Was ist eine Mandelentzündung?
Die Gaumenmandeln sitzen rechts und links im Rachen und gehören zum Abwehrsystem. Bei einer Mandelentzündung sind sie gerötet, geschwollen und schmerzen beim Schlucken. Oft kommen Fieber, Kopfschmerzen, geschwollene Lymphknoten am Hals und Mundgeruch hinzu. Bei der eitrigen Mandelentzündung zeigen sich gelblich-weiße Stippchen oder Beläge auf den Mandeln. Allgemeine Informationen finden Sie im Ratgeber Mandeln.
Viren oder Bakterien?
Die meisten Mandelentzündungen werden durch Viren verursacht, etwa Erkältungsviren, Adenoviren oder das Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber). Bei etwa einem Drittel der Kinder und einem kleineren Teil der Erwachsenen sind Bakterien die Ursache, vor allem Streptokokken der Gruppe A. Am Aussehen allein lässt sich das nicht sicher unterscheiden. Eine eitrige Mandelentzündung ist nicht automatisch bakteriell.
Wie wird eine Mandelentzündung übertragen?
- Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen und Sprechen.
- Enger Kontakt, etwa Küssen.
- Gemeinsam benutzte Gläser, Besteck oder Zahnbürsten.
- Hände, die Erreger von Oberflächen an Mund und Nase bringen.
Nicht jeder, der sich ansteckt, bekommt eine Mandelentzündung. Manche entwickeln nur eine leichte Erkältung oder gar keine Beschwerden.
Wie lange ist man ansteckend?
- Bakterielle Angina (Streptokokken): bis etwa 24 Stunden nach Beginn einer wirksamen Antibiotikabehandlung. Ohne Antibiotika kann die Ansteckungsfähigkeit zwei bis drei Wochen bestehen.
- Virale Mandelentzündung: meist so lange, wie Beschwerden bestehen, oft etwa eine Woche.
- Pfeiffersches Drüsenfieber: Das Virus wird noch Wochen bis Monate im Speichel ausgeschieden.
Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Beschwerden, beträgt bei Streptokokken meist zwei bis vier Tage.
Wie wird festgestellt, ob Bakterien dahinterstecken?
Die Ärztin beurteilt Fieber, Beläge, geschwollene Lymphknoten und fehlenden Husten, denn Husten spricht eher für Viren. Mit diesen Kriterien lässt sich die Wahrscheinlichkeit einer Streptokokken-Infektion einschätzen. Ein Schnelltest aus einem Rachenabstrich liefert innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis. Bei Verdacht auf Pfeiffersches Drüsenfieber hilft ein Bluttest.
Wann sind Antibiotika nötig?
Antibiotika helfen nur gegen Bakterien. Bei nachgewiesener Streptokokken-Angina werden sie meist verordnet, typischerweise Penicillin über sieben bis zehn Tage. Sie verkürzen die Erkrankung um etwa einen Tag, verringern die Ansteckungsdauer und senken das Risiko für Komplikationen. Bei viralen Mandelentzündungen sind Antibiotika wirkungslos. Wichtig: Nehmen Sie verordnete Antibiotika wie besprochen bis zum Ende ein.
Was lindert die Beschwerden?
- Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol nach Packungsbeilage.
- Viel trinken, lauwarme oder kühle Getränke werden oft besser vertragen.
- Weiche, nicht zu heiße oder scharfe Speisen.
- Lutschtabletten und Gurgeln mit Salzwasser.
- Ruhe und ausreichend Schlaf.
- Kühle Halswickel, wenn sie als angenehm empfunden werden.
Mehr Tipps finden Sie im Ratgeber Halsschmerzen.
Andere vor Ansteckung schützen
- In die Armbeuge husten und niesen.
- Regelmäßig Hände waschen, besonders vor dem Essen und nach dem Naseputzen.
- Keine Gläser, Besteck oder Handtücher teilen.
- Auf Küssen und engen Körperkontakt verzichten, solange Sie ansteckend sind.
- Zahnbürste nach einer Streptokokken-Angina austauschen.
- Bei Fieber zu Hause bleiben.
Kita, Schule und Arbeit
Kinder mit Streptokokken-Angina dürfen Gemeinschaftseinrichtungen in der Regel 24 Stunden nach Beginn der Antibiotikabehandlung und bei gutem Allgemeinzustand wieder besuchen. Ohne Antibiotika ist eine längere Pause nötig, Details regelt das Gesundheitsamt beziehungsweise die Einrichtung. Erwachsene sollten zu Hause bleiben, solange sie Fieber haben und sich krank fühlen. In Berufen mit engem Kontakt zu Kindern, Kranken oder Lebensmitteln gelten teilweise besondere Regeln.
Mögliche Komplikationen
Selten breitet sich die Entzündung in das Gewebe neben der Mandel aus und bildet einen Abszess (Peritonsillarabszess). Typisch sind zunehmende einseitige Schmerzen, Kieferklemme und eine kloßige Sprache. Dann ist eine rasche HNO-ärztliche Behandlung nötig. Sehr selten treten nach Streptokokken-Infektionen Folgeerkrankungen an Herz, Gelenken oder Nieren auf. In Deutschland sind diese heute sehr selten.
Wenn die Mandelentzündung immer wiederkommt
Bei häufigen Mandelentzündungen, etwa sieben oder mehr Episoden in einem Jahr, lohnt sich ein Gespräch über eine Mandeloperation. Dabei werden die Mandeln ganz entfernt (Tonsillektomie) oder teilweise verkleinert (Tonsillotomie). Die Entscheidung hängt von der Häufigkeit, der Schwere und der Belastung im Alltag ab.
Sonderfall Pfeiffersches Drüsenfieber
Das Epstein-Barr-Virus verursacht eine Mandelentzündung mit dicken, grauweißen Belägen, starker Müdigkeit, geschwollenen Lymphknoten am ganzen Hals und manchmal einer vergrößerten Milz. Es wird vor allem über Speichel übertragen und wird daher auch Kusskrankheit genannt. Antibiotika helfen nicht, manche können sogar einen Hautausschlag auslösen. Wegen der Milz sollte mehrere Wochen auf Kontaktsport verzichtet werden.
Ansteckung in der Familie vermeiden
In Familien verbreiten sich Mandelentzündungen leicht. Getrennte Handtücher, regelmäßiges Lüften und Händewaschen helfen. Wenn mehrere Familienmitglieder immer wieder an Streptokokken-Angina erkranken, kann die Ärztin prüfen, ob jemand die Bakterien ohne Beschwerden trägt. Eine routinemäßige Behandlung von beschwerdefreien Trägern wird aber in der Regel nicht empfohlen.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Mandelentzündung ist ansteckend, meist durch Viren, seltener durch Streptokokken.
- Bei Streptokokken endet die Ansteckungsfähigkeit etwa 24 Stunden nach Beginn der Antibiotika.
- Bei Viren besteht Ansteckungsgefahr meist, solange Beschwerden bestehen.
- Händewaschen, Husten in die Armbeuge und Abstand schützen andere.
Häufige Fragen zur Ansteckung bei Mandelentzündung
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Ist eine eitrige Mandelentzündung ansteckend?
Ja, egal ob Viren oder Bakterien die Ursache sind.
Wie lange ist man mit Antibiotika ansteckend?
Bei Streptokokken meist bis etwa 24 Stunden nach Beginn der Behandlung.
Kann ich mich beim Küssen anstecken?
Ja, enger Kontakt und Speichel übertragen die Erreger leicht.
Darf ich mit Mandelentzündung arbeiten?
Mit Fieber und starkem Krankheitsgefühl nicht. Bei Streptokokken frühestens 24 Stunden nach Beginn der Antibiotika.
Können Erwachsene sich bei Kindern anstecken?
Ja, Mandelentzündungen werden in Familien häufig weitergegeben.
Ist eine Mandelentzündung ohne Fieber ansteckend?
Ja, auch leichte Verläufe können ansteckend sein.
Kann man ohne Mandeln eine Mandelentzündung bekommen?
Nein, aber eine Rachenentzündung mit denselben Erregern ist weiterhin möglich.
Sollte ich die Zahnbürste wechseln?
Nach einer Streptokokken-Angina ist das eine einfache, sinnvolle Maßnahme.
Ist eine Mandelentzündung bei Babys ansteckend?
Ja, die Erreger sind in jedem Alter ansteckend; bei Säuglingen mit Fieber sollte frühzeitig ärztlich untersucht werden.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Mandelentzündung
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Mandelentzündung
- Spinks A, et al. Antibiotics for treatment of sore throat in children and adults. Cochrane Database Syst Rev. 2021
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
