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Histrionische Persönlichkeitsstörung: Merkmale und Hilfe

Menschen mit einer histrionischen Persönlichkeitsstörung haben ein starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Bestätigung, drücken Gefühle sehr lebhaft aus und erleben oft schnelle Stimmungswechsel. Hinter der lebendigen Fassade stehen nicht selten innere Leere und Selbstzweifel. Dieser Ratgeber erklärt nach dem Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums und dem Portal „Neurologen und Psychiater im Netz“ (fachlich unterstützt durch die DGPPN), woran man die Störung erkennt, wie sie sich von anderen unterscheidet und wie Psychotherapie helfen kann.

Thema
Psychologie
Aktualisiert
Lesezeit
6 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine histrionische Persönlichkeitsstörung?

Zur Persönlichkeit zählen Muster, wie man denkt, fühlt und sich verhält. Bei einer Persönlichkeitsstörung weichen diese Muster nach gesund.bund.de deutlich von denen der meisten Menschen ab. Das kann sehr belastend sein und zu Schwierigkeiten im Alltag, im Beruf oder in Beziehungen führen.

Bei der histrionischen Form steht ein starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit im Vordergrund. Im ICD-10 trägt sie den Code F60.4. „Neurologen und Psychiater im Netz“ ordnet sie der Gruppe B der Persönlichkeitsstörungen zu, die unter den Stichworten „dramatisch, emotional, launisch“ zusammengefasst wird. Sie tritt bei etwa 2 Prozent der Allgemeinbevölkerung auf. Die Diagnose stellen Fachleute; das Etikett eignet sich nicht, um Partnerinnen, Kollegen oder Bekannte zu beschreiben.

Was ist typisch für eine histrionische Persönlichkeit?

Die Quellen beschreiben vor allem diese Merkmale:

  • ein starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, die Bestätigung anderer ist sehr wichtig,
  • die Suche nach aufregenden Situationen, in denen man im Mittelpunkt steht,
  • ein sehr lebhafter Gefühlsausdruck und schnell wechselnde Stimmungen,
  • eine besonders wichtige Rolle des eigenen Aussehens,
  • ein Gefühl innerer Leere oder fehlender Echtheit.

Nach „Neurologen und Psychiater im Netz“ sind Betroffene oft extrovertiert, lebenslustig und können andere mitreißen. Obwohl sie oft einen großen Freundeskreis haben, kennen sie Phasen der Einsamkeit, Unzufriedenheit und inneren Leere mit nagenden Selbstzweifeln.

Ausdruck, Kleidung, Geschlecht: was keine Diagnose ist

Ausdrucksstarke, gesellige oder modebewusste Menschen haben deshalb keine Persönlichkeitsstörung. Von einer Störung spricht man erst, wenn die Muster starr und unflexibel sind, seit der Jugend oder dem frühen Erwachsenenalter bestehen und zu Leid oder häufigen Konflikten führen. Die Persönlichkeit umfasst einen großen Normalbereich.

Auch das Geschlecht spielt keine Rolle für die Zuschreibung: Persönlichkeitsstörungen treten nach „Neurologen und Psychiater im Netz“ bei Frauen und Männern gleichermaßen auf; nur bei der antisozialen Form gibt es eine Häufung unter Männern. Leid, Krisen oder Gefühlsausbrüche Betroffener sind real und sollten nicht als „Theater“ abgetan werden.

Unterschied zwischen histrionisch und narzisstisch

Beide Störungen gehören zur Gruppe B, unterscheiden sich aber im Kern. Histrionische Menschen sind nach „Neurologen und Psychiater im Netz“ stark auf äußere Zuwendung angewiesen und suchen ständig Anerkennung; sie wirken oft mitreißend und gefühlsbetont.

Narzisstische Persönlichkeiten wirken dagegen oft anspruchsvoll, arrogant oder überheblich. Hinter der selbstbewussten Fassade steckt ein brüchiges Selbstwertgefühl, und Kritik ist für sie nur schwer auszuhalten. Entsprechend unterscheiden sich die Therapieziele: Beim Narzissmus geht es um ein realistischeres Selbstbild, Kritikfähigkeit und Einfühlungsvermögen, bei der histrionischen Form um echte Gefühle und Selbstständigkeit. Wer Fragen zu einer anderen Störung dieser Gruppe hat, findet mehr im Ratgeber Borderline.

Wie Persönlichkeitsstörungen entstehen

Spezifische Ursachen nur der histrionischen Form nennen die hier genutzten Quellen nicht. Allgemein bildet sich die Persönlichkeit aus dem Zusammenspiel von angeborenem Temperament und Erfahrungen. Das grundlegende Temperament wird vor allem durch die Gene bestimmt; die weiteren Facetten entwickeln sich bis ins junge Erwachsenenalter.

Geborgenheit und Fürsorge wirken nach „Neurologen und Psychiater im Netz“ schützend. Trennungs- und Verlusterlebnisse, Vernachlässigung, Gewalt oder Misshandlungen können die Persönlichkeitsentwicklung dagegen belasten. Auch Vorbilder in der Familie prägen etwa Selbstbewusstsein und Rollenverhalten.

Diagnose und die Grenzen von Online-Tests

Für eine Diagnose braucht die Fachperson umfassende Informationen über die aktuelle Situation und die Lebensgeschichte, beginnend in der Kindheit. Strukturierte Interviews, Fragebögen und Checklisten helfen bei der Einschätzung, ob und welche Persönlichkeitsstörung vorliegt, ohne parallel bestehende zu übersehen. Vor dem 14. Lebensjahr ist eine solche Diagnose nach „Neurologen und Psychiater im Netz“ nicht sinnvoll.

Ein Online-Test kann diese Untersuchung nicht ersetzen. Er kennt weder die Lebensgeschichte noch kann er andere Ursachen ausschließen. Die in diesem Ratgeber beschriebenen Merkmale sind deshalb keine Checkliste zur Selbstdiagnose. Steht ein ICD-Code auf einem Befund, achten Sie nach gesund.bund.de auf Zusatzkennzeichen wie G (gesichert) oder V (Verdacht).

Welche Ziele Psychotherapie haben kann

Meist kommen Betroffene nach „Neurologen und Psychiater im Netz“ nicht wegen ihrer Persönlichkeitszüge in Therapie, sondern weil sie nach einer Trennung oder wegen anderer Schwierigkeiten eine depressive Verstimmung haben. Hauptziele einer Psychotherapie sind die Förderung einer selbstständigen, authentischen Beziehung zu anderen und die Stabilisierung des Selbstwertgefühls.

Betroffene lernen, Gefühle zu erkennen, zu benennen, differenziert zu betrachten und angemessen mitzuteilen. Im Verlauf wird erarbeitet, wie das eigene Verhalten mit der Lebensgeschichte zusammenhängt. Weil sich histrionische Menschen stark über andere definieren, gehört auch dazu, regelmäßig Tätigkeiten allein zu unternehmen. Liegen zusätzlich Depressionen oder Ängste vor, werden diese mitbehandelt. Mehr zu depressiven Beschwerden lesen Sie im Ratgeber Depression: Symptome.

Gefühlsprotokolle: wie sie in der Therapie eingesetzt werden

Als erfolgversprechend nennt „Neurologen und Psychiater im Netz“ die Arbeit mit Gefühlsprotokollen, Therapietagebüchern oder Selbstbeobachtungsbögen. Sie werden in der Therapie gemeinsam vereinbart und dienen dazu, Gefühle genauer wahrzunehmen und in Worte zu fassen. Ein solcher Eintrag kann zum Beispiel festhalten:

  • die Situation: Was ist passiert, wer war dabei?
  • das Gefühl: Wie hieß es genau, und wie stark war es?
  • den Körper: Was war spürbar, etwa Herzklopfen oder Anspannung?
  • die Reaktion: Was habe ich getan oder gesagt?
  • den Rückblick: Was hätte ich gebraucht, und wie könnte ich es beim nächsten Mal ausdrücken?

Wichtig sind die Grenzen: Ein solches Protokoll ist ein Werkzeug für die eigene Therapie, kein Test. Es eignet sich nicht, um andere Menschen zu beobachten oder zu „diagnostizieren“, und es ersetzt keine fachliche Begleitung.

Wo die Quellen unterschiedlich gewichten

gesund.bund.de beschreibt die Störung knapp aus Sicht der Betroffenen: starkes Bedürfnis nach Bestätigung, verbunden mit innerer Leere oder fehlender Echtheit. „Neurologen und Psychiater im Netz“ ergänzt auch Stärken wie Lebenslust und die Fähigkeit, andere mitzureißen, und betont das Leid hinter der Fassade. Beide Sichtweisen gehören zusammen: Die Störung hat sichtbare und verborgene Seiten.

Zur Prognose ist das Portal vorsichtig optimistisch: Persönlichkeitsstörungen seien keine „unheilbaren“ Erkrankungen, ließen sich aber nicht kurzfristig verändern. Welche Behandlungsform im Einzelfall passt, wird in der Therapie entschieden. Für andere Persönlichkeitsstörungen belegte Konzepte, etwa bei Borderline, lassen sich nicht einfach auf die histrionische Form übertragen.

Histrionische Persönlichkeitsstörung im Überblick

  • Kennzeichen sind ein starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, lebhafter Gefühlsausdruck und schnelle Stimmungswechsel.
  • Hinter der Fassade stehen oft innere Leere, Einsamkeit und Selbstzweifel.
  • Ausdrucksstärke, Kleidung oder Geschlecht sind keine Diagnosekriterien.
  • Die Diagnose stellt eine Fachperson; Online-Tests können das nicht.
  • Psychotherapie stärkt Selbstwert, Gefühlswahrnehmung und Selbstständigkeit.
  • Gefühlsprotokolle sind ein Werkzeug der eigenen Therapie, kein Test für andere.

Häufige Fragen zur histrionischen Persönlichkeitsstörung

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was ist typisch für eine histrionische Persönlichkeit?

Ein starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Bestätigung, der Wunsch, im Mittelpunkt zu stehen, ein sehr lebhafter Gefühlsausdruck, schnell wechselnde Stimmungen und eine wichtige Rolle des Aussehens. Oft kommen innere Leere und Selbstzweifel hinzu.

Was ist der Unterschied zwischen histrionisch und narzisstisch?

Histrionische Menschen suchen vor allem Zuwendung und Anerkennung und wirken oft gefühlsbetont und mitreißend. Narzisstische Menschen wirken eher anspruchsvoll oder überheblich, haben ein brüchiges Selbstwertgefühl und können schwer mit Kritik umgehen.

Wie geht man mit einem Histrioniker um?

Hilfreich ist, die Person nicht zu etikettieren und ihre Gefühle ernst zu nehmen. Leidet sie oder die Beziehung deutlich, kann eine fachliche Abklärung sinnvoll sein. Eine Diagnose können Angehörige selbst nicht stellen.

Was ist nicht typisch für histrionische Persönlichkeiten?

Rückzug und Desinteresse an Kontakten passen eher nicht: Histrionische Menschen suchen Zuwendung und haben oft einen großen Freundeskreis. Auch ein einzelner lebhafter oder modebewusster Auftritt ist kein Merkmal einer Störung.

Kann ein Online-Test die Diagnose stellen?

Nein. Für die Diagnose braucht es ein ausführliches Gespräch über Lebensgeschichte und aktuelle Situation, oft ergänzt durch strukturierte Interviews und Fragebögen. Ein Online-Test kann weder andere Ursachen ausschließen noch eine Störung feststellen.

Welche Ziele kann Psychotherapie haben?

Gefühle zu erkennen, zu benennen und angemessen mitzuteilen, das Selbstwertgefühl zu stabilisieren, authentischer mit anderen umzugehen und Tätigkeiten auch allein zu unternehmen. Gefühlsprotokolle und Therapietagebücher können dabei helfen.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · ICD-10-Code F60.4: Histrionische Persönlichkeitsstörung
  2. Neurologen und Psychiater im Netz (DGPPN) · Persönlichkeitsstörungen: Therapie
  3. Neurologen und Psychiater im Netz (DGPPN) · Persönlichkeitsstörungen: Krankheitsbilder
  4. Neurologen und Psychiater im Netz (DGPPN) · Persönlichkeitsstörungen
  5. Neurologen und Psychiater im Netz (DGPPN) · Persönlichkeitsstörungen: Ursachen und Entstehung
  6. Neurologen und Psychiater im Netz (DGPPN) · Persönlichkeitsstörungen: Diagnostik
  7. Neurologen und Psychiater im Netz (DGPPN) · Persönlichkeitsstörungen: Verlauf und Prognose

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.