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Dupuytren: Knoten, krumme Finger und Behandlung

Beim Morbus Dupuytren verhärtet und schrumpft das Bindegewebe in der Handinnenfläche. Es bilden sich Knoten und Stränge, die einen oder mehrere Finger nach und nach in eine Beugestellung ziehen. Die Erkrankung ist behandelbar, aber nicht heilbar. Dieser Ratgeber erklärt nach dem Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums, den BG Kliniken und dem Patientenportal Orthinform der orthopädischen Fachgesellschaften, woran man Dupuytren erkennt, welche Behandlungen es gibt und warum Nachsorge so wichtig ist.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
6 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist Morbus Dupuytren?

In der Handinnenfläche liegt festes Bindegewebe, das unter anderem Nerven und Blutgefäße schützt. Zwischen diesem Gewebe verlaufen die Sehnen der Muskeln, mit denen man die Finger bewegt. Bei der Dupuytren-Krankheit verhärtet und schrumpft dieses Bindegewebe nach gesund.bund.de, oft über einen längeren Zeitraum immer stärker.

Orthinform beschreibt die Erkrankung als Fibromatose, also eine gutartige Wucherung des Bindegewebes unter der Haut von Handfläche und Fingern. Benannt ist sie nach dem französischen Chirurgen Guillaume Dupuytren, der sie im 19. Jahrhundert beschrieb. Im ICD-10 trägt sie den Code M72.0 (Fibromatose der Palmarfaszie). Wichtig: Nicht die Sehne selbst ist krank, sondern das Bindegewebe um sie herum.

Knoten, Stränge und krumme Finger

Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend. Typisch ist nach den Quellen dieser Verlauf:

  • zuerst kleine, meist schmerzlose Knötchen oder Verhärtungen in der Handfläche, die sich nicht verschieben lassen,
  • später Stränge aus Bindegewebe, die von der Handfläche in die Finger ziehen,
  • zunehmende Beugestellung: Ein oder mehrere Finger lassen sich nicht mehr vollständig strecken,
  • Schwierigkeiten im Alltag, etwa beim Greifen, beim Händegeben oder beim Herausholen eines Schlüssels aus der Tasche.

Besonders häufig sind nach den BG Kliniken Ring- und Kleinfinger betroffen. Nach gesund.bund.de können im Verlauf auch Nerven oder Blutgefäße an der Hand geschädigt werden; dann sind Schmerzen möglich.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursache der Dupuytren-Krankheit ist nach gesund.bund.de noch nicht genau geklärt. Orthinform nennt Faktoren, die als Risikofaktoren gelten:

  • genetische Veranlagung,
  • männliches Geschlecht und ein Alter über 40 Jahre,
  • europäische Abstammung,
  • Diabetes, Lebererkrankungen und bestimmte Medikamente.

Nach den BG Kliniken leiden in Deutschland schätzungsweise 1,3 bis 1,9 Millionen Menschen an der Erkrankung; Männer sind drei- bis viermal häufiger betroffen als Frauen, und die Häufigkeit steigt mit dem Alter. Alkohol wird oft als Auslöser genannt; die hier genutzten Quellen führen ihn jedoch nicht als Ursache auf. Niemand ist an seinem Dupuytren „schuld“.

Verlauf und Stadien

Die Erkrankung verläuft nach den BG Kliniken in Schüben, die sich nicht voraussagen lassen. Medizinisch spricht man von einer fortschreitenden (progredienten) Beugekontraktur. Bei manchen Menschen bleibt es lange bei einem kleinen Knoten, bei anderen nimmt die Beugung zügiger zu.

Die Behandlung richtet sich nach Orthinform nach dem Stadium und dem Ausmaß der Beschwerden. In milden Fällen kann eine regelmäßige Beobachtung ausreichen. Eine Rückbildung von selbst beschreiben die Quellen nicht; sie bezeichnen Morbus Dupuytren als chronische Erkrankung, die eine langfristige Betreuung erfordert.

Wie die Diagnose gestellt wird

Erste Anzeichen bemerken Betroffene oft selbst, die Diagnose stellt aber eine Ärztin oder ein Arzt. Nach Orthinform genügt dafür meist eine körperliche Untersuchung der Hand, bei der Knoten, Stränge und die Beweglichkeit der Finger beurteilt werden. In einigen Fällen helfen bildgebende Verfahren, den Schweregrad einzuschätzen.

Nicht jeder Knoten in der Hand ist ein Dupuytren, und nicht jeder Finger, der sich nicht strecken lässt, hat diese Ursache. Lässt sich ein Finger etwa nach einer Verletzung plötzlich nicht mehr bewegen, kann eine Sehne betroffen sein. Deshalb sollte jede neue Veränderung ärztlich angesehen werden.

Behandlung im frühen Stadium

In den Anfangsstadien sind nach den BG Kliniken individuell angepasste Schienen, spezielle handtherapeutische Verfahren und eine Bestrahlung mögliche Behandlungsoptionen. Ob eine Bestrahlung im Einzelfall sinnvoll ist, entscheiden Fachärztinnen und Fachärzte.

Am Anfang steht eine umfassende Aufklärung: Betroffene sollen lernen, die Finger beweglich und die Haut verschiebbar zu halten. Der Handtherapeut der BG Kliniken empfiehlt, sich nach der Diagnose an spezialisierte Handtherapeutinnen oder Handtherapeuten zu wenden. Diese Behandlungen wirken unterstützend; sie lösen Knoten oder Stränge nicht auf. Finger sollten nie gewaltsam gestreckt werden.

Operation und andere Eingriffe

Schreitet die Krankheit fort und schränkt die Feinmotorik der Hand stark ein, ist nach den BG Kliniken eine Operation angezeigt. Es gibt zwei Grundformen:

  • Fasziotomie: Der verhärtete Strang wird durchtrennt oder durch eine Enzym-Injektion (Kollagenase) örtlich aufgelöst; das Stranggewebe bleibt in der Hand.
  • Fasziektomie: Das Stranggewebe wird operativ entfernt. Die BG Kliniken bezeichnen sie als Goldstandard; weil der Strang zwischen feinen Nerven und Gefäßen verläuft, erfordert sie hohe mikrochirurgische Erfahrung.

Die Injektion ist nach Orthinform nicht für alle geeignet und kann Nebenwirkungen haben. Welches Verfahren passt, legt die Handchirurgin oder der Handchirurg fest. Eine Vorstellung in einer handchirurgischen Sprechstunde ist nach den BG Kliniken neben der Handtherapie sinnvoll.

Nach der Operation: Handtherapie und Schiene

Damit die gewonnene Streckung erhalten bleibt, sollte die Therapie zeitnah beginnen; die BG Kliniken starten ab dem ersten Tag nach dem Eingriff. In den ersten Tagen stehen Übungen für das Gleiten der Beugesehnen, abschwellende Maßnahmen wie Lymphdrainage und die Hautpflege im Vordergrund. In übungsfreien Zeiten wird eine individuell angefertigte Schiene getragen.

Danach ist eine intensive Rehabilitation über mehrere Monate nötig, um Kraft und Ausdauer der Handmuskulatur wieder aufzubauen und Missempfindungen zu verringern. Wie lange eine Schiene getragen wird, legt das Behandlungsteam fest. Ist die Nachbehandlung ärztlich verordnet, begleiten wir sie in unserer Praxis für Physiotherapie in Bilbao (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Für den Arzttermin hilft ein kurzes Funktionsprotokoll, ohne in Gradzahlen zu messen oder Finger zu dehnen: welche Finger betroffen sind, welche Tätigkeiten schwerfallen, etwa Händegeben, Handschuhe anziehen oder in die Hosentasche greifen, und was sich seit dem letzten Termin verändert hat.

Wo die Quellen unterschiedlich gewichten

Die Quellen sind sich einig, dass Morbus Dupuytren nicht heilbar ist und nach einer Behandlung wiederkommen kann. Unterschiede gibt es bei der Rolle der Übungen: Orthinform schreibt, physiotherapeutische Übungen und Handtherapie könnten in frühen Stadien die Beweglichkeit verbessern und die Versteifung verzögern. Die BG Kliniken formulieren zurückhaltender: Handtherapie wirke unterstützend, der schubweise Verlauf lasse sich aber nicht voraussagen.

Auch bei den Eingriffen setzen die Quellen andere Akzente. Die BG Kliniken nennen die Fasziektomie den Goldstandard, Orthinform beschreibt die Injektion als nicht-operative Alternative, die nicht für alle geeignet ist. Zur Rückfallvorbeugung nennt Orthinform zusätzliche Maßnahmen, deren Nutzen im Einzelfall ärztlich abgewogen werden muss. Feste Zeitpläne für Schienen aus einer einzelnen Klinik lassen sich nicht auf alle übertragen.

Morbus Dupuytren im Überblick

  • Bindegewebe in der Hohlhand verhärtet und schrumpft; Knoten und Stränge ziehen Finger in Beugung.
  • Die genaue Ursache ist ungeklärt; Veranlagung, Geschlecht, Alter und einige Erkrankungen erhöhen das Risiko.
  • Der Verlauf ist schubweise und nicht vorhersagbar.
  • Frühe Stadien: Beobachtung, Handtherapie, Schienen, in Einzelfällen Bestrahlung.
  • Bei starker Einschränkung: Fasziotomie oder Fasziektomie, danach monatelange Handtherapie.
  • Rückfälle sind möglich; regelmäßige Kontrollen gehören dazu.

Häufige Fragen zu Morbus Dupuytren

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was sind die Auslöser für Morbus Dupuytren?

Die genaue Ursache ist nicht geklärt. Als Risikofaktoren gelten genetische Veranlagung, männliches Geschlecht, ein Alter über 40, europäische Abstammung sowie Diabetes, Lebererkrankungen und bestimmte Medikamente.

Was kann man gegen Dupuytren tun?

Das hängt vom Stadium ab. Früh kommen Beobachtung, Handtherapie, Schienen und in manchen Fällen eine Bestrahlung infrage. Schränkt die Beugung die Hand stark ein, kann eine Operation nötig sein, gefolgt von mehrmonatiger Handtherapie. Finger nicht gewaltsam strecken.

Kann sich Dupuytren zurückbilden?

Eine Rückbildung von selbst beschreiben die genutzten Quellen nicht. Die Erkrankung verläuft in nicht vorhersagbaren Schüben; manche Menschen haben lange nur einen kleinen Knoten. Massage oder Übungen lösen Knoten und Stränge nicht auf.

Ist Morbus Dupuytren heilbar?

Nein. Er ist gut behandelbar, aber nicht heilbar. Auch nach einer erfolgreichen Operation kann sich das Gewebe erneut verhärten; dann wird geprüft, ob ein weiterer Eingriff möglich ist.

Ist ein Knoten in der Hand immer Dupuytren?

Nein. Knoten in der Hand können verschiedene Ursachen haben, und ein Finger, der sich nicht mehr strecken lässt, kann zum Beispiel auch auf eine Sehnenverletzung zurückgehen. Die Unterscheidung trifft eine Ärztin oder ein Arzt bei der Untersuchung.

Warum kann die Erkrankung wiederkommen?

Weil die Veranlagung bestehen bleibt: Eine Operation entfernt oder durchtrennt das veränderte Gewebe, beseitigt aber nicht die Ursache. Deshalb sind nach den Quellen Rückfälle möglich und regelmäßige Nachuntersuchungen empfehlenswert.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · ICD-10-Code M72.0: Fibromatose der Palmarfaszie [Dupuytren-Kontraktur]
  2. BG Kliniken (BG Klinikum Hamburg) · Morbus Dupuytren: Wenn die Finger krumm werden
  3. Orthinform (BVOU/DGOU) · Morbus Dupuytren

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.