Was haben Purine mit Gicht zu tun?
Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen. Diese Bausteine stecken in allen Zellen, also auch in Lebensmitteln, vor allem in Fleisch, Innereien und manchen Fischen. Etwa zwei Drittel der Harnsäure bildet der Körper selbst, ein Drittel stammt aus der Nahrung. Wird mehr Harnsäure gebildet, als die Nieren ausscheiden, steigt der Spiegel im Blut. Über etwa 6,8 mg/dl können sich Kristalle bilden.
Was Sie meiden oder stark einschränken sollten
- Innereien wie Leber, Niere, Bries.
- Bier, auch alkoholfreies, und Spirituosen; Wein in Maßen ist weniger problematisch.
- Zuckerhaltige Getränke und Säfte mit viel Fruchtzucker.
- Sardinen, Sardellen, Hering, Makrele, Muscheln und Meeresfrüchte in größeren Mengen.
- Große Portionen rotes Fleisch und Wurst.
- Fleischextrakte, Brühwürfel und Hefeextrakt.
Was gut geeignet ist
- Gemüse und Salat – auch purinreichere Gemüse wie Spinat, Erbsen und Pilze sind unproblematisch.
- Fettarme Milchprodukte, die die Harnsäureausscheidung fördern können.
- Vollkornprodukte, Kartoffeln, Reis, Nudeln.
- Eier und pflanzliche Eiweißquellen wie Tofu und Hülsenfrüchte in normalen Mengen.
- Obst mit wenig Fruchtzucker, zum Beispiel Beeren und Kirschen.
- Wasser, ungesüßter Tee und Kaffee in Maßen.
Ausreichend trinken
Mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag helfen den Nieren, Harnsäure auszuscheiden, und beugen Harnsäuresteinen vor. Am besten geeignet sind Wasser und ungesüßter Tee. Regelmäßiger Kaffeekonsum ist mit niedrigeren Harnsäurewerten verbunden. Alkohol, besonders Bier, erhöht dagegen die Harnsäure doppelt: durch Purine und weil er die Ausscheidung hemmt.
Unterschätzter Faktor: Fruchtzucker
Fruchtzucker (Fruktose) wird in der Leber so abgebaut, dass dabei Harnsäure entsteht. Zuckerhaltige Limonaden, Eistees und Fruchtsäfte erhöhen deshalb das Gichtrisiko. Ganze Früchte in normalen Mengen sind dagegen unproblematisch, weil sie weniger Fruchtzucker pro Portion und zusätzlich Ballaststoffe liefern.
Gewicht reduzieren – aber langsam
Übergewicht erhöht die Harnsäure. Eine langsame Gewichtsabnahme von etwa einem halben Kilo pro Woche senkt den Spiegel und die Zahl der Anfälle. Crash-Diäten und Fasten sind dagegen ungünstig: Beim schnellen Abbau von Körpergewebe steigt die Harnsäure kurzfristig an und kann einen Anfall auslösen. Unsere Ernährungsberatung hilft bei einer nachhaltigen Umstellung.
Ein gutes Ernährungsmuster
Statt einzelne Lebensmittel penibel zu zählen, hat sich ein gesundes Gesamtmuster bewährt: viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse und Milchprodukte, wenig rotes Fleisch, wenig Zucker und Alkohol – ähnlich der Mittelmeerkost oder der DASH-Ernährung gegen Bluthochdruck. Das senkt nicht nur die Harnsäure, sondern auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die bei Gicht häufiger sind.
Ernährung während eines Gichtanfalls
Während eines akuten Anfalls sollten Sie viel trinken, Alkohol ganz meiden und leichte, purinarme Kost bevorzugen. Das betroffene Gelenk wird hochgelagert und gekühlt. Entzündungshemmende Medikamente, Colchicin oder Kortison lindern den Anfall – die Ernährung allein reicht dafür nicht.
Warum Ernährung oft nicht reicht
Die Ernährung kann die Harnsäure nur um etwa 1 bis 2 mg/dl senken. Bei vielen Menschen mit Gicht ist das nicht genug. Bei häufigen Anfällen, Gichtknoten, Gelenkschäden oder Nierensteinen empfehlen Leitlinien harnsäuresenkende Medikamente wie Allopurinol mit dem Ziel, den Wert dauerhaft unter 6 mg/dl zu halten. Ernährung und Medikamente ergänzen sich.
Helfen Kirschen und Vitamin C?
In Beobachtungsstudien war der Verzehr von Kirschen mit weniger Gichtanfällen verbunden. Vitamin C kann die Harnsäure leicht senken. Beides ersetzt aber keine Behandlung und kann eine ausgewogene Ernährung nur ergänzen. Nahrungsergänzungsmittel sollten Sie mit Ihrer Ärztin besprechen.
Ein Beispieltag
- Frühstück: Haferflocken mit Joghurt und Beeren, Kaffee oder Tee.
- Mittags: Vollkornnudeln mit Gemüsesoße und etwas Parmesan, Salat.
- Snack: eine Handvoll Kirschen oder ein Apfel, Nüsse.
- Abends: Kartoffeln mit Kräuterquark und Gemüse oder ein Linsengericht.
- Getränke: über den Tag verteilt zwei Liter Wasser oder ungesüßten Tee.
Vegetarisch oder vegan bei Gicht
Eine pflanzenbetonte Ernährung ist bei Gicht gut geeignet. Pflanzliche Purine aus Hülsenfrüchten, Spinat oder Pilzen erhöhen das Gichtrisiko kaum, anders als tierische Purine. Wer vegetarisch oder vegan isst, sollte auf ausreichend Eiweiß aus Hülsenfrüchten, Tofu, Nüssen und Milchprodukten oder Alternativen achten. Fleischersatzprodukte mit Hefeextrakt sollten Sie in Maßen genießen.
Ein Tag mit purinarmer Ernährung
Ein Beispiel: Zum Frühstück Haferflocken mit Milch oder Joghurt und Beeren. Mittags Gemüsepfanne mit Kartoffeln und einem Ei. Als Snack ein Stück Obst oder Nüsse. Abends Vollkornbrot mit Käse und Rohkost. Dazu über den Tag verteilt Wasser und ungesüßten Tee. Fleisch oder Fisch gibt es zwei- bis dreimal pro Woche in kleinen Portionen.
Das Wichtigste in Kürze
- Innereien, Bier, Fruchtzucker und große Mengen Fleisch und Meeresfrüchte erhöhen die Harnsäure.
- Gemüse, Milchprodukte, Vollkorn und viel Wasser sind gut geeignet.
- Langsam abnehmen, Fasten und Crash-Diäten vermeiden.
- Bei häufigen Anfällen sind harnsäuresenkende Medikamente nötig.
Häufige Fragen zur Ernährung bei Gicht
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Darf ich bei Gicht Fleisch essen?
In moderaten Mengen ja; Innereien und große Portionen rotes Fleisch sollten Sie meiden.
Ist alkoholfreies Bier bei Gicht erlaubt?
Es enthält ebenfalls Purine und kann die Harnsäure erhöhen; besser nur gelegentlich.
Darf ich Kaffee trinken?
Ja, Kaffee in Maßen ist mit niedrigeren Harnsäurewerten verbunden.
Sind Hülsenfrüchte bei Gicht verboten?
Nein, pflanzliche Purine erhöhen das Gichtrisiko kaum.
Hilft Fasten gegen Gicht?
Nein, Fasten kann die Harnsäure kurzfristig erhöhen und einen Anfall auslösen.
Kann ich Gicht nur mit Ernährung behandeln?
Bei leichten Formen manchmal; bei häufigen Anfällen sind Medikamente nötig.
Welches Obst ist gut bei Gicht?
Beeren, Kirschen und andere Früchte in normalen Mengen; Säfte besser meiden.
Ist Spinat bei Gicht erlaubt?
Ja, pflanzliche Purine aus Gemüse erhöhen das Gichtrisiko kaum.
Hilft Kirschsaft bei Gicht?
Einige Studien deuten auf ein geringeres Anfallsrisiko hin, die Datenlage ist aber begrenzt; Saft enthält zudem Fruchtzucker.
Darf ich bei Gicht Eier essen?
Ja, Eier enthalten kaum Purine und sind eine gute Eiweißquelle.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Gicht
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Was kann ich selbst tun, um Gichtanfällen vorzubeugen?
- FitzGerald JD, et al. 2020 American College of Rheumatology Guideline for the Management of Gout. Arthritis Care Res. 2020
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
