Was sind Gallensteine?
Gallensteine sind Ablagerungen aus verdickter Gallenflüssigkeit. Die Leber bildet täglich bis zu einem Liter Galle, die für die Aufnahme von Fetten im Darm wichtig ist. Ein Teil fließt nach dem Essen direkt in den Dünndarm, der Rest wird zwischen den Mahlzeiten in der Gallenblase gespeichert und eingedickt. Die Gallenblase ist ein kleines, birnenförmiges Organ auf der rechten Bauchseite unterhalb der Leber.
Schätzungen zufolge haben zwischen 5 und 25 Prozent der Bevölkerung Gallensteine. Menschen über 40 Jahre sind häufiger betroffen, Frauen häufiger als Männer. Die meisten haben keinerlei Beschwerden. Trotzdem zählen Eingriffe an der Gallenblase zu den häufigsten Operationen in Deutschland: Etwa 175.000 Menschen werden pro Jahr operiert.
Was unterscheidet Gallenblasensteine von Gallengangssteinen?
Meist entstehen Gallensteine in der Gallenblase; Fachleute sprechen dann von Cholezystolithiasis. Steine in den Gallenwegen heißen Choledocholithiasis. Die meisten Gallengangssteine haben sich in der Gallenblase gebildet und sind erst danach in den Hauptgallengang gewandert.
Die Unterscheidung ist wichtig, weil sich Beschwerden, Untersuchung und mögliche Komplikationen unterscheiden. Gallengangssteine können den Abfluss der Galle blockieren und eine Gelbsucht auslösen. Sie sind im normalen Ultraschall außerdem schwerer zu erkennen als Steine in der Gallenblase.
Welche Symptome hat man bei Gallensteinen?
Ob Beschwerden auftreten, hängt davon ab, wo die Steine liegen, wie groß sie sind und ob sie Komplikationen verursachen. Spürbare Beschwerden bekommen laut Studien etwa 2 bis 4 von 100 Menschen mit Gallensteinen innerhalb eines Jahres. Das typische Zeichen ist eine Gallenkolik:
- sehr unangenehme, krampfartige Schmerzen im Oberbauch
- Schmerzen, die in Wellen kommen
- Ausstrahlung in den Rücken und die rechte Schulter
- Abklingen meist nach spätestens einer Stunde und vollständiges Verschwinden einige Stunden später
Die Kolik entsteht, wenn sich die Gallenblase zusammenzieht, ihr Ausgang aber durch einen Stein blockiert ist, oder wenn ein Stein die Mündung des Gallengangs in den Zwölffingerdarm verlegt. Daneben berichten Betroffene über Völlegefühl, Blähungen, Sodbrennen, Übelkeit oder Erbrechen. Diese Beschwerden sind allerdings unspezifisch; mehr dazu in den Ratgebern Blähbauch und Sodbrennen.
Woran erkennt man Steine im Gallengang?
Gallengangssteine können ebenfalls krampfartige Oberbauchschmerzen auslösen. Bleibt der Abfluss der Galle längere Zeit blockiert, kann eine Gelbsucht (Ikterus) entstehen. Der in der Leber gebildete Gallenfarbstoff Bilirubin kann dann nicht mehr mit der Galle abfließen und gelangt vermehrt ins Blut. Erkennbar ist das an:
- einer Gelbfärbung der Haut
- gelblichem Augenweiß
- dunklem Urin
- hellem Stuhl
Solche Zeichen gehören rasch in ärztliche Hände. Eine feste Wartezeit, nach der man erst handeln sollte, gibt es bei Gelbfärbung, Fieber oder anhaltenden Schmerzen nicht.
Was sind Auslöser für Gallensteine?
Galle besteht aus Wasser und verschiedenen Stoffen, die teilweise nicht wasserlöslich sind. Verklumpen diese Stoffe, entstehen Steine. Die meisten bestehen vorwiegend aus Cholesterin; seltener sind Pigmentsteine aus Kalzium und Bilirubin. Das Risiko erhöhen nach den Quellen unter anderem:
- ein Alter ab 40 Jahren und Gallensteine bei mehreren Angehörigen
- die Verhütungspille oder Östrogentabletten in den Wechseljahren
- eine Funktionsstörung der Gallenblase, die sich nicht richtig zusammenzieht
- ein Kurzdarm-Syndrom nach Entfernung eines großen Teils des Dünndarms
- eine Leberzirrhose
- starker Gewichtsverlust in kurzer Zeit, etwa nach einer Magenverkleinerung
- Erkrankungen mit erhöhtem Abbau roter Blutkörperchen (Hämolyse)
- bestimmte Medikamente gegen Diabetes sowie spezielle kalorienreiche Sonden- und Trinknahrung
Wie werden Gallensteine festgestellt?
Manchmal werden Gallensteine zufällig bei einem Ultraschall entdeckt. Bei typischen Beschwerden wird gezielt untersucht. Wichtig ist, der Ärztin oder dem Arzt alle Beschwerden genau zu beschreiben. Auf das Gespräch folgen eine körperliche Untersuchung und ein Ultraschall des Bauchraums; das reicht für Gallenblasensteine meist aus. Weitere Untersuchungen können nötig sein, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Bei Verdacht auf Gallengangssteine kann sich eine Endosonografie anschließen: Ein Endoskop mit Ultraschallsonde wird in Kurznarkose über Speiseröhre und Magen bis zum Zwölffingerdarm vorgeschoben. Seltener wird eine endoskopisch-retrograde Cholangiografie (ERC) gemacht, meist erst dann, wenn man sich sehr sicher ist, dass Steine im Gang liegen; dabei können sie direkt entfernt werden. Eine Alternative ist die Magnetresonanz-Cholangiografie (MRC) im Kernspintomografen. Die ERC ist also keine Routineuntersuchung für alle.
Wie bekommt man Gallensteine wieder los?
Verursachen Gallensteine keine Probleme, müssen sie in der Regel nicht behandelt werden, denn jede Behandlung kann Nebenwirkungen haben und Operationen sind mit Risiken verbunden. Eine Ausnahme kann bestehen bei sehr großen Gallenblasensteinen oder einer bestimmten Form der sehr seltenen Porzellangallenblase mit verkalkter Wand, weil dann das Risiko für Gallenblasenkrebs erhöht ist. Das entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Gegen Koliken stehen Schmerzmittel und krampflösende Medikamente zur Verfügung; auch Völlegefühl oder Übelkeit lassen sich behandeln. Medikamente, die Steine auflösen, werden selten eingesetzt, weil sie nur begrenzt und nur bei kleinen Cholesterinsteinen wirken. Dauerhaft vorbeugen lassen sich Koliken und Komplikationen nur, indem die Gallenblase oder die Steine aus dem Gallengang entfernt werden. Ob und wann das sinnvoll ist, hängt von der Stärke der Beschwerden, dem Komplikationsrisiko und Begleiterkrankungen ab. Wird eine Gallenblasen-OP empfohlen, besteht ein Recht auf eine kostenlose ärztliche Zweitmeinung.
Was sollte man bei Gallensteinen nicht machen?
Wichtig ist vor allem, Warnzeichen nicht auszusitzen und keine Versprechen zu glauben, Steine ließen sich mit Kuren oder Spülungen ausleiten. Eine Ernährungsumstellung löst vorhandene Steine nicht auf. Ob bestimmte Verhaltensweisen Gallensteinen vorbeugen, ist nicht gut untersucht; manches spricht dafür, dass regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und das Vermeiden starken Übergewichts das Risiko senken. Da schneller starker Gewichtsverlust selbst ein Risikofaktor ist, sind Crashdiäten keine gute Idee.
Bei wiederkehrenden Beschwerden hilft eine Dokumentationskarte für das Arztgespräch:
- Datum, Uhrzeit und Auslöser, etwa eine Mahlzeit
- Dauer der Schmerzen und wohin sie ausstrahlen
- Fieber, Gelbfärbung, dunkler Urin oder heller Stuhl
- Übelkeit, Erbrechen, Blähungen
- vorhandener Ultraschallbefund und alle Medikamente
In unserer Praxis in Bilbao bieten wir eine allgemeine Erstberatung für Erwachsene an. Ergänzend begleitet unsere Ernährungsberatung individuelle Ernährungsfragen nach ärztlicher Diagnose; Steine auflösen kann sie nicht (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Wo sich die Quellen unterscheiden
Die beiden Quellen beruhen auf derselben Grundlage: gesund.bund.de hat den Text in Zusammenarbeit mit dem IQWiG erstellt. Es handelt sich also nicht um zwei unabhängige Einschätzungen. Unterschiede gibt es vor allem in Details. gesund.bund.de nennt bei der Schmerzbehandlung entzündungshemmende Schmerzmittel als wirksamer als krampflösende Mittel und zählt kalorienreiche Sonden- und Trinknahrung zu den Risikofaktoren.
Das IQWiG nennt bestimmte Diabetes-Medikamente als Risikofaktor, verweist auf das Recht auf eine Zweitmeinung vor einer Gallenblasen-OP und hält fest, dass etwa die Hälfte der Menschen mit Beschwerden nur einmalig oder vorübergehend Koliken hat und kleine Steine manchmal von selbst abgehen. Einig sind sich beide, dass beschwerdefreie Steine meist nicht behandelt werden müssen.
Zusammenfassung
- Gallensteine entstehen aus verdickter Galle, meist in der Gallenblase.
- Viele Betroffene haben keine Beschwerden und brauchen keine Behandlung.
- Typisch ist eine krampfartige Oberbauchkolik, die in Wellen kommt.
- Gelbsucht, Fieber oder anhaltende Schmerzen gehören rasch ärztlich abgeklärt.
- Der Ultraschall reicht für Gallenblasensteine meist zur Diagnose.
- Dauerhaft helfen nur Eingriffe; Ernährung löst Steine nicht auf.
Häufige Fragen zu Gallensteinen
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Welche Symptome hat man bei Gallensteinen?
Oft keine. Typisch sind krampfartige Oberbauchschmerzen in Wellen, die in Rücken und rechte Schulter ausstrahlen können. Möglich sind auch Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit oder Erbrechen.
Wie bekommt man Gallensteine wieder los?
Dauerhaft nur durch Entfernung der Gallenblase oder der Steine aus dem Gallengang. Medikamente zum Auflösen wirken nur begrenzt bei kleinen Cholesterinsteinen und werden selten eingesetzt. Kleine Steine gehen manchmal von selbst ab.
Was sollte man bei Gallensteinen nicht machen?
Warnzeichen wie Gelbsucht, Fieber oder anhaltende Schmerzen nicht abwarten und nicht auf Kuren oder Spülungen setzen, die Steine angeblich ausleiten. Auch Crashdiäten sind ungünstig, weil schneller starker Gewichtsverlust das Risiko erhöht.
Was sind Auslöser für Gallensteine?
Steine entstehen, wenn Bestandteile der Galle verklumpen. Das Risiko steigt ab 40 Jahren, bei familiärer Veranlagung, durch Östrogenpräparate, starken schnellen Gewichtsverlust, Leberzirrhose und einige andere Erkrankungen.
Müssen beschwerdefreie Gallensteine behandelt werden?
In der Regel nicht. Ausnahmen können sehr große Steine oder eine bestimmte Form der Porzellangallenblase sein, weil dann das Krebsrisiko erhöht ist. Das wird ärztlich entschieden.
Was unterscheidet Gallenblasensteine von Gallengangssteinen?
Gallenblasensteine liegen in der Gallenblase, Gallengangssteine in den Gallenwegen. Letztere können den Abfluss der Galle blockieren und eine Gelbsucht auslösen und sind im Ultraschall schwerer zu erkennen.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Gallensteine (IQWiG)
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Gallensteine: Ursachen und Behandlung
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
