Was ist Epilepsie?
Bestimmte Hirnbereiche steuern Bewegungen, andere Sprache, Gefühle oder Wahrnehmungen. Milliarden Nervenzellen arbeiten dabei über elektrische und chemische Signale zusammen. Bei einem epileptischen Anfall ist dieses Zusammenspiel zeitweise gestört: Einzelne Bereiche oder das ganze Gehirn werden übermäßig aktiv – man spricht auch von einem „Gewitter im Gehirn“.
Von einer Epilepsie spricht man, wenn wiederholt Anfälle ohne erkennbaren Auslöser auftreten oder wenn nach einem Anfall das Risiko für weitere deutlich erhöht ist. Das betrifft nach gesund.bund.de knapp einen von 100 Menschen. Rechnet man gelegentliche Anfälle hinzu, haben etwa 10 von 100 Menschen irgendwann im Leben mindestens einen epileptischen Anfall.
Epilepsie kann in jedem Alter beginnen. Viele haben ihren ersten Anfall als Kind; zwischen 40 und 59 Jahren ist ein erster Anfall etwas seltener, danach werden Neuerkrankungen wieder häufiger. Zwischen den Anfällen haben die meisten keine körperlichen Beschwerden, die Sorge vor dem nächsten Anfall belastet aber viele.
Welche Formen von Anfällen gibt es?
Anfälle können sehr unterschiedlich aussehen. gesundheitsinformation.de unterscheidet für das Helfen vor allem:
- Kleinere Anfälle: Die Person ist nur kurz abwesend oder hat Muskelzuckungen, manchmal bleibt der Anfall fast unbemerkt.
- Anfälle mit Bewusstseinsstörung: Das Bewusstsein ist eingeschränkt, die Person wirkt verwirrt oder orientierungslos und verhält sich auffällig.
- Große Anfälle: Der ganze Körper verkrampft, die Person stürzt und verliert das Bewusstsein.
Ärztlich unterscheidet man außerdem Anfälle, die von einem bestimmten Hirnbereich ausgehen (fokale Anfälle), sowie seltene spezielle Formen, die als Epilepsie-Syndrome bezeichnet werden. Nicht jeder Krampfanfall ist eine Epilepsie: Bei einem Gelegenheitsanfall gibt es einen erkennbaren Anlass.
Was sind die Anzeichen eines epileptischen Anfalls?
Ein Anfall kann sich als Zucken eines Arms oder Beins zeigen, aber auch als Krampf am ganzen Körper. Er kann nach wenigen Sekunden vorbei sein oder sogar unbemerkt bleiben. Manche Betroffene bleiben bei vollem Bewusstsein, andere sind kurz abwesend, wieder andere werden bewusstlos. Während eines großen Anfalls kann es passieren, dass sich die Person auf die Zunge beißt oder ungewollt Urin abgeht.
Meist beginnt ein Anfall plötzlich und ist nach 1 oder 2 Minuten wieder vorbei. Danach brauchen manche Menschen Zeit, um wieder zu sich zu kommen, sind sehr müde oder verunsichert. Viele sind nach wenigen Minuten völlig wiederhergestellt.
Die Quellen beschreiben keine verlässlichen „ersten Anzeichen“, an denen man eine beginnende Epilepsie zuverlässig erkennt. Wer einen Anfall erlebt oder beobachtet hat, sollte ihn ärztlich abklären lassen.
Was ist der Auslöser von Epilepsie?
Oft lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen. Mögliche Ursachen sind nach gesund.bund.de:
- Verletzungen des Gehirns
- Entzündungen der Hirnhaut oder des Gehirns
- Schlaganfälle
- Tumoren
Liegt eine solche Ursache vor, spricht man von einer symptomatischen Epilepsie. Außerdem gibt es Hinweise auf eine erbliche Veranlagung, weil Epilepsie in manchen Familien über Generationen auftritt.
Die Ursache beeinflusst das Risiko für weitere Anfälle: Bei einer bekannten Ursache wie einer Gehirnerkrankung ist es nach gesund.bund.de etwa doppelt so hoch wie bei unbekannter Ursache oder erblicher Veranlagung.
Erster Anfall, Behandlung und Alltag
Ein einzelner Anfall ist noch keine Epilepsie. Viele Menschen haben nur einmal im Leben einen Anfall. Nach einem ersten Anfall erlebt etwa die Hälfte einen zweiten; nach dem zweiten haben etwa 7 von 10 Betroffenen innerhalb der nächsten Jahre einen weiteren. Das sind Durchschnittswerte, das persönliche Risiko hängt stark von der Ursache ab.
Ein erster Anfall sollte immer ärztlich abgeklärt werden; nach gesundheitsinformation.de ist bei einem bekannten ersten Anfall der Notruf angezeigt. Normalerweise wird erst nach einem zweiten Anfall mit einer Dauerbehandlung begonnen. Ist das Risiko für weitere Anfälle erhöht, etwa bei einer Gehirnerkrankung, kann eine Behandlung schon nach dem ersten Anfall sinnvoll sein – das wird mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen.
Behandlung: Meist werden Medikamente zur Anfallsvorbeugung (Antiepileptika) aus verschiedenen Wirkstoffgruppen eingesetzt. Reicht eine niedrige Dosis nicht, wird sie erhöht, ein anderes Mittel versucht oder kombiniert. Die Medikamente werden meist mehrere Jahre eingenommen. Manche Menschen bleiben auch nach dem Absetzen anfallsfrei, andere nur, solange sie die Medikamente nehmen; bei etwa 3 von 10 kommt es trotz verschiedener Behandlungen regelmäßig zu Anfällen. Dann kommen ein Eingriff infrage – etwa die Entfernung eines Hirnbereichs, der fokale Anfälle auslöst, was nicht immer möglich ist – oder eine Vagusnerv-Stimulation, für deren Nutzen es bisher nur wenige aussagekräftige Studien gibt.
Alltag: Eine begleitende Psychotherapie kann helfen, mit der Erkrankung zurechtzukommen und die Lebensqualität zu verbessern; ob sie Anfälle verringert, ist nicht geklärt. In unserer Praxis in Bilbao bieten wir eine Sprechstunde für Neurophysiologie zur nicht dringenden Orientierung an. Diagnose und Behandlung einer Epilepsie gehören in neurologische Hände (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Wie wird Epilepsie festgestellt?
Meist wird eine Epilepsie diagnostiziert, wenn es zu mindestens zwei Anfällen im Abstand von mindestens 24 Stunden gekommen ist und kein Hinweis auf einen Gelegenheitsanfall besteht. Sie kann aber auch schon nach einem Anfall festgestellt werden, wenn das Risiko für einen zweiten deutlich erhöht ist.
Am wichtigsten ist die Vorgeschichte: Wann, in welcher Situation und wie ist der Anfall abgelaufen? Weil sich Betroffene oft schlecht erinnern, hilft es, wenn jemand, der den Anfall miterlebt hat, mit zur Untersuchung kommt. Weitere Schritte sind:
- körperliche und neurologische Untersuchung sowie eine Blutuntersuchung
- ein Elektroenzephalogramm (EEG), das die Hirnströme misst; bestimmte Muster deuten auf ein erhöhtes Anfallsrisiko hin
- in der Regel eine Magnetresonanztomografie (MRT), um Veränderungen im Gehirn zu erkennen
- falls sinnvoll eine Untersuchung des Hirnwassers (Lumbalpunktion), meist bei Verdacht auf eine Entzündung
Ein EEG allein reicht nach gesund.bund.de nicht aus, um eine Epilepsie festzustellen. Ein Teil der Untersuchungen findet oft im Krankenhaus statt; es gibt Ambulanzen und Kliniken, die auf Epilepsie spezialisiert sind.
Was tun, wenn jemand einen Anfall hat?
Am wichtigsten ist, ruhig zu bleiben und die Person vor Verletzungen zu schützen. Die meisten Anfälle sind nicht gefährlich und nach wenigen Minuten vorbei. Bei einem großen Anfall empfiehlt gesundheitsinformation.de:
- Vor Verletzungen schützen: vor allem den Kopf, etwa mit einer Jacke oder einem Kissen; Brille abnehmen, gefährliche Gegenstände wegräumen.
- Nicht festhalten: Die Person nicht zu Boden drücken; dem Anfall möglichst seinen Lauf lassen.
- Nichts in den Mund: Den Mund nicht öffnen und keinen Gegenstand zwischen die Zähne schieben, auch wenn ein Zungenbiss möglich ist. Enge Kleidung am Hals lockern.
- Dableiben und die Zeit messen: Die Person nicht allein lassen und auf die Uhr schauen.
- Nach dem Anfall: Prüfen, ob die Atemwege frei sind; wer schläfrig ist, in die stabile Seitenlage bringen. Orientierung geben, Schamgefühle achten, Schaulustige fernhalten, bei Bedarf mit einer Decke schützen.
Bei Anfällen mit Verwirrtheit gilt es zu verhindern, dass sich die Person in Gefahr begibt, etwa auf die Straße läuft – ruhig, ohne Gewalt und ohne hartes Anfassen. Bei kleinen Anfällen hilft es, beizustehen und Sicherheit zu geben. Genaue Beobachtungen zum Ablauf helfen später bei der Diagnose.
Wann ist ein Anfall ein Notfall?
Nicht nach jedem großen Anfall muss der Rettungsdienst kommen: Geht er schnell vorüber und kommt die Person rasch wieder zu sich, kann man mit ihr besprechen, ob ärztliche Hilfe nötig ist. Den Notruf 112 wählen sollte man nach gesundheitsinformation.de, wenn:
- der Anfall länger als fünf Minuten dauert
- mehrere Anfälle hintereinander auftreten
- bekannt ist, dass es der erste Anfall war
- die Person nicht wieder zu sich kommt
Ein Anfall, der länger als fünf Minuten dauert, heißt Status epilepticus und muss zügig mit Medikamenten behandelt werden. Die Fünf-Minuten-Grenze ist eine Orientierung für Helfende; bei Atemproblemen nach dem Anfall oder wenn man unsicher ist, sollte man nicht warten.
Notfallausweis und Notfallmedikament: Manche Betroffene tragen einen Epilepsie-Notfallausweis mit Angaben zu Erkrankung, Medikamenten und Kontaktpersonen bei sich, manche auch ein ärztlich verordnetes Notfallmedikament. Es sollte nur nach dem persönlichen Notfallplan und von Personen gegeben werden, die darin eingewiesen sind.
Wo sich die Quellen unterscheiden
gesund.bund.de (Stand 18.10.2024) und gesundheitsinformation.de (aktualisiert am 05.04.2023) entstehen in Zusammenarbeit mit dem IQWiG und sind keine unabhängigen Quellen. Sie ergänzen sich aber:
- Wann 112? gesund.bund.de nennt Anfälle über fünf Minuten und mehrere Anfälle kurz hintereinander. gesundheitsinformation.de ergänzt den bekannten ersten Anfall und den Fall, dass die Person nicht wieder zu sich kommt.
- Bleibende Schäden: Die Zusammenfassung von gesund.bund.de sagt, ein Anfall verursache keine bleibenden Schäden; dieselbe Seite beschreibt den Status epilepticus aber als Notfall, der zügig behandelt werden muss, und nennt Verletzungen als Gefahr.
- Diagnose: Die Zusammenfassung von gesund.bund.de spricht nur bei wiederholten Anfällen von Epilepsie; im Text heißt es, dass sie bei deutlich erhöhtem Risiko auch nach einem Anfall diagnostiziert werden kann.
- Schwerpunkte: gesund.bund.de beschreibt Ursachen, Diagnose und Behandlung ausführlich; gesundheitsinformation.de konzentriert sich auf das richtige Verhalten von Helfenden.
Zusammenfassung
Epilepsie bedeutet wiederholte epileptische Anfälle durch eine zeitweise Überaktivität im Gehirn. Anfälle reichen vom kurzen Zucken bis zum großen Krampf mit Bewusstlosigkeit; ein einzelner Anfall ist noch keine Epilepsie. Die Diagnose stützt sich vor allem auf die genaue Beschreibung der Anfälle, dazu auf Untersuchung, Blutwerte, EEG und MRT – ein EEG allein genügt nicht.
Behandelt wird meist mit Medikamenten zur Anfallsvorbeugung, die individuell angepasst und oft mehrere Jahre eingenommen werden; bei weiter auftretenden Anfällen kommen Operation oder Vagusnerv-Stimulation infrage. Helfende bleiben ruhig, schützen vor Verletzungen, halten nicht fest, schieben nichts in den Mund und messen die Zeit. Bei langen oder gehäuften Anfällen, einem ersten Anfall oder fehlendem Erwachen: 112.
Häufige Fragen zur Epilepsie
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Was passiert, wenn man Epilepsie hat?
Es kommt wiederholt zu Anfällen, weil Hirnbereiche zeitweise zu viele Signale senden. Zwischen den Anfällen haben die meisten keine Beschwerden. Mit Behandlung sind viele über Jahre anfallsfrei, etwa 3 von 10 haben trotz Behandlung weiter regelmäßig Anfälle.
Was ist der Auslöser von Epilepsie?
Oft lässt sich keine Ursache finden. Möglich sind Verletzungen, Entzündungen des Gehirns oder der Hirnhaut, Schlaganfälle oder Tumoren; außerdem gibt es eine erbliche Veranlagung.
Was sind die ersten Anzeichen einer Epilepsie?
Verlässliche Frühzeichen nennen die Quellen nicht. Ein erster Anfall kann sich als Zucken, kurze Abwesenheit oder Krampf mit Bewusstlosigkeit zeigen und sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
Wie lange kann man mit Epilepsie leben?
Eine Zahl zur Lebenserwartung nennen die Quellen nicht. Die meisten Anfälle sind nach wenigen Minuten vorbei; gefährlich sind lange oder gehäufte Anfälle und Verletzungen. Wie der Verlauf aussieht, hängt von Form und Ursache ab.
Reicht ein EEG zur Diagnose?
Nein. Ein EEG kann Hinweise auf ein erhöhtes Anfallsrisiko geben, reicht aber allein nicht aus. Entscheidend ist die Beschreibung der Anfälle, ergänzt durch Untersuchung, Blutwerte und meist eine MRT.
Darf ich Medikamente selbst absetzen?
Nein. Manche Menschen bleiben auch nach dem Absetzen anfallsfrei, andere nicht. Ob und wie Medikamente reduziert werden können, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit, mit IQWiG): Epilepsie: Ursachen, Diagnose und Behandlung, Stand 18.10.2024
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · gesundheitsinformation.de (IQWiG): Was tun, wenn jemand einen epileptischen Anfall hat?, aktualisiert am 05.04.2023
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
