. Der Eingriff erfolgt durch die Nasenlöcher, ohne sichtbare Schnitte.

Nach der Operation ist die Fortsetzung der Spülungen und Kortisonsprays wichtig. Die Operation „heilt“ die Entzündung nicht, sondern schafft bessere Bedingungen für die Behandlung.

Neue Medikamente bei schweren Formen

Bei der chronischen Rhinosinusitis mit Nasenpolypen, die trotz Operation und Kortison immer wiederkehrt, stehen Biologika zur Verfügung. Diese Antikörper hemmen gezielt die Typ-2-Entzündung und können Polypen verkleinern, Nasenatmung und Riechvermögen verbessern und weitere Operationen einsparen. Das EPOS-Positionspapier definiert Kriterien, wann sie eingesetzt werden sollten, etwa bei gleichzeitigem Asthma, häufigem Kortisonbedarf oder deutlichem Riechverlust.

Was Sie selbst tun können

  • Nasenspülungen fest in den Alltag einbauen, zum Beispiel morgens und abends.
  • Kortisonspray richtig anwenden: Kopf leicht nach vorne, Sprühkopf Richtung Außenseite der Nase, nicht zur Scheidewand.
  • Nicht rauchen und verrauchte Räume meiden.
  • Ausreichend trinken und trockene Heizungsluft vermeiden.
  • Asthma und Allergien konsequent behandeln lassen.
  • Regelmäßige HNO-Kontrollen wahrnehmen.

Mit oder ohne Nasenpolypen

Bei der chronischen Rhinosinusitis ohne Polypen stehen oft Gesichtsdruck, Sekret und verstopfte Nase im Vordergrund. Bei der Form mit Nasenpolypen wachsen gutartige Schleimhautwucherungen aus den Nebenhöhlen in die Nase; typisch sind eine stark behinderte Nasenatmung und ein ausgeprägter Riechverlust. Diese Form ist häufiger mit Asthma und einer Schmerzmittelunverträglichkeit verbunden und neigt nach einer Operation eher zu Rückfällen.

Die Unterscheidung ist wichtig, weil sich die Behandlung teilweise unterscheidet: Bei Polypen sind kurze Kortisonkuren und Biologika wichtige Optionen, ohne Polypen stehen Spülungen, Kortisonsprays und gegebenenfalls die Operation im Vordergrund.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Sinusitis ist chronisch, wenn die Beschwerden länger als zwölf Wochen anhalten.
  • Typisch sind verstopfte Nase, Sekret, Gesichtsdruck und Riechverlust.
  • Nasenspülungen und Kortisonsprays sind die Basis der Behandlung.
  • Eine Operation hilft, wenn Medikamente nicht ausreichen.
  • Schwellung am Auge, Sehstörungen oder starke Kopfschmerzen sind ein Notfall.

Häufige Fragen zur chronischen Sinusitis

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Ist eine chronische Sinusitis heilbar?

Sie lässt sich meist gut kontrollieren, verläuft aber oft langwierig. Viele Betroffene haben mit konsequenter Behandlung kaum noch Beschwerden.

Helfen Antibiotika bei chronischer Sinusitis?

Meist nicht, da es sich um eine Entzündung und nicht um eine dauerhafte Infektion handelt. Sie werden nur bei akuten bakteriellen Verschlechterungen eingesetzt.

Wie lange darf ich Kortison-Nasenspray nehmen?

Kortisonhaltige Nasensprays sind auch über lange Zeit gut verträglich, weil kaum Wirkstoff in den Körper gelangt. Die Anwendung sollte ärztlich begleitet werden.

Ist eine chronische Sinusitis ansteckend?

Nein. Die chronische Entzündung ist nicht ansteckend.

Welche Rolle spielen Allergien?

Allergien können die Schleimhaut zusätzlich reizen und die Beschwerden verstärken. Eine gezielte Allergiebehandlung ist daher sinnvoll.

Kann eine chronische Sinusitis Kopfschmerzen verursachen?

Ja, oft als Druckgefühl im Gesicht oder an der Stirn. Starke Kopfschmerzen ohne Nasenbeschwerden haben aber meist andere Ursachen.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Nasennebenhöhlenentzündung
  2. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Nasennebenhöhlenentzündung
  3. Fokkens WJ, et al. European Position Paper on Rhinosinusitis and Nasal Polyps 2020. Rhinology. 2020

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.