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Ferritin: Blutwert, niedrige und erhöhte Werte

Im Laborbericht steht „Ferritin“, daneben ein Pfeil nach oben oder unten, und schon beginnt die Suche im Internet. Ferritin gilt als der Wert für den Eisenspeicher. Er sagt viel, aber nicht alles: Entzündungen können ihn erhöhen, und ein Eisenmangel kann sich sogar hinter einem normalen oder hohen Wert verbergen. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), was Ferritin ist, wie man niedrige und erhöhte Werte einordnet und warum Eisenpräparate nicht auf Verdacht eingenommen werden sollten.

Thema
Ernährung
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist Ferritin?

Ferritin ist nach dem IQWiG ein Eiweiß, das Eisen binden kann. Es befindet sich größtenteils in den Zellen von Leber, Milz und Knochenmark, ein kleiner Teil auch im Blut. Man spricht deshalb vom „Eisenspeicher“.

Eisen ist ein lebenswichtiges Spurenelement. Der Körper braucht es vor allem für den roten Blutfarbstoff Hämoglobin, der Sauerstoff transportiert, außerdem für Energiegewinnung und Zellteilung. Freies Eisen wäre giftig, deshalb wird es an Eiweiße gebunden: Der größte Teil steckt in den roten Blutkörperchen, ein kleiner Teil wird von Transferrin durchs Blut transportiert, der Rest von Ferritin gespeichert und bei Bedarf wieder freigegeben.

Was sagt der Ferritin-Wert aus?

Der Ferritin-Wert gibt Aufschluss darüber, wie viel Eisen im Körper gespeichert ist. Bestimmt wird er nach dem IQWiG zum Beispiel, wenn ein Eisenmangel oder eine Blutarmut (Anämie) vermutet wird, bei Menschen mit erhöhtem Risiko für Eisenmangel oder um zu prüfen, ob eine Eisenbehandlung wirkt.

Allein reicht der Wert selten. Ärztinnen und Ärzte betrachten Ferritin nach dem IQWiG immer zusammen mit weiteren Werten:

  • Eisenwert im Blut (Serumeisen)
  • Transferrin und Transferrin-Sättigung
  • kleines Blutbild mit roten Blutkörperchen, Hämoglobin und den Werten MCV und MCH
  • bei Bedarf Entzündungswerte wie CRP

Auch die DGE betont: Alle Marker des Eisenstatus haben Schwächen, etwa tageszeitliche Schwankungen oder eine Beeinflussung durch Entzündungen. Der Versorgungsstatus sollte deshalb mit einer Kombination mehrerer Werte beurteilt werden.

Normalwerte: warum es keine feste Tabelle gibt

Die Referenzbereiche für Ferritin unterscheiden sich nach dem IQWiG von Labor zu Labor, weil verschiedene Testverfahren genutzt werden. Jedes Labor gibt deshalb im Bericht eigene Bereiche an. Zudem hängt der Wert von Geschlecht und Alter ab; bei Kindern und Jugendlichen ist er üblicherweise niedriger.

Ein Referenzbereich beschreibt, welche Werte bei den meisten Gesunden gemessen werden. Er ist kein Behandlungsziel und keine scharfe Grenze zwischen gesund und krank. Auch gesunde Menschen haben manchmal Werte außerhalb des Bereichs. Maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem eigenen Befund, nicht eine Tabelle aus dem Internet.

Eine kleine Übersicht hilft beim Arztgespräch:

  • Ergebnis, Einheit und Referenzbereich genau so, wie sie im Laborbericht stehen
  • Umstände: kürzliche Infekte, Entzündungen, Operationen oder starke Blutungen
  • Weitere Werte: Hämoglobin, Transferrin-Sättigung, CRP
  • Frage an die Ärztin oder den Arzt: zum Beispiel, ob weitere Untersuchungen nötig sind

Ferritin zu niedrig: Hinweis auf Eisenmangel

Liegt der Wert unterhalb des Referenzbereichs, kann das nach dem IQWiG auf einen Eisenmangel hinweisen. Ein leichter oder vorübergehender Mangel ist in der Regel ungefährlich. Fehlt aber länger zu viel Eisen, entsteht eine Blutarmut mit Beschwerden wie Müdigkeit, Schwindel und Leistungsschwäche. Die DGE nennt außerdem Kraftlosigkeit, Kurzatmigkeit, Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen und Blässe. Diese Beschwerden sind unspezifisch und haben viele mögliche Ursachen.

Häufige Gründe für einen Eisenmangel sind:

  • Blutverluste, etwa durch starke Regelblutungen, Verletzungen oder unbemerkte Blutungen in Magen oder Darm
  • ein erhöhter Bedarf, zum Beispiel in der Schwangerschaft oder bei Leistungssport
  • zu wenig Eisen in der Nahrung, etwa bei einseitiger Ernährung; bei vegetarischer oder veganer Ernährung braucht es eine bewusste Lebensmittelauswahl
  • eine schlechtere Aufnahme, zum Beispiel bei Zöliakie, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder durch Säureblocker

Mehr zu Anzeichen und Ursachen lesen Sie im Ratgeber zu Eisenmangel.

Ferritin zu hoch: Entzündung oder Eisenüberladung

Ein erhöhter Ferritin-Wert weist nach dem IQWiG häufig nicht auf ein Problem mit dem Eisenhaushalt hin, sondern auf eine Entzündung. Bei Entzündungen, Infektionen oder Gewebeschäden ist mehr Ferritin im Blut, um Bakterien Eisen zu entziehen. Dann sind meist auch Entzündungswerte wie CRP erhöht.

Andere mögliche Ursachen sind:

  • Eisenüberladung durch häufige Bluttransfusionen, überdosierte Eisenmedikamente oder eine Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose)
  • Hämolyse: Rote Blutkörperchen lösen sich auf und setzen Eisen frei
  • Erkrankungen, die die Abgabe gespeicherten Eisens behindern, etwa chronische Entzündungen, Leber- oder Krebserkrankungen
  • Störungen der Blutbildung, zum Beispiel bei Vitamin-B12- oder Folsäuremangel

Eine Eisenüberladung kann auf Dauer Organe wie die Leber schädigen. Erhöhte Werte sollten deshalb immer ärztlich abgeklärt werden.

Eisenmangel trotz normalem Ferritin

Die DGE unterscheidet einen absoluten und einen funktionellen Eisenmangel; beide können gleichzeitig bestehen. Beim absoluten Mangel sind die Speicher leer. Beim funktionellen Mangel sind die Speicher gefüllt, der Körper kann das Eisen aber nicht ausreichend mobilisieren.

Ein funktioneller Mangel tritt nach der DGE häufig bei chronischen Entzündungen auf, etwa bei chronischen Nieren-, Darm- oder Lungenerkrankungen, Krebs, Adipositas oder Infektionen. Auch das IQWiG beschreibt, dass trotz erhöhtem Ferritin gleichzeitig ein Eisenmangel bestehen kann. Ein normaler oder hoher Ferritin-Wert schließt einen Eisenmangel deshalb nicht in jedem Fall aus; hier helfen weitere Werte wie die Transferrin-Sättigung.

Was tun bei veränderten Werten?

Niedrige wie erhöhte Werte sollten nach dem IQWiG ärztlich abgeklärt werden, um die Ursache zu finden. Bei einem leichten Eisenmangel reicht oft eine Ernährungsumstellung. Bei stärkerem Mangel gibt es Eisenmedikamente als Tropfen oder Tabletten, manchmal auch als Infusion.

Eisen auf Verdacht einzunehmen, ist nicht sinnvoll. Eine generelle Einnahme kann nach der DGE zu einem Eisenüberschuss führen. Eine Supplementierung sollte nur nach Feststellung einer Unterversorgung und mit ärztlicher oder fachlicher Begleitung erfolgen. Höher dosierte Präparate können Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall verursachen. Für Menschen mit Hämochromatose ist zusätzliches Eisen ein Gesundheitsrisiko.

In unserer Praxis für Ernährungsberatung in Bilbao unterstützen wir Erwachsene mit ärztlich bestätigtem Eisenmangel und geklärter Ursache bei einer eisenreichen Ernährung (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Wer sollte den Eisenstatus im Blick haben?

Zu den Gruppen mit erhöhtem Risiko für einen Eisenmangel zählt die DGE Säuglinge, Kinder und Jugendliche, Frauen vor den Wechseljahren, Schwangere, Leistungssportlerinnen und -sportler, häufige Blutspenderinnen und -spender sowie Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren. Für sie kann eine regelmäßige Überprüfung des Eisenstatus sinnvoll sein. Schwangerschaft und Kindesalter gehören in die frauenärztliche oder kinderärztliche Betreuung.

Bei gesunden Menschen mit intakter Darmfunktion ist eine Eisenüberladung durch normale Lebensmittel nach der DGE unwahrscheinlich. Angereicherte Lebensmittel und Präparate können die Zufuhr aber deutlich erhöhen.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Referenzwerte: Das IQWiG nennt Orientierungswerte, betont aber, dass jedes Labor eigene Bereiche angibt. Laborportale und Fachseiten nennen teils abweichende Grenzen. Deshalb verzichten wir auf eine Tabelle und verweisen auf den eigenen Befund.

Gewichtung von Ferritin: Das IQWiG stellt Ferritin als zentralen Speicherwert dar, der mit anderen Werten beurteilt wird. Die DGE betont stärker die Grenzen aller Einzelmarker und empfiehlt grundsätzlich eine Kombination.

Höchstmengen: Die DGE zitiert für Nahrungsergänzungsmittel eine empfohlene Höchstmenge des Bundesinstituts für Risikobewertung. Diese gilt für frei verkäufliche Präparate, nicht für ärztlich verordnete Eisenmedikamente bei nachgewiesenem Mangel.

Zusammenfassung

  • Ferritin speichert Eisen; der Blutwert zeigt, wie voll die Speicher sind.
  • Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor, Alter und Geschlecht.
  • Niedriges Ferritin weist auf Eisenmangel hin; die Ursache sollte gesucht werden.
  • Erhöhtes Ferritin kommt häufig von Entzündungen, seltener von Eisenüberladung.
  • Ein Eisenmangel kann trotz normalem Ferritin bestehen.
  • Eisenpräparate nur nach ärztlich festgestelltem Mangel einnehmen.

Häufige Fragen zum Ferritin

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was sagt der Ferritin-Wert aus?

Er zeigt, wie viel Eisen im Körper gespeichert ist. Aussagekräftig ist er zusammen mit weiteren Werten wie Transferrin-Sättigung, Blutbild und Entzündungswerten.

Ist Ferritin ein Tumormarker?

Die Quellen beschreiben Ferritin nicht als Tumormarker. Krebserkrankungen gehören zu den möglichen Ursachen erhöhter Werte, viel häufiger stecken aber Entzündungen dahinter. Ein erhöhter Wert wird ärztlich abgeklärt.

Wann ist ein Ferritin-Wert gefährlich?

Eine feste Grenze für alle gibt es nicht. Bedeutsam sind anhaltend veränderte Werte, besonders mit Beschwerden, Blutarmut oder Hinweisen auf Eisenüberladung. Die Einordnung erfolgt ärztlich mit weiteren Untersuchungen.

Bei welchen Entzündungen ist Ferritin erhöht?

Grundsätzlich bei Entzündungen, Infektionen und Gewebeschäden, auch bei chronischen Entzündungen etwa von Nieren, Darm oder Lunge. Dann sind meist auch Entzündungswerte wie CRP erhöht.

Kann ein Eisenmangel trotz normalem Ferritin bestehen?

Ja. Bei einem funktionellen Eisenmangel sind die Speicher gefüllt, das Eisen wird aber nicht ausreichend freigesetzt, etwa bei chronischen Entzündungen. Weitere Werte helfen bei der Unterscheidung.

Warum sollte ich Eisen nicht auf Verdacht einnehmen?

Weil eine generelle Einnahme zu einem Eisenüberschuss führen kann und Beschwerden wie Übelkeit oder Durchfall möglich sind. Zudem kann ein Mangel eine Ursache haben, etwa eine Blutung, die abgeklärt werden muss.

Quellen

  1. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Ferritin
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) · Ausgewählte Fragen und Antworten zu Eisen

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.