Was ist eine Unterzuckerung?
Unsere Zellen brauchen Zucker (Glukose) als Hauptenergiequelle für Gehirn und Muskeln. Das Hormon Insulin bringt die Glukose in die Zellen. Bei einer Unterzuckerung fällt der Blutzucker in einen zu niedrigen Bereich, sodass Symptome wie Schwitzen, Zittern und Hungergefühl bis hin zu Bewusstseinstrübungen auftreten. Medizinisch spricht man von einer Hypoglykämie, kurz „Hypo“.
Am häufigsten betroffen sind Menschen mit Diabetes, die Insulin spritzen oder bestimmte blutzuckersenkende Tabletten einnehmen, zum Beispiel Sulfonylharnstoffe. Bei Typ-1-Diabetes kommen leichte Unterzuckerungen nach diabinfo vergleichsweise häufig vor. Werden die Anzeichen rechtzeitig bemerkt, lassen sie sich mit Kohlenhydraten in der Regel gut behandeln.
Ab welchem Wert spricht man von Unterzucker?
Eine feste Grenze, ab der Anzeichen auftreten, gibt es nach diabinfo nicht. Nach der Definition der Amerikanischen Diabetes-Gesellschaft (ADA) liegt eine Unterzuckerung bei Werten unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) vor; Beschwerden können sich aber schon früher oder erst bei niedrigeren Werten bemerkbar machen.
Die Malteser nennen für gesunde Menschen einen Blutzucker meist zwischen 60 und 140 mg/dl (3,3 bis 7,8 mmol/l) und sprechen von Unterzuckerung unter 60 mg/dl (3,3 mmol/l). Die beiden Werte sind also kein einheitlicher Konsens; welcher Zielbereich für Sie gilt, legt Ihr Behandlungsteam fest.
Wie äußert sich eine Unterzuckerung?
Die Anzeichen sind von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Zu den häufigsten gehören nach beiden Quellen:
- Zittern und Schwitzen
- Heißhunger und Herzklopfen
- Gesichtsblässe
- Verwirrtheit und Orientierungslosigkeit
- Sprach- und Sehstörungen
Die Malteser nennen außerdem Unruhe und Reizbarkeit, ein flaues Gefühl im Magen, Angst, Übelkeit, Schwindel, Schläfrigkeit, Wesensveränderungen, Bewusstseinstrübung und Krämpfe. Je tiefer und schneller der Blutzucker sinkt, desto stärker sind normalerweise die Beschwerden.
Leichte und schwere Unterzuckerung
Eine leichte Unterzuckerung wird nach den Maltesern in der Regel gut und ohne schädliche Folgen überstanden. Eine schwere Unterzuckerung kann zur Bewusstlosigkeit und zu Krämpfen führen und ist lebensbedrohlich. Entscheidend für die Erste Hilfe ist, ob die Person wach ist und sicher schlucken kann.
Wer häufig unterzuckert, bemerkt die Anzeichen nach diabinfo mitunter immer später und erst bei sehr tiefen Werten (Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung). Ein spezielles Training kann helfen, die Wahrnehmungsschwelle wieder zu erhöhen; sprechen Sie Ihr Diabetes-Team darauf an. Ein Diabetes-Notfallausweis informiert Helfende über die Erkrankung und die Medikamente.
Ursachen bei Diabetes
- zu wenig Kohlenhydrate, etwa durch eine ausgelassene Mahlzeit
- Bewegung und Sport, auch länger dauernde Alltagsaktivität; noch Stunden später ist eine Unterzuckerung möglich
- zu viel Insulin, verwechselte Insulinart oder zu früh vor dem Essen gespritzt; Insulin versehentlich in den Muskel gespritzt
- bestimmte blutzuckersenkende Tabletten, zum Beispiel Sulfonylharnstoffe
- Alkohol, vor allem abends: Gefahr einer Unterzuckerung im Schlaf
- Wärme, die Insulin schneller ins Blut übergehen lässt; nach einer Gewichtsabnahme kann weniger Insulin nötig werden
Bei Systemen zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) kann der angezeigte Wert bei schnellen Schwankungen verzögert sein. diabinfo empfiehlt dann eine Messung aus der Fingerbeere.
Kann man ohne Diabetes unterzuckert sein?
Ja, aber selten. Auch ohne Diabetes können niedrige Werte zu Zittern, Blässe, Herzklopfen oder Hungerattacken führen; schlanke Menschen berichten nach diabinfo häufiger davon. Normalerweise hilft sich der stoffwechselgesunde Körper selbst: Die Leber setzt gespeicherten Zucker frei. Mögliche Auslöser sind Alkohol oder Kaffee, lange und anstrengende Sporteinheiten und kohlenhydratreiche Mahlzeiten, die den Blutzucker schnell steigen und viel Insulin ausschütten lassen.
Meist sind solche Beschwerden ungefährlich. Zu viele Kohlenhydrate als Gegenmaßnahme können aber erneut zu viel Insulin auslösen. Günstig sind langsam verwertbare, ballaststoffreiche Kohlenhydrate oder Kohlenhydrate zusammen mit Eiweiß und Fett, etwa Reis mit Gemüse und Fisch. Treten die Symptome häufiger auf, können andere Erkrankungen dahinterstehen, etwa ein Hormonmangel wie eine Nebenniereninsuffizienz oder selten ein insulinbildender Tumor der Bauchspeicheldrüse. Sprechen Sie wiederkehrende Episoden ärztlich an.
Was hilft sofort bei Unterzucker?
Nur wenn die Person wach ist und sicher schlucken kann: sofort Kohlenhydrate, die schnell ins Blut gehen. Die Quellen nennen:
- Traubenzucker oder Würfelzucker
- Fruchtsaft oder Limonade
- Gummibärchen bzw. Weingummi
- eine sehr reife Banane
Schokolade eignet sich als Erstmaßnahme nicht, weil Fett die Wirkung der Kohlenhydrate verlangsamt. Bei einer eindeutigen Unterzuckerung zuerst essen, dann messen. Die Mengen nennen die Quellen je nach Schwere unterschiedlich (siehe Quellenvergleich). Anschließend den Blutzucker engmaschig kontrollieren und, wenn die Werte stabil sind, langsame Kohlenhydrate essen, etwa eine Scheibe Vollkornbrot oder einen Müsliriegel.
Was tun bei Bewusstlosigkeit?
- auf keinen Fall etwas in den Mund geben: Erstickungsgefahr
- Person in die stabile Seitenlage bringen
- sofort den Notruf 112 wählen und nicht abwarten, ob ein Notfallmittel wirkt
- hat die Person ein ärztlich verordnetes Notfallset (Spritze oder Nasenspray), können geschulte Angehörige es anwenden
- Ruhe bewahren und auf den Rettungsdienst warten; dieser kann Zuckerlösung in die Vene geben
Nach diabinfo kann das Notfallmittel nach ausgiebigem Sport oder Alkohol nicht ausreichend wirken, weil die Leber dann wenig Zucker freisetzt. Wenn es nach 10 Minuten nicht wirkt, muss der Rettungsdienst Glukose in die Vene geben. Auch Stunden später kann der Blutzucker wieder fallen, deshalb wird eine Überwachung in einer Klinik empfohlen. Angehörige sollten mit dem Notfallset vertraut sein.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Grenzwert: diabinfo nennt nach der ADA-Definition unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) und betont, dass es keine feste Grenze für Beschwerden gibt. Die Malteser setzen die Grenze bei unter 60 mg/dl (3,3 mmol/l).
Menge: diabinfo nennt je nach Schwere 10 bis 30 Gramm Kohlenhydrate. Die Malteser nennen bei leichter Hypoglykämie meist 10 bis 20 Gramm Glukose (etwa ein Glas Fruchtsaft oder zwei bis vier Plättchen Traubenzucker), bei schwerer bei Bewusstsein etwa 30 Gramm, und erneute Kontrolle nach 15 Minuten. Ihre persönliche Menge legt Ihr Diabetes-Team fest.
Schwerpunkt: diabinfo geht ausführlicher auf Ursachen, nächtliche Unterzuckerungen, Straßenverkehr und Unterzucker ohne Diabetes ein; die Malteser konzentrieren sich auf Erste Hilfe.
Zusammenfassung
Nachts: Hinweise auf nächtliche Unterzuckerungen sind Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder Kopfschmerzen am Morgen und niedrige Werte nach dem Aufwachen. diabinfo nennt als Hilfen unter anderem eine Messung zwischen 2 und 3 Uhr, CGM mit Alarm, langsame Kohlenhydrate am Abend, wenig Alkohol und keinen späten Sport; Änderungen der Insulintherapie nur ärztlich.
- Anzeichen kennen: Zittern, Schwitzen, Heißhunger, Herzklopfen, Blässe, Verwirrtheit.
- Wach und schluckfähig: sofort schnelle Kohlenhydrate, danach messen und langsame Kohlenhydrate.
- Bewusstlos: nichts in den Mund, stabile Seitenlage, 112.
- Immer Traubenzucker dabeihaben; vor dem Autofahren messen.
- Wiederholte Unterzuckerungen, mit oder ohne Diabetes, ärztlich abklären lassen.
Ist die Ursache ärztlich geklärt, kann in unserer Praxis in Bilbao eine Ernährungsberatung Erwachsene dabei unterstützen, Mahlzeiten und Kohlenhydrate im Alltag besser zu verteilen (die Beratung findet auf Spanisch statt). Bei einer akuten Unterzuckerung gilt immer die Soforthilfe oder der Notruf.
Häufige Fragen zur Unterzuckerung
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie äußert sich Unterzuckerung?
Häufig mit Zittern, Schwitzen, Heißhunger, Herzklopfen, Blässe, Verwirrtheit sowie Sprach- und Sehstörungen. Bei sehr niedrigen Werten drohen Bewusstlosigkeit und Krämpfe.
Kann man unterzuckert sein, ohne Diabetes zu haben?
Selten ja, etwa nach Alkohol, langem Sport oder sehr kohlenhydratreichen Mahlzeiten. Meist ist das ungefährlich; häufige Episoden sollten ärztlich abgeklärt werden.
Was hilft sofort bei Unterzucker?
Wenn die Person wach ist und schlucken kann: schnell wirkende Kohlenhydrate wie Traubenzucker, Fruchtsaft oder Limonade. Danach messen und langsame Kohlenhydrate essen.
Was soll man essen, wenn man unterzuckert ist?
Zuerst Schnelles wie Traubenzucker, Saft oder eine sehr reife Banane, keine Schokolade. Wenn der Wert stabil ist, eine Scheibe Vollkornbrot oder einen Müsliriegel.
Was tun bei Bewusstlosigkeit?
Nichts in den Mund geben, stabile Seitenlage, sofort 112 rufen. Ein vorhandenes ärztliches Notfallset können geschulte Angehörige anwenden.
Wie lassen sich wiederholte Unterzuckerungen abklären?
Mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ein Tagebuch mit Werten, Mahlzeiten, Sport und Medikamenten hilft, die Ursachen zu finden; ohne Diabetes kommen auch andere Erkrankungen in Frage.
Quellen
- diabinfo (Helmholtz Munich, DZD u. a.): Unterzuckerung (Hypoglykämie), Stand 05.04.2023
- Malteser: Erste Hilfe bei Unterzuckerung
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
