Narzissmus oder Persönlichkeitsstörung?
„Narzissmus“ ist nach der AOK ein vieldeutiger Begriff: Er beschreibt Persönlichkeitsanteile gesunder Menschen ebenso wie eine psychische Erkrankung. Umgangssprachlich wird jemand schnell „Narzisst“ genannt, der von sich selbst sehr eingenommen wirkt. Hinter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung verbirgt sich aber deutlich mehr als egozentrisches Verhalten. Der Name geht auf eine Erzählung des Dichters Ovid zurück, in der sich der Jüngling Narziss in sein Spiegelbild verliebt.
Allgemein spricht man von einer Persönlichkeitsstörung, wenn nach „Neurologen und Psychiater im Netz“ starre, unflexible Persönlichkeitszüge die Lebensqualität beeinträchtigen, Leid verursachen oder zu häufigen Konflikten führen und stabil bis ins Jugend- oder frühe Erwachsenenalter zurückreichen. Etwa 8 % der Menschen in Deutschland haben eine Persönlichkeitsstörung; die narzisstische gehört zur Gruppe der „dramatisch, emotional, launisch“ beschriebenen Formen.
Wie verhält sich ein Mensch mit dieser Störung?
Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung halten sich nach der AOK für jemand Besonderen, dem eine besondere Behandlung zusteht. Mögliche Merkmale sind:
- ein übersteigertes Selbstwertgefühl und die Erwartung, als überlegen anerkannt zu werden
- Fantasien von Macht, Erfolg, Perfektion oder Schönheit
- ein übermäßiges Verlangen nach Anerkennung und Bewunderung
- der Anspruch, bevorzugt zu werden
- ausnutzendes Verhalten und mangelnde Empathie
- Neid oder der Glaube, andere seien neidisch
- Arroganz, Hochmut und überzogene Reaktionen auf Kritik
Diese Liste beschreibt ein Krankheitsbild und ist kein Werkzeug, um andere Menschen aus der Ferne zu „entlarven“. Einzelne Züge kommen auch bei psychisch gesunden Menschen vor.
Grandiose Fassade, brüchiger Selbstwert
Narzisstische Persönlichkeiten wirken nach „Neurologen und Psychiater im Netz“ oft anspruchsvoll, arrogant oder überheblich. Nach außen geben sie sich sehr selbstbewusst, sind aber zugleich sehr empfindsam und verletzlich und können nur schwer mit Kritik umgehen. Zugrunde liegt ein eher schwaches und brüchiges Selbstwertgefühl, das hinter einer großartigen Fassade versteckt werden soll. Auch die AOK schreibt, dass viele Betroffene unter einem geringen Selbstwert leiden, selbst wenn es nach außen nicht so wirkt.
Erste Probleme zeigen sich oft schon in jungen Jahren im Arbeitsumfeld, weil Betroffene ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht werden und unter Versagensängsten leiden, etwa vor Prüfungen. Später fallen sie nicht selten durch Arbeitsstörungen auf und bleiben hinter Anspruch und Fähigkeiten zurück. Dabei können existenzielle Krisen mit großer innerer Verzweiflung entstehen.
Offene und verdeckte Form
Je nach Studie wird die Störung in unterschiedlich viele Untergruppen eingeteilt, was nach der AOK zeigt, wie schwierig der wissenschaftliche Umgang mit der Diagnose ist. Manchmal werden zwei Formen unterschieden:
- Offene (grandiose) Form: Betroffene wirken selbstbewusst, extrovertiert, durchsetzungsfähig, ehrgeizig, manchmal charismatisch.
- Verdeckte (vulnerable) Form: Betroffene erscheinen eher introvertiert, unsicher, emotional leicht zu erschüttern, ängstlich gegenüber Kritik oder neigen zu Selbstmitleid.
Gemeinsam ist beiden, dass sich die Betroffenen für besonders halten und eine entsprechende Behandlung erwarten. Die Symptome können sich mit anderen Persönlichkeitsstörungen überschneiden, etwa der antisozialen, histrionischen oder Borderline-Persönlichkeitsstörung. Häufig tritt die Störung zusammen mit Depressionen auf.
Wie entsteht die Störung?
Bei den Ursachen liegt nach der AOK noch vieles im Unklaren. Die Forschung hat Hinweise gefunden, dass die Störung vererbt werden kann. Viele Betroffene beschreiben, von den Eltern vernachlässigt oder in unangemessenem Umfang gelobt worden zu sein; auch eine stark leistungsorientierte Erziehung und überharte Kritik werden diskutiert.
Allgemein entwickelt sich die Persönlichkeit nach „Neurologen und Psychiater im Netz“ aus dem Zusammenspiel von genetischer Ausstattung, Temperament und Erfahrungen, etwa Erziehung, Lebensereignissen und sozialer Unterstützung. Weil so viele Faktoren zusammenwirken, lässt sich die Störung nicht einfach einer Ursache oder „Schuld“ der Eltern zuschreiben.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Für die Diagnose brauchen Psychiaterinnen, Psychiater und Psychotherapeuten nach „Neurologen und Psychiater im Netz“ möglichst umfassende Informationen über die aktuelle Situation und die Lebensgeschichte ab der Kindheit. Strukturierte Interviews, Fragebögen und Checklisten helfen bei einer ersten Einschätzung; dabei dürfen parallel vorliegende Störungen nicht übersehen werden. Vor dem 14. Lebensjahr ist eine solche Diagnose nicht sinnvoll, und narzisstisches Verhalten im Jugendalter geht in der Regel zurück, wenn die Identitätsfindung abgeschlossen ist.
Die amerikanische psychiatrische Gesellschaft beschreibt im DSM-5 neun Kriterien, von denen mindestens fünf zutreffen müssen. Die AOK weist darauf hin, dass die Diagnose wissenschaftlich umstritten ist und in den Klassifikationen ICD-10 und ICD-11 nicht als eigenständige Diagnose geführt wird. Ein Online-Test kann deshalb keine Diagnose ersetzen.
Wie wird eine narzisstische Persönlichkeitsstörung behandelt?
Die erste Schwierigkeit ist nach der AOK, dass die meisten Betroffenen kein Problem sehen und nicht von selbst Hilfe suchen. Oft kommen sie über Angehörige, nach Trennungen oder wegen Folgeproblemen wie Depression, Sucht oder Suizidalität in Behandlung. Nach „Neurologen und Psychiater im Netz“ ist in der Psychotherapie eine stabile Beziehung zur Therapeutin oder zum Therapeuten extrem wichtig, mit einer Balance aus Wertschätzung und kritischer Rückmeldung.
Ziele sind ein realistischeres Selbstbild, mehr Kritikfähigkeit und mehr Einfühlungsvermögen. Hilfreich können der Blick auf das eigene Verhalten aus der Perspektive anderer, Achtsamkeit, Übungen zur Gefühlsregulation und Gruppentherapie mit Rollenspielen sein. Gekränkte Reaktionen führen allerdings häufig zum Abbruch. Begleiterkrankungen wie Depressionen werden mitbehandelt.
Wer bei sich selbst belastende Muster erkennt, kann in unserer Praxis für Psychologie in Bilbao eine erste Orientierung und psychologische Einschätzung erhalten (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Hilfe suchen und Angehörige schützen
Wer wegen eigener Muster Hilfe sucht, kann den ersten Termin mit einer kurzen Notiz vorbereiten, ohne sich selbst ein Etikett zu geben:
- Situation: Wann ist es zuletzt schwierig geworden, etwa bei Kritik im Job?
- Gefühl: Kränkung, Scham, Wut, Leere
- Folge: Streit, Rückzug, Trennung, Probleme bei der Arbeit
- Ziel: Was soll sich in Beziehungen oder im Beruf ändern?
Für Angehörige kann der Umgang nach der AOK sehr herausfordernd sein. Manipulation, Arroganz oder Kränkbarkeit sind Symptome der Störung, kein Charakterurteil; trotzdem sollten Nahestehende sich schützen, Grenzen setzen und das eigene Wohl im Blick behalten. Wenn nichts anderes hilft, kann es ratsam sein, die Beziehung zu unterbrechen oder zu beenden. In Deutschland vermittelt die NAKOS Selbsthilfegruppen.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Diagnose: „Neurologen und Psychiater im Netz“ schreibt, Persönlichkeitsstörungen ließen sich heute gut und verlässlich feststellen. Die AOK betont, die narzisstische Persönlichkeitsstörung sei wissenschaftlich umstritten, werde unterschiedlich häufig diagnostiziert und sei in ICD-10 und ICD-11 keine eigenständige Diagnose. Die ICD-11 beschreibt Persönlichkeitsstörungen insgesamt eher nach Schweregrad und Merkmalen als nach festen Typen.
Suizidrisiko: Beide nennen ein erhöhtes Risiko. Eine vom Fachportal genannte Prozentzahl wird hier nicht übernommen, weil unklar ist, auf welche Gruppe sie sich bezieht.
Therapie: Für einige Persönlichkeitsstörungen gibt es nach dem Fachportal maßgeschneiderte, gut wirksame Konzepte; die narzisstische Störung wird dabei nicht genannt.
Zusammenfassung
- Narzissmus im Alltag ist nicht gleich eine Persönlichkeitsstörung.
- Typisch sind Grandiosität, Wunsch nach Bewunderung, Kränkbarkeit und wenig Empathie.
- Hinter der Fassade steckt oft ein brüchiger Selbstwert.
- Es gibt eine offene und eine verdeckte, eher unsichere Form.
- Die Diagnose stellen Fachleute nach ausführlichen Gesprächen, kein Online-Test.
- Psychotherapie ist die wichtigste Behandlung; Angehörige dürfen Grenzen setzen.
Häufige Fragen zur narzisstischen Persönlichkeitsstörung
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie verhält sich ein narzisstischer Mensch?
Menschen mit dieser Störung halten sich oft für besonders, suchen Bewunderung, reagieren stark auf Kritik und zeigen wenig Mitgefühl. Bei der verdeckten Form wirken sie eher unsicher und gekränkt. Ein einzelnes Verhalten erlaubt keine Diagnose.
Was sind typische Sätze von Narzissten?
Es gibt keine Sätze, an denen man eine Persönlichkeitsstörung sicher erkennt. Abwertende oder manipulative Äußerungen sind verletzend, egal woher sie kommen. Ob eine Störung vorliegt, klären nur Fachleute.
Welche 5 Schwächen haben Narzissten?
Fachlich beschrieben werden eher Verletzlichkeiten als „Schwächen“: ein brüchiger Selbstwert, große Kränkbarkeit bei Kritik, Versagensängste, wenig Einfühlungsvermögen und ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Krisen.
Wie merkt man, dass jemand ein Narzisst ist?
Aus der Ferne gar nicht sicher. Hinweise sind dauerhafte Muster über viele Jahre und Lebensbereiche hinweg, die Leid oder Konflikte verursachen. Die Diagnose erfordert ausführliche Gespräche mit Fachleuten.
Kann man eine Persönlichkeitsstörung mit einem Online-Test feststellen?
Nein. Fragebögen helfen Fachleuten bei einer ersten Einschätzung, die Diagnose stützt sich aber auf Interviews, Lebensgeschichte und den Ausschluss anderer Erkrankungen.
Wie kann ich wegen eigener belastender Muster Hilfe suchen?
Über die Hausarztpraxis, eine psychotherapeutische Praxis oder psychologische Beratung. Hilfreich ist eine Notiz zu Situationen, Gefühlen, Folgen und dem eigenen Ziel. Bei Suizidgedanken sofort 112 rufen.
Quellen
- AOK · Narzisstische Persönlichkeitsstörung: Wie man sie erkennt (2025)
- Neurologen und Psychiater im Netz · Persönlichkeitsstörungen: Krankheitsbilder
- Neurologen und Psychiater im Netz · Persönlichkeitsstörungen: Diagnostik und Therapie
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
