Kann Ernährung Arthrose beeinflussen?
Arthrose ist nach der AOK die häufigste Gelenkerkrankung bei Erwachsenen: ein fortschreitender Verschleiß, der Gelenkknorpel und umliegende Knochen schädigt. Eine Heilung ist nicht möglich, die Beschwerden lassen sich aber lindern. Die Behandlung umfasst vor allem Bewegung, Physiotherapie und bei Bedarf Schmerzmittel.
Die AOK beschreibt zwei Wege, auf denen Ernährung wirken kann: indirekt über eine Gewichtsabnahme, die die Gelenke entlastet, und direkt über den Einfluss bestimmter Lebensmittel auf Entzündungsprozesse. Für den ersten Weg gibt es nach dem IQWiG klare Empfehlungen. Für den zweiten gibt es Hinweise, teilweise nur aus Tierversuchen, aber nach dem IQWiG nicht genug Forschung, um bestimmte Ernährungsweisen zu empfehlen.
Gewicht: der am besten belegte Hebel
Starkes Übergewicht belastet nach dem IQWiG tragende Gelenke wie Knie und Hüfte. Zusätzlich setzt überschüssiges Körperfett Botenstoffe frei, die Entzündungen im Gelenk fördern. Menschen mit Adipositas haben deshalb nicht nur häufiger Arthrose in Knie und Hüfte, sondern auch in den Fingergelenken.
Bei starkem Übergewicht wird eine Gewichtsabnahme empfohlen, vor allem bei Knie- oder Hüftarthrose. Um die Beschwerden spürbar zu verbessern, ist nach dem IQWiG eine Reduktion um mindestens 5 Prozent, eher um 10 Prozent des Körpergewichts nötig. In der Regel wird dafür eine Umstellung der Ernährung empfohlen, ergänzt durch regelmäßige Bewegung.
Für Menschen ohne Übergewicht ist Abnehmen keine Arthrose-Behandlung. Schuldzuweisungen helfen niemandem: Auch Verletzungen, Fehlstellungen, schwere körperliche Arbeit, Veranlagung und das Alter spielen eine Rolle.
Welche Lebensmittel sind bei Arthrose sinnvoll?
Die AOK empfiehlt eine mediterran geprägte, pflanzenbetonte Kost mit viel Obst und Gemüse, Ballaststoffen und wenig Fleisch, etwa drei Viertel pflanzliche und ein Viertel tierische Lebensmittel. Dazu gehören:
- reichlich Gemüse, etwa grünes Blattgemüse wie Spinat und Mangold, Brokkoli und Erbsen
- Obst, darunter Beeren und Zitrusfrüchte
- Nüsse und Hülsenfrüchte als Eiweißquelle
- Vollkornprodukte statt Weißmehl, weil sie mehr Vitamine enthalten und länger satt machen
- pflanzliche Öle wie Oliven- und Rapsöl sowie fetter Seefisch wie Hering, Lachs oder Makrele
- Kräuter statt viel Salz zum Würzen
Diese Empfehlungen decken sich weitgehend mit allgemeinen Regeln für eine gesunde Ernährung. Dass ein Lebensmittel darin vorkommt, heißt nicht, dass es Arthrose behandelt. Hintergründe zu Lebensmitteln, die im Zusammenhang mit Entzündungen diskutiert werden, finden Sie im Ratgeber zur entzündungshemmenden Ernährung.
Fette: worauf es ankommt
Ungesättigte Fettsäuren wie aus Oliven- oder Rapsöl können nach der AOK die Gelenkgesundheit fördern. Omega-3-Fettsäuren aus fettem Fisch wirken entzündungshemmend. Arachidonsäure, die in fettreichen tierischen Lebensmitteln wie Wurst, Speck, Schmalz und fettreichen Milchprodukten steckt, kann dagegen Entzündungsprozesse fördern.
Die AOK rät deshalb, Fleisch und Wurst zu begrenzen und bei Milch, Joghurt und Käse eher fettarme Varianten zu wählen. Auf Milchprodukte muss niemand komplett verzichten: Sie liefern Calcium für die Knochen, und gelegentlicher Genuss ist ausdrücklich erlaubt.
Vorsicht bei vereinfachten Fettlisten: Öle wie Sonnenblumen- oder Distelöl bestehen überwiegend aus ungesättigten Fettsäuren und sind keine gesättigten Fette, auch wenn manche Ratgeber sie so einordnen.
Nahrungsergänzungsmittel: wenig Belege
Nach dem IQWiG ist für viele Behandlungen nicht nachgewiesen, dass sie bei Arthrose wirken, darunter ausdrücklich Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Arzneien. Arthrose sei zu einem lukrativen Markt für unseriöse Produkte geworden, deren Werbung sich oft hinter pseudowissenschaftlichen Behauptungen versteckt.
Auch die AOK schreibt, dass Vitaminpräparate vor allem dann Verbesserungen zeigen, wenn vorher ein Mangel bestand, und dass Überdosierungen gegenteilige Effekte haben können, etwa bei Vitamin C. Ob ein Mangel vorliegt, klärt eine ärztliche Untersuchung, nicht ein Selbsttest.
Unabhängige Informationen zu einzelnen Produkten bieten nach dem IQWiG zum Beispiel die Verbraucherzentralen, die Website medizin-transparent.at und der IGeL-Monitor.
Kurkuma, Ingwer und andere Gewürze
Diskutiert wird, ob Kurkuma, Ingwer, Zimt, Safran oder Gewürzmischungen bei Arthrose-Beschwerden helfen. Nach der AOK reicht die Studienlage dafür nicht für eine eindeutige Empfehlung. Sie nennt Curcumin als mögliche Ausnahme, weist aber darauf hin, dass die Mengen beim Kochen dafür nicht ausreichen und ein Präparat nötig wäre.
Das IQWiG hält Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Arzneien bei Arthrose insgesamt für nicht nachgewiesen wirksam. Wer gern mit Ingwer oder anderen Gewürzen kocht, kann das bedenkenlos tun. Als Schutz für die Gelenke oder Ersatz für eine Behandlung taugen Gewürze nach der derzeitigen Studienlage nicht.
Aussagen prüfen: Was ist belegt?
Diese Übersicht hilft, typische Aussagen nach dem Stand der beiden Quellen einzuordnen:
- „Abnehmen lindert Knie- und Hüftarthrose“: bei starkem Übergewicht empfohlen, spürbar meist ab 5 bis 10 Prozent; sinnvoll umzusetzen mit Ernährung und Bewegung
- „Mediterrane Kost hilft den Gelenken“: als gesunder Rahmen sinnvoll; eine spezifische Wirkung auf Arthrose ist nicht ausreichend erforscht
- „Lebensmittel X ist bei Arthrose verboten“: keine belegte Verbotsliste; Fleisch, Wurst und fettreiche Milchprodukte eher begrenzen
- „Kapseln bauen Knorpel auf“: nicht nachgewiesen; Präparate nur bei ärztlich festgestelltem Mangel
- „Ein Gewürz ersetzt Schmerzmittel“: nicht belegt; Behandlung nicht eigenmächtig ändern
In unserer Praxis für Ernährungsberatung in Bilbao unterstützen wir Erwachsene mit Arthrose bei einer alltagstauglichen Ernährung und, wenn sinnvoll, beim Abnehmen, ohne den Wiederaufbau von Knorpel zu versprechen (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Ernährung ist ein Baustein unter mehreren
Nach dem IQWiG gehören Bewegung und gezieltes Training zu den wichtigsten Maßnahmen bei Arthrose. Hinzu kommen bei Bedarf entzündungshemmende Schmerzmittel in der geringsten wirksamen Dosis, Ergotherapie bei Hand- und Fingerarthrose, Hilfsmittel wie Gehstöcke und gut sitzende Schuhe mit fester Sohle.
Eine Ernährungsumstellung wirkt am besten zusammen mit diesen Maßnahmen, besonders wenn das Ziel eine Gewichtsabnahme ist. Mehr zu Beschwerden am Knie finden Sie in unseren Ratgebern zu Knieschmerzen und zum Knorpelschaden im Knie.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Wirkung der Ernährung: Die AOK schreibt, eine abgestimmte Ernährung könne gegen Beschwerden und ein Fortschreiten helfen, und nennt die mediterrane Kost „optimal“. Das IQWiG stellt fest, dass es zur Wirkung bestimmter Ernährungsweisen auf Arthrose nicht ausreichend Forschung gibt.
Präparate: Die AOK nennt Curcumin und Vitamin D bei Mangel als mögliche Hilfen. Das IQWiG zählt Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Arzneien zu den Behandlungen ohne nachgewiesene Wirkung.
Belege aus Tierversuchen: Einige Aussagen der AOK, etwa zu Zucker und gesättigten Fetten oder zu Kokosöl, stützen sich auf Tierversuche. Für Menschen mit Arthrose sind sie damit nicht belegt.
Zusammenfassung
- Ernährung kann Arthrose nicht heilen und Knorpel nicht wieder aufbauen.
- Bei starkem Übergewicht entlastet Abnehmen Knie und Hüfte, spürbar meist ab 5 bis 10 Prozent.
- Eine pflanzenbetonte, mediterran geprägte Kost ist ein sinnvoller Rahmen.
- Fleisch, Wurst und fettreiche Milchprodukte eher begrenzen; Verbote sind nicht nötig.
- Für Nahrungsergänzungsmittel ist keine Wirkung bei Arthrose nachgewiesen.
- Bewegung bleibt neben dem Gewicht der wichtigste Baustein.
Häufige Fragen zur Ernährung bei Arthrose
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Was darf man bei Arthrose auf keinen Fall essen?
Ein striktes Verbot gibt es nicht. Die AOK rät, Fleisch, Wurst, Speck und fettreiche Milchprodukte zu begrenzen und sparsam zu salzen. Gelegentlicher Genuss ist erlaubt.
Was soll man frühstücken, wenn man Arthrose hat?
Ein Frühstück nach allgemeinen gesunden Regeln passt gut, etwa Vollkornbrot oder Haferflocken mit Obst, Nüssen und fettarmem Joghurt. Ein spezielles Arthrose-Frühstück mit nachgewiesener Wirkung gibt es nicht.
Sind Bananen gut bei Arthrose?
Die Quellen machen zu Bananen keine eigene Aussage. Obst gehört zu einer ausgewogenen Ernährung; eine besondere Wirkung oder ein Grund zum Verzicht bei Arthrose ist nicht belegt.
Was fehlt dem Körper, wenn man Arthrose hat?
Arthrose entsteht nicht durch einen bestimmten Nährstoffmangel. Ein Mangel, etwa an Vitamin D, kann aber zusätzlich bestehen. Ob das so ist, klärt eine ärztliche Untersuchung.
Kann Ernährung zerstörten Knorpel wieder aufbauen?
Nein. Arthrose ist nicht heilbar. Ernährung kann über das Gewicht die Gelenke entlasten und die Beschwerden mildern, den Knorpel aber nicht erneuern.
Sind Nahrungsergänzungsmittel automatisch sinnvoll?
Nein. Für Nahrungsergänzungsmittel ist nach dem IQWiG keine Wirkung bei Arthrose nachgewiesen. Präparate sind nur bei einem ärztlich festgestellten Mangel sinnvoll; Überdosierungen können schaden.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Arthrose
- AOK · Ernährung bei Arthrose: Diese Lebensmittel helfen gegen Schmerzen
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
